Eine Stadt (von althochdt.: stat = Standort, Stelle; etymologisch eins mit Statt, Stätte; vgl. dagegen Staat) ist eine größere, zentralisierte, abgegrenzte Siedlung mit einer eigenen Verwaltungs- und Versorgungsstruktur im Schnittpunkt größerer Verkehrswege. Damit ist fast jede Stadt zugleich ein zentraler Ort. Ihre Einwohnerschaft kann ethnisch, sprachlich, sozial, kulturell, konfessionell etc. äußerst vielfältig sein. Städte sind aus kulturwissenschaftlicher Perspektive der Idealfall einer Kulturraumverdichtung und aus Sicht der Soziologie vergleichsweise dicht und kopfreich besiedelte, fest umgrenzte Siedlungen (Gemeinden) mit vereinheitlichenden staatsrechtlichen bzw. kommunalrechtlichen Zügen wie zum Beispiel eigener Markthoheit, eigener Regierung, eigenem Kult und sozial stark differenzierter Einwohnerschaft. Das Letztere unterscheidet sie von Lagern (Arbeitslagern, Straflagern, Winterquartieren von Heeren u.ä.), das Erstere z.B. vom Dorf. In Deutschland existieren knapp 14.000 Städte und Gemeinden. La Paz-center.jpg (Bolivien)]]Yerewan with Ararat.jpg (Armenien)]] Lit-up_CBD_from_Raffles_City_-_RGW.jpg]] LosAngeles05.jpg (USA)]]
Hinzu tritt der historische Stadtbegriff, der sich in Europa aus dem mittelalterlichen Stadtrecht herleitet, das als wesentliche Merkmale das Marktrecht, das Recht auf Selbstverwaltung, die Freiheit der Stadtbürger, das Recht auf Besteuerung, der Gerichtsbarkeit, die Aufhebung der Leibeigenschaft, das Zollrecht, das Recht zur Einfriedung und Verteidigung sowie das Münzrecht enthielt. Städte, die das Stadtrecht erhalten haben, werden auch als Titularstädte bezeichnet. Auch heute noch ist das Überschreiten der Mindesteinwohnerzahl in den meisten Ländern nicht automatisch mit der Erhebung zur Stadt verbunden, sondern es Bedarf eines ausdrücklichen Beschlusses einer höherrangigen Gebietskörperschaft, in Deutschland und Österreich der des Bundeslandes.
Zumindest in einem österreichischen Bundesland ist mit 1.1.2002 der Stadtbegriff per Gesetz entscheidend reduziert worden, dabei bisher geforderte Sonderkriterien für Rangerhöhung, wie spezielle zentralörtliche, historische oder kulturelle Bedeutung, weglassend: In Oberösterreich wird als einziges Kriterium für Stadterhebung nunmehr eine Bevölkerungszahl von über 4.500 gefordert, Kundmachung des entsprechenden Beschlusses der Landesregierung im Landesgesetzblatt ist - so der zugehörige Ausschussbericht - "entbehrlich"; zwei dortige Stadterhebungen von 2003 (Bevölkerungszahlen jeweils "zufällig" knapp über 4.500) scheinen deshalb in jenem Gesetzblatt nicht mehr auf. Um die gleiche Zeit kam es immerhin zumindest in einem anderen Bundesland auf Grund des sonst noch meist in Geltung befindlichen Kriterienbündels noch zur Ablehnung mindestens eines per Gemeinderat offiziell beschlossenen Antrages auf Stadterhebung, wo das oberösterreichische Rest-Kriterium erfüllt gewesen wäre. Mehrere in Frage kommende Gemeinden Österreichs verzichten jedoch bis heute bewusst auf diese Rangerhöhung, weil zu ihrem Selbstverständnis der Charakter einer Markt- oder bloßen Ortsgemeinde besser passt (darunter immerhin derzeit noch zwei Sitze von Bezirkshauptmannschaften mit auch sonst größerer zentralörtlicher Bedeutung, nämlich die Marktgemeinden Reutte und Tamsweg).
Die Geschlossenheit der Bebauung oder Besiedlungsdichte gewann international seit den 1990ern Bedeutung, global vor allem die größten Städte (Megacities, Global Cities, Stadtregionen) zu bestimmen, und zwar unabhängig von Verwaltungsgrenzen oder Definitionsproblemen. Städte weisen sowohl historisch als auch regional sehr unterschiedliche Entstehungszusammenhänge und Strukturen auf. So zeigen beispielsweise die gegenwärtigen Großstädte der früh industrialisierten Staaten andere Strukturen und Entwicklungsdynamiken als die sogenannten Megacities der Entwicklungs- und Schwellenländer. Die Entwicklung von Städten folgt dabei oft bestimmten Modellen.
