Der Ausdruck Stall, Stallung (eigentl. Standort, Stelle) bezeichnet meist ein Gebäude oder auch Teile eines Gebäudes auf einem Bauernhof, der zur separaten Unterbringung der Haustiere dient.
Für jede Tierart und Nutzungsrichtung gibt es bestimmte Bauformen, die den Erfordernissen von Fütterung und Bewirtschaftung, aber auch jenen der Wärmeregulierung und der Sauerstoffzufuhr für die gehaltenen Tiere richten. Insbesondere die Konstruktion großer Ställe muss an zahlreiche Gegebenheiten angepasst werden.
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Einzelhaltung
- mit Anbindefixierung:
- Langstand,
- Mittellangstand und
- Kurzstand
- Für Details siehe auch: Anbindestall
- Sperrboxenstand,
- Schwenkboxenstand (System Ryholm) und
- Mobilboxenstand (Unicar-System).
Jungtiere (Kälber) werden meist die ersten 2 Lebenswochen in Kälberhütten (auch Iglu, Außenhütte) gehalten. Ab der 8. Woche besteht Gruppenhaltungspflicht.
Gruppen- oder Herdenhaltung:
Der Laufstall ist bei Neubauten Standard, da er Vorteile bezüglich der Tiergesundheit und Arbeitswirtschaft aufweist.
Die Versorgung mit Wasser erfolgt über Tränken; die Futterversorgung über Tröge oder Futtertische.
Ausgewachsene Rinder erzeugen Sommer wie Winter eine große Wärmemenge. Das Rind bevorzugt Temperaturen von -5°C bis +8 °C.
Es wird zwischen Kalt- und Warmstall unterschieden. In einem Kaltstall (Außenklimastall) besteht ein Temperaturunterschied von +5 °C zum Außenklima. Er steht quer zur Hauptwindrichtung und hat an den Längsseiten ausreichend offene Flächen, so dass eine Querlüftung vorliegt. In den moderneren Ställen ist eine Stallseite offen. Je nach Temperatur wird die Zuluft bzw. Querlüftung durch verstellbare Curtains (eng. = Vorhang) geregelt.
In einem Warmstall wird der Luftaustausch meistens durch Zwangslüftung oder die passive First-Trauf-Lüftung vollzogen. Passive Belüftungssysteme nutzen das geringere spezifische Gewicht der durch die Tiere erwärmten Luft, die nach oben steigt und durch Firste entweichen kann. Der Trend geht im Rahmen des Kuhkomforts immer mehr zu Außenklimaställen.
Bei der Schweinehaltung gibt es viele Bauformen, die auch jeweils auf die Haltungsabschnitte abgestimmt sind.
Schweinemast
Die
Schweinemast erfolgt in Gruppen, sodass der
Schweinemaststall in Abteile unterteilt ist. Der Warmstall wird
zwangsbelüftet und die Versorgung mit Wasser erfolgt über
Nippeltränken. Die Futterversorgung ist wiederum sehr vielgestaltig, grob kann zwischen
Flüssigfütterung und
Trockenfütterung (beide Verfahren stark automatisiert) und bei kleinen Beständen Handfütterung unterschieden werden.
Sind die Funktionsbereiche Liegen und Misten getrennt, heißt die eingestreute Variante Dänische Aufstallung; bei strohloser Aufstallung wird ein teilweise ein Spaltenboden verwendet. Sind die Funktionsbereiche kombiniert und eingestreut, handelt es sich um einen Tiefstreustall, bei der strohlosen Variante ist der gesamte Boden mit Spalten versehen.
Sowohl Stroh- als auch Spaltenböden haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Strohaufstallung ist bei großen Beständen teurer und arbeitsintensiver, wird aber vielfach als artgerechter angesehen. Der ökonomische Vorteil der Spaltenböden kommt vor allem bei großen Beständen zum Tragen. Da dabei aber auch große Mengen aggressiver Gülle anfallen, muss diese mit weiterem Aufwand entsorgt oder nachgenutzt werden.
