Stiddien ist das kleinste Dorf der Stadt Braunschweig in Niedersachsen und zählt 236 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2003). Es bildet zusammen mit den Nachbardörfern Timmerlah und Geitelde den Stadtbezirk 312.
Um 1500 verlief die Alfelder Heerstraße durch Stiddien. Die Heer- und Handelsstraße führte von Braunschweig nach Alfeld bei Hildesheim und traf dort auf die Strecke Hannover-Frankfurt am Main. Im 16. und 17. Jahrhundert ließ der Verkehr zugunsten der Frankfurter Straße nach, die über die Salzstadt Salzgitter führte. Im 18. Jahrhundert verödete die alte Heerstraße dann fast ganz.
Haupterwerb in Stiddien war über Jahrhunderte die Landwirtschaft. Seit dem 14. Jahrhundert wurde Getreide und Flachs angebaut, daneben gab es Weidewirtschaft. Nach 1700 wurde die feuchte Niederung durch den Fuhsekanal entwässert. Auf dem schmalen Kanal transportierte man Torf nach Braunschweig, der nahe des Dorfes gestochen wurde. Vor allem aber verbesserte sich die Qualität der Ackerböden und die Einkünfte der Stiddier Bauern stiegen. Etwa ab 1860 dominierte der Zuckerrübenanbau und sorgte für Wohlstand. Noch heute prägen einige große Höfe mit Herrenhäusern das Dorfbild. Der kleine Friedhof in der Dorfmitte wurde lange von den herrschaftlichen Grabdenkmälern der großen Bauern beherrscht.
Stiddien war immer sehr klein. 1663 wurden 35 Einwohner gezählt, 1802 waren es 105, 1933 179 Einwohner. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs der von Zerstörungen verschonte Ort. 1967 hatte er 295 Einwohner. Flüchtlinge aus dem Osten bauten Siedlungshäuser, später entstand am Dorfrand die so genannte Siedlung, zwei Stichstraßen, vorwiegend bebaut mit Einfamilienhäusern. Bis zum 1. März 1974 gehörte das Dorf zum Landkreis Wolfenbüttel und hatte einen eigenen, ehrenamtlichen Bürgermeister. Durch die niedersächsische Gebietsreform wurde Stiddien zusammen mit 21 weiteren Ortschaften nach Braunschweig eingemeindet.
Die ev.-luth. Kirche wurde etwa 1142 erbaut. 1714/16, als die Landwirtschaft einen Aufschwung erlebte, wurde der romanische Natursteinbau erweitert und umgestaltet. Der Eingang, der sich ursprünglich an der Turmseite befand, wurde an der Nordseite verlegt. Die Kirche erhielt einen barocken Kanzelaltar mit zwei Passionsengeln. An der gegenüberliegenden Schmalseite wurde eine Empore mit Orgel eingebaut. Später wurde der Kirchenbau vernachlässigt. Erst in den 1950er Jahren wurde er renoviert, die zwischenzeitlich verputzte Fassade wieder freigelegt und die Orgel erhielt einen Stromanschluss, so dass nicht mehr der Blasebalg getreten werden musste. Der Gottesdienst findet heute einmal im Monat statt. Die Katholiken im Dorf gehören zur Kirchengemeinde Thiede-Steterburg. Das kleine Kriegerdenkmal neben der Freiwilligen Feuerwehr trägt die Inschrift "Den Gefallenen zum Gedächtnis, der Jugend zur Mahnung."
Im Ortsnamen steckt das Wort "Heim", 1153 als "Stidiem", 1172 als "Stidegem" und 1187 als "Stidium" erwähnt, nachgewiesen sind zudem die Schreibweisen "Stedium" und "Stidingen". Auf diesen Ursprung bezieht sich auch das Gemeindewappen. Es zeigt in Grün und Gold einen stilisierten Häusergiebel als Zeichen für Heim und darunter einen Pferdekopf. Die Farben symbolisieren Rüben und Getreidefelder und belegen die Rolle, die die Landwirtschaft früher für den Ort hatte. Der Pferdekopf verweist auf die Gegenwart. In Stiddien werden überdurchschnittlich viele Pferde gehalten. Jahrelang nahm der Ort für sich in Anspruch, die höchste Zahl von Araberpferden pro Kopf der Bevölkerung in Niedersachsen zu haben.
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Stiddien".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world