In Österreich unterscheidet man zwischen Städten mit eigenem Statut und sonstigen Städten. Eine Stadt mit eigenem Statut ist meist auch Sitz der Bezirkshauptmannschaft des Umland-Bezirks, der auch in den meisten Fällen so heißt (z.B. Innsbruck Stadt und Innsbruck Land). Heute kann jede Stadt mit mehr als 20.000 Einwohner ein eigenes Statut anfordern. Eine der kleinsten Städte überhaupt befindet sich in Niederösterreich im Bezirk Hollabrunn an der Grenze zu Tschechien direkt an der Thaya - die Stadt Hardegg. Hardegg hat mit allen eingemeindeten Orten 2001 eine Einwohnerzahl von 1.490, die Stadt selber hat jedoch nur 78 Einwohner.
In der Schweiz gelten Ortschaften nur dann als Stadt, wenn sie entweder mehr als 10 000 Einwohner haben oder wenn ihnen, was selten ist, im Mittelalter das Stadtrecht verliehen wurde.
Im Vereinigten Königreich unterscheidet man zwischen City und Town. Ein Ort darf erst dann als City bezeichnet werden, wenn die Königin oder der König diese zu einer solchen ernennt. In der Regel vergibt der Monarch diesen Titel erst dann, wenn die Siedlung eine Kathedrale besitzt. Die Großstadt Stockport ist beispielsweise keine City sondern Town, wohingegen die Stadt Sunderland eine City ist. Der Verwaltungsbezirk Greater London ist keine City, aber innerhalb dieser Gebietskörperschaft gibt es die City of London und die City of Westminster.
In Schweden ging man bei der Gemeindereform von 1971 einen anderen Weg. Die Begriffe Stadt (stad) und Minderstadt (köping) wurden aus der verwaltungstechnischen Terminologie gestrichen und durch Ortschaft (tätort) ersetzt. Im allgemeinen Sprachgebrauch existiert die Bezeichnung stad für größere Siedlungen aber weiterhin.
Eine Stadt entwickelt sich, als Menschen mehr, als sie selbst verbrauchen, an Ackerbau und Handwerk betreiben. Es entstehen die Spezialisierungen oder Berufe Händler, Gelehrte, Soldaten und Herrscher, die das Leistungsspektrum erweitern, indem sie ihre Leistungen (Handel, Wissen, Kriegsdienst, Verwaltung) gegen die über Selbstversorgung hinaus produzierten Ackerbau- und Handwerkserzeugnisse tauschen und sich mit diesen versorgen. Diese Zunahme der gesellschaftlichen Arbeitsteilung beginnt an natürlich günstigen Stellen der Erde bereits Ende der Steinzeit, verläuft aber in unterschiedlicher Entwicklungsgeschwindigkeit, die historische und territoriale Entwicklungsgefälle verursacht. So prallen, als Columbus Amerika entdeckt, frühbürgerlich neuzeitliche Stadtkultur Europas auf zwar hochentwickelte indianische Städte Mittel- und Südamerikas, die aber ressourcenmäßig, wirtschaftlich und somit waffentechnisch auf etwa der Übergangsstufe Stein- zu Bronzezeit Europas stehen und unterliegen.
Sehr früh entstehen nach den Himmelsrichtungen nord-süd- oder ost-west-ausgerichtete rechtwinklige Straßenraster und Stadtgrundrisse (z. B. altchinesische Städte, z. T. alt-amerikanische Städte). Ebenso bilden sich kreisrunde (z. B. Bagdad), aber genauso Städte mit unregelmäßigem, sich dem Gelände anpassendem Umriss (z. B. alt-griechische und organisch gewachsene deutsche mittelalterliche Städte). Jericho (ab 9000 vor Christus) war nach biblischer Überlieferung offensichtlich eine der ersten Städte mit Stadtmauer. Hingegen besaßen die Städte des alten Kreta keine Stadtbefestigung und wurden so um 2000 vor Christus Opfer einfallender Kriegerscharen einer der Völkerwanderungen.
