Die Sprachphilosophie ist ein Teilgebiet der Philosophie und beschäftigt sich u.a. mit folgenden Fragen:
Historische Entwicklung
Eine umfassende 'Geschichte der europäischen Sprachphilosophie' gibt es bis heute nicht. Karl-Otto Apel hat in Die Idee der Sprache in der Tradition des Humanismus von Dante bis Vico (Apel 1980) vier große "Traditionsströme" unterschieden, die zur Sprachphilosophie der Neuzeit führen:
Diese Konstruktion bietet mindestens drei Vorteile:
- Die Sprachkonzeption des Wiener Kreises und des frühen Wittgenstein, die in anderen Darstellungen quasi aus dem Nichts auftaucht, erscheint als historisch geworden, nämlich als "Synthese der nominalistischen Sprachkritik und der Zeichenkunst der 'mathesis universalis'"
- es zeigt sich, dass die 'deutsche' Tadition der Sprachphilosophie (Haman,Humboldt, Heidegger), die die welterschließende, nicht bloß bezeichnende Macht der Sprache und die durch die Verschiedenheit der Sprachen gegebenen verschiedenen Weltansichten betont, ihre Voraussetzungen in der Logosmystik und im Sprachhumanismus hat
- eine erkenntnistheoretisch verkürzte Sicht auf die Philosophiegeschichte, in der "Sprache" nur als Thema unter anderen erscheint, wird überwunden. Rationalismus und Empirismus sind vom nominalistischen Zeichenbegriff abhängig.
Die moderne analytische Sprachphilosophie hat sich als eigenständige Disziplin erst mit der Entwicklung der modernen Logik durch den deutschen Mathematiker und Philosophen Gottlob Frege und im Anschluß an Ludwig Wittgenstein entwickelt. Sie knüpft an das "technisch-szientifische" (Apel) Sprachverständnis an.
Probleme der modernen analytischen Sprachphilosophie
Einige der Probleme, mit denen sich die moderne analytische Sprachphilosophie beschäftigt, sind die folgenden:
- Wie ist ein Eigenname zu analysieren? Als Ausdruck, dessen Bedeutung lediglich darin besteht, dass sie auf einen bestimmen Gegenstand referieren, oder als Ausdrücke, die darüber hinaus auch einen Sinn (in Freges Terminologie) haben?
- Wie ist eine Kennzeichnung zu analysieren? Als referierender Ausdruck, oder als Kombination von drei quantifizierten Aussagen, wie Bertrand Russell in seiner berühmten Analyse vorschlägt?
- Was ist sprachliche Bedeutung? Ist Bedeutung ein Gegenstand oder wird Bedeutung nicht viel mehr durch den Gebrauch der Sprache konstituiert? Wenn letzteres, welcher Ansatz ist plausibler: derjenige von Ludwig Wittgenstein, wonach der Gebrauch mit dem Begriff der Regel expliziert werden kann, oder derjenige von Paul Grice, wonach der Gebrauch mit dem Begriff der Absicht expliziert werden kann (siehe Sprecherbedeutung)?
- Ist die traditionelle Unterscheidung zwischen Syntax (die Untersuchung des Aufbaus eines Satzes), Semantik (die Untersuchung der Bedeutung) und Pragmatik (die Untersuchung des Gebrauchs) aufrecht zu halten?
- Was ist ein Sprechakt? Inwiefern stehen Sprechakte und Bedeutung im Verhältnis zueinander?
- Wie lässt sich das, was ein Sprecher über die wörtliche Bedeutung eines Zeichens hinaus meint, theoretisch fassen? Hilf die Theorie der Implikatur von Paul Grice weiter? Was ist eine Metapher?
Auflistung alternativer aktueller Strömungen
Im 20. Jahrhundert ist "Sprache" in den unterschiedlichsten Traditionen zu einem zentralen Thema der Philosophie geworden.
