Aurobindo (bengali: অরবিন্দ ঘোষ, Arabinda Ghosh) (* 15. August 1872 in Kolkata; † 5. Dezember 1950 in Pondicherry) war ein indischer Philosoph, Hindu-Mystiker und Guru. Er steht in der Tradition der Indischen Seher, die durch das wirken, was sie sind.Sri_aurobindo.jpg
In den folgenden Jahren arbeitete Aurobindo für den Gaekwar von Baroda, Maharaja Sayajin Rao erst in der Verwaltung des Fürstentums Baroda (Varodada) und schließlich am Baroda-College als Französisch-Lehrer, später als Professor für Englisch und dann als Vorstand des Colleges. In Baroda lernte er Sanskrit und verschiedene andere indische Sprachen, besonders Bengali, Marathi und Gujarati. Während der Baroda-Zeit, im April 1901, heiratete Sri Aurobindo Mrinalini Bose, die 1918 einen frühen Tod starb.
1906 verließ Aurobindo Baroda und ging nach Kolkata - als Vorstand des neu gegründeten "Nationalen Bengalischen College". Ebenfalls 1906 begann Aurobindo mit der Herausgabe des Journals, "Bande Mataram", das zum Sprachrohr der "Nationalist Party" wurde. Er wollte die Idee der Unabhängigkeit im Denken seiner Landsleute festigen und gleichzeitig eine Partei und schließlich die ganze Nation zu intensiver und organisierter politischer Aktivität bewegen, die zur Verwirklichung dieses Ideals führen sollte. Sri Aurobindos erstes Anliegen in dem Journal war, die vollständige Unabhängigkeit Indiens als politisches Ziel offen und nachhaltig zu propagieren; er war der erste Politiker in Indien, der den Mut aufbrachte, dies öffentlich zu tun. Diese Tätigkeit als Herausgeber von Bande Mataram brachte ihn ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Von da an war er, was er faktisch schon eine zeitlang gewesen war, nämlich der prominenteste Führer der Partei. Während dieser Zeit politischer Aktivität wandte sich Sri Aurobindo verstärkt der Ausübung und des Studiums der indischen Yoga-Lehren und Yoga-Übungen zu. Eine entscheidende Wende nahm dieses Kennenlernen des Yoga, als er im Dezember 1907 mit dem Guru Vishnu Bhaskar Lele aus Maharashtra zusammentraf. Durch dessen Hilfe vertiefte sich Aurobindos Kenntnis und Erfahrungsweite der Yoga-Inhalte so sehr, dass er nun seiner eigenen Idee der Yoga-Entwicklung folgte.
Seine endgültige Konversion von einem aktiven Nationalisten in einen großen Hindu-Weisen und Seher geschah während des einen Jahres in dem er im Alipur Gefängnis in Kalkutta in der Provinz Bengalen inhaftiert war. Während der Haft las und meditierte er über die Bhagavad Gita. Dies ließ ihn die zentrale Wahrheit der Hindu–Religion begreifen: "Das ist die Religion, die zum Heil der Menschheit in der Abgeschlossenheit dieses Landes seit alters wertgehalten worden ist. Diese Religion zu vermitteln, dazu erhebt sich Indien. Indien erhebt sich nicht, wie andere Länder es tun, um seiner selbst willen oder um die Schwachen niederzutreten, wenn es stark geworden ist. Indien erhebt sich, um das ewige Licht, das ihm anvertraut ist, über die Welt auszubreiten."
Der Prozess, für den er in Untersuchungshaft kam und dabei viele Monate in einer Einzelzelle verbringen musste, war einer der bedeutendsten Prozesse für die Indische Nationale Bewegung. 49 Personen waren angeklagt und 206 Zeugen geladen. 400 Dokumente wurden zu den Akten genommen und 5.000 Beweisstücke vorgelegt, einschließlich Bomben und Revolver. Der Englische Richter C.B. Beechcroft war ein Student von Aurobindo in Cambridge gewesen. Die Verteidigung für Aurobindo wurde von Chittaranjan Das geführt, der seine Gesundheit opferte, um ihn vor dem Galgen zu retten. Der Prozess dauerte ein volles Jahr. Aurobindo wurde als einziger Angeklagter freigesprochen.
