Als Starsystem bezeichnet man in der Medienbranche eine lockere Konstellation prominenter Figuren, insbesondere aus populären Filmproduktionen, die meist aufgrund von Verkauf- und Vermarktungszwecken eigens aufgebaut werden. Schauspieler, Sänger, Musiker oder andere Künstler werden von Produktionsfirmen mit einem Image belegt. Dadurch werden gezielt und planmäßig Identifikationspotenziale für den Zuschauer gebildet, der seinen Star gerne sehen oder hören möchte. Das Starsystem stellt jedoch keine natürlichen Personen vor, sondern nur das Abbild solcher, das mehr oder weniger künstlich zurecht geschneidert und nach wissenschaftlichen und medienpsychologischen Gesichtspunkten kreiert wird. Da jeder Figur ein bestimmtes, gezielt ausgesuchtes und manchmal eigens herangebildetes Potenzial im Kundeninteresse bedient, deckt ein eingelebtes Starsystem allmählich alle Bereiche des Kundeninteresses ab. Es ist für jeden etwas dabei.
Als psychologischer Schlüsselmechanismus, der auch ohne Vermarktungsstrategie überall in der Bevölkerung wirkt, wird heute die Identifikation gesehen. Er führt hier zum Wunsch im Konsumenten, selbst ein Star zu sein, und wird heutzutage durch Castingshows wie Deutschland sucht den Superstar gefördert.
Vor allem im Filmwesen sind Starsysteme sehr kulturspezifisch, beispielsweise die von Hollywood oder Bollywood. Gemeinsam weisen alle Starsysteme eine soziale Überhöhung der Figuren auf. Sie werden meist sehr hoch bezahlt oder als Mitglieder der gehobenen sozialen Schichten vorgestellt. Innerhalb des Starsystems kommt es jeder der konkurrierenden Firmen darauf an, die eigenen Stars möglichst hoch zu platzieren, und dies kann mit finanziellem Wohlstand glaubhaft gemacht werden. Durch eine positive Rückkopplung, die aus marktwirtschaftlichen Gründen bei der Installation des Starsystems abläuft, führt das mitunter zu enormen Vermögenswerten der Stars, die hunderte von Millionen Dollar ausmachen können und in keinem rationalen Verhältnis zur künstlerischen oder persönlichen Leistung der Mitglieder des Starsystems stehen müssen (aber können).
Filmhistorisch sind solche Verbindungen selten. So kam der in Japan sehr erfolgreiche Schauspieler Toshiro Mifune in Nordamerika trotz hoher schauspielerischer Qualitäten nur in Außenseiterrollen gut an, wurde jedoch nicht zu einem Star, obgleich die Filme, die er drehte, heute zum Erbe aller Kulturen gehören (siehe auch Akira Kurosawa, dessen markante Filme im Westen gut bekannt sind und von Hollywood mehrfach adaptiert und imitiert wurden.)
In der Musikbranche sind Übergänge eines Stars in ein anderes Starsystem ebenfalls selten belegt, kommen aber häufiger vor. Als erfolgreiches Beispiel gilt hier die lateinamerikanische Sängerin Shakira, der der Sprung in den nordamerikanischen und europäischen Markt gelang. Dies wird auf den hohen Anteil lateinamerikanischer Kunden im US-Markt, eine geschickte Vermarktungsstrategie sowie auf die markante Persönlichkeit der Sängerin zurück geführt, die für spanisch- und portugiesischsprechende Klientel einen hohen Identifikationswert besitzt. Der Identifikationswert ist hier für zwei Kulturkreise gleichermaßen gegeben, was bei Stars wie Britney Spears oder Elton John nicht der Fall ist. Diese sind zwar weltweit bekannt, stehen aber als Galionsfiguren für ihre eigene Kultur, die sie vertreten.
Ein echtes Starsystem begann sich in Deutschland erst mit dem Aufstieg der 1919 gegründeten Ufa herauszubilden, da hier große Produktionsbudgets zur Verfügung standen und die Ufa-eigene Kinokette hohe Einspielergebnisse garantierte. Den populärsten Darstellern wie beispielsweise Emil Jannings, Pola Negri, Lya de Putti oder Conrad Veidt konnten dadurch Gagen auf einem Niveau gezahlt werden, das sich mit Hollywood messen konnte.
In der Zeit des Nationalsozialismus trieb Propagandaminister Joseph Goebbels die Entwicklung des Starsystems weiter voran, da die Stars benötigt wurden, um dem Regime Glamour zu verleihen und da viele der populärsten Stars wie Marlene Dietrich und Greta Garbo nach Hollywood gegangen waren. Wieder war es vor allem die finanzstarke Ufa, die die neuen Stars wie Zarah Leander oder Marika Rökk hervorbrachte und aufbaute. Zu den höchstbezahlten Darstellern zählten jedoch auch Künstler wie Hans Albers, deren Karriere bereits vor 1933 begonnen hatte (siehe auch: Nationalsozialistische Filmpolitik). Das nationalsozialistische Starsystem ging unmittelbar nach dem Krieg unter. Manchen Stars und Sternchen, die sich noch am Beginn ihrer Karriere befanden oder nur gelegentlich in nazi-ideologisch unterwanderten oder antisemitischen Produktionen mitgewirkt hatten wie beispielsweise Brigitte Mira (siehe Feind hört mit), gelang der Übergang in das modernere Starsystem der Adenauer-Zeit.
Obwohl aus der deutschen Filmindustrie auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs weiterhin international bekannte Stars wie beispielsweise Lilli Palmer, Romy Schneider, Jürgen Prochnow, Armin Mueller-Stahl oder Til Schweiger) hervorgegangen sind, war die deutsche Filmindustrie nie mehr in der Lage, so hohe Gagen zu zahlen und so aufwändige Starwerbung zu treiben wie in der Zeit der Ufa; darum kann man hier nicht mehr von einem eigenständigen Starsystem sprechen. Das deutsche Starsystem ist heute weitgehend mit dem angloamerikanischen Starsystem vermischt.
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