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Der Begriff Sprachwandel bezeichnet die Tatsache, dass sich Sprachen in einem Wandel, einer Entwicklung befinden.

Der Sprachwandel wird durch die Historische Linguistik und die Soziolinguistik erforscht.

Permanent kommen neue Wörter (Neologismen) zu einer Sprache hinzu; dies resultiert unter anderem aus der Notwendigkeit, neue Dinge zu bezeichnen. So wurde beispielsweise bei der Einführung der neuen europäischen Gemeinschaftswährung das Wort „Euro“ als Name für die neue Währung gewählt.

Der Einfluss fremder Sprachen auf das Deutsche wächst (Xenismen).

Ferner ändert sich Sprache durch die von der Soziolinguistik erforschten Gegenstände wie beispielsweise die Abgrenzung Jugendlicher von Erwachsenen durch Sprache (Jugendsprache). Positives wird „cool“ oder „geil“ genannt, anders als die Jugendsprache der heute Erwachsenen, die Positives etwa als „knorke“ befunden hat.

Auch Wortbedeutungen wandeln sich. Bezeichnete das Wort „geil“ früher jemanden, der sexuell gierig oder erregt war, drückt man heute allgemein etwas aus, das man „gut“, „prima“, „toll“ findet.

Vormals eindeutige Wörter werden vieldeutig: Heißt „offenbar“ in Luthers Bibelübersetzung und in Zusammensetzungen wie „offenbar werden“ und „Offenbarungseid“ nur dasselbe wie „offensichtlich“, so benutzen Journalisten heute das Wort nur noch für „anscheinend“, „vermutlich“ oder gar „vielleicht“. (Tatsächlich gemeldet: „NN offenbar getötet“, am nächsten Tag lebt er.)

Ebenso verschwinden Wörter (Paläologismen), weil das damit Bezeichnete nicht mehr vorkommt oder benötigt wird wie beispielsweise „Leibrock“ oder „Tändelwoche“.

Auch im Bereich der gebräuchlichen Grammatik ändert sich vieles. So ist das Aufkommen von beispielsweise Partizipien oder des Konjunktivs in der deutschen Sprache heute seltener als früher.

Durch Lautverschiebungen verändern sich Sprachen langfristig, wie etwa ein Vergleich von Texten des Mittelhochdeutschen und des heutigen Deutschen zeigt.

Faktoren für Sprachwandel


Peter von Polenz benennt als Faktoren für Sprachwandel:

  1. Ökonomie: Veränderungen, die entstehen, weil Sprecher oder Schreiber aus Gründen der Zeitersparnis und Bequemlichkeit eine reduzierte Sprache verwenden. (In der neuesten Literatur wird „Ökonomie“ im Zusammenhang allerdings verstanden als (Ergebnis einer) Kosten-Nutzen-Analyse, also: wie muss ich mich ausdrücken, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen? Vgl. dazu das unten genannte Werk von Rudi Keller)
  2. Innovation: Veränderungen, die entstehen, weil das gewohnte Inventar der Sprache für kreative und nonkonformistische Tätigkeiten nicht hinreichend geeignet ist und entwicklungsbedürftig zu sein scheint. Wichtige Kräfte bei der Entstehung und Ausbreitung von Innovationen sind also die Maximen „Rede nicht so wie die anderen, damit du herausstichst“ und „Rede so wie die anderen, damit du dazugehörst“.
  3. Variation: Die Sprachbenutzer sind flexibel in Bezug auf die Wahl sprachlicher Mittel, je nach kommunikativen Bedingungen und Zwecken.
  4. Evolution: Sprachgebrauch und die Beeinflussung des Sprachgebrauchs durch gesellschaftliche Kräfte bewirken Sprachwandel.

Fachsprache

In Fachsprachen werden Fachwörter neu normiert. So heißt es im Handwerk heute „Schraubendreher“ statt „Schraubenzieher“ und in der Elektrotechnik „Spannungsfall“ statt „Spannungsabfall“. Diese Änderungen entstehen, um eine präzisere Aussage zu erreichen, können aber auch die Verständigung erschweren. Es können dabei neue Homonyme entstehen: „Spannungsfall“ ist auch eine Bezeichnung für die Vorstufe des Verteidigungsfalls in der Bundesrepublik. In der Umgangssprache bleiben die ehemaligen Fachwörter noch lange erhalten.

Siehe auch


Zyklischer Sprachwandel, Denglisch

Literatur:


  • Joachim Grzega: Bezeichnungswandel: Wie, Warum, Wozu? Ein Beitrag zur englischen und allgemeinen Onomasiologie, Heidelberg 2004, ISBN 3-8253-5016-9.
  • Rudi Keller: Sprachwandel, 2. Auflage, Tübingen und Basel 1994.
  • Angelika Linke, Markus Nussbaumer, Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik, 2. Auflage, Tübingen 1994.
  • Nabil Osman: Kleines Lexikon untergegangener Wörter, 11. Auflage, München 1999.
  • Benoît Philippe: Sprachwandel bei einer Plansprache am Beispiel des Esperanto, Konstanz: Hartung-Gorre, 1991
  • Peter von Polenz: Deutsche Sprachgeschichte, Band I, Berlin und New York 1991.

Weblinks


Historische Linguistik | Soziolinguistik

Language change | Lingvoŝanĝiĝo | Cambiamento linguistico | Taalverandering | การเปลี่ยนแปลงของภาษา

 

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