Dazu zählen:
- Philosophen, die Sprache im Rahmen einer Philosophie der symbolischen Formen reflektieren (Ernst Cassirer, Oswald Schwemmer)
- Philosophen, die an die Humboldtsche Tradition anknüpfen (Walter Benjamin, Martin Heidegger)
- Marxistische Sprachtheoretiker (Walentin Woloschinow, Rossi-Landi)
- Poststrukturalistische Theoretiker (Michel Foucault, Jacques Derrida)
- Feministische Theoretikerinnen (Hélène Cixous, Julia Kristeva, Judith Butler)
- Literaturtheoretiker, deren Werk auch philosophische Bedeutung hat (Michail Bachtin, Maurice Blanchot, Paul de Man, Leslie Kaplan)
- Philosophisch orientierte Semiotiker im Anschluss an Charles S. Peirce (Umberto Eco)
- Sprachkritische Wissenschaftstheoretiker mit methodisch-rekonstruktivem Ansatz (Wilhelm Kamlah und Paul Lorenzen mit ihren Schülern Kuno Lorenz, Dietfried Gerhardus, Jürgen Mittelstraß, Peter Janich, Dirk Hartmann u.a.)
Berühmte Sprachphilosophen
Klassiker der nichtanalytischen Sprachphilosophie
Platon,
Aristoteles,
Nikolaus von Kues,
Johann Georg Hamann,
Wilhelm von Humboldt,
Giambattista Vico,
John Locke,
Gottfried Wilhelm Leibniz,
Johann Gottfried Herder,
Georg Wilhelm Friedrich Hegel,
Jean-Jacques Rousseau,
Friedrich Nietzsche,
Ernst Cassirer,
Walter Benjamin,
Martin Heidegger
Klassiker der analytischen Philosophie
John Longshaw Austin, Alfred Jules Ayer, Rudolf Carnap, Noam Chomsky, Donald Davidson, Keith Donnellan, Michael Dummett, Gareth Evans, Jerry Fodor, Gottlob Frege, Peter Geach, Paul Grice, Jaakko Hintikka, David Kaplan, Saul Kripke, David Lewis, Hilary Putnam, Willard Van Orman Quine, Bertrand Russell, John Searle, Peter Strawson, Ludwig Wittgenstein
Zeitgenösische Sprachphilosophen
Kent Bach, John Barwise, Tyler Burge, Noam Chomsky, Michael Devitt, Michael Dummett, Jerry Fodor, Jaakko Hintikka, David Kaplan, Paul Horwich, Saul Kripke, Ruth Millikan, Stephen Neale, John Perry, Hilary Putnam, François Recanati, Stephen Schiffer, Scott Soames
Zeitgenösische Sprachphilosophen an deutschsprachigen Universitäten
Hajo Glock, Günther Grewendorf, Friedrich Kambartel, Andreas Kemmerling, Nikola Kompa, Franz von Kutschera, Georg Meggle, Klaus Petrus, Pirmin Stekeler-Weithofer
Literatur
Zum Einstieg in die analytische Sprachphilosophie geeignete Einführungen
- in deutscher Sprache
- Ernst Tugendhat und Ursula Wolf, Logisch-semantische Propädeutik, Stuttgart: Reclam, 1983.
- Edmund Runggaldier, Analytische Sprachphilosophie, Stuttgart: Kohlhammer, 1990. (Führt in die sprachphilosophische Begrifflichkeit ein.)
- Peter Prechtl, Sprachphilosophie, Metzler, 1998. (Die gegenwärtig wohl umfassendste Einführung in die Sprachphilosophie in deutscher Sprache.)
- in englischer Sprache
- William Lycan, Philosophy of Language, New York: Routledge, 2000. (Gegenwärtig das wohl beste Einführungsbuch. Einfach und anregend geschrieben.)
- Michael Devitt and Kim Sterelny, Language and Reality, Second Edition, Oxford: Blackwell, 1999. (Gutes Einführungsbuch, das von einem naturalistischen Standpunkt aus geschrieben ist.)
Zum Einstieg in die Geschichte der Sprachphilosophie
- Tilman Borsche (Hg.), Klassiker der Sprachphilosophie. Von Platon bis Noam Chomsky, München: C.H.Beck , Broschierte Ausgabe 2002, ISBN 3406472435
- Eugenio Coseriu, Geschichte der Sprachphilosophie. Von den Anfängen bis Rousseau, UTB, 2003, ISBN 3-8252-2266-7
Weiterführend
- Karl-Otto Apel, Die Idee der Sprache in der Tradition des Humanismus von Dante bis Vico, Bonn: Bouvier Verlag, 3. Auflage 1980
Weblinks
- * Events in Analytic Philosophy – Von der ESAP bereitgestellter Terminkalender für philosophische Veranstaltungen
- * meaning.ch – Homepage zu Paul Grice und zur Semantik/Pragmatik-Unterscheidung mit einer bibliographischen Datenbank
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