Regelmäßige Straßenraster sowie unregelmäßige Straßengrundrisse in einer Stadt erfahren im Lauf der Geschichte eine Abstufung in Haupt- und Nebenstraßen sowie Trennung in Fußgänger- und fahrenden Verkehr. Weiterhin entstehen im Straßennetz zentrale Plätze und besonders ab dem 19. Jahrhundert ausgesparte Baublöcke für allgemein öffentlich zugängige Parks. Wenn die Stadt beispielsweise von einem mächtigen Herrscherbau, einem überragenden kultischen Bauwerk (z. B. Tempel) oder einer beherrschenden Wirtschaftsfunktion (z. B. einem Hafen) stark abhängt, entsteht dort der hauptsächliche Platz, zu dem sich zumindest alle Haupt-, manchmal auch Nebenstraßen und alle Bebauung ausrichten. Das ganze Straßennetz und die gesamte Stadtbebauung laufen dann sternförmig auf dieses Stadtzentrum zu, z. B. auf das barocke Schloss wie in Karlsruhe. Bei Hafenstädten verlagert sich das Stadtzentrum von der Stadtmitte zum Hafen hin (z. B. in Alexandria, Ägypten).
Historisch bedeutende Menschheitsepochen sind: die jüngere oder endende Steinzeit in Klein- und Vorderasien (Türkei bzw. Israel und Palästina, ab ca. 9000 v. Chr.); Mesopotamien (ab ca. 4000 v. Chr.); Alt-Vorderasien (ab ca. 3000 v. Chr.); Alt-Ägypten (ab ca. 2500 v. Chr.); Alt-Iran (ab ca. 1000 v. Chr.); Alt-Griechenland (ab ca. 1000 v. Chr.); Hellenismus (ab ca. 400 v. Chr.); Römisches Reich (ab ca. 200 v. Chr.); das Byzantinische Reich (ab ca. 600); die mittelalterliche Hanse (ab ca.1200); die Renaissance (ab ca. 1400); die islamische Stadtgeschichte (ab ca. 650); Alt-China (ab ca. 1000 v. Chr.); Alt-Japan (ab ca. 200); Alt-Indien (ab ca. 4000 v. Chr.); Alt-Südostasien (ab ca. 500); Alt-Amerika (ab ca. 500 v. Chr.). Beispiele historisch bedeutender Städte nach genannten Epochen sind:
Besonders seit den 1990ern, mit der sogenannten Globalisierung, überschritten die Einwohnerzahlen dieser Stadtregionen rasant die Zehnmillionengrenze. Andere Riesenstädte mögen folgen, wobei China (ähnlich: Indien) trotz seines Verstädterungsgrades von erst um dreißig Prozent, aber mit bereits mehr als zwanzig Städten über fünf Millionen Einwohnern, die sich rasch der Zehnmillionengrenze nähern, jegliche bisherigen Dimensionen sprengt. Die meisten Über-Zehnmillionen-Städte hat Asien, die meisten Menschen in Städten leben jedoch in Lateinamerika. Die größten globalen Stadtregionen:
Die Kultur der Polis in Griechenland, 800-338 v. Chr., (Sparta, Korinth, Athen) verbreitete sich nach Kleinasien (Milet, Ephesos) und bis zur Krim, nach Magna Graecia = "Großgriechenland", d.h. Sizilien (Syrakus) und Unteritalien (Tarent), ferner nach Südfrankreich (Marseille), nach Nordafrika (Kyrene, Alexandria) und Vorder- und Hochasien (Antiocheia, Kandahar). Neapoleis wurden durch Poleis gegründet, so dass oft eine kultische und politische Bindung zwischen ihnen fortbestand, etwa von Syrakus zur Mutterstadt Korinth (vgl. hier z.B. Timoleon). Vergleichbare Entwicklungen machten auch nichtgriechische (phönizische, etruskische, latinische) Stadtstaaten durch, typische Beispiele dafür sind Karthago, Veii oder Rom.
Im Imperium Romanum entwickelte sich die Römerstadt ab. 200 v.Chr., welche sich von Italien - nach Norditalien, Nordafrika (Tunesien), und Mitteleuropa verbreitete. Als Blütezeit der antiken Stadt kann man das 1. bis 3. Jahrhundert sehen, viele antike Ruinen datieren aus dieser Zeit. Rom hatte in dieser Epoche eine differenzierte Stadtstruktur mit fast 1.000.000 Einwohner. Römerstädte in Deutschland entstanden vornehmlich an Rhein und Donau: Castra Regina (Regensburg), Augusta Vindelicorum (Augsburg), Confluentes (Koblenz), Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln), Augusta Treverorum (Trier), Moguntiacum (Mainz), Sorviodurum (Straubing), Castra Vetera und Colonia Ulpia Traiana (Xanten). In der Schweiz sind folgende Römerstädte nachgewiesen: Augusta Raurica (Kaiseraugst) und Aventicum (Avenches).
