| Wappen | Karte |
|---|---|
| Wappen_Stadtilm.jpg | stadtilm_thueringen_karte.png |
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Thüringen |
| Landkreis: | Ilm-Kreis |
| Geografische Lage: | |
| Fläche: | ca. 17,27 km² |
| Einwohner: | 5.185 (30. Juni 2005) |
| Bevölkerungsdichte: | 300 Einwohner je km² |
| Höhe: | 360 m ü. NN |
| Postleitzahl: | 99326 |
| Vorwahl: | 03629 |
| Kfz-Kennzeichen: | IK |
| Gemeindeschlüssel: | 16 0 70 048 |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Straße der Einheit 1 99326 Stadtilm |
| Offizielle Website: | www.stadtilm.de |
| E-Mail-Adresse: | stadtilm@stadtilm.de |
| Politik | |
| Bürgermeister: | Joachim Günsel (SPD) |
Stadtilm ist eine Kleinstadt im Bundesland Thüringen, ca. 30 Kilometer südlich von Erfurt an der B 87. Die Stadt befindet sich am Kreuzungspunkt der ehemaligen Handelswege zwischen Ilmenau und Weimar sowie Erfurt und Rudolstadt. Sie ist eine von sieben Städten im Ilm-Kreis und liegt am Übergang des Thüringer Waldes zum Thüringer Becken am Fluss Ilm.
Im 13. Jahrhundert gehörte (Stadt)Ilm gleichzeitig zu zwei Herrschaftshäusern: Eine Hälfte (die obere Herrschaft) gehörte dem Haus Schwarzburg, die andere (die untere Herrschaft) dem Hause der Käfernburger. Die Grenze der beiden Staaten verlief genau durch das Gebiet der Ortschaft. Da zwischen beiden Häusern häufig Uneinigkeit bestand, hatten die Bürger Angst um ihr Wohlergehen. Um dem entgegenzuwirken, versicherten 1293 die damaligen Häupter der beiden Grafschaften, Graf Günther VIII. von Käfernburg und Günther XI., Graf und Herr zu Schwarzburg, dass bei möglichen Austragungen der Differenzen die Bürger der Stadt nicht in Mitleidenschaft gezogen werden sollten. Dieses Versprechen wurde 1302 wiederholt, es ist dann den Bürgern sogar gestattet worden, ohne Probleme von einem Teil der Stadt in den anderen zu ziehen. Zudem soll (Stadt)Ilm niemals Platz für „eine Burg oder ein Bollwerk“ werden. 1388 endete die Teilung der Stadt, als das schwarzburg-wachsenburgische Geschlecht den käfernburger Teil der verwitweten Gräfin Sophie von Käfernburg abkaufte.
Im Schwarzburgischen Hauskrieg (1447 - 1451) wurde Stadtilm drei Wochen lang durch 18.000 (nach anderen Quellen 1800) Mann des Kurfürsten Friedrich von Sachsen (der Sanftmütige) belagert. Von dieser Belagerung wird die Geschichte erzählt, dass sie dadurch beendet wurde, dass die Stadtilmer das letzte in der Stadt befindliche Schwein schlachteten, um ein letztes Fest zu feiern, bei dem auch Thüringer Rostbratwürste gebraten wurden. Die ebenfalls am Ende ihrer Vorräte angelangten Belagerer sahen die Rauchwolken, rochen die Bratwürste und sahen Stadtilm noch für lange Zeit gut versorgt, so dass sie die Belagerung aufgaben.
Während des Deutschen Bauernkrieges gab es keine Kämpfe in Stadtilm, obwohl 5000 bis 8000 Aufständische vor der Stadt lagerten. Nachdem die Stadttore geöffnet wurden, verköstigte das Zisterzienserkloster die rebellierenden Bauern. Einige der Bürger Stadtilms schlossen sich den Bauern an, vier von ihnen wurden nach der Niederschlagung des Aufstandes auf dem Arnstädter Marktplatz geköpft.
1571 teilte sich nach dem Tod Günthers XL. das Schwarzburgische Haus zunächst in vier Teile. 1599 waren jedoch zwei der Söhne Günthers XL. kinderlos gestorben, so dass mit dem dem „Stadtilmer Vertrag“ die Teilung des Schwarzburger Hauses in die zwei Linien Schwarzburg-Rudolstadt (dem Stadtilm angehörte) und Schwarzburg-Arnstadt vollzogen war.
