| Wissenschaftlicher Name
|
| Quercus robur
|
| L.
|
Die
Stieleiche (
Quercus robur) (Syn.:
Quercus pendunculata), auch
Sommereiche oder
Deutsche Eiche genannt ist eine
Laubbaum-
Art aus der
Gattung der
Eichen (
Quercus) in der der
Buchengewächse (Fagaceae).
Verbreitung
Die Stieleiche ist die in Mitteleuropa am weitesten verbreitete Eichen-Art. Sie kommt im
Kaukasus und in fast ganz
Europa vor. Sie fehlt nur im Süden der
Iberischen Halbinsel, auf
Sizilien, im Süden
Griechenlands, im nördlichen
Skandinavien und in
Nordrussland. Gegenüber der
Traubeneiche reicht ihr Verbreitungsgebiet weitaus weiter in den Osten mit kontinentalem Klima. Die Stieleiche steigt in den
Bayerischen Alpen bis auf 1000 Meter
NN.
Am besten entwickelt sich die Stieleiche auf nährstoffreichen, tiefgründigen Lehm- und Tonböden. Sie kann auf Grund ihrer großen Wurzelenergie aber auch wechselfeuchte bis nasse Pseudogley- und Gleyböden besiedeln. Die lichtbedürftige Stieleiche wird in Mitteleuropa auf normalen Standorten von der schattentoleranten, konkurrenzstarken Rotbuche verdrängt. Sie ist deswegen nur auf Sonderstandorten bestandsbildend: in den periodisch überfluteten Hartholzauwäldern der großen Ströme, auf strengen Tonböden in Eichen-Hainbuchenwäldern und auf nährstoffarmen, trockenen Sandböden in Eichen-Birkenwäldern und Eichen-Kiefernwäldern. Im Osten des Verbreitungsgebietes kommt die Rotbuche auf Grund der Spätfrostgefahr nicht vor, so daß Stieleichen zusammen mit Hainbuche, Waldkiefer und Sandbirke die natürliche Waldgesellschaft bilden.
Viele Eichenwälder in Mitteleuropa sind anthropogenen Ursprungs. Es sind durchgewachsene Mittelwälder, da die Stieleiche das periodische auf den Stock setzen besser verträgt als die Rotbuche. Auch wurden die Eichen wegen ihres wertvollen Holzes und ihrer als Viehfutter nützlichen Früchte schon immer gezielt gefördert.
Beschreibung
Holz_der_Stieleiche.JPG
Die Stieleiche ist ein 30 bis 40 (maximal 50) Meter hoher
Baum und erreicht Durchmesser bis drei Meter. Ihr Höchstalter liegt bei 500 bis 800 Jahren. Ihre Rinde ist in der Jugend glatt und schwach grau-grün glänzend, später wird eine dicke, tief längsrissige, graubraune Borke gebildet. Die Knospen sind stumpf eiförmig und sitzen an den Triebenden gehäuft. Die wechselständigen, ledrigen Blätter sind nur kurz gestielt und werden 10 bis 15 Zentimeter lang. Sie sind oberseits tiefgrün glänzend, auf der Unterseite heller und in fünf bis sechs Buchten gelappt. Die Stieleiche ist
einhäusig getrennt geschlechtig. Sie blüht von April bis Mai, die Eicheln reifen von September bis Oktober. Die Eicheln sitzen zu dritt bis fünft an 1,5 bis 4 Zentimeter langen Stielen (daher der Name Stieleiche!). Sie werden bis 3,5 Zentimeter lang. Die Eicheln dienen verschiedenen Tieren als Nahrung und werden von ihnen verbreitet. Vor allem der
Eichelhäher sorgt durch Anlage von Nahrungdepots für die Verbreitung der Stieleiche (Hähersaaten). Die Stieleiche bildet eine kräftige Pfahlwurzel. Durch ihre Wurzeln ist sie äußerst sturmfest und kann auch stark verdichtete Böden erschliessen und tiefliegendes Grundwasser erreichen.