1910 fuhr Aurobindo nach Pondicherry in Südindien, wo er bis zu seinem Ableben am 5. Dezember 1950 blieb. Er begann nun den "Integralen Yoga" zu entwickeln, im Sinne einer modernen, zukunftsweisenden, umfassenden Bewusstseinsentwicklung (Integral = umfassend; Yoga = Bewusstseinsentwicklung).
1914 machte er die Bekanntschaft mit Mira Alfassa und ihrem Ehemann Paul Richard. Gemeinsam mit ihnen brachte er die philosophische Zeitschrift "Arya" heraus, in der bis 1920 die meisten seiner Hauptwerke zum ersten Mal veröffentlicht wurden.
1920 kam Mira Alfassa, nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Japan, zu Aurobindo in Pondicherry und blieb dort bis zu ihrem Ableben am 17. November 1973.
Nach 1920 leitete sie den Haushalt, der sich um Sri Aurobindo gebildet hatte. Während dieser Jahre begannen die Mitglieder des Haushalts und der Gemeinschaft Mira Alfassa mehr und mehr "Die Mutter" zu nennen, so dass sie im Laufe der Zeit allgemein als "Die Mutter" bekannt wurde.
Dieser Haushalt wuchs bis 1926 zu einer kleinen Gemeinschaft heran, die ab dem 24. November 1926 Sri Aurobindo Ashram genannt wurde. Am 24. November 1926 verwirklichte Sri Aurobindo – nach seiner eigenen Aussage – die Bewusstseinsebene des Overmind (Übergeistes). Dieser Tag wurde fortan "Siddhi Day" genannt. Der Ashram zählte zu dieser Zeit nicht mehr als 24 Schüler. Aurobindo entschied im Dezember des gleichen Jahres, sich gänzlich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Er übertrug die volle Verantwortung für den Ashram auf Mirra Richard, die er mit der Göttlichen Mutter identifizierte. Im Jahr 1927 zogen Sri Aurobindo und "Die Mutter" in die Rue Francoi Martin, wo sie für die restlichen Tage ihres Lebens blieben.
Der Ashram zählte 1928 ca. 80 Mitglieder, davon nur wenige Kinder und es ging "ruhig" zu. Erst ab 1940, als die Zahl der Einwohner stieg und immer mehr Eltern mit Kindern aufgenommen wurden, wurde der "geräuschlose Gang des Ashramlebens" merklich durch Kinderlärm "gestört".
Während der Zeit des deutschen Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs wandten sich Aurobindo und Mira Alfassa entschieden gegen Hitler und die Nazi-Ideologie, hinter denen sie zutiefst unmenschliche Kräfte und die Mächte des Bösen sahen, "deren Sieg die Versklavung der Menschheit an die Tyrannei des Bösen bedeutet hätte und einen Rückschritt auf dem Weg der Evolution, und besonders der spirituellen Evolution der Menschheit, der nicht nur zur Versklavung Europas, sondern auch von Asien und damit von Indien führen würde ..." (Aurobindo). Da es nach Aurobindos Ansicht um eine Verteidigung der Zivilisation ging, trat er für die Alliierten ein, obschon Indien damals von England beherrscht wurde. Er erhoffte sich nach dem Zweiten Weltkrieg eine Ära von Frieden und Union unter den Nationen.
Sri Aurobindo sah es als seine Aufgabe an, das "Supramentale" (den Übergeist) in das Erdbewusstsein herabzubringen oder diese Herabkunft zumindest zu ermöglichen.