Während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 wurde Stadtilm mehrmals von Landsknechten geplündert und auch einmal von schwedischen Truppen eingenommen.
Mehrmals zerstören große Brände Teile der Stadt. Beim Brand von 1675, der vermutlich im Gasthof „Roter Hirsch“ begann, verbrannten 23 Häuser sowie 26 Scheunen und Ställe. Am 1. August 1780 fielen neben allen öffentlichen Gebäuden 172 von 322 Wohnhäusern einem weiteren großem Stadtbrand zum Opfer (nach anderen Quellen 173 von 312 Häusern). Ursache soll übergekochtes und angebranntes Fett in der Hütte eines Tagelöhners gewesen sein. Da aufgrund des Brandes die Kirche nicht mehr benutzbar war, musste ein neuer Ort gefunden werden, in dem die kirchlichen Zeremonien stattfanden. Im ehemaligen Kloster, welches nun als Schloss genutzt wurde, befand sich eine – wahrscheinlich vom Brand unversehrte – Kapelle, die während der neun Jahre dauernden Rekonstruktion der Kirche diesem Zweck genügte.
1917 wurden die beiden großen Kirchenglocken aus dem Jahr 1783, sowie die 1775 und 1805 gegossenen Glocken der Oberilmer Kirche abgebaut, da das Metall dringend in der Rüstungsindustrie benötigt wird. Aus dem Ersten Weltkrieg kommen 138 Bewohner Stadtilms sowie 15 Bewohner des heutigen Ortsteils Oberilm nicht zurück.
Im Dezember 1918 – kurz nach Ende des Krieges – wurde zum ersten Mal Stadtilmer Notgeld in Umlauf gebracht, zunächst nur 5- und 10-Pfennig-Scheine, später auch 50-Pfennig-Scheine. 1923, zum Höhepunkt der Inflation, entsprachen 10 Milliarden Mark Notgeld 1 Pfennig in Goldmark.
Am 26. August 1939 werden die Reservisten der Wehrmacht wieder einberufen und im RAD am Buchberg einquartiert, um eine Nachschubkompanie aufzustellen. Bereits am 31. August 1939 – einen Tag vor Beginn des zweiten Weltkrieges – wird die Kompanie in Bewegung gesetzt, der Abtransport findet mittels Zug Richtung Arnstadt statt. 1940 wird in Stadtilm erstmalig Luftalarm ausgelöst, die alliierten Kräfte werfen ihre Bomben jedoch nur in benachbarten Ortschaften ab. Die 1924 als Ersatz für die im Ersten Weltkrieg demontierten neu gegossenen Glocken der Stadtilmer Stadtkirche wurden 1942 erneut demontiert. Auch sie dienten der Rüstungsindustrie als Rohstoff, nur der kleinsten Glocke bleibt dieses Schicksal erspart.
Im April 1945 wurde Thüringen Stück für Stück durch die US-amerikanischen Streitkräfte erobert. Um den 4. April befanden sich die Truppen bereits kurz vor Gotha. Häftlinge des KZ Buchenwald, welche zuvor Arbeiter im Lager S III (Jonastal) waren, wurden während des so genannten Todesmarsches ab dem 6. April 1945 gruppenweise durch die Stadt geführt. Heute erinnert ein Denkmal in der Maxim-Gorki-Straße an die Opfer dieses Marsches.
Bereits im August 1943 richtete die Forschungsgruppe um Dr. Kurt Diebner ein Kernforschungslabor in den Kellergewölben der damaligen Mittelschule ein. Dort wurden Experimente zur Urankernspaltung und Brennversuche mit Uran und Deuteriumoxideis durchgeführt. Dieses Labor bestand bis Anfang April 1945, als Diebner angesichts der nahenden Alliierten mit seinen Forschungsergebnissen Richtung Bayern flüchtet.
Um den Vormarsch der Amerikaner aufzuhalten, wurde versucht, strategische Verkehrswege unpassierbar zu machen. Nachdem bereits die Mühlgrabenbrücke komplett und die Oberilmer Brücke teilweise durch Wehrmachtsangehörige zerstört wurden, versuchte man am 10. April den Viadukt der Bahnstrecke nach Arnstadt ebenfalls zu zerstören. Der erste Sprengversuch mit zwei Zwei-Zenter-Bomben richtet kaum Schaden am Bauwerk an, ein zweiter Sprengversuch durch eine auf dem Viadukt liegende Mine kann durch Stadtilmer Bürger verhindert werden.
