Die Universitäts-Sternwarte Göttingen ist eine historische Forschungseinrichtung. Sie befindet sich in der Göttinger Geismarlandstraße und ist dem Fachbereich Physik der Universität Göttingen angegliedert. sternwarte_goettingen.jpg
Die Universität betreibt eine zweite Sternwarte auf dem Hainberg, östlich von Göttingen.
Die Einrichtung der Sternwarte - insbesondere also die Finanzierung von Gebäude, Personal und Instrumenten - sollte nach Vorstellung des hannoverschen Königshauses zu Fortschritten der Kartografie führen. Die Admiralität von Armee und Marine verlangte nach besserem Kartenmaterial, die Militäringenieure nach topographischen Karten. Das königliche Interesse richtete sich also weniger auf die Astronomie an sich, als vielmehr auf die notwendigen astronomischen Vorarbeiten zur Erstellung guter Land- und Seekarten.
Der Mauerquadrant ist erhalten und heutige in der Sternwarte zu sehen, ebenso wie das zweite wichtige Gerät des alten Göttinger Observatoriums: das Spiegelteleskop von Herschel. Es handelt sich hierbei um ein Geschenk König Georg III., das von Sir Friedrich Wilhelm Herschel hergestellt und 1786 von ihm persönlich aufgestellt wurde. Der massive Metallspiegel hat einen Durchmesser von 21,7 Zentimetern und eine Brennweite von 3 Metern.
1833 richteten Gauß und Wilhelm Weber die erste Telegrafenverbindung der Welt her, indem sie die Sternwarte mit einem Universitätsgebäude in der Innenstadt verbanden.
Nach Gauß´ Tod im Jahre 1855 übernahm Ernst Wilhelm Klinkerfues die Leitung der Sternwarte. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit der Bestimmung von Sternpositionen und der Meteorologie.
Sein Nachfolger wurde Wilhelm Schur.
1885 wurde die „Zierkuppel“ durch eine Beobachtungskuppel ersetzt, in der ein Refraktor mit 15 cm Brennweite aufgestellt wurde.
Ab 1901 arbeitete Karl Schwarzschild, einer der Begründer der modernen Astrophysik, an der Sternwarte. 1909 wechselte er zum Astrophysikalische Institut Potsdam.
In den 20er und 30er Jahren bauten Johannes Hartmann, Hans Kienle, und Paul ten Bruggencate den Bereich Astrophysik in Göttingen weiter aus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Hans Heinrich Voigt, Rudolf Kippenhahn und Egon-Horst Schröter in Göttingen tätig.
1960 wurde ein Sonnenteleskop in Locarno-Orselina im Tessin in Betrieb genommen. 1985 wurde es auf den Teide nach Teneriffa verlegt.
Die Sternwarte besitzt eine Beobachtungskuppel von 8 m Durchmesser und eine Hebebühne mit 2 t Traglast. Das erste Teleskop war eine Leihgabe der Fa. Carl Zeiss. Der Refraktor war 1927 zur Beobachtung einer Sonnenfinsternis in Schweden genutzt worden.
Später wurden ein Astrograf mit 34 cm Öffnung und 4,13 m Brennweite und eine Schmidtkamera mit 50 cm Öffnung aufgestellt.
Die Instrumente werden heute für studentische Praktika genutzt und bei öffentlichen Himmelsbeobachtungen eingesetzt.
Das Observatorium am Hainberg ist momentan ungenutzt. Die historische Sternwarte soll vermutlich ein Museum werden.
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