Ein Stahlhelm ist eine aus Stahl bestehende, militärische Kopfbedeckung, die primär Schutz vor Granatsplittern bieten soll. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs führten die Armeen der europäischen Großmächte derartige Helme ein. Im engeren Sinne sind mit der Bezeichnung Stahlhelm nur die deutschen Formen dieses Helmtypus gemeint, jedoch hat sich der Begriff mittlerweile für jeden aus Stahl hergestellten militärischen Helm durchgesetzt. Auch im englischen wird das deutsche Wort benutzt.
Bereits im Dezember 1914 ließ der französische General Adrian einige Soldaten mit Stahlkappen ausstatten, welche unter dem "Kepi" getragen wurden und die Schädeldecke schützen sollten. Diese Kappen waren 5 mm dick und wogen 250 Gramm. Versuche ergaben, dass etwa 60 Prozent aller heranfliegenden Granatsplitter an ihnen abprallten. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse ordnete die französische Regierung die Massenproduktion der Stahlkappen an. Bis März 1915 wurden 700.000 Stück produziert und an Frontsoldaten ausgegeben. Parallel dazu entwickelte man auf französischer Seite einen noch effektiveren Kopfschutz, welcher aufgrund der verlustreichen Kämpfe in der Champagne (Februar-März 1915) notwendig geworden war. Man begann mit der Produktion des "Adrian"-Helms, der im Juli 1915 erstmals an der Front zum Einsatz kam.
Arian helmet 1.jpg Der "Adrian" bestand aus 1 mm dickem Stahl und verfügte über eine Krempe, die auf der Vorderseite breiter als auf der Rückseite des Helms war. Die Helmglocke wurde mit einem niedrigen Kamm versehen. Der "Adrian" wurde in 70 Arbeitsschritten angefertigt und in drei verschiedenen Größen ausgeliefert. Bis zum Herbst 1917 erreichte die tägliche Produktionszahl an "Adrians" 7.500 Stück. Die belgischen, russischen, italienischen und serbischen Truppen übernahmen bis 1917 den "Adrian". Durch die Einführung des "Adrian" wurde die britische Militärführung dazu ermutigt, ebenfalls einen derartigen Kopfschutz entwickeln zu lassen.
M1917helmet.jpg Im Sommer 1915 entwickelte der britische Ingenieur John Brodie den Mk I-Helm, der eine starke Ähnlichkeit mit einer Variante des mittelalterlichen Eisenhuts aufwies. Brodie war sich dieser Analogie bewusst, doch ging es ihm bei der Entwicklung eines Stahlhelms um die Vereinfachung des Herstellungsprozesses. Der Mk I "Brodie" wurde in nur einem Arbeitsschritt, einem einfachen Tiefziehvorgang, aus einer Stahlplatte gefertigt. Großer Wert wurde auf die Auskleidung des Mk I mit Futterstoff gelegt, der die Übertragung der Wucht eines auftreffenden Granatsplitters auf den Kopf des Helmträgers dämpfen sollte. Da die Ausstattung der britischen Soldaten mit Stahlhelmen als äußerst dringlich eingestuft wurde, verzichtete man auf ausgiebige Versuche zur Feststellung der Schutzwirkung des Mk I. Der Helm schützte nur vor langsam heranfliegenden Granatsplittern, war aber dafür mit einem Gewicht von 750 Gramm bequem zu tragen.
Im November 1915 wurde der Mk I "Brodie" erstmals in nennenswerter Anzahl an der Front eingesetzt. Zunächst erhielten nur die Soldaten in den vordersten Frontlinien einen Mk I. Es war nicht unüblich, dass in den Monaten unmittelbar nach der Einführung des Mk I nur jeder zehnte Soldat einer britischen Einheit über einen solchen Helm verfügte. Der Helm wurde von den britischen Frontsoldaten als Tin Hat (Blechhut) bezeichnet. Als 1917 die USA in den Krieg eintraten, erwarben sie zunächst Mk I-Helme von ihrem britischen Verbündeten. Seit Anfang 1918 produzierten die USA mit dem M1917 einen eigenen Helmtypus, bei dem es sich jedoch nur um eine Variante des Mk I handelte.
