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Benito Mussolini.jpg bei einer Kundgebung]] Schwarzhemden (ital. camicie nere oder squadristi) ist die Bezeichnung für die Mitglieder der Fasci di Combattimento, der faschistischen Kampfbünde im Italien der Zwischenkriegszeit.

Sie entstanden Anfang 1919 unter der Führung Benito Mussolinis (der mutmaßlich von Giuseppe Garibaldis „Rothemden“ inspiriert wurde) und forderten eine autoritäre Ordnung und die Revision der Pariser Vorortverträge zugunsten Italiens.

Die Gesinnung und sogar die Uniformen fanden manche politische Nachahmer, darunter Adolf Hitler im Deutschen Reich, der die Sturmabteilung mit braunen Hemden und die Schutzstaffel mit schwarzen Uniformen ausstatten ließ (letztere wurden umgangssprachlich ebenfalls „Schwarzhemden“ genannt, obwohl sie eigentlich braune oder weiße Hemden zum schwarzen Uniformrock trugen), Sir Oswald Mosley im Vereinigten Königreich (dessen Mitglieder der British Union of Fascists auch als „Schwarzhemden“ bekannt waren), William Dudley Pelley in den Vereinigten Staaten (Silver Legion of America oder „Silberhemden“), Plínio Salgado in Brasilien (dessen Anhänger grüne Hemden trugen) und Eoin O'Duffy im Irischen Freistaat (Army Comrades Association oder „Blauhemden“).

Seit einigen Jahren wird der Name in Australien von einer militanten väterlichen Sorgerechts-Gruppe verwendet, allerdings ohne faschistische Assoziation.

Geschichte


Squadristi.jpg | 1919 als squadristi gegründet, bestanden die Schwarzhemden aus enttäuschten ehemaligen Soldaten. Mit Mussolinis wachsender Machtfülle gingen die Schwarzhemden seit Anfang der 1920er Jahre zunehmend kompromissloser und brutaler gegen ihre politischen Widersacher (wie etwa Sozialisten oder Gewerkschafter) vor. Sie finanzierten sich oft durch Werkschutz-Aufträge der Industrie oder der Landbesitzer. Mussolini nutzte den Ruf der squadristi, die oft als ganze squadre in sogenannten „Strafexpeditionen“ gegen die Gegner vorgingen, um seine Herrschaft zu festigen.

Die Schwarzhemden sahen Gewalt gegen ihre Gegner als legitimes politisches Mittel, zuweilen sogar als politischen Wert an sich. Sie erschlugen ihre Opfer oft mit dem manganello, einer schweren Holzkeule, oder zwangen sie dazu, große Mengen Rizinusöl zu trinken, ein Abführmittel, das in hohen Dosen tödlich wirkt.

Aus Furcht vor inneren Unruhen ließ der italienische Staat die Squadristi gewähren, teilweise schritten Ordnungskräfte nicht ein oder billigten sogar Aktionen gegen Sozialisten. Im Jahre 1922 hatten die Schwarzhemden bereits die Kontrolle über zahlreiche Stadtregierungen übernommen und waren mit 34 Abgeordneten in das italienische Parlament eingezogen. Schon im November 1921 hatte Mussolini die lokal und dezentral organisierten Squadren in die Nationale Faschistische Partei (Partito Nazionale Fascista – PNF) umgewandelt.

Im Oktober 1922 organisierte Mussolini mit etwa 26.000 Schwarzhemden den Marsch auf Rom (Marcia su Roma). Dieser Marsch war ein entscheidender Faktor in der Berufung Mussolinis zum Ministerpräsidenten durch König Viktor Emanuel III..

1922 fand eine Umorganisierung der squadristi in die milizia statt, aus der wiederum am 1. Februar 1923 die MVSN (Milizia Volontaria pro La Sicurezza Nazionale) enstand, die bis zu ihrer Auflösung im Zuge der italienischen Waffenstillstandsbedingungen 1943 existierte. In der Italienischen Sozialrepublik fand dann eine Überführung in die GNR (Guardia Nazionale Repubblicana) statt.

Aufbau


Benito Mussolini war stets der Oberbefehlshaber, Exekutivaufgaben wurden jedoch vom Stabschef – äquivalent zu einem Armeegeneral – ausgeführt. Insbesondere in der MVSN wurde die Struktur der historischen römischen Armee nachgebildet:

Grundaufbau

Die Bezeichnungen bzw. deren moderne Transskriptionen finden weder allgemeinen Gebrauch in europäischen Armeen, noch wurden sie vollkommen willkürlich ausgewählt, sie wurden von der Struktur der historischen römischen Armee abgeleitet.

Diese Einheiten waren auch nach dem „Dreierprinzip“ aufgebaut:

  • 3 squadre = 1 manipolo („Manipel“)
  • 3 manipoli = 1 centuria („Centurie“)
  • 3 centurie = 1 coorte („Kohorte“)
  • 3 coorti = 1 legione („Legion“)
  • 3 legioni = 1 divisioni („Felddivision“) oder
  • 3 legioni oder mehr = 1 zona („Zone“ – eine administrative Division)

Gebietsaufbau

Der ursprüngliche Aufbau der MVSN bestand aus 15 Zonen, denen 133 Legionen (eine pro Provinz) zu je drei Kohorten unterstanden, außerdem wurden je 10 Legionen von einer unabhängigen Einheit beaufsichtigt. 1929 wurde sie in vier raggruppamenti umorganisiert, die dann im Oktober 1936 in 14 Zonen abermals neu aufgeteilt wurden, denen dann nur noch 133 Legionen mit je zwei Kohorten – eine mit Männern von 21 bis 36 Jahren, die andere mit Männern bis 55 Jahren – unterstanden, zzgl. Sondereinheiten in Rom, auf der Insel Ponza, der schwarz uniformierten Moschettieri del Duce („Musketiere des Duce“, Mussolinis Leibgarde), der albanischen Miliz (vier Legionen) und der Kolonialmiliz in Afrika (sieben Legionen).

