Ein Standard ist eine vergleichsweise einheitliche / vereinheitlichte, weithin anerkannte und meist auch angewandte (oder zumindest angestrebte) Art und Weise, etwas herzustellen oder durchzuführen, die sich gegenüber anderen Arten und Weisen durchgesetzt hat.
In dieser Bedeutung ist der Begriff insbesondere in den Bereichen Technik und Methodik üblich, aber auch beispielsweise im Bezug auf Menschenrechte. Dabei findet der Begriff sowohl Verwendung bzgl. allgemein anerkannter Zielsetzungen als auch bzgl. allgemein anerkannter Realisierungen.
Ein Standard kann in einem formalisierten oder nicht-formalisierten Regelwerk bzw. in einem sich ungeplant ergebenden Regelfall bestehen, beispielsweise in einer einzelnen Regel bzw. mehreren Regeln oder einer Norm.
Neben dem Industriestandard finden sich in der Technik auch der herstellerspezifische Standard und ein offener Standard
Standard ist allgemein bekannt als eine Regel oder Norm (siehe unten).
Setzen sich Methoden oder Regeln nicht infolge von Vereinbarungen, Gesetzen, Verordnungen o. ä., sondern in der Praxis durch und etablieren sich auf diesem Wege als Standards, spricht man auch von de-facto- oder Quasi-Standards. Im deutschen Sprachgebrauch ist in den letzten Jahren eine Begriffsverwirrung eingetreten, indem „Standard“ analog dem englischen Begriff „standard“ auch für Normen verwendet wird. Zur Unterscheidung zwischen den Begriffen „Norm“ und „Standard“ im traditionellen deutschen Sprachgebrauch: siehe auch unter Normung.
Eine Norm ist eine allseits rechtlich anerkannte und durch ein Normungsverfahren beschlossene, allgemeingültige sowie veröffentlichte Regel zur Lösung eines Sachverhaltes. Alle Instanzen eines Normungsverfahrens wurden durchlaufen, anschließend wurde sie beschlossen und veröffentlicht. Voraussetzung für eine Norm ist, dass sie technisch ausgereift ist und einen Nutzen für den Anwender hat. Aus dem englischen Sprachgebrauch kommt der Begriff de-jure-Standard (wobei die englische Schreibweise auf die Bindestriche verzichtet), der sich mit dem deutschen Begriff Norm deckt.
Internationale Organisationen zu diesem Zweck sind ISO und IEC, nationale Normungsorganisationen in Deutschland sind das DIN (Liste von DIN-Normen) und die DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und dVDE). Diese Normen schreiben die allgemein anerkannten Regeln der Technik fest und ihre Einhaltung wird nicht selten in nationalen und internationalen (z. B. EU) Gesetzen und Verordnungen verbindlich vorgeschrieben.
Normen und weitere bedeutende Standards, bzw. Standardisierungsorganisationen finden sich auf der Liste von Standards.
Ein schönes Beispiel ist der erweiterte ASCII-Zeichensatz (Bytes 128 bis 255) des IBM-PC 1981; nachdem sich die Empörung der Fachwelt gelegt hatte, wurde er von allen kompatiblen Herstellern akzeptiert. (Siehe auch: Lochkarte.)
Schwächer ist der herstellerspezifische Standard, der sich etabliert, wenn eine Vielzahl von Anwendern aufgrund mehrjähriger Erfahrungen die Erkenntnis gewinnt, dass es vorteilhaft ist, den firmenspezifischen (proprietären) Spezifikationen eines Herstellers zu folgen.
Manche Standards werden durchgesetzt, obwohl sie eine Gruppe von Marktteilnehmern zu Gunsten einer anderen Gruppe benachteiligen. Beispielsweise benachteiligt der DVD-Video-Standard Konsumenten in der Form, dass eine künstliche Marktsegmentierung z. B. das Abspielen von DVDs aus Russland in europäischen DVD-Spielern verhindert (Regionalcode), obwohl dies technisch ohne weiteres möglich wäre. Nichtsdestotrotz erfreut sich die DVD inzwischen recht großer Beliebtheit.
Ein offener Standard ist unabhängig von einem speziellen Hersteller (d. h. er ist nicht proprietär) und hat allgemein bekannte Schnittstellen.