Nach 1945 besprachen Aurobindo und Mira Alfassa zukünftige Pläne für eine internationale Sri-Aurobindo-Universität und die Konzeption des Modells einer zukunftsorientierten Stadt geistiger Freiheit, die eine Heimat für Menschen aus aller Welt sein sollte, die ein Leben des Friedens und der bewussten Selbstentwicklung führen wollen.
Aurobindo verstarb im Dezember 1950, nach kurzer Krankheit. Zu dieser Zeit lebten im Ashram ca. 800 Menschen. In ihrer Agenda, Band 1. S. 69, schreibt Mirra Richard, dass am 29. Februar 1956 (dem Goldenen Tag) das Tor aufbrach, welches das Universum vom Göttlichen trennt und es der "Supramentalen Kraft" erlaubte, in einem ununterbrochenen Fluss zur Erde zu strömen.
Die phänomenale Welt, eine Selbstmanifestation des Ewigen, sei real, wiewohl sie nicht die gesamte Realität umfasst. Das göttliche Wesen wohne im Menschen, in ihren tiefsten Wesen. Das Verhältnis von Absolutem und Relativem wird also nicht als kontradiktorisch angesehen, sondern als Identität in der Verschiedenheit. Die Antwort auf die Frage, weshalb das Eine die Vielheit wurde, warum das in Brahman integrierte Universum transformiert wurde, sucht auch Aurobindo im göttlichen Spiel. Desintegration und Umwandlung sieht er als den notwendigen Ausdruck von Brahmans wesentlicher Macht.
Wesentliches Anliegen von Aurobindos Philosophie ist die Evolution der niedrigen Formen zu den höheren. Es sei die irdische Aufgabe des Menschen, die Identität mit dem Absoluten zu erreichen und zwar dadurch, dass er über die Sphäre des Geistigen hinaussteigt.
Aurobindo sieht im Yoga eine Auswahl und besondere Konzentration von allgemeinen Methoden, die in der Natur vorhanden sind. Sein Ziel ist es dabei durch methodisches Bemühen alle Kräfte und Anlagen, die in unserem Wesen verborgen sind, zum Ausdruck zu bringen und unser individuelles Menschsein mit dem universalen und transzendenten Sein zu einen.
Der integrale Yoga ist die praktische Anwendung von Aurobindos Philosophie. Es handelt sich jedoch nicht um eine Form des Yoga mit fest definierten Übungen, wie z.B Hatha Yoga oder Raja Yoga. Viel wesentlicher als Asanas ist nach Aurobindo, dass man in völliger Hingabe alle Taten, Worte und Gedanken dem Brahman widmet. Dieser Yoga heißt "integral", weil die traditionellen Disziplinen Jnana Yoga, Karma Yoga und Bhakti Yoga miteinander verknüpft werden, wie Aurobindo es in der Synthese des Yoga beschreibt. Integral sei er aber auch deshalb, weil er die Welt nicht ablehnt oder überwinden will, sondern sie mit dem Göttlichen zu durchdringen sucht. Dazu müssen alle Wesensteile des Menschen umgewandelt und dem Göttlichen dargebracht werden. Diese Wesensteile sind:
Während sich mentale, vitale und physische Impulse in ihren äußeren Aspekten vermischen, sind sie in ihrem inneren, wahren Aspekten getrennt. Diese Trennung herbeizuführen hat der integrale Yoga mit dem klassischen Yoga gemeinsam. Das Innere, Wahre des Mentals, Vitals oder der Physis stehen nach Aurobindo in direkter Verbindung mit dem Inneren Wesen (Antarãtman), und werden manchmal mit ihm verwechselt. Das zentrale Wesen , der Jivatman ist erhaben über Geburt und Tod, immer derselbe, das individuelle Selbst oder ãtman. Er ist das ewige wahre Wesen des Individuums. Das zentrale Wesen wird nicht geboren und durchläuft keine Evolution. Vielmehr lenkt es die individuelle Geburt und Evolution.