Unterscheidung zur Traubeneiche
Die Stieleiche und die
Traubeneiche ähneln sich sehr. Viele Systematiker und Genetiker sehen in der Traubeneiche nur eine
Standortsrasse der Stieleiche. In der Verbreitung und der Morphologie gibt es jedoch einige Unterschiede: Die Stieleiche kommt vor allem in den Tiefebenen und den Auwäldern vor. Ihre Früchte sitzen zu wenigen an langen Stielen. Die Blätter sind nur kurz gestielt. Die Blattbasis ist herzförmig und geöhrt. Im mittleren Spreitenbereich der Blätter enden die Seitennerven auch in den Buchten.
Nutzung
Egeved.JPG |
Cave Barriques.jpg
Die Stieleiche ist ein
ringporiger Kernholzbaum. Der gelblich-weiße Splint ist nur schmal ausgebildet, das Kernholz hat eine hell- bis dunkelbraune Farbe. Die mittlere Rohdichte beträgt 0,65 (0,39 - 0,93) g/cm³. Das Eichenholz ist hart, zäh, sehr dauerhaft und gut zu bearbeiten. Es ist sehr vielseitig verwendbar: als Bauholz, im Wasserbau, für Eisenbahnschwellen und für Pfähle und Masten. Im Innenausbau eignet es sich als Parkett, für Treppen und als Möbelholz. Hochwertiges Eichenholz wird als
Furnier verarbeitet oder zum
Fassbau verwendet. Die Stieleiche liefert auch ein hervorragendes Brennholz.
Früher war die Nutzung der Eicheln als Futter für die Schweine und das Wild genauso wichtig wie die Holznutzung. Die durch Bitterstoffe für den Menschen ungenießbaren Eicheln sind sehr nahrhaft und enthalten bis zu 38% Stärke. Die Schweine wurden in die Eichenwälder eingetrieben und in guten Samenjahren mit den Eicheln gemästet. Aus dieser Zeit stammt der Spruch: Auf den Eichen wächst der beste Schinken. Eine weitere Nutzung war die der Rinde als Gerberlohe. Dazu wurde die Stieleiche als Niederwald bewirtschaftet, alle 15 bis 20 Jahre geerntet, die Stämme geringelt und die Rinde abgeschält. Die getrocknete Rinde hat einen Gerbsäureanteil von 8 bis 20%.
Zuchtformen
- Gold-Eiche (Q. robur 'Concordia'): 1843 in Belgien entstanden; Blattaustrieb goldgelb, Belaubung sommers gelblichgrün. Diese Form wird seltener gepflanzt und kann etwa 13 m hoch werden.
- Pyramiden-Eiche (Q. robur 'Fastigiata'): Wächst wie eine Pyramidenpappel sehr straff aufrecht und sehr schmal. Der Baum kann 20 bis 25 m Höhe und 1 m Stammdurchmesser erreichen. In größeren Parks und formalen Gärten häufig zu sehen.
- Q. robur 'Filicifolia': Belaubung ähnlich 'Pectinata', jedoch Lappen sehr schlank und mit gekräuseltem Rand.
- Q. robur 'Pectinata': Hat tief eingeschnittene Blätter; die Lappen sind gerade und nicht gekräuselt.
Literatur
- Joachim Krahl-Urban: Die Eichen. Forstliche Monographie der Traubeneiche und der Stieleiche. Parey, Hamburg und Berlin 1959
- Heinrich Spiecker: Zur Steuerung des Dickenwachstums und der Astreinigung von Trauben- und Stieleichen (Quercus petraea (Matt.) Liebl. und Quercus robur L.). Schriftenreihe der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg, Band 72. Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt, Freiburg im Breisgau 1991
- Gregor Aas: Untersuchungen zur Trennung und Kreuzbarkeit von Stiel- und Traubeneiche (Quercus robur L. und Q* petraea (Matt.) Liebl.). (Dissertation.) München 1989
Filmdokumentationen
- Der Baum der Bäume. Geheimnisvolle Reise in die Welt der Eichen, TV-Dokumentation von Herbert Ostwald, Deutschland 2004
Weblinks
}}
Buchengewächse | Baum | Waldnutzung
Dub letní | Stilk-Eg | Pedunculate oak | tigfrukta kverko | Kocsányos tölgy | Chêne pédonculé | Hrast lužnjak | Zomereik | Dąb szypułkowy | Metsätammi | Ek (träd)