Siehe zu technischen Standards auch:
In der pharmazeutischen Industrie herrschen strenge Standards, was die Qualifizierung von Maschinen und die Validierung von Prozessen angeht. Nur die Einhaltung von Standardvorschriften garantiert die Reproduzierbarkeit des Prozesses und damit die gleich bleibende Qualität des Produkts. So muss jeder Mitarbeiter die in seinem Arbeitsbereich gültigen Standardarbeitsvorschriften kennen.
Für einen Anbieter eines Produkts gibt es mehrere Erwägungen, die seine Haltung bezüglich der Standardisierung seines Produkts beeinflussen:
Je nach individueller Einschätzung solcher Fragestellungen steht ein Marktteilnehmer einer Standardisierung seiner Produkte eher reserviert oder eher offen gegenüber. In den Fällen, in denen es Hersteller für individuell günstiger halten, nicht zu standardisieren, reicht das „Ausscheren“ einer relativ kleinen Gruppe von Anbietern in Form einer Standardisierung lediglich ihrer Produkte aus, um diese „Mauern der Inkompatibilität“ zu brechen. Denn in so einem Fall verzeichnen die Anbieter standardisierter Produkte verstärkt Nachfrage, im Gegensatz zu den Anbietern, deren Produkte nicht dem neuen Standard entsprechen. In solchen Fällen „springen“ oft die restlichen Anbieter „auf den anfahrenden Zug auf“ und akzeptieren einen so gesetzten Standard, allerdings mit dem Nachteil, Standard-konforme Produkte erst später als einige Mitbewerber einführen zu können. Aus diesem Grund wird bei allen Märkten, bei der das Risiko besteht, dass überhaupt ein Standard gesetzt werden könnte, möglichst früh standardisiert, um eben solche Nachteile für das eigene Unternehmen zu vermeiden.
Wegen des Anreizes, möglichst das Produkt oder die eigene Technologie zum Standard zu erheben, haben sich auch konkurrierende Standards gebildet, die in etwa das gleiche Problem lösen, jedoch wegen Inkompatibilität zu Marktsegmentierung führen. Dazu gehören z. B.:
Die Existenz konkurrierender Standards ist für den Kunden besonders nachteilig, weil die Entscheidungsunsicherheit auf ihm lastet. In einigen Fällen ist wegen der großen Marktdurchdringung eines bestimmten Standards bei Teilmärkten (z. B. NTSC in den USA) auch eine Entscheidung zugunsten des einen oder anderen Standards nicht absehbar. Dies bedeutet z. B. für Hersteller einen Mehraufwand (Unterstützung beider Standards) ohne Mehrnutzen. Manchmal setzt sich auch ein Standard durch, obwohl sein Konkurrent technisch überlegen ist.
Obwohl Standards eigentlich darauf gerichtet sind, Marktsegmentierung zu verhindern, sind einige Standards gerade deswegen gesetzt worden, um eine Marktsegmentierung erst zu ermöglichen. So definiert die Norm ISO 13406-2 z. B. die Pixelfehlerklasse 1 (kein Pixelfehler ist zulässig) und die Pixelfehlerklasse 2, welche z. B. 3 Pixelfehler bei einem SXGA+-TFT-Bildschirm zulässt. So gut für alle Flüssigkristallbildschirme für Notebooks wird nur die Pixelfehlerklasse 2 vertraglich zugesichert. Deswegen sind Notebooks mit Bildschirmen der vertraglich zugesicherten Pixelfehlerklasse 1 unverhältnismäßig teuer oder überhaupt nicht mehr käuflich zu erwerben. Auf diese Weise werden Konsumenten dazu gezwungen, Bildschirme der Pixelfehlerklasse 2 zu akzeptieren, obwohl es in jeder Serie von Flüssigkristallbildschirmen genügend Exemplare der Pixelfehlerklasse 1 gibt. Bevor die Pixelfehlerklasse 2 zum de-facto-Standard für Pixelfehler wurde, war jeder Pixelfehler ein Mangel und daher ein Grund, ein Austauschgerät zu verlangen. Da Pixelfehler nur dem „versierten Konsumenten“ als Mangel auffallen, konnte so erfolgreich eine Marktsegmentierung zwischen „unwissendem Konsumenten“ (Pixelfehlerklasse 2) und „versiertem Konsumenten“ (Pixelfehlerklasse 1) betrieben werden, sodass zum einen letzterer zur Zahlung höherer Preise gezwungen ist, um seine erwartete Leistung erhalten zu können, zum anderen die Qualität der Produkte (hier TFT-Panels) kostensparend abgesenkt werden konnte.
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