Ein Stellvertreterkrieg ist ein Krieg zwischen Staaten oder ein Bürgerkrieg, in dem eigentlich ein Konflikt externer Mächte ausgetragen wird, die jeweils eine bestimmte Seite der Konfliktparteien unterstützen, selbst aber nur mittelbar militärisch in Erscheinung treten. Dabei kommt es hier nicht zu Kampfhandlungen zwischen den Truppen der externen Mächte.
Der Begriff wurde geprägt durch Konflikte, die ihre Ursache und auch ihren Treibstoff, im Gegensatz der beiden Supermächte USA und UdSSR fanden. Hintergrund des mittelbaren Charakters solcher Kriegshandlungen war, dass die beiden Supermächte sich während des Kalten Kriegs zwar feindlich gegenüberstanden – jedoch die direkte Konfrontation wegen der möglichen Eskalation zu einem Atomkrieg vermeiden wollten (siehe auch MAD). Deshalb beschränkten sie sich auf die Unterstützung kapitalistischer beziehungsweise kommunistischer Staaten und Bürgerkriegsparteien.
Geschichtliche Beispiele
Spanischer Bürgerkrieg
Im
Spanischen Bürgerkrieg (
1936-
1939) unterstützten die
faschistischen Mächte
Deutschland und
Italien offen den Putschisten
Francisco Franco. Auf der anderen Seite belieferte die kommunistische
Sowjetunion die Republik mit Waffen und versuchte mit Beratern der Regierung ihren ideologischen Stempel aufzudrücken.
Koreakrieg
Im
Koreakrieg (
1950-
1953) lieferte die
UdSSR der
Demokratischen Volksrepublik Korea zwar viele Waffen, bildete Truppen aus, entsandte Berater und stellte sogar einige russische Piloten, trat jedoch nicht in den Vordergrund. Die Volksrepublik China nahm offiziell ebenfalls nicht teil, sondern deklarierte die chinesischen Truppen als "Freiwilligenarmee". Auf der Gegenseite kämpften Verbände der US-Truppen, allerdings nur unter dem Kommando der
Vereinten Nationen. Alle drei Mächte vermieden eine direkte Beteiligung.
Vietnamkrieg
Auch im
Vietnamkrieg von
1965-
1975 kam es zu keiner direkten Begegnung beider Supermächte, die Sowjetunion und China unterstützten jedoch
Nordvietnam mit Waffen und Ausrüstung. Auch die Befreiungsbewegung
FNL kämpfte mit sowjetischen und chinesischen Waffen. Die USA, von
1965-
1975 selbst an den Kampfhandlungen beteiligt, führte unter anderem als Grund an, die Ausbreitung des Kommunismus eindämmen zu wollen.
Sechs-Tage-Krieg
Der
Sechstagekrieg (
5. Juni bis
10. Juni 1967) zwischen
Israel und den
arabischen Nachbarstaaten
Ägypten,
Jordanien und
Syrien war ebenfalls ein Stellvertreterkrieg. Die Sowjetunion hatte die beteiligten arabischen Länder in diesem 3. israelisch-arabischen Krieg aufgerüstet und sowjetische Offiziere entwarfen
1966 den
Schild-und-Schwert-Plan für einen Krieg Ägyptens gegen Israel der die Weiten der Wüste Sinai auszunutzen gedachte. Israel war mit amerikanischem Kriegsgerät ausgerüstet - und der ägyptische Plan war ihnen gut bekannt. Bei diesem für Israel siegreichen
Präventivkrieg trat die Sowjetunion freilich nicht offiziell in den Vordergrund, behauptete jedoch zuvor - gestützt auf falsche Informationen des KGB - Israel würde Truppen an der syrischen Grenze zusammenziehen - sie ergriff damit ganz offen Partei für die arabische Position. Im Krieg zeigte sich allerdings deutlich die Unterlegenheit des sowjetischen Kriegsmaterials und Israel eroberte den
Gaza-Streifen, die
Sinai-Halbinsel, die
Golanhöhen und das
Westjordanland. Noch heute bestimmen die Kriegsfolgen die
Geopolitik in der Region.
