Bei dem Städte-Express handelte es sich um eine Reisezuggattung der Deutschen Reichsbahn in der DDR, welche nicht mit dem StadtExpress der Bundesbahn verwechselt werden darf. Sie wurde ohne größeres Aufsehen 1976 eingeführt. Grund war eine unvorhergesehene Lieferung von 43 Stück 1. Klasse-Reisezugwagen des Typs Ame und 60 Stück 2. Klasse-Reisezugwagen des Typs Bme an die Deutsche Reichsbahn. Diese Wagen waren ursprünglich für die Tschechische Staatsbahn ČSD Tschechoslowakei gedacht, die jedoch wegen ihrer unausgeglichenen Zahlungsbilanz gegenüber der DDR die Wagen nicht abnehmen konnte. Die Züge ergänzten das 1960 eingeführte System des Städteschnellverkehrs der DR.
Die ersten sieben Züge fuhren jeweils morgens von Montag bis Freitag aus den 15 Bezirksstädten in die Hauptstadt Berlin und verließen sie abends wieder. Damit war ein bequemer Tagesaufenthalt in der DDR Hauptstadt möglich. Viele Reisende, die diese Verbindungen nutzten, waren Staatsdiener aus den Bezirksstädten bzw. Wirtschaftsfunktionäre die Vormittags in ihre Berliner Kombinatszentralen/Ministerien oder Zentralen von Parteien und Massenorganisationen mussten sowie Einkaufstouristen, die von der besseren Versorgung in der Hauptstadt profitieren wollten. 1978 wurde mit dem Ex 161/162 »Lipsia« auch eine erste Frühverbindung von Berlin in eine Bezirksstadt (Leipzig) angeboten. Weitere vier Verbindungen dieser Art folgten in den Jahren 1984 bis 1986. Weitere Züge waren der »Elbflorenz« (von und nach Dresden), »Börde« (Magdeburg), der »Sachsenring« (Zwickau–Karl-Marx-Stadt), der »Elstertal« (Gera–Leipzig) und der »Stoltera« von und nach Rostock. Alle Züge waren expresszuschlagpflichtig, bestanden nur aus Platzkartenwagen, waren aber nicht reservierungspflichtig.
Auch wenn man die auffälligen orange-beigen Städte-Express-Züge gern mit dem InterCity der Deutschen Bundesbahn verglich, gab es nur wenige Gemeinsamkeiten mit dem westdeutschen Schnellzugsystem. Eine Vertaktung hat es nie gegeben; die Züge blieben stets Tagesrandverbindungen. Auch die durchschnittlichen Reisegeschwindigkeiten waren trotz weniger Zwischenhalte nicht wesentlich höher als bei normalen D-Zügen, da das Schienensystem maximal eine Geschwindigkeit von 120 km/h zuließ. Der schnellste Zug war mit 91,5 km/h der Ex 136/131 »Petermännchen« von und nach Schwerin. Den Negativrekord unter dieser Zuggattung hielt mit 68,7 km/h der Langläufer Ex 150/157 »Rennsteig« von und nach Meiningen über die Bezirksstädte Suhl, Erfurt und Halle nach Berlin. Letzterer wurde ab 1984 von der Ölknappheit heimgesucht. Für die Fahrt durch den Thüringer Wald musste fortan die Doppeltraktion mit 118 einer Einfachbespannung mit der Baureihe 132 weichen. Hinzu kam der lange Aufenthalt in Arnstadt, der für die Umstellung auf Elektrotraktion und Erweiterung von 6 auf 12 Wagen nötig war. Dessen ungeachtet, waren die Städte-Express-Züge das hochwertigste Angebot im Personenverkehr der Deutschen Reichsbahn bis zur Wende.
Am 2. Juni 1991 wurden die Städte-Express-Züge abgeschafft, da sich die Hauptreiserichtungen im Zuge der Wiedervereinigung von Nord-Süd nach Ost-West verlagert hatten und mit dem InterCity und dem InterRegio neue Maßstäbe gesetzt wurden.
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