Ferkelerzeugung
Bei der
Ferkelerzeugung gibt es den
Deck- und Wartestall, wo die
Sauen besamt oder vom
Eber gedeckt werden. Die Sau wird dabei einzeln im
Kastenstand oder in Gruppen in Laufställen gehalten. Im
Abferkelstall liegt die Sau in einer
Abferkelbucht, die mit einem Ferkelschutzkorb ausgestattet ist, so dass die
Ferkel nicht von der Sau erdrückt werden können und eine meist mit
Rotlichtlampen geheizte Stelle haben, um ihren Wärmebedarf zu decken. An Nippeltränken können die Sauen trinken und das Futter wird mechanisch zur Verfügung gestellt oder von Hand ausgesteilt.
Einzeltierhaltung mit Anbindung in einem
Stand ist in Deutschland nur noch in Ausnahmefällen (Zirkus) oder vorübergehend erlaubt. Früher wurden Arbeitspferde überwiegend so gehalten, da es einen guten Zugriff erlaubt. Da die Tiere täglich bewegt wurden waren körperliche Schäden und Untugenden selten, im Gegensatz zum heutigen Reitpferd, das oft nur eine Stunde am Tag bewegt wird.
In einem
Boxenstall stehen die Tiere alleine im Gebäude und haben teilweise einen
Auslauf (
Außenbox). In Deutschland überwiegt der Boxenstall als Haltungsform, weil er für den Reiter den Vorteil hat, dass das Tier schnell verfügbar und geringer verschmutzt ist.
Die Gruppenhaltung kann in Sammelboxen oder Laufställen erfolgen. Hierbei wird auch zwischen Warm- und Kaltstall oder Ein- und Mehrraumstall unterschieden. In einem Kaltstall herrscht das Außenklima vor, was aus Sicht der Krankheits
prävention vorzuziehen ist. Laufställe sind meistens mit einem Auslauf (auch
Paddock) versehen und als
Offenfrontstall gebaut. In einem Mehrraumstall sind die Funktionsbereiche Fressen, Liegen und Laufen getrennt.
Für weiter Informationen siehe auch: Pferdehaltung
Geflügel
Bei der
Geflügelhaltung ist die Stallform ebenfalls stark von der Nutzungsrichtung abhängig.
Mastgeflügel
Zum Mastgeflügel zählen
Hähnchen (auch:
Broiler),
Puten und wirtschaftlich weniger bedeutend
Gänse,
Enten,
Tauben,
Strauße und
Wachteln.
Die Ställe für Hähnchen und Puten unterscheiden sich nicht stark. Entweder werden die Tiere in geschlossenen Ställen mit
Zwangslüftung oder in Ställen mit freier Lüftung (siehe auch
Querlüftung)gehalten. Letztere werden
Naturstall oder
Louisianastall genannt. Der Boden ist hier nicht befestigt und wird mit einer ca. 35cm dicken Schicht aus gehäckseltem Stroh oder Weichholzhobelspänen eingestreut.
In der Längsrichtung sind die Versorungseinrichtungen für Futter und Wasser angebracht, die nach Mastende hochgezogen werden, damit der Stall gereinigt werden kann. Der geschlossene Stall ist massiv gebaut, meist mit verdunkelten Fenstern und kann beheizt und gekühlt werden.
Bei der Erwärmung wird entweder der ganze Raum geheizt oder nur punktuell die sogenannten
Kükenringe. Es werden offene oder geschlossene Gasstrahler oder Heizkanonen eingesetzt.
Gekühlt wird entweder mit sogenannten
Cooling pads werden, wobei hier Wasser verdunstet oder mit der sogenannten
Sprühkühlung, bei der feiner Wasserdampf durch Hochdruckanlagen erzeugt wird und verdunstet. Die Beleuchtung muss in Deutschland mindestens 20
Lux betragen, die Notfallbeleuchtung 2 Lux. Bei Neubauten muss die Einfallfläche für Tageslicht mindestens 3% der Stallgrundfläche betragen. Die Verwendung von blau-grünem Licht soll die Tiere beruhigen und
Kannibalismus senken.
