Ein Spionagesatellit ist ein Satellit im Weltall, der mit einer hochauflösenden optischen Kamera, Radar oder anderer Sensorik ausgestattet ist, um die Erdoberfläche abzulichten. Es handelt sich um spezielle Erdbeobachtungssatelliten, die primär zu militärischen Zwecken verwendet werden. Die so gewonnenen Bilder bzw. andere Daten werden ausgewertet, um beispielsweise Informationen über Truppenbewegungen, Truppenstärke, Kampfhandlungen oder Ähnliches zu gewinnen. Auch Naturkatastrophen oder zivile Unglücke lassen sich mithilfe dieser Satelliten beobachten. Um eine möglichst hohe Auflösung des Zielgebietes zu erhalten werden Spionagesatelliten zur Beobachtung in einen niederen Orbit abgesenkt und später wieder angehoben. Dieses Vorgehen ist sehr teuer und beschränkt die chemisch angetriebenen Satelliten stark in ihrer Lebensdauer. Es begründet jedoch in der Hauptsache den Qualitätsunterschied zu zivilen Erdbeobachtungssatelliten.
Heutzutage kann man sich auch als Privatperson Fotos des eigenen Vorgartens, vom Weltall aus gesehen, anschauen – diverse Verlage haben CD- oder sogar DVD-Sammlungen mit mehreren Gigabyte Fotomaterial veröffentlicht, im Internet sind ebenfalls oft Bilder einsehbar. Diese Bilder wurden jedoch von kommerziellen Satelliten geschossen, und bieten eine deutlich niedrigere Auflösung.
Kommerzielle Satelliten werden während Kriegen gerne von einer der Konfliktparteien gebucht um die eigenen Kapazitäten zu erweitern oder um der anderen Partei den Zugriff darauf zu verwehren. Auch sind einige weitere, eigentlich nicht-militärische, Erdbeobachtungssatelliten im Dual Use verwendbar.
Um das Auflösungsvermögen der optischen Spionagesatelliten gibt es eine Menge Spekulation. Obwohl die genauen Daten streng geheim sind, kann man zumindest einige Näherungswerte berechnen. Wichtigster Punkt ist der Öffnungs- oder Hauptspiegeldurchmesser. Diese Größe kann zumindest nach oben hin durch den Durchmesser der Nutzlastverkleidung der Trägerrakete abgeschätzt werden. Durch die Diffraktion des Hauptspiegels der Optik ist die Auflösung physikalisch begrenzt. Die folgende Formel * berechnet das theoretisch mögliche Auflösungsvermögen der Satellitenoptik. Durch atmosphärische Störeffekte verschlechtert sich die Auflösung in der Realität jedoch vom berechneten Wert.
Am Beispiel des KH-11 (Kennan / Crystal) Satelliten:
Wellenlänge des sichtbaren Lichts: 5.5 * 10-5 cm. Spiegeldurchmesser des KH-11 (nach Jeffrey Richelson) : 234 cm Perigäumshöhe: ~ 300 km = 3 * 107 cm. -> Auflösung: 8.6 cm aus 300 km Höhe
Selbst mit einem angenommenen Spiegeldurchmesser von 4 m (Annahme für gegenwärtig maximal mögliche Spiegeldurchmesser) liegt die Auflösung bei ca. 5 cm. Dies reicht nicht zum Lesen von Autonummernschilder oder zur Identifikation von individuellen Personen aus.
| Name | Land | Sensorik |
|---|---|---|
| Lacrosse | USA | Radar |
| SAR-Lupe | Deutschland | Radar |
| Helios 1 und 2 | Frankreich | Optisch (sichtbar und infrarot); Abhören von Kommunikation |
| Keyhole (KH) | USA | Optisch |
| Ofeq 3,4,5 und 6 | Israel | Optisch (sichtbar und ultraviolet) |
| Vela | USA | Gammastrahl-, Röntgen-, Neutronen- und Lichtblitzdetektoren |
| IGS | Japan | Optisch und Radar |
Siehe auch: Aufklärungsflugzeug
Militärischer Satellit | Erdbeobachtungssatellit | Satellitentechnik
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