Am 11. April 1945 wurde bei der Detonation einer Fliegerbombe im Kirchgarten die Methfesselschule zerstört, auch die Stadtkirche wurde schwer beschädigt. Die Schule war zuvor Unterkunft für die Nachrichteneinheit 500 der SS.
Am Morgen des 12. April 1945 rückten erste US-amerikanische Truppen in die Stadt ein und treffen dort noch auf Widerstand des Volkssturmes, der jedoch nicht lange standhält, so dass noch am gleichen Tag die Stadt den Amerikanern übergeben wird.
| Naw stadtilm 1959 page 1.jpg | Naw stadtilm 1959 page 2.jpg | Naw stadtilm 1959 page 3 and 4.jpg |
| Aufbau-Karte des NAW 1959 der Stadt Stadtilm |
Die in der ganzen DDR stattfindenden Demonstrationen am 7. und 8. Oktober 1989 betrafen Stadtilm noch nicht, nur in der Kreisstadt Arnstadt wurde demonstriert. Am 10. Dezember 1989 fand die erste Schweigedemonstration statt, die vom Marktplatz aus durch mehrere Straßen der Innenstadt führt.
Nach der Wende und dem Zusammenbruch der DDR fanden am 6. Mai 1990 die ersten freien Kommunalwahlen statt, bei denen die CDU mit 12 Sitzen und die SPD mit 11 Sitzen die höchsten Wahlergebnisse erreichten. 1994 wurden der Landkreis Arnstadt, zu dem Stadtilm bis dahin gehörte, mit dem Landkreis Ilmenau zum Ilm-Kreis zusammengelegt. Das Hohe Kreuz, eine kleine bei Stadtilm gelegene Siedlung, entschied sich im gleichen Jahr mit 12:10 Stimmen, nicht Stadtilm, sondern der Gemeinde Niederwillingen an. 1996 schloss sich diese mit anderen Gemeinden zur Gemeinde Ilmtal zusammen.
| Zeitraum | Name | Partei |
|---|---|---|
| 2000 - heute | Joachim Günsel | SPD |
| CDU | SPD | FDP 1990 als Bund Freier Demokraten, später mit der FDP zusammengeschlossen. | PDS | VSB e.V. | NF | DFD | FWG | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Kommunalwahl 1990 | 12 Sitze | 11 Sitze | 2 Sitze | 1 Sitz | 2 Sitze | 1 Sitz | 1 Sitz | |
| Kommunalwahl 1994 | ? | |||||||
| Kommunalwahl 1999 | 11 Sitze | 6 Sitze | 1 Sitz | 2 Sitze | ||||
| Kommunalwahl 2004 | 7 Sitze | 6 Sitze | 1 Sitz | 3 Sitze | 3 Sitze | |||
Die Flagge der Stadt besteht aus zwei gleich breiten, übereinander angeordneten Bahnen in Blau und Weiß, darauf aufgesetzt ist das oben beschriebene Stadtwappen.
Eine lange Tradition hat in Stadtilm auch der Orgelbau. Die ältesten Belege für den Stadtilmer Orgelbau reichen bis 1625 zurück. Aus diesem Jahr stammte eine Orgel, die sich 1885 noch in der Cruciskirche in Sondershausen befand. Heute existiert immer noch ein kleiner Familienbetrieb, der sich vor allem auf die Restaurierung von Orgeln spezialisiert hat.
Als man Ende des 19. Jahrhunderts vermehrt nach Kohlevorkommen suchte, fand man in der Nähe des heutigen Ortsteils Oberilm ein ca. 80 Meter starkes Steinsalzvorkommen. 1903 wurde hier die Saline Oberilm errichtet, so dass ab 1905 die Produktion aufgenommen werden konnte. Die Saline ist noch heute aktiv, sie gehört neben der Saline Luisenhall in Göttingen zu den letzten Pfannensalinen Deutschlands und Mitteleuropas.
1889 begann auf dem flussaufwärts an der Ilm gelegenen Gebiet der Morgenleite, welches heute zu Stadtilm gehört, die Produktion von Bleiweiß. 1921 wurde auf dem Gebiet eine große Fabrik für Farben errichtet. 1943 begann die Produktion von Elektroisolationsmaterial, ab 1951 wurde die Produktion erneut umgestellt, die Firma wurde zum Gelantinewerk. Ab 1968 wurden auch Reinigungsmittel hergestellt, so dass die Firma 1973 in VEB domal Stadtilm umbenannt wurde, der einer der größten Hersteller für Reinungsmittel der DDR war.
