Der Stiefel (Synonym: Boot, vom englischen Wort für Stiefel) ist eine Schuhgrundform und stellt insofern eine Art der Fußbekleidung dar. Gegenüber dem nur bis zur Fußbeuge reichenden Halbschuh, ist ein Stiefel ein Schuh, dessen Schaft (fachsprachlich für das Oberteil des Schuhs, in Abgrenzung zum Schuhboden) bis mindestens über den Knöchel reicht. Der Stiefelschaft wird nochmals grob untergliedert in den Fußteil und das sich daran anschließende, nach oben reichende Rohr (allgemeinsprachlich "Schaft" genannt).
Handelt es sich um einen knöchelhohen Stiefel (Schnürstiefel, Schlupfstiefel mit Elastikeinsatz oder mit einem Reißverschluss) spricht man auch von einer Stiefelette. Die Machart (= herstellungsbedingte Konstruktionsweise der Verbindung von Schaft und Sohle), unterschiedliche Sohlen und Absatzhöhen sind dabei unerheblich. Im engeren Sinn bezeichnet man mit einer Stiefelette einen eleganten Stiefel, welcher durch einen Elastikeinsatz seitlich im Schaft den Einschlupf erleichtert und den Stiefel am Fuß festhält.
Die Riemen mancher Sandalen reichen bis über den Knöchel hinauf, man kann also von Stiefelsandalen sprechen. Ein Beispiel für diese Schuhform sind die Caligae der Legionäre des antiken Rom.
Im klassischen Herrenschuhbereich sind folgende überknöchelhohen Modelle seit Jahrzehnten unverändert anzutreffen: Mit einem meist vergleichsweise niedrigen Schaft: Der Chelsea-Boot (mit seitlichem elastischen Gummibandeinsatz), Jodhpur-Stiefel (mit einem um das Gelenk herumreichenden Riemen mit Dornschnalle), George-Boot und Chukka-Boot (beides Schnürschuhe; der George-Boot reicht deutlich höher), Ringsbesatzstiefel oder auch Balmoral genannt (mit so genannter geschlossener Schnürung und auffälligem Schaftschnitt) und der Derby-Boot (sportlicher Boot mit so genannter offener Schnürung). Folgende Modelle haben meist einen höheren Schaft: Der Engineer-Stiefel (Schaft mindestens bis zur Mitte der Wade oder seltener bis zum Knie, vorne meist rund mit dem so genannten Marschriemen über dem Rist verlaufend), der Westernstiefel (vorne spitz zulaufend, meist mit aufgenähten Verzierungen und allermeistens bis zur Mitte der Wade reichend) und der typische Motorradstiefel (mit abriebfesten Sohlen, den das Bein vor Motor-/Auspuffhitze/Abschürfungen bei Sturz schützenden Schaft und einer meist runden oder zumindest nicht engen Schuhspitze). Der hohe Schaft-(Mode-)Stiefel für Herren leitet sich vom klassischen Reitstiefel ab. Er ist in der Schafthöhe variabel, gelegentlich fast kniehoch und kann für den leichteren Einschlupf einen seitlichen Reissverschluss haben.
Nachdem der Stiefel - und insbesondere die Modelle mit hohem Schaft - als alltägliche Fussbekleidung spätestens mit Ende des 1. Weltkriegs zu einer zunehmend seltenen Erscheinung wurden (Die Schutzfunktion der Stiefel wurde nicht mehr benötigt und Halbschuhe sind zumeist bequemer zu tragen), ist er seit Mitte des 20. Jahrhunderts für beide Geschlechter stark modeabhängig. Für Frauen gibt es jedoch nach wie vor eine relativ große Vielfalt unterschiedlicher Stiefelmodelle und Schaftrohrhöhen.
Soll also ein bequemer Einschlupf gewährleistet sein, liegt der Schaft nicht mehr dicht an der Fußbeuge an, so dass der Fuß beim Gehen hochlupft. Um dies zu verhindern, wird der Fuß mit einem Marschriemen (ein mit einer Dornschließe in der Länge verstellbare Riemen, der im Schuhboden befestigt sind und quer über den Rist verläuft) fest in den Fersenbereich des Stiefels gezogen.
Da Stiefel aus besagten Gründen auch schwierig anzuziehen sind, haben viele Modelle so genannte Zugschlaufen in den oberen inneren Schaftrand eingenäht. Mit den Fingern an diesen Gewebebandschlaufen gezogen bei gleichzeitigem Druck des Fußes in den Stiefel, geht das Anziehen einfacher von statten. Um diese Prozedur zu erleichtern, gibt es so genannte Stiefelanziehhaken: Ihr rechtwinklig abgebogenes Hakenteil wird in die Zugschlaufe eingeführt und an dem am anderen Ende befindlichen Holzgriffstück wird bequem mit der ganzen Hand gezogen.
Um das Ausziehen des Stiefels zu erleichtern wird ein so genannter Stiefelknecht verwendet. Der Name geht auf einen Bediensteten zurück, dessen Aufgabe es früher war, dem Stiefelträger beim Ausziehen der Stiefel behilflich zu sein. Heute handelt es sich um ein Holzbrett, welches schräg aufgestellt und an einem Ende U-förmig ausgeschnitten, die Möglichkeit bietet, die Stiefelferse dort einzuführen und dann durch Gegendruck mit dem anderen Fuß auf das Brett bei gleichzeitigem Zug des Fußes mit dem auszuziehenden Stiefel, diesen vom Fuß zu streifen. Überknöchelhohe Schnürstiefel, wie es sie als klassische Herrenschuhen gibt, zeigen im unteren Bereich der Schnürung Ösen und - für ein leichteres An- und Ausziehen - im oberen Bereich Haken (Agraffen); so auch der eingangs abgebildetet Derbyboot.
Boot | Bota (calzado) | چکمه | Botte (habillement) | ブーツ | Laars | Bota | Boot | Stövlar | 靴