Die Anzahl der Städte in Mitteleuropa bleibt bis ca. 1100 mit einigen Hundert noch sehr gering, oft mit einem organisch gewachsenen Stadtgrundriss. Der weitaus größte Teil entstand in den folgenden 250 Jahren, als ab 1120 zahlreiche Gründungsstädte entstehen, meist durch einen Gründungsakt und Stadtentwurf. Als älteste Stadt dieses Typus gilt Freiburg im Breisgau, das 1118 gegründet wurde und 1120 ein fortschrittliches Stadtrecht erhielt. Weitere Beispiele für bedeutende Gründungen in dieser Zeit sind Leipzig (1150) und Lübeck (1158). Viele Städte hatten das Stapelrecht, ein Privileg, das Fernhändler zwang, ihre Waren zum Verkauf anzubieten, und leiteten die Fernhandelswege durch ihre Stadt. Nach dem Soziologen Max Weber ist die "okzidentale Stadt" primär ein Markt für den Fernhandel (siehe auch Stadtsoziologie).
Eine Stadt konnte sich um eine sogenannte Keimzelle entwickeln. Diese konnte ein Kloster, eine Kirche oder eine Burg sein. Meistens entwickelte sich eine Stadt jedoch um einen Markt herum, welcher sich an einem Verkehrknotenpunkt bildete. Die Kirche hatte in der mittelalterlichen Stadt eine besondere Bedeutung für das Umland und eine ökonomische Funktion. Menschen aus dem Umland pilgerten in die Stadt um ihre Pflichten als Gläubige zu erfüllen. Davon profitierte auch der Dienstleistungssektor der Stadt. Die Gläubigen wollten mit Nahrung und Unterkunft versorgt werden. Außerdem erledigten sie auch gleich nebenbei ihre Einkäufe auf dem Markt. Eine Steigerung der Attraktivität der Kirchen wurde durch Reliquien erreicht. Die Menschen ließen ihr Geld jedoch nicht nur auf dem Markt, sondern auch in der Kirche für religiöse Dienstleistungen, z.B. Ablässe. Dieses Geld gab dann die Kirche wieder in der Stadt aus. Die Kirche ist also ein wichtiger ökonomischer Faktor der mittelalterlichen abendländischen Stadt.
Wie schon zu Anfang erwähnt waren eine Burg, ein Kloster/Kirche oder der Markt der Mittelpunkt der Stadt und erfüllten entweder eine Schutzfunktion, eine soziale oder eine ökonomische Funktion. Die Siedlungsdreiheit von Burg/Kirche, Stadt und Dorf entsprach auch der feudalen Ständegesellschaft: Adel/Klerus, Bürger und Bauer.
Die Stadt und das Umland waren, anders als heute, stark voneinander abgegrenzt. Die räumliche Trennung entsprach auch der wirtschaftlichen Trennung. Das Umland versorgte die Stadt mit Nahrung und Rohstoffen (primärer Sektor) und die Stadt versorgte das Umland mit handwerklichen Erzeugnissen und Dienstleistungen (sekundärer und tertiärer Sektor).
Die rechtliche Stellung der mittelalterlichen Stadt war geprägt von ihrem Status als freie Reichsstadt oder Fürstenstadt, wobei der genaue Status sehr unterschiedlich sein konnte. Generell hatten die Städte das Bestreben, sich von der Herrschaft der Landesherren, der in ihr residierenden Bischöfe und Burgvögte (vgl. Nürnberg) zu befreien, was ihnen mehr oder weniger erfolgreich gelang. Bei den Gründungsstädten wurden diese Freiheiten, um die ältere Städte oft lange kämpften, bereits im Stadtrecht zur Gründung verankert. Viele Städte wurden durch Handel und Handwerk sehr reich und konnten sich somit lange gegenüber den Territorialherren behaupten, die Städte gerne aus wirtschaftlichen und militärischen Gründen unter ihre Kontrolle bringen wollten. Die mittelalterliche Stadt stand damit in scharfer Konkurrenz zu den weltlichen und geistlichen Territorialherrschaften. In Gebieten mit starker Territorialherrschaft hatten es die Städte schwer, sich zu behaupten, so gab es im bayerischen Stammland mit Regensburg nur eine Reichsstadt, die um ihren Status kämpfen musste, während etwa im territorial zersplitterten Franken und Oberschwaben mächtige Reichsstädte entstanden wie Nürnberg, Rothenburg, Augsburg oder Reutlingen.
