Tomato leaf stomate 1.jpg Durch die Stomata (griech. stoma, Mund) oder Spaltöffnungen erfolgt der Gasaustausch einer Pflanze. Die Stomata werden normalerweise von zwei bohnenförmigen Zellen, den Schließzellen, gebildet, die eine Öffnung, den Spalt, umschließen. Zählt man die Zellen, die um die Schließzellen herum liegen, noch hinzu, spricht man vom Spaltöffnungsapparat (stomatären Komplex). Die Poren selber sind streng genommen die eigentlichen Spaltöffnungen.
Schließzellen befinden sich in der Regel in der unteren Epidermis von Pflanzenblättern, bei Gräsern auf beiden Blattseiten, und bei Schwimmblattpflanzen nur an der Oberseite.
Die Transpiration allein über die Fläche der Stomata, die nur 1-2% der gesamten Blattoberfläche ausmachen, beträgt bis zu 2/3 der Evaporation, also der widerstandslosen Verdunstung, einer gleichgroßen Wasserfläche. Untersuchungen haben gezeigt, dass viele kleine Öffnungen bei gleicher Oberfläche mehr Wasser verdunsten. Der Grund ist der so genannte „Randeffekt“: Moleküle am Rand eines Stomas können auch zur Seite diffundieren, während die in der Mitte sich gegenseitig behindern.
Der Anteil der kutikulären Transpiration ist sehr gering, bei Hygrophyten (Pflanzen in feuchten Gebieten) mit zarten Blättern weniger als 10% der Evaporation einer freien Wasserfläche, bei Bäumen weniger als 0,5% und bei Kakteen sogar nur 0,05%.
Der Spaltöffnungsapparat besteht aus zwei Schließzellen, in der Regel bohnenförmige Zellen, die an beiden Enden aneinander haften. Zwischen ihnen ist ein Interzellularspalt, der Porus, der die Verbindung zwischen Außenluft und Atemhöhle darstellt.
Bei manchen Pflanzen sind die beiden Schließzellen von spezialisierten epidermalen Zellen, den Nebenzellen (in den Abbildungen hellblau), umgeben, die an Öffnung und Verschluss der Spaltöffnung indirekt beteiligt sind. In den Nebenzellen lassen sich oft Leukoplasten erkennen.
Die Schließzellen enthalten Chloroplasten, können also Photosynthese durchführen. In den Nebenzellen sind oft Leukoplasten erkennbar. Die Öffnungsweite des Porus ist variabel, bei Sonnenlicht und genügender Wasserzufuhr sind sie in der Regel weit geöffnet, bei Nacht oder bei Wassermangel geschlossen. Es gibt verschiedene Öffnungsweiten.
| SclzTypIris.png (Amaryllidaceen-Typ)]] | SclzTypCrassula1.png (Crassulaceen-Typ)]] | SclzTypGram.png (Gramineen-Typ)]] |
| Ranunculaceen-Typ | SclzTypRuba1.png (Rubiaceen-Typ)]] | SclzTypBrassica.png-Typ (=Cruciferen-Typ) (Die Zahlen geben die Reihenfolge an, in der Nebenzellen entstanden sind.)]] |
| Cariophyllaceen-Typ | Rhoeo spathacea Tradescantia-Typ |
Abkürzungen: E = Epidermiszelle M = epidermale Meristemoide SzMz = Schließzellen-Mutterzelle
Zuordnungskriterien sind Zahl und Anordnung der Nebenzellen:
| Typ | |
|---|---|
| Brassicaceen-Typ | anisocytisch (gr. an = nicht, isos = gleich) |
| Ranunculaceen-Typ | anomocytisch: ohne Nebenzellen |
| cyclocytisch: (gr. kyklos = Kreis) | |
| Caryophyllazeen | diacytisch (gr. diá = zwischen) 2 Nebenzellen um 90° versetzt zu den Schließzellen |
| Rubiaceen-Typ | paracytisch (gr. pará = neben) 2 Nebenzellen parallel zu den Schließzellen |
| tetracytisch (gr. tetra = vier) |
Die Zellen des Spaltöffnungsapparates können auf zwei verschieden Arten entstehen:
Als Letztes entstehen aus der Schließzellen-Mutterzelle die beiden Schließzellen durch Einziehen von zwei Zellw��nden in der Mitte (äquale Teilung, d.h. zwei gleich große Tochterzellen entstehen), die durch Auflösen der Mittellamelle voneinander getrennt werden und damit die Spaltöffnung bilden.
Die Öffnungsweite der Spaltöffnungen wird durch Lichtstärke und Lichtqualität, die CO2-Konzentration sowie durch die Phytohormone Auxin und Abszisinsäure gesteuert.
Soll die Spaltöffnung erweitert werden, wird das Membranpotential negativer und Kalium-Ionen strömen ins Innere der Schließzellen. Als Ladungsausgleich strömen auch Chlorid-Ionen nach innen und Malationen werden synthetisiert. Auf Grund der erhöhten Ionenkonzentration strömt nun Wasser über Poren, die von Aquaporinen gebildet werden, zunächst ins Cytosol und dann in die Vakuole (Osmose) ein.
SchließzellenMembrPot.png Im Dunkeln weist die Schließzelle ein negatives Membranpotential auf von –55 mV auf. Bei einem Lichtreiz verstärkte sich diese negative Spannung auf –110 mV (Hyperpolarisation). Diese Hyperpolarisation erfolgt durch eine lichtgesteuerte ATPase, die Protonen unter ATP-Verbrauch von innen nach außen pumpt. Das dazu notwendige ATP könnte aus der Photosynthese der Schließzellen stammen, die in der Regel als einzige Epidermiszellen Chloroplasten aufweisen.
Die Hyperpolarisation ist notwendig, da im Cytosol die K+-Konzentration höher (ca.100mM) als im Apoplasten (ca. 1mM), der Quelle der Kalium-Ionen, ist. Die Kaliumkanäle öffnen sich ab -100 mV, und die Kaliumionen können gegen ihr Konzentrationsgefälle, aber mit dem Potentialgefälle von außen nach innen diffundieren.
Auslöser für das Öffnen dieser Kaliumkanäle ist eine erhöhte Protonenkonzentration (als eine pH-Erniedrigung) im Apoplasten. Die Protonen lösen aber nicht nur die Öffnung aus, sondern erleichtern sie auch, im dem sie das Schwellenpotential zur Öffnung zu positiveren Werten verschieben.
Im Dunkeln stellt die ATPase ihre Tätigkeit ein, das Membranpotential steigt wieder auf –55 mV und die Kaliumionen strömen wieder entsprechend ihrem Konzentrationsgefälle nach außen. Gleichzeitig wandern auch die Chloridionen nach außen, Wasser strömt jetzt wieder nach außen, der Turgordruck sinkt und die Spaltöffnung schließt sich.
Bei KST1 (Kalium-Kanal von Solanum tuberosum) liegt ein Einwärtsgleichrichter mit pH-Sensor vor. Bei dem entsprechenden Kanal von Arabidopsis werden höhere Protonenkonzentration im Apoplasten zum Öffnen des Kanals benötigt.
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"Stoma (Botanik)".
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