Jom-Kippur-Krieg
In
Jom-Kippur-Krieg, dem vierten israelisch-arabischen Krieg griffen die wiederum von der Sowjetunion aufgerüsteten Armeen der arabischen Staaten Ägypten und Syrien im Jahre
1973 Israel an. Die Sowjetunion führte ab Frühjahr
1971 von Ägypten aus Aufklärungsflüge über Israel mit der
MiG-25R durch wobei die Israelis vergeblich versuchten diese abzufangen. Während des Kriegs kam es zu einem Luftkampf zwischen israelischen
F-4 Phantom II bzw.
Mirage und von sowjetischen Piloten geflogenen
MiG-21 der ägyptischen Luftwaffe wobei Israel auch diesmal die gegnerischen Streitkräfte entscheidend schlagen konnte. Insgesamt waren zu der Zeit 150 sowjetische Piloten in Ägypten stationiert.
Afghanistankrieg
Im Dezember
1979 erfolgte ein sowjetischer Einmarsch, der
Afghanistan in einen zehnjährigen Krieg stürzen sollte. Die islamischen Kräfte von Afghanistan (
Mujaheddin - soviel wie
Gotteskrieger) gewannen den
Afghanistankrieg mit Unterstützung aus
Pakistan,
Saudi-Arabien, den
USA und (in geringerem Maße) auch aus
Großbritannien.
Bürgerkrieg in Angola
Nach der Unabhängigkeit von
Portugal im Jahr
1975 bekämpften sich die von den
USA und
Südafrika unterstützte
UNITA sowie die von der
UdSSR und
Kuba unterstützte
MPLA, nachdem die
marxistische MPLA die Macht für sich alleine beanspruchte. Diese zweite Episode des Bürgerkrieges in dem gleich vier ausländische Mächte involviert waren, endete nach dem Einsatz südafrikanischer
Panzer (ab
1987) und nach schweren Verlusten der Kubaner an Panzern und anderem Kriegsgerät
1989 mit einer de facto Niederlage der kommunistischen Seite. Nachdem nun auch die Sowjetunion einzusehen begann daß der sogenannte
Buschkrieg gegen die Südafrikaner und die
UNITA trotz aller Anstrengungen und dem zeitweisen Erringen der Luftherrschaft nicht mehr zu gewinnen war, ersuchte Kuba auf starken sowjetischen Druck hin über einen
UN-
Diplomaten eine trilaterale Verhandlungslösung um sich schlußendlich ohne Gesichtsverlust aus Angola zurückziehen zu können. Die Kämpfe gingen jedoch auch ohne äußere Einmischung mit zwei Unterbrechungen weiter. Im Jahre
2002 wurde ein Friedensvertrag geschlossen und die
MPLA stellt derzeit (2005) die Regierung mit der
UNITA als führende Oppositionspartei. Trotzdem ist dieser Konflikt, zumindest unter der Hand, noch nicht ganz beigelegt - der Frieden scheint hier jedoch weiterhin stabil zu sein. (siehe
Geschichte Angolas)
Krieg in Nicaragua
Nachdem in
Nicaragua 1979 der herrschende
Diktator Anastasio Somoza Debayle von
Sandinisten gestürzt worden war, sammelten sich
1980 gestützte Ex-Militärs (sog. "Contras"), um die Sandinisten wieder zu stürzen und den Diktator wieder einzusetzen. Den
USA, die schon den Diktator unterstützten, waren die Demokratisierungsbestrebungen der Sandinisten ein Dorn im Auge und unterstützten die Contras massiv mit Militär- und Finanzhilfen. Ohne diese Unterstützung des 'heimlichen' Stellvertreters USA wären die Contras innerhalb kurzer Zeit auseinandergefallen, weil sie keinen Rückhalt in der Bevölkerung genossen (siehe
Nicaragua).
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