Der Ausdruck Stimmung oder gestimmt wird in der Musik in mehreren verschiedenen Bedeutungen benutzt. In Sätzen wie beispielsweise
ist jedesmal eine andere Bedeutung gemeint. Der dritte Beispielsatz hat sogar zwei verschiedene mögliche Bedeutungen.
Jeder Ton hat in jeder Tonleiter eine andere Funktion, z. B. kann das E der Grundton der E-Dur-Tonleiter, der zweite Ton der D-Dur- oder d-Moll-Tonleiter oder der fünfte Ton, die Quinte, der A-Dur- oder a-moll-Tonleiter sein. Für jede der möglichen Funktionen ergeben sich unterschiedliche ideale Frequenzverhältnisse der Töne zueinander, die aber untereinander in Einklang gebracht werden müssen, um auf dem Instrument in mehreren gewünschten Tonarten spielen zu können. Dieses bedeutet, Kompromisse einzugehen: Je reiner man eine bestimmte Tonart stimmt, umso unreiner sind - bei der üblichen Beschränkung auf zwölf Tonstufen pro Oktave - andere Tonarten.
Besonders wichtig wird dieses Problem bei der Mehrstimmigkeit, wenn verschiedene Töne zusammenklingen sollen, obendrein auf demselben Instrument.
Die Stimmungen machen nur Aussagen über die Frequenzverhältnisse der einzelnen Töne zueinander. Es wird keine Aussage über die absolute Tonhöhe bzw. die Frequenz selbst gemacht. Die absolute Tonhöhe wird durch die Angabe der Frequenz des Anfangstons oder des Tons a’ festgelegt (siehe oben).
Die Wahl der Stimmung ist davon abhängig, welche Musik gespielt werden soll. Die heute überwiegend verwendete Gleichstufige Stimmung ist für Musik nach 1800 geeignet. Frühere Musik oder außereuropäische Musik (Weltmusik) lebt sehr stark von der Intonationsreinheit oder verschiedenartigen Tonartcharaktern. Diese Forderungen können durch die Gleichstufige Stimmung nicht bedient werden. Im Rahmen der Historischen Aufführungspraxis Alter Musik werden daher ältere Stimmungssysteme wieder verstärkt erforscht, um adäquate Wiedergaben zu ermöglichen.
Er untersuchte auf dem Monochord die Intervalle zwischen Saitenteilen mit ganzzahligen Längenverhältnissen (z. B. klingt eine Saite, wenn sie in der Hälfte geteilt wird, eine Oktave höher als in ihrer vollen Länge; das zugehörige Zahlenverhältnis ist also 1:2). Er beschrieb so erstmals die natürlichen Intervalle, die aus der Obertonreihe bekannt sind. Pythagoras führte eine siebentönige Skala auf der Grundlage der reinen Quinte (mit dem nach der Oktave einfachsten Zahlenverhältnis 2:3) ein. Die Töne werden dabei von einem Anfangston ausgehend durch Quintschritte ermittelt und in eine gemeinsame Oktave transponiert. Das Ergebnis ist die Pythagoreische Stimmung.
Etwa 100 Jahre nach Pythagoras führte Didymos die „Naturterz“ (4:5) in die Tonleiter ein und es entstand die Reine Stimmung.
Die neue Orientierung an der Terz und der Bedarf einer chromatischen Tonleiter führte zu Problemen mit der quintbasierten pythagoreischen oder auch der reinen Stimmung:
Man wählte, dem neuen Klangideal entsprechend, die reine große Terz (mit dem nach Quinte und Quarte nächsteinfacheren Zahlenverhältnis 4:5) als neues Stammintervall und entwickelte die sogenannte mitteltönige Stimmung. Dabei führte man, um dem syntonischen Komma aus dem Weg zu gehen, leicht verkleinerte Quinten ein, von denen vier aufeinander geschichtet eine reine große Terz bilden.
Durch die Folge von elf mitteltönigen Quinten
So erhielt man acht große Terzen wie gewünscht rein. (z. B. C — E durch vier mitteltönige Quinten C — G — D — A — E); vier Terzen mussten unrein bleiben (z. B. H-Dis, da Dis als Es eingestimmt ist und Dis deshalb nicht vier mitteltönige Quinten über H liegt, sondern acht mitteltönige Quinten unter H; vgl. obige Quintfolge).
Die Lösung aller Probleme war aber auch die mitteltönige Stimmung nicht.
Dennoch setzte sich die mitteltönige Stimmung durch. Modulatorische Entwicklung, wie sie später üblich wurde, war in der Renaissance wenig gebräuchlich. Man kam deshalb zunächst mit dem gut klingenden Tonartenbereich aus. Um auch weitere Tonarten in der mitteltönigen Stimmung spielbar zu machen, wurden Tasteninstrumente mit z. B. 31 Tönen in der Oktave gebaut, die sich aber nicht durchsetzen konnten.