Da sich die deutsche Armee bei der Entwicklung eines effektiven Kopfschutzes zögerlich verhielt, gingen manche Einheiten seit 1915 dazu über, provisorische Helme herzustellen. Die in den Vogesen stehende "Armee-Abteilung Gaede" entwickelte einen Helm, der aus einer mit Stoff gefütterten Lederkappe bestand. Auf der Vorderseite der Kappe wurde eine 6 mm dicke Stahlplatte angebracht, welche nicht nur die Stirn, sondern auch Augen und Nase schützte. Der "Gaede"-Helm wog 2 Kilogramm und war knapp ein Jahr lang in Gebrauch.
Im August 1915 reichte der Ingenieur Friedrich Schwerd seine Pläne für einen Stahlhelm beim deutschen Generalstab ein. Im Dezember wurden erste Exemplare des Helmes an der Front getestet. Es folgte die Anordnung der Massenproduktion, die im Januar 1916 anlief. Der Chef der Obersten Heeresleitung, Erich von Falkenhayn, ließ die Stahlhelme ab Februar an die Fronteinheiten verteilen. Zu Beginn der Schlacht um Verdun waren manche der dort kämpfenden deutschen Einheiten bereits mit den neuen Helmen ausgerüstet.
Der aus Chromnickelstahl bestehende deutsche Stahlhelm wurde offiziell als "Stahlschutzhelm, Modell 1916" oder kurz M1916 bezeichnet. Der M1916 wurde in sechs Arbeitsschritten aus einer Stahlplatte gefertigt, die 1,1 mm dick war. Es war vorgesehen, dass 5 Prozent aller Stahlhelme - vorzugsweise die der MG-Schützen - mit einer zusätzlichen, 1 cm dicken Platte, dem sogenannten "Stirnpanzer", zum Schutz der Stirnpartie ausgestattet würden. Dies konnte aufgrund des Rohstoffmangels nicht realisiert werden, zudem war die Stirnplatte bei den Soldaten unbeliebt. Sie wurde oftmals zweckentfremdet und zur Verstärkung der Grabenwände benutzt. Die Verbündeten Österreich-Ungarn und Bulgarien übernahmen nach kurzer Zeit den M1916.
Für die türkischen Streitkräfte wurde eigens eine abgewandelte Form entworfen, bei der der markante weit vorgezogene Augenschirm fehlte. Diesen konnte der moslemische Soldat zum Gebet aufbehalten. Etwa 5.400 Stück sind offenbar seit 1918 produziert worden, wurden aber wohl nicht mehr in die Türkei geliefert und fanden anscheinend bei deutschen Freikorpsverbänden in der Nachkriegszeit Verwendung. Die Piloten der deutschen Jagdflugzeuge gingen 1917 dazu über, anstatt der ledernen Fliegerkappe den M1916 zu tragen.
Da die tiefe Krempe an den Seiten und im Nacken des M1916 das Hörvermögen des Helmträgers durch Rauschen beeinträchtigte, wurde sie bei einem Sondermodell des seit 1918 produzierten M1918 an der Ohrenpartie ein Stück ausgeschnitten. Das Modell M1918 wurde jedoch bis Kriegsende nur in geringen Stückzahlen hergestellt und erreichte die kämpfende Truppe nicht mehr im vorgesehenen Maße; ebensowenig wie eine Ausführung ohne den nach vorn gezogenen Schirm (ähnlich der türkischen Exportversion) für die Besatzungen von Panzerfahrzeugen, da hier der Schirm bei der Waffenbedienung und der Beobachtung durch Sehschlitze hinderlich war.
Sowohl der M1916 als auch der M1918 wurden seit Juli 1918 mit Tarnfarben versehen. Es wurden dazu großflächige Farbfelder in rostrot, sandgelb und grün aufgetragen, die durch eine dicke schwarze Linie voneinander abgetrennt waren. So wie der "Adrian" und der "Brodie" sorgte der deutsche Stahlhelm dafür, das die Zahl der Kopfverletzungen innerhalb kurzer Zeit deutlich sank. Die Schutzwirkung war aufgrund der tieferen Passform und des (eventuell erst bei späteren Modellen) gehärteten Stahls im Vergleich etwa zum französischen Modell besser.