Im Barock verankern die Fürsten ihren Sitz fest mit und in den vormals frühbürgerlich regierten Renaissancestädten, setzen am Hauptplatz im Stadtzentrum ihr Schloss an die Stelle der vorherigen Renaissancebauten und sorgen für einheitliche, in Konstruktion, Höhe und Farbe auf das fürstliche Schloss hinführende Stadtbebauung. Es entstehen dadurch gänzlich barock 'durchgestylte' Städte wie Wien (durch Maria Theresia im 18. Jahrhundert) oder Karlsruhe, aber auch Rom mit seinen Plätzen und Paris sowie Versailles geben hier Beispiele. Andererseits bereiten die durchgreifenden baulichen, rechtlichen und stadthygienischen Erlasse der Barockfürsten die Bewältigung und Verwaltung der viel umfangreicheren Massenerscheinungen der sich ankündigenden Industrialisierung in den Städten quasi vor.
Allerdings wird der aus Honoratioren und Privilegierten bestehende fürstliche Verwaltungsapparat teilweise revolutionsartig durch berufsmäßige, ausgebildete oder erfahrene Verwaltungsfachleute ersetzt. Diese versuchen schon im Klassizismus (Ende 18., Anfang 19. Jahrhundert) und den industriellen Anfängen, die gesellschaftlichen Barrieren wie Leibeigenschaft, Zünfte und Privilegien sowie Slums oder fehlende Stadthygiene anzugehen. In Paris entstehen Massenwohnbauten, die andere Städte nachahmen (z. B. später Berlin, 'Mietskasernen'). Vor allem durch das klassizistische England und speziell London werden Impulse gegeben, quasi die Natur in die engen finsteren Städte wieder einzubeziehen. In der Folge entstehen Stadtparks in ausgesparten Baublocks, durch Öffnung vormals fürstlicher Schlossparks für die Stadtbewohner und Ersatz beseitigter Stadtbefestigungen ('Schleifung') durch Grünanlagen (z. B. in Köln). Zunehmend setzen sich Bewegungen für durchgrünte und hygienische Wohnviertel durch, deren Realisierung aber erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts national unterschiedlich in Gang kommt.
Das Industriezeitalter im 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bringt eine Urbanisierung bis hin zur verstädterten Gesellschaft mit sich. Im 19. Jahrhundert entstanden zahlreiche technische Basiserfindungen und ihre Weiterentwicklungen. Durch diese entstanden innerhalb weniger Jahre in den Städten neue industrielle Arbeitsplätze. Der Bedarf an Arbeitsplätzen, vor allem der der Textil- und Montanindustrie, konnte mit dem lokalen Arbeitskräftereservoir nicht mehr gedeckt werden. So siedelte sich viele Industriebetriebe in Städten an, um genug Arbeiter einstellen zu können. Ebenso zogen viele Arbeiter vom Land in die Städte, um dort arbeiten zu können. Diese Abhängigkeit voneinander trieb das Wachstum und die rasche Industrialisierung der Städte voran. Doch diese Industrialisierung hängt vor allem von einer wichtigen Erfindung ab - der Dampfmaschine. Durch diese entstanden Innovationen in der Verkehrstechnologie, wie die Eisenbahn und das Dampfschiff. Durch diese Verkehrsmittel war die verarbeitende Industrie nicht mehr an die Standorte der Rohstoffvorkommen gebunden und konnte sich in der Stadt ansiedeln, wo Arbeitskräfte, Kapital und technisches Wissen vorhanden waren. Fabrikanlagen und Arbeiterviertel mit Mietskasernen entstanden in der Nähe der Altstädte. Nachdem sich die Altstädte in der ersten Phase verdichtet hatten, kam es dann zur räumlichen Expansion. Mit Hilfe der Massenverkehrmittel (Pferdebahn, Straßenbahn, Fahrrad) ab ca. 1880 bis 1900 verstärkt sich das Außenwachstum. In Deutschland werden neue Städte gegründet wie z. B. Bremerhaven 1827, Oberhausen 1861, Ludwigshafen 1863, Wilhelmshaven 1873 und Wolfsburg 1938. Die bestehenden Städte wachsen und verändern sich zu Städteverbundgebieten vor allem in Bergbaugebieten wie dem Ruhrgebiet, in Oberschlesien oder im Saargebiet. Dagegen kommen ab ca. 1900 Reformversuche und Bauzonenordnungen. Man versucht eine Auflockerung der strengen, monoton rechteckigen Straßengrundrisse durch mehr Plätze, gewundene Straßenführungen und Durchgrünung. Gleichzeitig beginnen erste Projekte zur Sanierung der mittelalterlichen Stadtkerne. Diese sind in manchen Städten völlig überbaut, überbevölkert und hygienisch untragbar geworden. Durch Abbruch ganzer Quartiere und Neuaufbau, z. B. in Stuttgart oder Durchbruch von neuen Straßen, z. B. in Straßburg oder Hamburg versuchte man, den Mangel zu beheben. Die Gartenstadtbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts war ein noch weitergehender Reformansatz auf die Probleme der industrialisierten Stadt, der allerdings durch den ersten Weltkrieg nur sehr beschränkt umgesetzt wurde.
