Unter Sprachpurismus (auch Sprachreinigung) wird der Versuch verstanden, alle Fremd- und Lehnwörter aus einer Sprache zu entfernen, indem aus dem Material der eigenen Sprache neue Wörter gebildet werden. Die zugrundeliegende Hypothese, es gebe „reine“ Sprachen, findet freilich in der Sprachgeschichte keinerlei Halt, da sämtlichen Sprachen immer im Bezug zu anderen Sprachen standen und gegenseitig Elemente des Wortschatzes und grammatikalische Strukturen entlehnten.
Die älteste deutsche Sprachgesellschaft, die Fremdwörtern entgegen wirken wollte, war die Fruchtbringende Gesellschaft, die 1617 gegründet wurde. Es folgten weitere Sprachgesellschaften mit ähnlichen Zielen. Zu dieser ersten Phase schreibt der Dudenverlag:
Pointiert zusammengefasst wurde die Thematik von dem Satiriker Johann Michael Moscherosch (1601–1669):
In der Folge kam es immer wieder zu Eindeutschungen insbesondere lateinischer und französischer Begriffe. Die erfolgreichsten Vorschläge stammen insbesondere von folgenden Sprachpuristen:
Andere Neubildungen der genannten Herren konnten sich indes nicht durchsetzen („Meuchelpuffer“ für „Pistole“; „Jungfernzwinger“ für „Kloster“). Ob es sich bei dem berühmten „Gesichtserker“ für „Nase“ je um einen ernstgemeinten Vorschlag oder vielmehr um eine Satire auf den Sprachpurismus gehandelt hat, ist unklar.
Kritik erfuhr der Sprachpurismus bereits von Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), der sich dafür aussprach, Fremdwörter nicht zu verpönen, sondern produktiv aufzunehmen.
Victor Klemperer beschreibt in seinem Buch „LTI“ überdies, dass im Dritten Reich gerade Fremdwörter als Mittel der Verschleierung verwendet wurden:
Gleichwohl ist anstelle der im 17. und 18. Jahrhundert üblichen Eindeutschungen eher der gegenläufige Trend zu beobachten, die Tendenzen zur Anglisierung der deutschen Sprache zeigen. Zwar werden vereinzelt technische Begriffe aus dem Englischen eingedeutscht, wie etwa „Laufwerk“ für drive. Anderen Vorschlägen blieb der Erfolg versagt („Schlappscheibe“ für „Diskette“). Im Regelfall werden die Originalwörter beibehalten („CD-Player“, „Internet“). Zum Teil kommt es sogar zur Bildung künstlicher „englischer“ Begriffe, die es in dieser Sprache gar nicht oder mit anderer Bedeutung gibt („Handy“, „Bodybag“; siehe auch Denglisch und Scheinanglizismus). Auch verdrängen Anglizismen manchmal etablierte deutsche Begriffe („Jogging“ statt „Dauerlauf“).
In einer globalisierten Welt verliert der Sprachpurismus ohnehin zunehmend an Praktikabilität. Zu aktuellen Formen siehe auch Frankreich. Im deutschsprachigen Raum fühlen sich viele Menschen bei Sprachpurismus überdies mitunter an die Sprachpolitik der Nazis erinnert.
Bei Nationalisten ist es indes üblich, restlos alle Anglizismen durch deutsche Entsprechungen zu ersetzen, etwa „Weltnetz“ für Internet oder „T-Hemd“ für T-Shirt.
Damit sich eine eigensprachliche Bildung durchsetzen kann, muss sie kurz oder treffend-bildhaft sein, und das ersetzte Fremdwort muss störend wirken, etwa durch seine Aussprache oder Betonung.
Linguistic purism | Lingva purismo | Taalpurisme | Пуризм | Puryzm (językoznawstwo) | Пуризм
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