Bei vielen Soldaten war eine starke Identifikation mit dem Stahlhelm gegeben, der als Symbol für eine soldatische Gemeinschaft und als Bindeglied zwischen mittelalterlichen Ritterhelmen und der modernen Kriegsführung betrachtet wurde. So verwundert es nicht, dass sich der im Dezember 1918 gegründete Bund der Frontsoldaten, der schnell zum Sammelbecken demokratiefeindlicher Kräfte wurde, nach dem Stahlhelm benannte.
Während die demokratischen Nationen USA, Großbritannien und Frankreich die Weiterentwicklung des Stahlhelms nach dem Ende des Ersten Weltkriegs vernachlässigten und ihre Armeen weiterhin den M1917, den Mk I und den "Adrian" verwendeten, führten die autoritären Regime Italien, Deutschland und die Sowjetunion in den 30er Jahren neue Helme ein. Die Armee des faschistischen Italien führte 1933 den M933 ein, der an eine vereinfachte Form des deutschen M1916 erinnerte.
Im Zusammenhang mit der Wiedereinführung der Wehrpflicht wurde 1935 im Deutschen Reich mit der Produktion des M1935 begonnen. Die Form des M1935 entsprach im Wesentlichen der des M1916, doch war der M1935 kleiner und leichter. Insbesondere der Augenausschnitt und der Nackenschirm wurden eingekürzt, die Befestigungsbolzen für den Stirnschutz (gleichzeitig Belüftung) wurden durch Belüftungsbuchsen ersetzt. Der M1935 wurde in fünf Größen hergestellt, die zwischen 800 Gramm und 1,2 Kilogramm wogen. Eine Fertigung aus Molybdänstahl erhöhte die Festigkeit um 15%.
In der Sowjetunion wurde 1936 ein neuer Helmtypus eingeführt, der Elemente des deutschen M1918 und des "Adrian" vereinte. Im selben Jahr wurde im Deutschen Reich erstmals ein Helm hergestellt, der speziell für Fallschirmjäger konzipiert worden war. Dieser entsprach einem M1935 mit stark verkürzter Krempe und verfügte über ein besonders starkes Innenfutter. In Großbritannien wurde der Mk I 1936 geringfügig modifiziert und fortan als Mk II bezeichnet.
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Stahlhelm_5_WWII_Canada.jpg Die britische Armee führte erst Ende 1943 mit dem Mk III einen neuen Stahlhelm ein. Dieser verfügte über einen langen Nackenschirm, war mit einem Gewicht von 1,1 Kilogramm etwa 100 Gramm schwerer als der Mk II und besser ausbalanciert als das Vorgängermodell. Es wurden jedoch nur wenige britische und kanadische Einheiten bis zum Ende des Krieges mit dem Mk III ausgestattet.
Seit 1943 wurden die Mannschaften der US-amerikanischen Bomber durch Helme des Typs M3 geschützt. Diese Stahlhelme waren mit Leder überzogen und ließen die Ohrenpartie weitgehend unbedeckt, um das Tragen von Kopfhörern zu ermöglichen. Es folgte der identisch geformte M4, der jedoch mit einem preiswerteren Überzug aus Khaki versehen wurde. Das Nachfolgemodell M4A2 schützte die Ohrenpartie durch hochklappbare Metallwangenstücke. Bei dem geringfügig modifizierten M5 handelte es sich um den letzten Helmtypus, der von den amerikanischen Bomber-Mannschaften des Zweiten Weltkriegs getragen wurde. Die U.S. Army Air Force wurde von 1943 bis zum Kriegsende mit insgesamt 393.000 Helmen beliefert. Diese Helme trugen, zusammen mit Splitterwesten, dazu bei, dass die Verwundungsrate unter den Bomber-Piloten innerhalb weniger Monate um 61% sank.
Auch der deutsche Stahlhelm wurde im Zweiten Weltkrieg nochmals überarbeitet. Beim Modell 1942 entfiel der ehemals gebördelte Rand und er wurde aus Siliziummanganstahl hergestellt.