Es reicht nicht, wenn die Seele aufsteigt und sich mit dem Göttlichen vereint, oder der Geist im Nirvana aufgeht. Für Aurobindo steht das Nirvana nur am Anfang des Weges. Er selbst hatte die Erfahrung des Nirvana ungewollt bereits nach 3 Tagen intensiven Sadhanas mit Vishnu Bhaskar Lele gemacht, in dem er die Welt losgelöst und leer wie einen Kinofilm sah. Er hatte jedoch festgestellt, dass sein Weg weiterführte, so dass er die Welt später nicht mehr leer, sondern vergöttlicht wahrnahm. Ein Aufstieg zum Göttlichen allein kann nicht das Ziel sein; eine Herabkunft des Göttlichen in die Welt muss folgen.
Damit aber die Welt transformiert werden kann, dürfen keine Stufen des Weges übersprungen werden. Nur wer die Stufen der gesamten Leiter geht, also alle Persönlichkeitsanteile bewusst dem Göttlichen zuwendet, kann auch wieder den Weg zurückkehren, und das Göttliche in die Welt bringen. Traditionelle Methoden der Yogapraxis können beim Sadhana des integralen Yoga benutzt werden. Am Anfang steht dabei die Entdeckung des seelischen Wesens, das als individualisierter Gotteskern im Menschen bezeichnet wird.
Nach Aurobindo steht die Seele (das Psychische Wesen) hinter der Persönlichkeit des Menschen . Sie ist der Träger von Körper, Leben und Mental. Beim "normalen " Menschen duldet sie deren Entscheidungen und greift nur selten ein. Das Psychische Wesen hat aber in sich die Fähigkeit die Natur einer Person umzugestalten und dort, wo zuvor Dunkelheit war, Helligkeit und Klarheit zu bringen, wo zuvor Verwirrung war, Einsicht und Verstehen zu bringen, wo zuvor Falschheit war, Wahrheit und Recht zu bringen . Das Psychische Wesen vermag sogar den Körper vor Krankheiten und Gefahren zu schützen. Es muss deshalb die Aufgabe des Sadhak sein, die Kräfte des Körpers, des Vitalen und Mentalen dem Ideal der Seele zuzuordnen und nach und nach sich immer mehr dem Psychischen Wesen zu überantworten. Das Psychische Wesen kennt den Weg zum Göttlichen hin und vermag deshalb auf dessen Anruf zu antworten und Verstand , Herz und Körper zum Göttlichen hinführen. Dies muss in einem ständigen Prozess geschehen, bis das Göttliche selbst erreicht ist und die Spirituelle Transformation beginnt. Die dreifache Anstrengung ist Streben nach dem Göttlichen ohne Vorbedingungen, Zurückweisung von Ideen, Vorlieben, Stolz des Geistes, oder der niedrigen vitalen Natur, und Hingabe an das Göttliche, die ohne Bedingungen des Ego oder persönlichen Gewinnstreben zu geschehen hat. Letztlich kann nur das Göttliche selbst diese Umwandlung bewirken, was ein Zurücktreten des Individuums voraussetzt. Die dreifache Wandlung ist die psychische Transformation, bei der alles durch das seelische Wesen in Verbindung mit Gott steht, die spirituelle Transformation, in der alles durch das kosmische Bewusstsein in Gott versenkt wird, und schließlich die supramentale Transformation, in der alles im göttlichen gnostischen Bewusstsein supramentalisiert wird. Nur mit letzterer könne die vollständige Transformation von Körper, Leben und Geist beginnen.
Das Supramental stellt Aurobindo als einen Bereich zwischen der höheren Triade, Sat (Sein), Chit (Bewusstsein), Ananda (Seligkeit) und der niederen Mental (Geist), Vital (Leben, Emotionen) und Physis (Körper). Das Supramental vereint in sich alle Gegensätze und besitzt ein inneres Wissen um alle Dinge, ein Wissen durch Identität. Aurobindo postuliert eine Supramentalisierung allen Lebens auf der Erde, die die nächste Stufe der Evolution darstelle. Das Supramental würde sich seine eigenen Instrumente im Menschen und auf der Welt schaffen, doch dafür sei ein Streben des Menschen zum Göttlichen nötig.