Sondermilizen wurden auch für sog. Polizeischutz-Aufgaben gebildet:

Sicherheitsmiliz

  • Miliz der Luftabwehr und der Küstenartillerie, als gemeinsamer Verband zweier Milizen
  • Forstwirtschafts-Miliz
  • Grenzmiliz
  • Autobahn-Miliz
  • Hafenmiliz
  • Post- und Telegrafen-Miliz
  • Bahnmiliz
  • Universitätsmiliz

Mobile Einheiten

Zum Italienisch-Äthiopischen Krieg 1936 stellte die MVSN sechs Divisionen auf:
  • 1. MVSN Division 23 Marzo
  • 2. MVSN Division 28 Ottobre
  • 3. MVSN Division 21 Aprile
  • 4. MVSN Division 3 Gennaio
  • 5. MVSN Division 1 Febbraio
  • 6. MVSN Division Tevere

Zweiter Weltkrieg

1940 stellte die MVSN drei Divisionen mit insgesamt 340.000 Mann bereit, 1942 wurde eine vierte Division gebildet, die jeder Armee-Division als Gruppo di Assalto zugeteilt wurde. Diese Gruppi bestand aus je zwei Kohorten (zu je drei Centurien zu drei Manipeln zu zwei Schwadronen) plus einer Gruppo Supporto-Centurie bestehend aus zwei Maschinengewehr-Manipeln (zu je drei schweren Maschinengewehren) und zwei 81mm-Mörser-Manipeln (zu je drei Mörsern).

Später wurden 41 mobile Einheiten gebildet, aus denen das dritte Regiment in italienischen Armeedivisonen enstehen sollte. Aufgrund von Unterbesetzung, fehlender Ausrüstung und unzureichender Ausbildung erlitten diese mobilen Einheiten schwere Verluste. Die drei Divisionen wurden in Nordafrika im Kampf vollständig aufgerieben. Die MVSN war an jedem Kriegsschauplatz der Italiener beteiligt.

Italienische Sozialrepublik

Dem Fall des faschistischen Regimes in Italien und der Auflösung der MVSN folgte die Gründung der GNR (Guardia Nazionale Repubblicana) und der Schwarzen Brigaden (Brigate Nere). Die 40 Schwarzen Brigaden bestanden aus ehemaligen Schwarzhemden der MVSN, früheren Carabinieri, Ex-Soldaten und anderen faschistischen Elementen. Gemeinsam mit der Schutzstaffel, ihrem deutschen Gegenpart, zeichneten sie sich für zahlreiche Kriegsverbrechen verantwortlich.

Dienstgrade

Als Comandante Generale wurde Mussolini 1935 zum Primo Caporale Onorario (Erster Ehrenkorporal) gekürt, Hitler 1937 zum Caporale Onorario (Ehrenkorporal). Alle weiteren Dienstgrade entsprachen ungefähr denen der historischen römischen Armee:

Generäle

Offiziere

  • Centurione = Hauptmann und Centurienkommandeur
  • Capomanipolo = Erster Leutnant
  • Sottocapomanipolo = Zweiter Leutnant

Unteroffiziere und Mannschaften

  • Camicia nera scelta = etwa Obersoldat oder Gefreiter
  • Camicia nera = Soldat

Uniformen

Mussolini personal flag.gif Die Schwarzhemden der MVSN trugen normale Armeeuniformen, entweder den graugrünen Woll- oder den khakifarbenen Stoff-Drillich, dazu ein schwarzes Hemd mit Krawatte, ein schwarzes Kragenspiel mit eingelassenem silbern-metallenem fascio (das römische Rutenbündel mit Beil als Herrschaftszeichen der Macht) und einen schwarzen Fes mit Quaste.

Dienstgradabzeichen entsprachen denen der Armee, mit Dienstgrad-Streifen in schwarz umsponnenen Sparren, und Offiziersgrad-Streifen in schwarzer Litze mit der obersten als rautenförmige Schleife anstelle der runden oder ovalen Schleifen der Armee.

Sie trugen auch eine schwarzfarbene Ausgabe des herkömmlichen italienischen Armeehelms, wieder mit einem silbernen fascio auf der Vorderseite; Im Zweiten Weltkrieg wurde der fascio auf den normalen graugrünen Armeehelm schabloniert.

Die Mitglieder der Guardia Nazionale Repubblicana trugen schwarze Hemden, Rollkragenpullover oder andere schwarze Oberteile, dazu schwarzen Helme und italienische Armeehosen, womit sie sich als Schwarzhemden kenntlich machen wollten.

Siehe auch


Weblinks


Literatur


  • Mimmo Franzinelli: Squadristi. Protagonisti e techniche della violenza fascista. Milano: Mondadori, 2003.
  • Sven Reichardt: Faschistische Kampfbünde. Gewalt und Gemeinschaft im italienischen Squadrismus und in der deutschen SA. Köln/Weimar/Wien: Böhlau, 2002.

Faschismus | Italienische Geschichte

Blackshirts | Camicie Nere

 

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