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Ein Sprichwort ist ein "allgemein bekannter, festgeprägter Satz, der eine Lebensregel oder Weisheit in prägnanter, kurzer Form ausdrückt" (der Sprach- und Literaturwissenschaftler Wolfgang Mieder). In der Sprachwissenschaft wird die Kunde von den Sprichwörtern Parömiologie genannt.

Der Schriftsteller Miguel de Cervantes definierte:

"Ein Sprichwort ist ein kurzer Satz, der sich auf lange Erfahrung gründet."

Der Ursprung vieler Sprichwörter ist in der Bibel sowie bei lateinischen Autoren zu finden.

Johannes Agricola fertigte eine illustrierte Sammlung deutscher Sprichwörter an, von der 1582 eine Ausgabe mit 750 Sprüchen bei Hans Kraffts Erben in Wittenberg erscheint. Originaltitel: "Sibenhundert und funfftzig Deutscher Sprüchwörter".

Formen


Ein Sprichwort in Form eines Zitates wird als geflügeltes Wort bezeichnet. Nach André Jolles gehört das Sprichwort zu den sogenannten Einfachen Formen.

Ein Sprichwort hat die Form eines abgeschlossenen Satzes in fester und unveränderlicher Formulierung. Darin unterscheidet es sich von der Redewendung.

  • Hunger ist der beste Koch.
  • Wer lang hustet, wird alt.
  • Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Oft wird die Form des Sprichworts durch Stabreim, End- oder Binnenreim noch besonders gefestigt:
  • Glück und Glas - / wie leicht bricht das.
  • Was ich nicht weiß, / macht mich nicht heiß.
  • Trocken Brot / macht Wangen rot.
  • Cola schmeckt besser als aus der Dose.
  • Einem geschenkten Gaul / schaut man nicht ins Maul. * Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul
  • Je oller, / je doller! ...
  • Geteiltes Leid ist halbes Leid.
  • Geteilte Freude ist doppelte Freude.
  • Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.
  • (Was du heute kannst verschieben, kann auch noch bis morgen liegen.)
  • (Verschiebe nicht auf morgen, was du auch übermorgen noch tun kannst.)

Mit dem imperativischen Anspruch - 'Jeder kehre vor seiner eigenen Tür!', 'Man soll ...', 'Man muss ...' oder 'Man darf ...' - hat das Sprichwort eine generalisierende Form angenommen. Es drückt in der Regel einen allgemein gültigen Satz aus, der entweder eine

  • Erfahrung des täglichen Lebens (Neue Besen kehren gut. - Undank ist der Welt Lohn.),
  • ein Urteil oder eine Meinung (Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.),
  • eine Warnung (Verliebe dich oft, verlobe dich selten, heirate nie! - Es ist nicht alles Gold, was glänzt.),
  • eine Vorschrift oder Klugheitsregel enthält (Ein Schüler ohne Schule ist wie ein Fisch ohne Fahrrad.) Hier ist die Alliteration der Substantive besonders ausschlaggebend.

Viele Sprichwörter sprechen eine

  • Sozialkritik aus (Als Adam grub, und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?) oder eine
  • Religionskritik (Der beste Patron ist der Tierarzt.) oder schließlich
  • einfache Haushaltsregeln (Ein gebranntes Kind scheut das Feuer.).

Literatur


  • Csaba Földes (Ed.): Res humanae proverbiorum et sententiarum. Ad honorem Wolfgangi Mieder. Tübingen: Gunter Narr Verlag 2004. 405 S. (Enthält viele deutsch- und englischsprachige Beiträge zur Untersuchung von Sprichwörtern.)
  • Archer Taylor: The Proverb. Harvard University Press, Cambridge (MA), 1931.
  • Karl Simrock (Hrsg.): Die deutschen Sprichwörter. Neuausgabe Stuttgart 1988 (reclam). 630 S. Enthält alphabetisch geordnet zahlreiche deutsche Sprichwörter, diese sind durchnumiert (bis Nr. 12.396).

Siehe auch


Weblinks


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Fachliteratur

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