In der Putenmast können auch Sitzstangen, Strohballen oder erhöhte Ebenen als Strukturelemente im Stall aufgestellt werden. Aus der Sicht des Tierschutzes ist das wünschenswert (arttypisches Ruheverhalten, Beschäftigungsmaterial), aus arbeitswirtschaftlicher Sicht muss die Lösung gut durchdacht sein. Die Tiere dürfen auch nicht zu schwer sein, da sie sonst auf den Sitzstangen Ballengeschwüre und Defekte im Brustbereich bekommen können.
Legehennen
Folgende Formen der Legehennenhaltung können unterschieden werden:
In der Europäischen Union regelt eine Verordnung die Anforderungen an die Ställe. In Deutschland wurde diese Verordnung nicht 1:1 übernommen, sondern mit der
Legehennenverordnung die Anforderungen verschärft.
Die Einzeltierhaltung erfolgt nur noch selten bei Ziegen, dabei werden diese mittels Ketten angebunden. Die Vorteile sind geringer Platzbedarf und gute individuelle Betreuung. Die Nachteile (Bewegungsmangel, fehlende Umweltreize) überwiegen aber, sodass diese Haltungsform aus
Tierschutzsicht abzulehnen ist.
Gruppenhaltung erfolgt im Boxenstall bei viel Platz und Gruppengrößen bis zu fünf Tiere. Vorteilhaft ist die Entwicklung der Lämmer, nachteilig ist der erhöhte Arbeitsaufwand. Das Futter wird im
Trog (für
Kraffutter und
Saftfutter) und einer
Raufe (für
Heu) angeboten.
Tränkebecken sichern die Wasserversorgung.
Größere Herden werden vorwiegend im Laufstall gehalten. Dabei können die Funktionsbereiche Fressen, Liegen und Laufen kombiniert sein, dann spricht man vom
Einraumlaufstall. Beim
Zweiraumlaufstall ist der Fressbereich erhöht und nicht
eingestreut. Der Liegebereich kann ganz oder teilweise mit Rosten ausgestattet sein, dort wo keine Roste sind, kann auf den Holz- oder Betonboden
Stroh eingestreut werden.
Die Futterversorgung geschieht meistens am
Fressgitter, welches aus verschiedenen Formen bestehen kann. Die Wasserversorgung ist wie im Boxenstall oder mit langen Trögen.
Mit beweglichen
Gattern kann der Stallraum unterteilt werden und so bestimmte Gruppen getrennt gehalten werden (z.B.
laktierende und nicht-laktierende Tiere).
Neben- und Vorratsgebäude
Allgemein wird das Futter nah beim Stall gelagert, im besten Fall in separaten Räumen, damit bei staubigem Material die Stallluft nicht belastet wird und Feuchtigkeit aus dem Stall nicht das Futter verderben kann. In älteren bäuerlichen Ställen wird das Futter und die Einstreu oft im Dachboden über den Tieren gelagert. Es lässt sich von oben leichter an die benötigten Stellen transportieren und herab werfen, trägt andererseits auch zur Wärme
isolierung bei.
Bei großen Tierbeständen ist ein Büroraum sinnvoll, wo alle notwendigen Arbeiten direkt erledigt werden können. Ein weiterer Raum ist für Arbeitsgeräte vorzusehen.
Bei der Schweinehaltung mit großen Beständen ist besonderes die Trennung zwischen Stall und Außenbereich wichtig, um das Eintragen von Krankheitserregern zu verhindern. Man spricht auch vom Schwarz-Weiß-Prinzip. Dabei wird in einem speziellen Raum (Schleuse genannt) von der "normalen" Kleidung zur Stallkleidung gewechselt. Jeder, der den Stall betreten möchte, muss dann dort hindurch.
Siehe auch
Literatur
- Reiner Brunsch, Otto Kaufmann, Thomas Lüpfert: Rinderhaltung in Laufställen. Ulmer, Stuttgart 1996 ISBN 3-8001-4533-2
- Jens Marten: Pferdehaltung. AID, Bonn 1996 (AID, Band 1309)
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