1942 verlegte die Rheinmetall Borsig AG die Produktion von Gelenkwellen nach Stadtilm. Mit Ausnahme einer kurzen Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden seitdem nahezu ununterbrochen Gelenkewellen in Stadtilm produziert. Bis 1989 war der VEB Gelenkwellenwerk Stadtilm mit etwa 2000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Stadt. Heute existiert der Betrieb als GEWES - Gelenkwellenwerk Stadtilm GmbH weiterhin, musste jedoch die Beschäftigtenzahl auf ca. 260 reduzieren.
Stadtilm_museum.JPG im Museum]] Nach dem zweiten Weltkrieg wurden in Stadtilm die Carl Liebmann Metallwerke gegründet, welche sich auf den Bau von Spielzeugeisenbahnen konzentrierte. Die Firma war eine der wenigen deutschen Firmen, die Modelle im seltenen Maßstab Nenngröße S bauten. 1951 wurde der Betrieb in 1951 VEB Metallwarenfabrik Stadtilm umbenannt und verstaatlicht und baute noch bis 1964 Spielzeugeisenbahnen. Aufgrund ihrer Seltenheit zählen die Bahnen heute als Sammlerstücke.
Friedrich Fröbel, der von 1792 bis 1796 ebenfalls in Stadtilm die Schule besuchte, gründete am 13. November 1816 im benachbarten Griesheim die erste Allgemeine deutsche Erziehungsanstalt, welche jedoch schon ein Jahr später nach Keilhau verlegt wurde. Hier fand er die Grundlagen für seine Schriften zur Erziehung, die später zur Gründung des ersten Kindergartens in Bad Blankenburg führten.
1929 erhielt die Neue Schule den Namen Albert Methfessel.
Seit 1894 besitzt Stadtilm einen Bahnanschluss nach Arnstadt. 1895 wurde die Strecke Arnstadt - Stadtilm bis Saalfeld verlängert. Diese Eisenbahnlinie überbrückt das Ilmtal in Stadtilm mit einem großen Viadukt.
Das Kloster bestand rund 250 Jahre. Infolge der Reformation wurde Stadtilm 1533 evangelisch, das Kloster wurde aufgelöst und ging an die Schwarzburger Grafen, war jedoch zunächst aufgrund von Besitzstreitigkeiten nur ein Kammergut, so dass große Teile verfielen. Erst mit dem Stadtilmer Vertrag von 1599 waren die Streitigkeiten um das ehemalige Kloster beigelegt. Es dauerte aber noch bis 1628, bis die Söhne des Grafen Albrecht VII. das dann schon unbewohnbare Gebäude zum Schloss umbauen ließen.
Beim großen Stadtbrand von 1780 wurde auch das Schloss in Mitleidenschaft gezogen, aber recht bald wieder aufgebaut. 1865 wurde die Freiwillige Feuerwehr der Stadt gegründet und hat ihren ersten Einsatz bei einem weiteren Brand im Schloss, der sich diesmal jedoch nur auf die Stallungen ausweitet. Am 13. Oktober (andere Quellen: 16. Oktober) 1897 zerstörte jedoch ein Großbrand einen großen Teil des Stadtilmer Schlosses. Die Ruine wurde von den Gebrüdern Müller aus Vieselbach erworben und zum Schlossgasthof umgebaut. Dieser wurde 1918 von der Stadtverwaltung gekauft und bis 1920 zum Rathaus umgebaut. Dabei wurde ein Ratskeller eingerichtet und auch die Sparkasse bezzog die Räumlichkeiten des ehemaligen Gasthofes. Seitdem ist das ehemalige Kloster Sitz der Stadtverwaltung. Außergewöhnlich und in Thüringen einmalig ist die Lage des Rathauses direkt an einer Straße – jeder andere vergleichbar große oder größere Ort in Thüringen besitzt ein Rathaus an einem Markt- oder Rathausplatz.
Im Rathaus befindet sich heute auch das Heimatmuseum der Stadt, welches eine Vielzahl von Exponaten zur Geschichte Stadtilms und der Umgebung zu bieten hat.
Heute wird die Bahnstrecke hauptsächlich für den Personenverkehr genutzt, die einzige Strecke, die über den Viadukt führt ist die Regionalverbindung zwischen den ICE-Bahnhöfen Erfurt und Saalfeld/Saale.
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