1933 bis 1945 - Nationalsozialistische Stadtideologie. Die nationalsozialistische Stadtideologie war gegen großstädtische Entartung und für bodenverbundene Kleinsiedlung, hatte Pläne zu einer Agrarisierung, und zur Auflösung der Städte. Andererseits war eine monumentale Umgestaltung der Städte geplant. In vielen Großstädten erfolgen weitreichende Eingemeindungen des Umlandes oder zwangsweise Zusammenschlüsse von Städten wie etwa Sulzbach-Rosenberg gegen den Willen der Bevölkerung. Das Groß-Hamburg-Gesetz von 1938 geht noch stark auf Planungen der Weimarer Republik zurück. 1938 wird Wolfsburg als Arbeiterstadt für den Volkswagen-Bau gegründet. Größere Pläne wurden durch den Zweiten Weltkrieg verhindert.
In der Trizone, dann später der Bundesrepublik Deutschland, aber auch in der DDR, erfolgte der Wiederaufbau nach unterschiedlichen Mustern: völlige Neuordnung des Stadtkerns mit Umlegung und neuem Straßennetz, beispielsweise in Pforzheim, Wesel, Hannover oder Chemnitz; partielle Neuordnung mit teilweiser Umlegung und Durchbruch von Verkehrsachsen wie in Duisburg, Essen, Dortmund, Düsseldorf, Kassel, Köln, Bonn, Hamburg, Dresden, Magdeburg; weitgehende Wiederherstellung der mittelalterlichen Struktur trotz starker Zerstörung wie in Nürnberg: Grundfläche und Kubatur der Gebäude blieb erhalten, aber moderne Architektur; Wiederaufbau ohne größere Neuordnung in wenig zerstörten Städten, z. B. Wuppertal. Neue Städte vor allem für Heimatvertriebene, aber auch bei Industrieansiedlung: z.B. Espelkamp, Bielefeld-Sennestadt, Eisenhüttenstadt. Anfängliche Überlegungen, einige stark zerstörte Städte aufzulassen und an anderer Stelle neu zu errichten wurden nirgends realisiert, da immer noch die unterirdische Infrastruktur wie etwa Kanalisation erhalten war.
In der DDR erfolgte ein verzögerter Wiederaufbau zugunsten stärkerer Neubautätigkeit in offener, 5- bis 10-geschossiger Zeilenbauweise mit industriellen Fertigbauteilen in wenigen Standardtypen. Der sozialistische Wohnkomplex war ein Neubauviertel mit ca. 10.000-30.000 Einwohnern, begrünte, offenen Hochhauszeilen, einem Zentrum, öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Sportanlagen, Poliklinik, sowie Kaufhalle, Gaststätte und staatlichem Dienstleistungsgebäude.
BRD: Große Stadtentwicklungs- und Stadterweiterungsprojekte, scheinbar grenzenloses Wachstum der Ansprüche an Wohnungsgröße und -qualität: Bau von Satellitensiedlungen, z. B. Märkisches Viertel (Berlin), Garath (Düsseldorf), Chorweiler (Köln), Neuperlach (München) und von Satellitenstädten z. B. Wulfen, Erkrath-Hochdahl, Meckenheim-Merl. Die dichte Bebauung u.a. führen teilweise zu geringer Attraktivität, Folge sind hohe Leerstände, etc. Das Auto forciert den Bau von innerstädtischen Schnellstraßen, z. B. in Hoch- und Tieflagen wie in Essen, Duisburg, Düsseldorf, Köln. Außenbereiche: Trabantensiedlungen und Suburbanisierung. Das Leitbild war die autogerechte Innenstadt, in der alle Personen, die zur Arbeit, Einkauf etc. in die Stadt fahren, das neue Verkehrsmittel Auto benutzen würden. Während für den rollenden Verkehr noch entsprechend Raum durch den Ausbau der Straßen der Platz geschaffen wurde, scheiterte der Ansatz letztendlich am Flächenbedarf für den ruhenden Verkehr. Der Bau von Parkplätzen konnte mit dem Bedarf nicht annähernd schritthalten. Mit dieser Erkenntnis begann die Planung neuer S-Bahn-Projekte, z. B. in Stuttgart (Baubeginn 1971) sowie die Modernisierung der alten Straßenbahnen, die in den Kernbereichen in den Untergrund verlagert wurden. Im Gegenzug wurden die Autos wieder aus den Innenstädten verdrängt, indem die wichtigsten Einkaufsstraßen zu Fußgängerzonen umgewidmet wurden.
