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Das Frauenstift Herford war ein kleines Territorium des Heiligen Römischen Reiches. Es umfasste einen Teil des Stadtgebietes Herfords und bestand von etwa 800 bis 1803. Seine Äbtissinnen waren Reichsfürstinnen und saßen im Reichstag im Rheinischen Reichsprälatenkollegium. Das Gebiet gehörte zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis.

Das Stift war der älteste Frauenkonvent im Herzogtum Sachsen. Es wurde 789 zunächst in Müdehorst (heute bei Bielefeld) von einem Adligen namens Waltger gegründet, dann um 800 auf den Grund seines Hofes "Herivurth" an der Kreuzung wichtiger Straßen und Furten über Aa und Werre verlegt. Später wird es "Oldenhervorde" genannt, 832 geweiht und 932 als "curtis imperatoria Herivurde" bezeichnet.

Noch unter Kaiser Ludwig dem Frommen († 840) wurde das Stift Herford zur Reichsabtei erhoben. In Kirchenangelegenheiten war es direkt dem Papst unterstellt und wurde mit einem Drittel der eigentlich für Corvey vorgesehenen Güter ausgestattet. In den Jahren 919 bis 924 wurde Herford durch die Ungarn zerstört, aber bereits 927 wieder aufgebaut.

In der Nachbarschaft des Stiftes entwickelte sich die Siedlung Herford, die seit 1170/1180 Stadtrecht besaß und später ebenfalls reichsunmittelbar wurde.

1147 erhielt das Stift Herford mit zu dieser Zeit 39 Oberhöfen und rund 800 zinspflichtigen Unterhöfen die Reichsunmittelbarkeit. Als Vögte handelten anfangs wohl die Billunger, nach deren Aussterben Heinrich der Löwe, der die Grafen von Schwalenberg als Untervögte einsetzten, die wiederum diese Aufgabe ab 1180 für das Erzbistum Köln wahrnahmen. Bereits 1261 scheint das Amt auf die Grafen von Sternberg und 1382 auf die Grafen von Jülich-Berg übergegangen zu sein.

Was sich bis Ende des 15.Jh. unter dem Krummstab der Äbtissin in "Sancta Herfordia" (das Heilige Herford) ansammelte ist erstaunlich. Es lassen sich ca. 37 Kirchen, Kapellen, Stifte, Klöster, Hospitäler und kirchliche Häuser (als selbständige Gebäude) nachweisen. Damit war das geistliche Leben eher mit Köln als mit anderen Städten dieser Zeit zu vergleichen.

1533, im Zuge der Reformation, wurde das Stift Herford evangelisch-reformiert. 1802 wurde es von Preußen aufgehoben und am 25. Februar 1803 der (zu Preußen gehörenden) Grafschaft Ravensberg zugeschlagen. 1804 wurde das Stift in ein Kollegiat für Männer umgewandelt und 1810 endgültig aufgelöst.

Äbtissinnen


  • Theodrada, Tetta (838 – nach 840)
  • Adila (vor 844 - nach 853)
  • Hedwig (vor 858 - nach 888)
  • Mathilde I. (vor 908 – nach 911) (Immedinger)
  • Imma (vor 973 – nach 995) (Billunger)
  • Godesta von Sachsen (vor 1002 – nach 1040) (Billunger)
  • Schwanhild (vor 1051 – 1076)
  • Gertrud I. (vor 1138 – nach 1139)
  • Jutta Gräfin von Arnsberg (vor 1146 – nach 1162)
  • Ludgard I. (vor 1163 – nach 1170)
  • Eilika (um 1212)
  • Gertrud II. zur Lippe (vor 1217 – nach 1233)
  • Ida (vor 1238 – nach 1264)
  • Pinnosa (vor 1265 – nach 1276)
  • Mathilde II. (vor 1278 – nach 1288)
  • Irmgard Gräfin von Wittgenstein (vor 1290 – 1323)
  • Ludgard II. von Bickenem (13241360)
  • Elisabeth I. von dem Berge (13601374)
  • Hildgund von Otgenbach (13741409)
  • Mathilde III. Gräfin von Waldeck (14091442)
  • Margaretha I. von Gleichen (14421484)
  • Anna I. von Hunolstein (14841494)
  • Bonizet (Bonitas) Gräfin von Limburg-Styrum (14941520)
  • Anna II. Gräfin vom Limburg (15201565)
  • Margarethe II. Gräfin zur Lippe (15651578)
  • Felicitas I. Gräfin von Eberstein (15781586)
  • Magdalena I. Gräfin zur Lippe (15861604)
  • Felicitas II. Gräfin von Eberstein (16041621)
  • Magdalena II. Gräfin zur Lippe (16211640)
  • Sidonia Gräfin von Oldenburg (16401649)
  • Elisabeth II. Louise Pfalzgräfin von Zweibrücken (16491667)
  • Elisabeth III. Pfalzgräfin (16671680)
  • Elisabeth IV. Albertine Fürstin von Anhalt-Dessau (16801686)
  • Elisabeth V. Landgräfin von Hessen-Kassel (16861688)
  • Charlotte Sophia Herzogin von Kurland (16881728)
  • Johanna Charlotte Fürstin von Anhalt-Dessau (17291750)
  • Sophia Herzogin von Holstein-Gottorp (17501764)
  • Friederike Charlotte Leopoldine Louise Prinzessin von Preussen(17641802, † 1808)

Literatur


  • R. Pape: Über die Anfänge Herfords, Dissertation, 1955
  • A. Cohausz: Ein Jahrtausend geistliches Damenstift Herford, Herforder Jahrbuch I, 1960
  • Herforder Geschichtsquellen, 1968
  • R. Pape: Waltger und die Gründung Herfords, 1988
  • R. Pape: Herford zur Kaiserzeit, 1989
  • R. Pape: Sancta Herfordia, Geschichte Herfords von den Anfängen bis zur Gegenwart, 1989
  • T. Helmert-Corvey (Hg.): 1200 Jahre Herford, 1989

Kloster in Nordrhein-Westfalen | Kloster (9. Jhdt.) | Kreis Herford | Reichsabtei

 

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