Unterhalb des Supramental gibt es noch verschiedene geistige Ebenen:
| Chakren und Begriffe in Aurobindos Yoga | ||
|---|---|---|
| Chakra-name | Zuordnung zu Aurobindos Terminologie | Höhere Aspekte |
| Sahasrara - Tausendblättriger Lotus | Höheres Mental, erleuchtetes Mental | Öffnet hin zum intuitiven Mental und dem Übergeist (Overmind), die über dem Kopf liegen |
| Ajna - Stirn Zentrum | Dynamisches Mental, Wille und Vision | Inneres, wahres Mental |
| Vishudda - Hals Zentrum | Ausgedrücktes und externes Mental | |
| Hridaya - Herz Zentrum | Ego,Wunschseele, emotionales Wesen | Psychisches Wesen, Seele |
| Manipura - Nabel Zentrum | Größeres Vital, Wünsche, Leidenschaften | Inneres, wahres Vital |
| Svadhishtana - unteres Nabelzentrum | Sinnliches Vitalzentrum - regiert kleine vitale Bewegungen, Gier, Lust, kleine Wünsche, und Sinneseindrücke | |
| Muladhara - Basis Zentrum | Regiert das Physische bis hinab zum Unterbewussten | Innere, wahre Physis |
1956 gründete Mira Alfassa gemeinsam mit dem Inder Surendranath Jauhar den Sri Aurobindo Ashram in Delhi.
1968 gründete Mira Alfassa in Zusammenarbeit mit dem französischen Architekten Roger Anger das Stadtprojekt Auroville als Ausweitung des Sri Aurobindo Ashrams in Pondicherry.
1969 machte der Künstler, Philosoph und Musiker Michel Montecrossa die Bekanntschaft mit Mira Alfassa, die sich zu einer kreativen Freundschaft entwickelte. Aus dieser Begegnung und den gemeinsamen Gesprächen entwickelten sich, in der Zeit von 1969 bis 1973, die Grundlagen für Mirapuri die Stadt des Friedens und des Zukunftsmenschen in Italien.
Michel Montecrossa gründete am 15. August 1978 Mirapuri in Norditalien und einige Jahre später Miravillage in Gauting bei München als erste Zweigstelle von Mirapuri.
Mirapuri, sich auf das Werk von Aurobindo und Mira Alfassa berufend, ist ein futuristisch ausgerichtetes Lebensgemeinschafts- und Stadtprojekt in Norditalien an dem Menschen teilnehmen können, die sich "den Traum eines freudigen, kreativen und innerlich wie äußerlich erfüllenden Lebens verwirklichen wollen". Innere Grundlage ist dabei der von Aurobindo und Mira Alfassa entwickelte Integrale Yoga. Das Ziel des Integralen Yoga von Sri Aurobindo und Mira Alfassa und das Ziel von Mirapuri und Miravillage ist es, "die bewusste Einheit von Geist und Materie zu leben und alle Entwicklungsmöglichkeiten, die sich daraus ergeben in Frieden, Freiheit und Weltoffenheit zu verkörpern".
Auroville, sowie auch der Sri Aurobindo Ashram, grenzen sich klar von Mirapuris Interpretation des Integralen Yogas ab.
