St-Annen-Museum.jpg | Annen neubau portal.jpg Das St.-Annen-Kloster in Lübeck, in dem Lübecker Kunstschätze seit 1915 ausgestellt werden, ist ein ehemaliges Kloster der Augustinerinnen, welches heute als einer der Standorte des Lübecker Museums für Kunst- und Kulturgeschichte dient. Es liegt unweit der Aegidienkirche in der südöstlichen Lübecker Altstadt neben der Synagoge.
1843 brannten Teile des Klosters und die Kirche aus. Während die Klostergebäude wiederhergestellt wurden, wurde die Kirche bis auf Fragmente abgerissen, die als Ruine stehen blieben.
Die meisten Räume im Erdgeschoss des Klosters sind noch original aus der Erbauungszeit erhalten: der Kreuzgang, die Refektorien, der Remter (der größte Raum des Klosters, wahrscheinlich Arbeits- und Tagesraum der Nonnen, seit 1733 Esssaal des Armenhauses), der Kapitelsaal und die Sakristei der Klosterkirche. In der Südwestecke des Kreuzgangs befindet sich die Wärmekammer, das Kalefaktorium.
Im Jahr 1912 beschloss der Senat der Hansestadt den Umbau des Klosters zum Museum. Dies bedingte Grundrissänderungen, um Dielen und Täfelungen aus Lübecker Bürgerhäusern übernehmen zu können. Die Eröffnung des Museums erfolgte kriegsbedingt mit Verspätung im Jahr 1915. Von 1920 bis 1933 leitete Carl Georg Heise das Museum. In diese Zeit fällt der Erwerb des Behnhauses und der Aufbau der dortigen Sammlung.
Das Museum verfügt dank eines frühen Senatsdekrets zum Schutz der Denkmäler des Altertums und der Kunst von 1818 und der darauf aufbauenden sichernden Sammeltätigkeit von Carl Julius Milde im 19. Jahrhundert über die größte Anzahl mittelalterlicher Flügelaltäre (Retabeln) in Deutschland. Die Altäre waren zumeist von Handwerkerzünften oder Kaufleuten für die Klosterkirchen wie die Kirche des Burgklosters oder die Katharinenkirche gestiftet worden. Dazu gehören der Lukas-Altar der Maler von Hermen Rode, der Schonenfahreraltar von Bernt Notke, der Antonius-Altar von Benedikt Dreyer, der ursprünglich von der Familie Greverade für den Lübecker Dom gestiftete Passionsaltar von Hans Memling, sowie ein Privataltar, das Triptychon des Ratsherrn Hinrich Kerckring von Jacob van Utrecht. Herausragend auch die St. Georg-Gruppe (1504), die von dem Lübecker Bildhauer Henning von der Heyde ursprünglich für die St.Jürgen-Kapelle an der Ratzeburger Allee geschaffen wurde. Den Umbruch von Reformation und Renaissance in Lübeck verkörpern die Werke des Cranach Schülers und Lübecker Malers Hans Kemmer.
Neben den Werken der Bildschnitzerei und Malerei zeigt das Museum auch, wie ein Lapidarium, Skulptur der Romanik und der Gotik, von denen die Niendorfer Madonna eine der Wertvollsten darstellt. Sie wurde 1926 in Lübeck-Niendorf in einer Scheune gefunden. Aber auch die klugen und törichten Jungfrauen sind bemerkenswert, sie standen ursprünglich in der Kirche des Burgklosters.
Eine Spezialsammlung repräsentativer Kelche, Pokale, Gefäße, Gebrauchs- und Prunkgegenstände gibt einen Überblick über das hohe handwerkliche Niveau der Lübecker Gold- und Silberschmiede und den Reichtum ihrer Auftraggeber. Die Entstehungszeit der Stücke dieser Sammlung liegt zeitlich überwiegend nach der Reformation, da Lübecks Bürgermeister Jürgen Wullenwever zu dieser Zeit fast das gesamte mittelalterliche Lübecker Kirchensilber zur Kriegsfinanzierung gegen Dänemark (Grafenfehde) einschmelzen ließ.
Heute beinhaltet das Kloster nicht nur das St.-Annen-Museum, sondern auch die Kunsthalle St. Annen mit Museumsshop und Bistro. Die Architektur der Kunsthalle, modern erbaut 2004 unter Einbeziehung der Überreste der 1843 abgebrannten ehemaligen Kirche des Klosters St. Annen, ist ein Geschenk der Possehl-Stiftung an die Hansestadt Lübeck. Die Architektur der Kunsthalle, Planung Architekten Konermann Siegmund aus Hamburg/Lübeck, erhielt 2003 den alle vier Jahre verliehenen Hauptpreis des BDA Schleswig Holstein. Die Kunsthalle zeigt in wechselnden Ausstellungen Moderne Kunst des 20. Jahrhunderts.
Die Kunsthalle St. Annen hat im September 2005 auf Vermittlung von Björn Engholm die einzigartige Sammlung Leonie von Rüxleben (1920-2005) im Rahmen der Nachlassregelung der am 21. September 2005 verstorbenen Leonie Freifrau von Rüxleben zur Verwaltung gestellt bekommen; es handelt sich um die größte Sammlung dieser Art in Deutschland. Dadurch wird es möglich rund 1.300 Arbeiten von Selbstbildnissen der Moderne in wechselnder Ausstellung zeigen zu können. Allerdings ist jüngst zwischen den Erben der Frau Rüxleben und der Museumsleitung ein Streit über die Handhabung des Nachlasses ausgebrochen.
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