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975 brachte eine Rückbesinnung auf das erhaltene kulturelle Erbe in der Bausubstanz und in der Folge wurden die Altstädte grundlegend saniert. Rückblickend auf die Kriegszerstörung und den Wiederaufbau kann festgestellt werden, dass durch den radikalen Wiederaufbau und Modernisierung der Stadt weit mehr historische Bausubstanz vernichtet wurde als durch den Bombenkrieg.
In den 1970er Jahren erfolgte eine weitere Welle von Eingemeindungen, wobei im Zuge dieser Gebietsreform aus dem Zusammenschluss mehrerer Dörfer neue Städte entstanden sind, die aber in Ermangelung eines echten Zentrums bzw. als polyzentrische Städte mit der traditionellen Stadt noch wenig gemein haben. Beispiele dafür sind etwa Filderstadt oder Leinfelden-Echterdingen.
Eine Stadtentkernung (Doughnut cities) bewirkt, dass Einkaufszentren sich an den Stadträndern mit billigem Baugrund ansiedeln. Die Kaufkraft wird dorthin verlagert und kleinere Betriebe wandern nach. Dadurch entsteht im Umland ein so genannter Speckgürtel, reiche Umlandgemeinden mit Ansiedlung neuer Industrie, Gewerbe und Handel, sowie Zuzug der vermögenderen Bevölkerung, während die Stadt trotz sinkender Steuereinnnahmen weiterhin für die Infrastruktur aufkommen muss. In der Folge veröden Stadtteile in den Zentren, Nahversorgung und -verkehr geraten in eine Krise und der Autoverkehr schafft zunehmend Probleme.
Die Stadtplanung orientiert sich um auf eine erhaltende, sanfte Modernisierung. Die Aufwertung der Dienstleistungsberufe bringt eine Unterscheidung von Industrie- und Dienstleistungsstädten. Auch Stadtmöbelkonzepte werden in diese Planungen einbezogen. In etlichen Großstädten in Deutschland existieren Pläne zum Umbau der Bahnhöfe, die meist als Kopfbahnhöfe am ursprünglichen Stadtrand angelegt wurden, aber inzwischen in die Stadt "hineingewachsen" sind und mit den zugehörigen Bahnanlagen große wertvolle innerstädtische Flächen belegen. Diese Städte sollen in bahntechnisch günstigere Durchgangsbahnhöfe umgebaut werden und die freiwerdenden Flächen städtebaulich genutzt werden, was eine Untertunnelung der vorhandenen Bebauung erfordert. Ein Beispiel für derartige Projekte ist Stuttgart 21.
Von Lessing ausgehend über Kant, Goethe, Schiller, Herder, Fichte, Schelling und Hegel studiert schließlich Karl Marx die Stadtgeschichte, z. B. Venedigs. Er formuliert die Stadt als Ort der Industrie, Arbeiterschaft und Angelpunkt gesellschaftlicher Umwälzung sowie sein Territorialprinzip. An diesem verschanschaulicht Marx, wie anfangs sich auf sehr begrenztem Raum Stadtwirtschaft entwickelt in zunehmendem Widerspruch zu ihrer eigenen Enge, wie diese Enge gesprengt wird und in eine weiträumigere Stadtwirtschaft mündet, die wiederum, aber auf größerräumigem Niveau den Widerspruch zur Enge enthält, der wieder auf Sprengung und Erweiterung zu einer größeren Stadtwirtschaft hinsteuert, usw, bis etwa zur Erweiterung auf die heute globalen Megastädte. An jenem Territorialprizip entwickelt Marx wesentlich seine Sicht vom Widerspruch und dessen Lösung als vorwärtstreibender Kraft gar all menschlicher Entwicklung. Ähnlich formulieren so genannte Utopische Sozialisten Lehren und setzen diese in Musterstädte um.
Insgesamt bilden sich aus jenen Strömungen des 19. Jahrhunderts ganz unterschiedliche Bewegungen zur Verbesserung der zur Massenerscheinung verkommenen und aus dem Griff zu geratenden Städte bis hin zu heutigen Ideen verschiedener Architekten und Städtebauer. Allesamt haben jene Vorstellungen sich bisher nur innerhalb bestimmter Grenzen realisieren lassen. Dies führte und führt immer wieder zu Zweifeln und Krisen in der Suche nach möglichst allgemein gültigen Vorgehensweisen für eine lebenswerte Stadt.
