Stanisław "Stan" Tymiński (* 27. Januar 1948 in Pruszków, Polen) ist ein kanadischer Geschäftsmann polnischer Herkunft, der mit Elektronik und Computern handelt, und früherer Politiker.
1990/1991 war Tymiński Vorsitzender der Libertarian Party of Canada (vgl. en:Libertarian Party of Canada) - eine erfolglose Splitterpartei, die bei Wahlen nie mehr als 0,25% der Stimmen erhielt. Zeitgleich begann er jedoch eine spektakuläre, aber kurzlebige politische Karriere in seinem Heimatland Polen, das soeben zur Demokratie zurückgekehrt war.
Die aussichtsreichsten Kandidaten in den ersten freien Präsidentschaftswahlen am 25. November 1990 waren der Solidarność-Vorsitzende Lech Wałęsa und Premierminister Tadeusz Mazowiecki. Wałęsa, der Elektriker, Arbeiterführer und Volkstribun, hatte das Image eines emotionalen, hemdsärmeligen Mannes aus dem Volk, während Mazowiecki, Jurist und früherer Rechtsberater der Solidarność, zwar seriöser und intellektueller, aber auch "förmlicher" und zudem als ein Kompromissler erschien.
Obwohl in Polen zunächst völlig unbekannt, trat Tymiński als Außenseiter an. Mit 23,1% der Stimmen überrundete er entgegen allen Erwartungen Mazowiecki (18,1%) und schaffte es auf einen sensationellen zweiten Platz hinter Wałęsa mit 39,96%. Da kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht hatte, war eine Stichwahl erforderlich, die am 9. Dezember 1990 stattfand. In der zweiten Runde unterlag Tymiński Wałęsa mit 25,75%. Die Beteiligung an beiden Wahlgängen betrug 60,6% bzw. 53,4%.
Trotz seiner letztendlichen Niederlage bleibt die Tatsache bestehen, dass Tymiński nicht nur Mazowiecki - eine der bekanntesten und respektabelsten Persönlichkeiten der polnischen Politik - eine erniedrigende Niederlage zufügte, sondern auch Wałęsa - damals für viele ein Nationalheld - zwang, sich einer Stichwahl zu stellen.
Die genauen Gründe für Tymińskis unerwarteten Erfolg bleiben bis heute unklar. Er trat mit dem vagen Versprechen an, schnell Wohlstand für alle zu schaffen, verstärkt durch sein Image als ein Pole, der es "im Ausland zu etwas gebracht hatte". Anscheinend kam dies in einer Zeit, in der zwar radikale politische Veränderungen stattfanden, die wirtschaftliche Gesamtlage sich aber verschlechterte, bei vielen Wählern gut an. Außerdem waren die Menschen zunehmend enttäuscht über den Grabenkrieg, der innerhalb der früheren antikommunistischen Opposition ausgebrochen war, so dass der mysteriöse Unbekannte "aus dem Nichts" vielen anscheinend als attraktive Alternative erschien.
Ein weiterer Faktor bestand darin, dass Tymiński Methoden des politischen Marketings anwandte, die zu jener Zeit in Polen unbekannt waren. Ein zentrales Element seines Wahlkampfes war eine schwarze Aktentasche, die er stets bei sich trug - und die angeblich "Geheimdokumente" enthielt, die seine Rivalen ruinieren würden und die er zu gegebener Zeit präsentieren würde. Obwohl die Tasche nie geöffnet wurde, sicherte sie stets die Aufmerksamkeit.
Die Gegner Tymińskis verlegten sich auf eine ähnliche Strategie; die seriöse Tageszeitung Gazeta Wyborcza, die Mazowieckie unterstützte, berichtete, Tymiński habe selbst Kontakte zur Geheimpolizei gehabt - eine Geschichte, die erst nach den Wahlen zurückgezogen wurde.
Beflügelt von seinem plötzlichen Erfolg entschied sich der bis dahin parteilose Tymiński, eine eigene Partei zu gründen, die der Partia X nannte und deren populistisches, libertär-kapitalistisches Programm ebenso diffus war wie ihr Name. Allerdings verschliss Tymińskis Charisma als selbst ernannter politischer Deus ex machina zu schnell, um langfristigen Erfolg zu zeitigen. In den Sejm-Wahlen 1991 errang die "Partei X" nur einen einzigen Sitz. Kurz darauf zog sich Tymiński aus der polnischen Politik zurück.
Bis heute fällt Tymińskis Name, wann immer ein vermeintlicher Entwicklungsrückstand der politischen Kultur Polens diagnostiziert wird. Kritiker des populistischen "Bauernführers" Andrzej Lepper verweisen häufig auf Parallelen zwischen diesem und Tymiński.
Weniger bekannt ist, dass Tymiński aktiv an der Entstehung der Internetbranche in Polen beteiligt war: 1994 war er der erste, der einen Internetzugang "für jedermann" anbot, enthalten in "Maloka", dem ersten kommerziellen Mailbox-System Polens. Die Monatsgebühr von 480.000 Złoty konnten sich jedoch nur wenige leisten; 1996 wurde "Maloka" eingestellt.
Heute schreibt Tymiński Kolumnen für verschiedene kleine polnischsprachige Periodika in Kanada und den USA.
Am 24. März 2005 kündigte Tymiński in einem Interview für eine rechtsgerichtete südamerikanische polnische Organisation überraschend seine Bereitschaft an, bei den Präsidentschaftswahlen 2005 erneut zu kandidieren *; eine Ankündigung, die er in vagerer Form bereits zuvor auf seiner eigenen Homepage gemacht hatte (Siehe Berichte in Gazeta Wyborcza polnischen Wikinews [http://pl.wikinews.org/wiki/Tymi%C5%84ski_ponownie_wystartuje_w_wyborach" target="_blank" >*). Obwohl Tymiński keine Chancen eingeräumt werden, seinen Überraschungserfolg von 1990 zu wiederholen, dürfte ein eventuelle Wahlkampagne in den Medien Aufmerksamkeit finden, besonders vor dem Hintergrund der hitzigen Debatte um den Umgang mit den Archiven des früheren Sicherheitsdienstes (siehe Bronisław Wildstein).
Mann | Kanadier | Geboren 1948
Stanisław Tymiński | Stanisław Tymiński | Stanisław Tymiński
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