Im Zusammenhang mit Textilien und Kleidung ist Spitze ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche dekorative Elemente, die aus Garn und/oder Stoff bestehen. Allen Erscheinungsformen der Spitze ist gemeinsam, dass sie durchbrochen sind, d.h. zwischen den Fäden werden Löcher unterschiedlicher Größe gebildet, so dass sich ein Muster ergibt.
Meistens wurden und werden Spitzen als Randverzierung an Kleidungsstücken verwendet; es gibt aber auch "entre-deux-Spitzen" als Einsatz zwischen zwei Stoffstücken, flächige Spitzenstoffe und v.a. seit Ende des 20. Jh. eingenständige, von Kleidung unabhängige Objekte aus Spitze (z.B. als Fensterdekoration).
Heute werden Spitzen hauptsächlich für Dessous, Brautkleider und Trachten verwendet.
Reticella.jpg | Mechlin_lace.jpg | Irish_crochet.jpg
Nadelspitzen sind die vom Arbeitsaufwand her anspruchsvollsten Spitzen, deren Herstellung gute Augen, viel Licht und eine ruhige Hand erfordert. Sie wurden ausschließlich aus cremefarbenem oder weißem Leinengarn gefertigt. Gegen Ende des 19. Jh. geriet die Technik in Vergessenheit. Bekannte Nadelspitzen sind z.B. Point de Venise, Point d'Alençon, Point de neige oder Point rose.
Echte, also handgefertigte Klöppelspitzen wurden in creme/weiß oder schwarz aus Leinen, Baumwolle oder aus cremefarbener Seide (Blonde) gemacht. Die Fäden und Nadeln waren sehr sehr dünn. Es gab damals sogar den Beruf eines Nadelziehers. Das Klöppeln erfreut sich heute wieder großer Beliebtheit bei Jung und Alt. Weltweit wird diese Kunst heute noch ausgeübt und gepflegt. Auf Ausstellungen können regelrechte Kunstwerke besichtig werden sowie auch "Altes". Bekannte Klöppelspitzen sind z. B. Mechelner, Brüsseler, Honiton oder Valenciennes.
Occhi (ital. "Augen", auch bekannt als Frivolitätenarbeit oder Schiffchenspitze), wird aus einem Faden geknüpft, der auf ein Schiffchen gewickelt wurde. Dabei werden runde Löcher gebildet (die "Augen") und miteinander verknüpft.
Auch bekannt als Baumwoll- oder Wäschespitze. In eine Grundlage aus weißem Batist werden mit einer Ahle runde Löcher gebohrt und dann dicht mit einem weißen Baumwollfaden umstickt. Lochspitze war Ende des 19. und Anfang des 20. Jh. als Randverzierung an Unterwäsche beliebt, daher der Name "Wäschespitze". Die maschinell gefertigte Variante ist heute noch im Kurzwarenhandel zu finden.
ahmt die Muster der Nadelspitze in Häkeltechnik nach. Besonders bekannt ist die Irische Häkelspitze oder Irische Guipüre, die im 19. Jh. der verarmten irischen Landbevölkerung ein Zubrot einbrachte.
bildet durchbrochene Muster in Stricktechnik.
entsteht durch maschinelles Übersticken eines Stoffgrundes und anschließendes wegätzen des überflüssigen, nicht überstickten Grundes. Bekannteste Vertreterin dieser Technik ist die Plauener Spitze.
Die ersten Nadelspitzen (Reticella) wurden im 15. Jahrhundert in Norditalien gefertigt und erlangten im Verlauf des 16. Jahrhundert weite Verbreitung. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich daraus die Nadelspitzen-Technik, die zunächst in Venedig und Mailand gepflegt wurde. Spitzen wurden an Ärmelmanschetten angesetzt und dienten als Kragen für Männer und Frauen. Der aufwendigen Herstellung wegen waren Nadelspitzen so extrem teuer, dass nur die reichsten sie sich leisten konnten. Ihre Beliebtheit beim französischen Adel sorgte für einen beträchtlichen Kapitaltransfer nach Italien, dem Ludwig XIV. dadurch gegensteuerte, dass er die Spitzenherstellung in Frankreich förderte.
Um 1700/1710 löste die (billigere, weil schnellere) Klöppeltechnik die Nadelspitze ab. Waren die Spitzen anfangs noch dicht gemustert, setze sich im Verlauf des Jahrhunderts der Tüllgrund mit eingearbeitetem oder appliziertem Muster immer mehr durch. Tüllgrundspitzen waren noch einmal schneller und billiger herzustellen als dicht gemusterte, so dass gegen Ende des 18. Jahrhundert sich auch wohlhabende Bürger Spitze zum Sonntagsstaat leisten konnten.
Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts entstand die Häkeltechnik, die in Irland von Heimarbeiterinnen zu höchster Vollendung entwickelt wurde. Occhispitze, die etwa zur gleichen Zeit entstand, spielte nur als häusliche Freizeitbeschäftigung eine Rolle.
Ab Anfang des 20. Jahrhunderts konnte man Klöppelspitze und Lochspitze auch maschinell fertigen, so dass die traditionellen Spitzentechniken mit Mühe am Leben erhalten werden mussten.
Heute werden Klöppelspitzen nur noch maschinell gefertigt (und auch das kaum noch) oder aber als kleine Kunstwerke. Als Spitze erwirbt man nurmehr maschinelle Lochspitze, maschinengestickte Tüllspitze oder die grobe „Schrankspitze“.
Дантела | Krajka | Lace-making | Nypläys | Dentelle | Koronka (sztuka) | Spetsar
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Spitze (Stoff)".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world