Die Stahlkrise war eine Wirtschaftskrise gegen Ende der 1960er, Ende der 1970er, Anfang der 1980er und in den 1990er Jahren des 20. Jahrhunderts in Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, Großbritannien, Italien und den USA.
Infolge des ruinösen Wettbewerbs Mitte der 1960er Jahre bildeten 31 Unternehmen der Stahlindustrie der Bundesrepublik Deutschland mit Billigung der Montanunion ein von 1967 bis 1971 bestehendes Verkaufskartell. In mehreren regionalen Stahlkontoren waren die Vertriebsorganisationen und -gesellschaften der verschiedenen Stahlkonzerne zusammengefasst. Aufträge wurden nach einem Quotensystem auf die angeschlossenen Unternehmen verteilt, um einen ruinösen Wettbewerb wegen der weltweiten Überkapazitäten zu verhindern.
Waren im Rekordjahr 1974 in der Bundesrepublik Deutschland noch 53 Mio. Tonnen Rohstahl erzeugt und die höchsten Gewinne der Branche seit Managergedenken eingefahren worden, so löste die abnehmende Nachfrage in den späten 1970er Jahren eine Krise aus.
Entfielen 1950 noch 70,1% der Rohstahlerzeugung auf die USA und die damaligen EG-Staaten, so verteilten sich 1964 noch 48,5% auf die USA und 10,7% auf die EG-Länder und 1974 bloß noch 40,3% bzw. 3,8%. Technische Entwicklungen, wie die Einführung des Linz-Donawitz-Verfahrens oder des Stranggußverfahrens, senkten vor dem Hintergrund internationaler Konkurrenz die Kosten der Stahlerzeugung, forderten jedoch hohe Investitionen, die zu einem Subventionswettlauf beitrugen.
Im Zuge des Konzentrationsprozesses in Deutschland wurden die meisten Hochöfen des Ruhrgebiets geschlossen. Die Hauptproduktion wurde nach Duisburg verlagert. Der West-Verlagerung von Stahlstandorten im Rhuhrgebiet an die Rheinschiene ging in den späten 1980er Jahren zunächst die Schließung des Krupp-Hüttenwerks in Rheinhausen voraus, die erste markante Aktivität des nachmaligen Organisators der Konzentration auf Seiten von Krupp, Gerhard Cromme.
Die Westfalenhütte und die Phönix-Hütte von Hoesch in Dortmund und die Henrichshütte von Thyssen in Hattingen wurden nach China verkauft. Gleiches geschah mit der Kokerei Kaiserstuhl, der damals modernsten Kokerei Europas, die nach nur wenigen Betriebsjahren aufgrund der Verlagerung der Stahlerzeugung des ThyssenKrupp-Konzerns an die Rheinschiene keinen Absatz mehr hatte. In Duisburg-Beeckerwerth entstand 1993 ein neuer, moderner Hochofen, der die Arbeit seiner drei alten Vorgänger übernahm (12.200 Tonnen Roheisen pro Tag). Thyssen konzentrierte sich bereits vor seiner Fusion mit Krupp-Hoesch auf die Produktion von Flachstahl und verkaufte sein Profilstahlgeschäft. Dieser Konzentrationsprozess kostete vor allem im Ruhrgebiet eine fünfstellige Zahl von Arbeitsplätzen.
Insgesamt ist zu erkennen, dass Phasen von Stahlhochkonjunktur und Baisse abwechselten, grob betrachtet in einem Siebenjahreszyklus. In den Hochkonjunktur-Jahren wird im Stahl klotzig verdient, in den Baisse-Jahren wird gejammert, rationalisiert, und es werden Werke geschlossen. Der letzte deutsche Vereinigungsprozess, das Aufkaufen der Hoesch-Mehrheit seitens Krupp 1992 und die sieben Jahre später vollzogene Ehe Thyssen-Krupp hatte jedoch einen Phasenversatz der Unternehmens-Aktivitäten zur Folge, der zu Teilen übersah, dass es aus der letzten Stahlkrisenzeit bereits wieder Signale zum Aufbruch gab. So wurden Entscheidungen getroffen wie die Verkäufe von Stahlwerks- und Kokereieinrichtungen an chinesische Kooperationspartner, die heute zu Zeiten von voll ausgelasteten Kapazitäten und insbesondere von extremen Engpässen in der Koksherstellung und folglichen Höchstpreisen für Koks im Nachhinein fraglich werden.
Angesichts fortdauernder Konzentrationsprozesse auf den Märkten der Stahlerzeugung (siehe Mittal Steel und Arcelor) ist fraglich, ob die deutschen Stahlunternehmen langfristig eigenständig überleben können, oder ob sie zu klein bzw. in ihren Entscheidungen zu langsam sind, um langfristig im internationalen harten Stahlwettbewerb als eigenständige Einheiten zu bestehen.
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