Als Stadtentwicklung bezeichnet man die räumliche, historische und sowie strukturelle Gesamtentwicklung einer Stadt. Hierunter kann zum einen die Planung und Entwicklung der gesamten Stadt sowie zum anderen die Entwicklung einzelner Stadtquartiere verstanden werden.
Mit dem Machtzuwachs des Imperium Romanum nach der Zeitenwende, kam es vermehrt in Europa zur Stadtbildung. Überwiegend an Heerstraßen und Verkehrswegen anliegend, war ihre primäre Aufgabe die Sicherung von Handelsknoten. Nach dem Einfall der Hunnen 375 n. Chr., zerfiel das weströmische Reich durch die von Etzels Truppen ausgelösten Völkerwanderungen. Erst mit der Christianisierung Europas erlebte die Stadtbildung eine Wiedergeburt. Geistliche und westliche Herrscher verliehen ihrer Macht mit Bischofs- und Gauburgen Ausdruck. Durch die Entwicklung in der Landwirtschaft (Dreifelderwirtschaft), dem Ausbau des Fernhandels und der Entstehung handwerklicher Gewerbe entstanden frühmittelalterliche Markt- und Kaufmannssiedlungen nahe den Machtzentren. Im Laufe des Mittelalters entstand ein regelrechter Städteboom, welcher den jeweiligen einflussreichen Kräften zur territorialen Sicherung diente. In der Regel waren diese Städte von ihrem agrarischen Umfeld abgegrenzt.
1945 - ca.60er: Wanderung Land -> Stadt wegen besseren Lebensumständen und der gewährleisteten Versorgung im Nachkriegsdeutschland. Schnellerer Wiederaufbau, Arbeitsplätze und Wirtschaftswunder.
ca.1960er - ca.70er: Suburbanisierung - Abwanderung ins Umland beginnt, bedingt vor allem durch größere Mobilität, denn der Wirtschaftsaufschwung führte zu einer steigenden Zahl an Autos und einer besseren Infrastruktur. Erholung vom Stadtlärm und überfüllter City. Größerer Platzanspruch. Bessere wirtschaftliche Situation des Mittelstandes machte dies möglich.
ca.1970er - heute: Verdichtungsräume sind um Großstädte herum entstanden, enge funktionale Verflechtung mit der Kernstadt, hoher Anteil an Nachtbevölkerung (Pendler) in den Umlandgemeinden. Problem der Kernstädte: fehlende Steuereinnamen trotz hoher Nutzung des Verkehrsnetzes durch Pendler, die aber in anderen Gemeinden leben und Steuern zahlen. Lösungsversuch: Eingemeindung (Angliederung) der Umlandgemeinden.
siehe auch: Stadtbaugeschichte
Stadtentwicklung war keine Reaktion auf Trends in Gesellschaft und Wirtschaft, sondern staatlich gesteuerte Standort- und Strukturvorgabe. Tertiärisierung (Zunahme der Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor) fand nicht statt. Zunehmender Konzentrationsgrad der Bevölkerung in größeren Städten. Wachstum der Groß- und Mittelstädte in nördlichen Städten wegen geringerer Industrialisierung dynamischer als in südlichen, industrialisierteren Regionen. Ständiger Rückgang der Bevölkerung. Wichtigstes Überregionales Wanderungsziel war Ost-Berlin. Es entstand keine dicht bebaute City (Stadtkern). Die zerstörten Innenstädte wurden oft nur teilweise und locker wieder bebaut. Am Stadtrand oft Großwohnsiedlungen in Plattenbauweise, die - im Gegensatz zu heute - sehr begehrt waren, weil sie zu der Zeit der neueste Stand der Technik mit guter Wärmedämmung und modernen Wassersystemen waren.
siehe auch: Stadtbaugeschichte
Derzeit richtet sich Stadtentwicklung vor allem nach dem Leitbild der "Nachhaltigen Stadtentwicklung", das u.a. in der Charta von Aalborg (Dänemark, Juni 2004) festgeschrieben ist:
"Wir haben die Vision integrativer, prosperierender, kreativer und zukunftsfähiger Städte und Gemeinden, die allen Einwohnerinnen und Einwohnern hohe Lebensqualität bieten und ihnen die Möglichkeit verschaffen, aktiv an allen Aspekten urbanen Lebens mitzuwirken" (Auszug aus den Aalborg Commitments 2004)".
Im Vordergrund steht heute eine Orientierung der Stadtentwicklung auf die Quartiersebene, die vor allem durch das Förderprogramm "Soziale Stadt" vorangetrieben wird. Beispiele für die nachhaltiger Stadtentwicklung wurden durch die Stadt Ingolstadt (Modellprojekt: "Visionen für Ingolstadt"), die Stadt Münster ("Integrierte Stadtentwicklungs- und Stadtmarketingkonzept) oder durch die Stadt Heidelberg (Nachhaltiger Stadtentwicklungsplan mit Lokale Agenda 21 ) realisiert. In Ingolstadt wurde durch die Verzahnung von Stadtentwicklungsplanung, aller Fachplanungen, der Stadtentwicklungsprojekte und Lokaler Agenda 21 ein Prototyp für das neue integrative Instrument der Lokale Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt.
Die Stadt Neumarkt i.d. Opf. hat als erste Stadt Deutschlands im Rahmen des vom Freistaats Bayern geförderten Modellprojekts "Lokale Nachhaltigkeitsstrategie Stadt Neumarkt" eine Lokale Nachhaltigkeitsstrategie mit dem "Ingolstädter Verfahren" entwickelt. Diese wurde am 20. Juli 2004 vom Stadtrat beschlossen. Im Zentrum stehen 6 Leitbilder, 24 Leitsätze für die Zukunftsfähigkeit bis 2025, 17 Leitprojekte und 164 Maßnahmen und Einzelprojekte für eine nachhaltige Stadtentwicklung (vgl. Literatur).
Instrumente der Stadtentwicklung sind insbesondere:
und in Verbindung mit der Stadtplanung
siehe auch
Geographie | Humangeographie | Raumplanung | Stadtplanung | Städtebau | Kommunalpolitik
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