Eine Stiefmutter ist die Frau, mit der ein Elternteil eine neue Lebensgemeinschaft eingegangen ist (z.B. zweite Ehe des Vaters).
Die "Stiefmutter" in übertragener Bedeutung
In der Vergangenheit war es durch die hohe Sterblichkeitsrate bei der Geburt und im Wochenbett und der 'Notwendigkeit' der Wiederverheiratung des Witwers durchaus üblich, dass Kinder mit Stiefmüttern aufwuchsen. Das Motiv der Stiefmutter wird somit in Märchen häufig verwendet.
Sprichwörtlich und aus
Märchen (wie "
Aschenputtel") wohl bekannt ist die 'böse Stiefmutter' (seltener ein 'böser Stiefvater' -
vgl. aber "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren"). Erklärend hilft hier in der
Soziologie (auch
Ethnologie) der
Strukturalismus weiter: In allen
Kernfamilien gibt es Paarfiguren größerer emotionaler Nähe (z. B. "Vater + Tochter" plus "Mutter + Sohn"), die somit strukturell dafür sorgen, dass "Vater + Sohn", "Mutter + Tochter" und übrigens auch "Vater + Mutter" auf merklich größerer
Distanz zueinander stehen. Wenn jetzt die Tochter vom
Kind zur
Jugendlichen wird, tritt sie zunehmend in Konkurrenz zur
Rolle der Mutter als 'erwachsener Frau';
Konflikte sind voraus zu sagen, ihr Kampffeld wird (mehr als bei "Vater + Sohn") der eigene Haushalt sein, und die herkömmliche Distanz verstärkt sie. Psychologisch wird aus der ehedem 'lieben' Mutter (übrigens auch aus der 'lieben' Tochter) eine 'böse'. Das überrascht oft beide Teile: Die Mutter ist 'wie ausgetauscht'; verkürzt, wird zur "Stiefmutter" -
Schneewittchens Mutter merkt es, wenn sie in den Spiegel sieht und wird offen feindselig gegen die eigene Tochter, die sich eine eigene
Peer Group sucht (verächtlich: von "
Zwergen"), bis sie ein 'Märchenprinz' 'erlöst'.
Auch ist im Auge zu behalten, dass auffallend viele deutsche Volksmärchen eine "matrilineare" Erbfolge voraus setzen (merklich daran, dass Prinzen bzw. "Schweinehirten" kommen, heiraten und erben (über die geheiratete Tochter. Wenn sie gleich bei deren Herkunftsfamilie bleiben, liegt auch "Uxorilokalität" vor - vgl. Familiensoziologie). Da wird die Tochter der Mutter also noch gefährlicher. (Es muss auch nicht immer eine "Stiefmutter" sein: In "Dornröschen" tritt Mutter erst als Böse Fee und Jahre später als altes Mütterchen mit der Schlafspindel auf.)
Der Analytischen Psychologie in der Tradition Carl Gustav Jungs gilt die Figur der (bösen) Stiefmutter als Ausprägung des nefasten Aspekts des sog. Mutterarchetyps, also der zerstörenden und verschlingenden Mutter.
Verwandtschaft | Eltern
Stiefouder | Styvbarn