Allerdings gab es keine Temperatur, die sich universell durchsetzte wie vormals die mitteltönige Stimmung (die mit den neuen Temperaturansätzen übrigens nicht einfach verschwand). Am Beispiel Werckmeisters kann man sehen, dass zunächst auch nicht unbedingt angestrebt wurde, eine einheitliche Stimmung zu etablieren. Er beschreibt in seinem wichtigsten Werk „Musicalische Temperatur“ verschiedene Temperaturen, die je nach Bedürfnis mehr oder weniger geeignet sein können.
Grundsätzlich kann man (bei Werckmeister und anderen) zwei Ansätze unterscheiden:
Da die Möglichkeiten der Wurzelrechnung zu dieser Zeit noch beschränkt waren, konnte man den gleichstufigen Halbton mit dem Verhältnis noch nicht berechnen. Dennoch konnte man ein gleichstufiges Griffbrett bauen, da man geometrische Methoden zur nähungsweisen Konstruktion einfacher Wurzelverhältnisse zur Hand hatte. Der venezianische Musiker und Musiktheoretiker Gioseffo Zarlino beschreibt schon 1558 eine solche Methode.
Der Lautenist Vincenzo Galilei, Vater des Galileo Galilei, gab die einfachen ganzzahligen Verhältnissen dennoch nicht auf. Er verkürzte die Saite pro Bund auf 17/18 der Länge. In der Theorie kommt er dabei mit dem zwölften Halbton zwar nicht ganz bei der Oktave an, in der Praxis ist das Ergebnis aber recht brauchbar, da der Ton durch die Dicke des Bundes und durch den Fingerdruck noch ein wenig erhöht wird. Die Saitenlänge kann auch nach der Konstruktion des Griffbretts durch die Umpositionierung des Stegs noch minimal korrigiert werden, so dass das Ergebnis noch besser wird.
Mathematiker und Musiktheoretiker versuchten sich in den folgenden knapp 200 Jahren daran, mit unterschiedlichen Methoden genauere Zahlenwerte für die gleichstufige Temperatur zu ermitteln. Im 19. Jahrhundert setzte sich die gleichstufige Temperatur schließlich allgemein durch.
Heute gibt es wieder Diskussionen darüber, wie beispielsweise Orgeln gestimmt werden sollten. Viele historische Kompositionen gehen von unterschiedlichen Klangeigenschaften verschiedener Tonarten und Akkorde aus, die auf gleichstufig gestimmten Instrumenten nicht reproduzierbar sind. Dieses ist insbesondere für die historische Aufführungspraxis von Bedeutung.
| Name | Prime | große Sekunde | große Terz | Quarte | Quinte | große Sexte | große Septime | Oktave | - | Reine Stimmung | 0 | 204 | 386 | 498 | 702 | 884 | 1088 | 1200 | - | Pythagoreische Stimmung | 0 | 204 | 408 | 498 | 702 | 906 | 1110 | 1200 | - | 1/4-Komma-mitteltönige Stimmung | 0 | 193 | 386 | 503 | 697 | 890 | 1083 | 1200 | - | Gleichstufige Stimmung | 0 | 200 | 400 | 500 | 700 | 900 | 1100 | 1200 |
Die meisten Instrumente lassen sich innerhalb gewisser baulich vorgegebener Grenzen stimmen, aber es gibt auch Instrumente, die aufgrund ihrer Bauweise nicht oder nur sehr aufwändig stimmbar sind. Hierzu zählen vor allem Instrumente aus dem Bereich Percussion und der Idiophone, aber auch Glockenspiele.
Beim Stimmen von Instrumenten kann man drei Arten unterscheiden:
Der manuelle Vorgang des Stimmens ist von Instrument zu Instrument verschieden. Bei Blasinstrumenten erfolgt dieses meistens durch Veränderung der Rohrlänge, bei Streichern durch die Veränderung der Saitenspannung. Bei Tasteninstrumenten muss meistens jeder einzelne Ton gestimmt werden. Die Stimmung eines Ensembles erfolgt meistens nach dem unflexibelsten Instrument. Das sind meistens die Tasteninstrumente, im Orchester die Holzblasinstrumente (meistens die Oboe). Steht kein Referenzinstrument zur Verfügung, kann eine Stimmgabel, eine Stimmpfeife, oder ein elektronisches Stimmgerät als Hilfe genutzt werden.
Durch die Häufigkeit des Stimmvorganges haben viele routinierte Instrumentalisten eine Art absolutes Gehör für ihre Stimmtöne (Grundtöne bei Bläsern, Leersaiten bei Streichern) entwickelt.
Elektronische Musikinstrumente müssen teilweise nicht gestimmt werden. Bei qualitativ minderwertigen elektrischen Orgeln ist eine exakte Stimmung sogar von Nachteil. Da bei ihnen Töne aus einer einzigen hohen Grundfrequenz durch Frequenzteilung erzeugt werden, entstehen durch einfache ganzrationale Teilungen der Frequenz Phasengänge, die zu Interferenzverzerrungen führen können. Um das zu verhindern, werden leichte Stimmungsfehler eingebaut. Im übrigen lässt sich das Frequenzverhältnis der gleichstufigen Stimmung nicht durch einen ganzrationalen Frequenzteiler realisieren.
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