Die Verbindungen einer Stadt können den einzigartigen Charakter einer jeden Stadt erklären. Städte werden als Teil von Netzwerken gesehen: kulturelle Netzwerke, wirtschaftliche Netzwerke, Handel oder Geschichte. Graz und Stockholm sind etwa kulturell verbunden, beides sind ehemalige kulturelle Hauptstädte Europas. London und Tokio hingegen sind wirtschaftlich verbunden, vor allem durch die Börse.
Solche Netzwerke sind in Städten konzentriert und überlappen auch dort. Diese Konzentration von Verknüpfungen bedingen, dass sich eine Stadt anders anfühlt als ein Bauerndorf. Die Netzwerke einer Stadt verbinden diese aber nicht nur mit anderen Städten, sondern auch mit dem Umland. Eine Stadt alleine könnte sich nicht unterhalten, benötigt sie doch zum Beispiel die Nahrungsmittel aus dem umliegenden Gebiet. Auch für den Handel sind Netzwerke nötig, beides lokal und regional.
Mit Netzwerken ist es möglich, die Entwicklung von Städten funktioneller zu erklären. Dies wird damit erklärt, dass die verschiedene Netzwerke über Zeit an Bedeutung gewinnen, sich gegenseitig kontrollieren und fehlerhafte Bearbeitungen aussondern. Ein gutes Beispiel ist Mexiko. Vor der Ankunft der Spanischen Kolonialmacht waren Verbindungen zu Tenochtitlán (Mexiko Stadt) am wichtigsten. Nach der Ankunft der Kolonialmacht änderte sich die Bedeutung der Verknüpfungen innerhalb kurzer Zeit: eine Verbindung zu Madrid, dem Zentrum des Reichs war nun von größerem Vorteil.
Die Konzentration von Netzwerken in Städten hilft, Urbanisierung zu erklären. Es ist der Zugang zu bestimmten Netzwerken, der die Menschen anzieht. Da die verschiedensten Netzwerke sich in einer Stadt treffen, sammeln sich die Leute dort. Gleichzeitig bedeutet die Konzentration von diesen Menschen die Einführung von weiteren Netzwerken, sozialen Verbindungen mit den Orten, von denen die Migranten ursprünglich kommen. Die Konzentration von Menschen steigert auch die Möglichkeit, dass neue Verbindungen geschaffen werden, denn ein Individuum trifft auf eine viel größere Anzahl anderer Individuen, beides, solche die gleich und solche die anders sind. Die Offenheit von Städten zu solchen Verbindungen und Verknüpfungen macht Städte attraktiv, aber auch schwer kontrollierbar und unidentisch.
Ein weiterer Aspekt von gegenwärtigen Ansätzen ist ein Fokus auf interne Diversifikation in Städten. Die internen Unterschiede in einer Stadt sind mit den externen Netzwerken gekoppelt. Städte sind Orte wo sich Geschichten treffen, wo aus verschiedenen Kulturen und Verbindungen etwas Neues geschaffen wird. Jede Verbindung einer Stadt zu anderen Orten funktioniert in beide Richtungen, es wird genommen und gegeben? Auch wenn meist nicht gleich viel. Viele Verbindungen sind ausgesprochen ungleich.
Weder die internen Unterschiede noch die externen Verbindungen eines Ortes allein machen eine Stadt aus. Die internen Unterschiede werden von externen Netzwerken beeinflusst. Gleichzeitig ermöglichen die vielen Netzwerke Verbindungen nach außen und damit Raum für die Schaffung von Unterschieden von innen. Divisionen und Verbindungen in Städten sind also untrennbar, und nur wenn beide zusammen betrachtet werden, ist es möglich, eine Stadt zu begreifen. Immigration dient als Beispiel davon, wie Divisionen und Verbindungen untrennbar sind. Migranten bringen ihre eigene Geschichte mit, wenn sie sich in einer Stadt niederlassen. Sie bringen auch ihre Netzwerke, zum Beispiel in Form von Kontakten in anderen Ländern. Diese Netzwerke können auch bestehende Netzwerke stärken und deren Bedeutung beeinflussen. Die Geschichte, die die Migranten mitbringen dient auch dazu, mit anderen zu identifizieren oder andere auszuschließen. Dies führt zu Divisionen in Städten.
Anstatt die Spannung zwischen Verbindung und Unterschieden abzubauen, versuchen gegenwärtige Ansätze, sie unter einen Hut zu bringen. Statische Einheitsgebilde wurden mit multidimensionalen Netzwerken ersetzt, die sich flüssig und dynamisch formen lassen.
siehe auch: Stadterneuerung
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