Aurobindo war ein (anfangs revolutionärer) Kämpfer für die indische Unabhängigkeit und als solcher Nationalist. In seinen Veröffentlichungen trat er unter anderem für den Boykott ausländischer Waren, für passiven Widerstand und Nicht-Zusammenarbeit ein. Auch als Philosoph und Guru war er Nationalist: er forderte eine »nationale Erziehung«, sah die Nationen als natürliche Organisationsformen der Menschen an und sprach jeder Nation eine Seele zu. Dass sich Konflikte in den Menschen als Kriege zwischen Nationen manifestieren, fand er natürlich und unabdingbar – solange nicht alle Menschen Erleuchtung erlangt haben. Auch hegte er eine große Verehrung für Deutschland als Kulturnation, und so kam es, dass er sich in seinem während des Ersten Weltkriegs begonnenen und nach dem Zweiten Weltkrieg überarbeiteten Buch The Human Cycle (dt. 1952 als Der Menschliche Zyklus) auch sehr eingehend und kritisch mit dem deutschen Faschismus auseinandersetzte. Auch dieser habe die Subjektivierung zum Ziel gehabt – ein zentraler Begriff in Aurobindos Philosophie –, sei aber beim Streben danach vom rechten Weg abgekommen. Den Wahlspruch der Nazis »Der Zweck heiligt die Mittel« lehnt Aurobindo ab. (Quelle zu diesem Abschnitt: Kapitel 5 im genannten Werk; online: True and False Subjectivism).
In seiner Zeitschrift »Arya« veröffentlichte Aurobindo 1920 einen Artikel mit dem Titel Der Übermensch. Aurobindo stellt dem Übermensch Nietzsches einen Menschen der »integralen Selbsttranszendenz« gegenüber, der »in Einheit mit aller Welt lebt und alle Dinge akzeptiert, um sie zu verwandeln.« Wichtig dabei sei es, die eigenen egoistischen Instinkte zu überwinden. Gelinge das, würde der transzendente Mensch die Gesetzmäßigkeit im Handeln der anderen Lebewesen erkennen und sie von innen heraus verstehen. Aus diesem Verständnis wachse dann Mitgefühl, weil er in ihnen auch einen Teil von sich selbst erkenne. Offen bleibt die Frage, wie das Zusammenleben zwischen »Übermenschen« und anderen Menschen funktionieren soll.
Die Nobelpreisträgerinnen Gabriela Mistral und Pearl S. Buck schlugen Sri Aurobindo 1950 für den Literatur-Nobelpreis vor und erklärten, Sri Aurobindo sei einer, "der zu der Familie der Seher und Weisen der Welt gehört."
Rabindranath Tagore schrieb nach einer Begegnung, Aurobindo habe "die Seele gesucht und gefunden". Er nannte ihn ferner einen "Hindu-Seher", und man warte darauf, das "Wort" von ihm zu empfangen.
Der französische Dichter Romain Rolland erklärte, Sri Aurobindo sei "der größte Interpret Indiens", der die vollkommenste Synthese realisiert habe, welche das Genie des Westens und des Ostens wohl überhaupt erreichen könne.
In einem Interview mit der Zeitschrift Auroville Today erklärte der Dalai Lama im Dezember 1994, die Atmosphäre seiner Begegnung mit der Mutter (1973) sei angenehm und bedeutungsvoll gewesen, er habe mit ihr über die Zukunft seines Landes gesprochen.
Über Auroville sagte er, die umfassenden Erfahrungen, die dort mit der Aufforstung gewonnen wurden, könnten vielleicht eines Tages auch für eine Hochgebirgsregion wie Ladakh oder ein künftiges Tibet genutzt werden.
Er würdigte den Gemeinschaftssinn und die Vision der Aurovillianer ebenso wie deren "klare Akzeptanz des Wertes spiritueller Dinge". Man habe eine gute Synthese von praktischem Fortschritt und von Spiritualität gefunden. Das Schulsystem in Auroville sei ein "wunderbares Experiment".
Quelle: Yoga Abenteuer Meditation - die besten Artikel aus internationalen Zeitschriften (ISBN 3-931172-09-0), S. 94-103
Titel in deutscher Sprache:
Titel Deutsch-Sanskrit
Titel in englischer Sprache:
Philosoph (20. Jh.) | Person des Hinduismus | Yoga | Esoteriker | Geboren 1872 | Gestorben 1950
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