Der Stalhof bezeichnete seit 1475 ein umfriedetes Gelände an der Themse, auf dem die Hansekaufleute in London/England ihre Niederlassungen hatten. 1853 wurde das Gelände von den Hansestädten Lübeck, Bremen und Hamburg endgültig verkauft.
Guildhall
Um
1238 und
1260 wurden von
Heinrich III. die
Privilegien der Kaufleute bestätigt, sie galten nunmehr für alle deutschen
Hansekaufleute in London. Die Haupthandelsgüter der deutschen Kaufleute wandelten sich, anstelle des Wein traten vor allem
Getreide und
Tuche, die nach England importiert wurden.
Stalhof
Aufgrund von Handelsfragen kam es
1470 zu einem Krieg zwischen England und der Hanse, der mit dem
Frieden von Utrecht (1474) beendet wurde. Nach diesem Friedenschluss wurde den Kaufleuten das an die Guildhall angrenzende Gelände vom englischen König übertragen. Dieses Gelände wurde mit einer starken Mauer umgeben und Steelyard bzw. Stalhof genannt. Auf dem Gelände befand sich ein eigener
Kran, eigene Wirtschafts- und Wohngebäude, sowie ein Garten. Als Ende des 16.Jahrhundert die Auseinandersetzungen, um die Tuchexporte zunahmen und England mit dem deutschen Kaiser im Krieg lag, wurden
1598 der Stalhof durch Königin
Elisabeth beschlagnahmt und alle Handelsprivilegien aufgehoben. Anlass war die Ausweisung der englischen
Merchant Adventurers aus
Stade im selben Jahr.
1606 wurde der Stalhof den früheren hanseatischen Eigentümern zurückgegeben, die Privilegien aber nicht erneuert. In den folgenden Jahren hatte er wirtschaftlich kaum noch eine Bedeutung.
1666 während des großen
Brandes von London wurden die meisten Gebäude zerstört und
1853 verkauften die Rechtsnachfolger der Hanse
Lübeck,
Bremen und
Hamburg das Gelände endgültig.
Holbein, Hans - Georg Gisze, a German merchant in London.jpg, 34 Jahre aus Danzig, Kaufmann im Stalhof 1532]]
An der Spitze des Stalhofes stand der von den Kaufleuten an Neujahrstag gewählte Ältermann, sowie zwei Beisitzer. Der Ältermann repräsentierte den Stalhof nach aussen, sorgte für die Durchsetzung der Regelungen im Inneren und war Gerichtsherr. Die Kontorstatuten des Stalhof forderten, das je einer dieser gewählten Männer, eine der folgenden Regionen genannt Drittel repräsentieren sollte. Das erste Drittel bezeichnet Köln und weitere linksrheinischen Städte. Das zweite Drittel umfasste die rechtsrheinischen, westfälische, sächsischen und wendischen Städte. Aus Gotland, Livland oder den preußischen Städten Danzig und Elbing mussten Kaufleute stammen, die das letzte Drittel repräsentieren sollten. Da die Kölner Kaufleute immer in der Mehrheit im Stalhof waren, stellten sie meist den Ältermann. Der Stalhof finanzierte sich hauptsächlich aus einer Abgabe Schoß genannt, die alle Hansekaufleute entrichten mussten, die England bereisten.
Der Stalhof war den anderen hansischen Niederlassungen in England wie denen in Boston oder King's Lynn übergeordnet. Ein Eindruck über Selbstdarstellung der hansischen Kaufleute im Stalhof vermitteln, die von Hans Holbein dem Jüngeren gemalten Portraits. Neben den sieben namentlich zuordnenbaren Portraits hanseatischer Kaufleute von Hans Holbein gibt es detaillierte Beschreibungen des Stalhofs durch den Londoner Stadtbiographen John Stow.
Namenstheorien
Über die Entstehung des Namen herrscht keine Einigkeit. Nach einer These leitet er sich ab von:
mittelhochdeutsch,
althochdeutsch stal, niederländisch
stal, englisch
stall, schwedisch
stall, was ursprünglich bedeutetete
die Stelle, Stand, Standort. Neuere Forschung vermutet, dass das niederdeutsche Verb
stalen, was soviel heißt wie auszeichnen bzw. verplomben, dahinter steht. So sind bei archäologischen Grabungen viele Blei- bzw. Wachs
plomben gefunden worden, die der Ver
zollung von Tuch bzw. als Herkunftssiegel gedient haben könnten. Seit dem 14. Jahrhundert sind auch viele tuchverarbeitende Berufe nahe des Stalhofs nachzuweisen.
Auf dem Grundstück an der Themse befindet sich heute der Bahnhof Cannon Street.
Literatur
- Die Hanse Lebenswirklichkeit und Mythos, Austellungskatalog Band 1, Hamburg 1989
Weblinks
Hanse | Geschichte Kölns | Hamburger Geschichte | Geschichte Bremens | Lübecker Geschichte
steelyard