Definition
Bei der
Sterilisation (auch:
Sterilisierung) eines Produktes, einer Produktverpackung (z.B. Lebensmittel, Pharmazeutika), eines Gerätes (z.B. Endoskop) oder einer
Lösung werden (im Idealfall) alle enthaltenen
Mikroorganismen und deren
Sporen abgetötet, sowie
Viren,
Plasmide und andere
DNA-
Fragmente zerstört. In der technischen Abgrenzung zur
Desinfektion wird bei der
Sterilisation um eine
Größenordnung höher abgetötet/ inaktiviert. Es muss also auf höchstens 10
-6 Kolonien bildende Einheiten reduziert werden, das heißt: Von einer Million Keimen überlebt maximal einer.
Unterscheidung
Fraktionierte Sterilisation
Die Fraktionierte Sterilisation wird auch
Tyndallisierung genannt: die zu sterilisierenden Geräte werden an mehreren aufeinander folgenden Tagen mehrfach erhitzt, dazwischen werden sie zur Sporenauskeimung bebrütet.
Heißdampf-Sterilisation
Dampfsterilisation wird auch
Autoklavieren genannt. Sie ist das Standardverfahren in den meisten
Labors, bzw. Krankenhäusern, und bedeutet eine Erhitzung auf 121 bis 134
°C bei 2
bar für 15-20
Minuten, beispielsweise in einem
Autoklav. Siehe auch
Sterilisator.
Heißluftsterilisation (Trockene Hitze)
- Das Ausglühen von metallischen Gegenständen durch Rotglut, etwa 500 °C, ist gebräuchlich bei mikrobiologischen Arbeiten.
- Das Abflammen (Flambieren) ist ein kurzes Ziehen des Gegenstandes durch eine Flamme.
- Heißluftsterilisation für Glas, Metalle, Porzellan ("backen"), bei
- 180 °C mindestens 30 Min.
- 170 °C mindestens 60 Min.
- 160 °C mindestens 120 Min.
Geräte, die hierfür benutzt werden, heißen
- Heißluft-Sterilisationsschrank
- Heißluft-Sterilisationstunnel
- konventionelle Heizung, 240-320 °C
- eingedüste Heißluft, 300-400 °C
- Laminar-Flow-Heißluft
Nassaseptik
Die Abtötung der Mikroorganismen erfolgt durch Chemikalien, welche in flüssiger Form auf die zu sterilisierenden Gegenstände aufgebracht
werden. Zum Beispiel in der Getränketechnologie im Einsatz sind Verfahren, welche mit
Wasserstoffperoxid bzw.
Peressigsäure funktionieren. Ein kritischer Parameter bei allen nassaseptischen Verfahren ist die Temperatur
der sterilisierenden Lösung. In der Regel kann über höhere Temperatur die zur Sterilisation nötige Einwirkzeit drastisch verkürzt werden. Um die Chemikalien vom sterilisierten Objekt zu entfernen wird typischerweise
anschließend ein Waschvorgang mit sterilem Wasser vorgenommen.
Trockenaseptik
Nicht sehr scharf definierter Begriff für eine Gruppe von Sterilisationsverfahren in der
kaltaseptischen Abfüllung von Lebensmitteln, insbesondere Getränken: Im Gegensatz zur Nassaseptik, bei der die zu sterilisierenden Objekte, meist Kunststoffflaschen aus
PET oder
HDPE, vor ihrer Befüllung mit keimabtötenden Chemikalien, wie insbesondere
Peressigsäureprodukten, ausgewaschen werden, erfolgt die Keimabtötung bei der Trockenaseptik vorzugsweise mittels gasförmig zugeführtem
Wasserstoffperoxid. Die zu sterilisierenden Oberflächen sind, im Gegensatz zur Nassaseptik, nach der Sterilisation trocken, was einen erheblichen Vorteil darstellt. Apparativer Aufwand und Betriebskosten sind bei Trockenaseptik in der Regel geringer als bei Nassaseptik. Jedoch sind die Verfahren technologisch schwieriger zu beherrschen und erfordern deutlich mehr Know-How.
Siehe hierzu beispielsweise bei Dry Sterilisation Process ein trockenaseptisches Sterilisationsverfahren, das selbst an extrem resistenten Endosporen Keimreduktionen von weit über 106 in Sekundenbruchteilen realisiert, jedoch unter Vakuumbedingungen abläuft.
Strahlensterilisation
Sterilisation mit
Ionisierender Strahlung: entweder mit
UV-Licht,
Elektronenbeschuss,
Röntgen- oder
Gammastrahlung.
Plasmasterilisation
Die sterilisierende Wirkung von Plasmen ist wissenschaftlich in einer Vielzahl von Untersuchungen
prinzipiell nachgewiesen. Dies gilt für Niederdruckentladungen angeregt
durch Hochfrequenz oder Mikrowelle bis hin zu Normaldruckentladungen.
Die sterilisierende Wirkung ist dabei einerseits auf die im Plasma generierte UV-Strahlung andererseits auf die Bildung chemisch aggressiver Substanzen (freie Radikale) sowie den Beschuss der Mikrooganismen mit Ionen zurückzuführen.
Trotz der prinzipiellen Eignung sind in der industriellen Realität Plasmaverfahren kaum verbreitet.
Entsprechende kommerzielle Systeme die zur Sterilisation von medizinischen Gerätschaften eingesetzt werden,
und Plasmageneratoren enthalten, verwenden als Reagenz dampfförmiges Wasserstoffperoxid so dass die Sterilisationswirkung in nennenswertem Umfang auf eine Gasphasensterilisation zurückgeht.
Gassterilisation
Gassterilisation erfolgt beispielsweise mit
Formaldehyd,
Ethylenoxid,
Ozon oder
Wasserstoffperoxid.
Sterilfiltration
Sterilfiltration ist Sterilisierung mittels einer
Membran (Porenweite 0,22 µm). Nur kleine Moleküle können die Membran passieren, größere Partikel wie zum Beispiel Bakterienzellen werden zurückgehalten. Bakterien der Gattung
Mycoplasma passieren allerdings die Membran aufgrund fehlender Zellwand.
Sterilfiltration wird oftmals zur Sterilisierung hitzeempfindlicher Lösungen, beispielsweise serumhaltiger Gewebekulturlösungen, eingesetzt. Hauptanwendungen sind die Sterilfiltration von wässrigen Lösungen, hitzeempfindliche Nährlösungen, Vitaminlösungen, Seren, Virusimpfstoffen, Plasmafraktionen und Proteinen. Nach erfolgter Sterilfiltraion ist nach europäischem
Arzneibuch die Qualität des Filters mit Hilfe des
Bubble-Point-Testes durchzuführen.
Zur Entfernung von Endotoxinen werden Aktivkohlefilter vor der Sterilfiltration verwendet. Um zu verhindern, dass Pyrogene in das Produkt gelangen, wird eine vorherige Tiefenfiltration (z.B. mit einem Schichtenfilter) empfohlen.
Siehe auch
Hygiene
Sterilization (microbiology) | 殺菌
Sterilizace | Sterilizzazione (medicina) | עיקור (מיקרוביולוגיה) | Sterilisatie (micro-organismen) | 殺菌 | Sterylizacja (technologia) | Esterilização (materiais)