In Deutschland wurde 1942/43 unter Leitung des Ingenieurs Erich Kiesan ein neuer Stahlhelm für die Wehrmacht entwickelt, der im EHW Thale erfolgreich erprobt und in geringer Stückzahl produziert wurde, jedoch einerseits auf Grund der Erhaltung der Einheitlichkeit (man bedenke die gewaltige notwendige Stückzahl oder die Gefahr der Verwechslung bzw. nicht eindeutigen Identifizierung), wie auch aus Traditionsgründen nicht mehr zum Einsatz kam. Dieser Helm hatte durch seine abgeflachte Form mit Seiten im 45-Grad-Winkel einen hervorragenden Splitterschutz.
Es gab davon zwei Ausführungen, zum Einen den recht bekannten, bis 1990 in der NVA verwendeten Stahlhelm M56, und einen fast baugleichen, aber auf der Oberseite wie bei früheren Modellen der Wehrmacht abgeflachten, Stahlhelm. Dieser abgeflachte, nach dem Krieg als M54 in geringer Stückzahl produzierte und an Einheiten der KVP ausgegebene Helm ist heute wegen seiner Seltenheit bei Sammlern sehr gesucht.
Der neue Stahlhelm M56 ("Gerät 604" im internen Schriftverkehr) hatte noch eine Besonderheit: Da er durch seine Form weit vom Kopf abstand, bestand für den Soldaten die Gefahr von Halswirbelverletzungen, wenn er,z.B. beim Sprung in einen Graben, mit dem Rand irgendwo hängenblieb. Dieser Gefahr wurde dadurch begegnet, daß das Futter in einem solchen Fall aus der Glocke herausgerissen wurde und am Kopf verblieb, während der Helm abgetrennt wurde. Der Helm oder das Futter wurden dadurch nicht beschädigt, sondern konnten wieder zusammengesetzt werden.
Nach 1990 sah man diesen Helm noch öfter im Fernsehen bei Berichten über den Kosovo-Krieg, wo er u.A. bei Kämpfern der UÇK wegen des guten Splitterschutzes und der hohen Verfügbarkeit sehr beliebt war. Auch heute noch taucht er gelegentlich in Afrika und anderen kleineren Krisenherden auf.
Der M1-Helm wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch jahrzehntelang von der U.S. Army verwendet. In abgewandelter Form fand er sich auch in der Bundeswehr wieder. Hier waren vor allem das Futter und der Kinnriemen verbessert worden, zudem wurde auf den amerikanischen Plastikinnenhelm verzichtet.
Erst Ende der 70er Jahre wurde der M1 durch den aus Kevlar bestehenden PASGT-Helm abgelöst. Dank seiner Ähnlichkeit zu den früheren deutschen Stahlhelmen trägt er in der Truppe den Spitznamen "Fritz Hat".
Zur selben Zeit ging die britische Armee mit der Einführung des GS Mk 6 ebenfalls zur Verwendung von Helmen aus Aramidfasern über, die einen besseren Schutz als die zuvor üblichen Stahlhelme bieten.
Trotzdem waren Stahlhelme in mehreren Mitgliedsstaaten der NATO und des Warschauer Vertrags bis in die 90er Jahre hinein gebräuchlich. Dies war vor allem in Staaten der Fall, in denen die Wehrpflicht galt und wo deshalb eine größere Anzahl an Soldaten mit Helmen ausgestattet werden musste. In den Armeen diverser Entwicklungsländer werden nach wie vor Stahlhelme verwendet.
Der Schutz eines modernen Helmes gegen Durchschlag hängt unter anderem vom Geschossdurchmesser und Auftreffwinkel ab. Bei einem 7,62 mm Geschoss beträgt die absorbierte Energie etwa 770 Joule und für ein 5,56 mm Geschoss etwa 420 Joule.Hübner: Scharfschützen Schießtechnik Kugelsicher sind diese Helme damit auch heute nicht. Ältere Helm-Kontruktionen liegen deutlich schlechter. In glücklichen Einzelfällen kann ein Helm allerdings eine verirrte Kugel aus großer Entfernung oder einen ansonsten tödlichen Abprallschuß in der Tat abhalten.
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