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Spiel mir das Lied vom Tod (engl. Once Upon a Time in the West) ist ein US-amerikanisch-italienischer Western aus dem Jahr 1968, der von Sergio Leone inszeniert wurde. Während des Baus einer Eisenbahnlinie entfaltet sich eine epische Geschichte um Rache und Gier, in deren Zentrum vier Personen stehen.

Der Film steht stilbildend für das damals neue Genre des Italo-Western und zählt zu den erfolgreichsten und angesehensten Filmen dieses Genres.

Handlung


Drei bedrohlich wirkende Männer warten an einer einsamen Bahnstation. Der Zug, der eintrifft, bringt als Fahrgast einen mysteriösen Mundharmonikaspieler mit sich. Nach einem kurzen Wortgefecht versuchen die drei Männer, den Fremden zu erschießen, doch dieser zieht schneller.

Als sich der verwitwete Farmer McBain zusammen mit seinen Kindern auf die Hochzeit mit seiner neuen Frau vorbereitet, wird die Familie aus dem Hinterhalt niedergemetzelt. Dafür verantwortlich ist eine Gangsterbande, die von Frank, einem eiskalten Killer, angeführt wird.

Jill McBain trifft mit dem Zug aus New Orleans ein und lässt sich zur Farm ihres Mannes fahren. In einem Gasthaus mitten in der Prärie trifft sie auf den gefährlichen Banditen Cheyenne, der aus dem Gefängnis fliehen konnte. Auch der geheimnisvolle Mundharmonikaspieler ist anwesend. Er und Cheyenne haben eine Auseinandersetzung.

Nachdem die schockierte Jill McBain von der Ermordung ihres Mannes und seiner Familie erfahren hat, beschließt sie, zunächst auf der leeren Farm zu bleiben. Auch Cheyenne und der Mundharmonikaspieler erscheinen – beide beschützen die Witwe vor Franks Killern, die sie aus dem Weg räumen sollten. Frank arbeitet für den skrupellosen, todkranken Eisenbahnunternehmer Morton, der das Land der McBains für seine Bahnlinie benötigt. Der Mundharmonikaspieler wiederum hat mit Frank noch eine persönliche Rechnung offen.

Nachdem sich Cheyenne und „Mundharmonika“ angefreundet haben, kämpfen die beiden gemeinsam gegen Morton und Frank. Morton stirbt bei einem Zugüberfall unter Cheyennes Regie. Der Mundharmonikaspieler fordert Frank zum finalen Duell und enthüllt seine wahre Identität: Er ist der Junge, dessen Bruder von Frank vor Jahrzehnten auf sadistische Weise ermordet wurde. Mit einer Schlinge um den Hals hatte er ihn auf die Schultern des jungen Mundharmonikaspielers gestellt, bis dieser unter dem Gewicht zusammenbrach und damit den Tod herbeiführte.

„Mundharmonika“ schießt schneller als Frank und kann das tödliche Duell für sich entscheiden. Obwohl ihm die schöne Witwe McBain ein verlockendes Angebot macht, reitet er gemeinsam mit Cheyenne in die Prärie hinaus. In der letzten Szene verstirbt Cheyenne: Er erliegt einer Verletzung, die er sich beim Überfall auf Mortons Zug zugezogen hatte.

Hintergrund


  • Nachdem er mit Zwei glorreiche Halunken (1966) seine Dollar-Trilogie abgeschlossen hatte, wollte Sergio Leone keinen Italo-Western mehr drehen, sondern das Gangster-Epos Es war einmal in Amerika inszenieren. Da kein Geldgeber daran glaubte, dass das Publikum an Gangsterfilmen interessiert sein könnte, entschloss sich der italienische Regisseur, erneut einen Western zu drehen. Leone wollte wieder mit der United Artists zusammenarbeiten, da seine drei vorherigen Filme von ihr verliehen wurden. Da der Regisseur aber auf Charles Bronson als Besetzung für die Hauptrolle bestand, sprang United Artists ab. Leone fand jedoch mit der US-amerikanischen Paramount einen Partner, der ihm erstens den Besetzungswunsch erfüllte und zweitens ein im Vergleich zu den vorherigen Kinofilmen höheres Budget zur Verfügung stellte. Spiel mir das Lied vom Tod wurde die erste US-Produktion von Leone.
  • Leone entwickelte die opernhafte Geschichte des Films gemeinsam mit Dario Argento und Bernardo Bertolucci. Das endgültige Drehbuch schrieb er dann allerdings mit Sergio Donati. Dieses Drehbuch wurde von Mickey Knox ins Englische übersetzt.
  • Man drängte Leone dazu, in der Hauptrolle des Mundharmonikaspielers einen großen US-Star zu besetzen. Der Regisseur bestand jedoch auf Charles Bronson, der zwar seit Jahrzehnten in Hollywood arbeitete, sich aber lediglich in Nebenrollen profiliert hatte (Das dreckige Dutzend, 1966). Leone wollte den verwitterten Bronson, weil „er ein Gesicht hat, mit dem man eine Lokomotive stoppen könnte“. Die Rolle des sadistischen Killers Frank bot Leone überraschenderweise dem legendären Charakterdarsteller Henry Fonda an. Fonda wollte die Rolle zunächst nicht spielen, war dann aber davon begeistert, in dem Film einen kompletten Image-Wechsel zu vollziehen. Leone hatte laut Fonda Spaß daran, die Zuschauer zu schockieren, indem er ihn, Fonda, die moralische Ikone, als Kindermörder präsentierte. Fonda erschien zu den Dreharbeiten mit seiner Meinung nach zu einem bad guy passenden braunen Kontaktlinsen, aber Leone überzeugte ihn, den Charakter mit den ihm ureigenen stahlblauen Augen zu spielen.
  • Ein wesentliches Gestaltungsmerkmal des Films ist in der musikalischen Untermalung zu sehen. Ganze Passagen inszenierte Leone zum Rhythmus der Musik, die der Komponist Ennio Morricone zu diesem Zweck schon vor Beginn der Dreharbeiten fertiggestellt hatte. Verschiedene Melodien charakterisieren die Protagonisten. Die klagende Mundharmonika, die der Hauptfigur zum Spitznamen gereicht, ist der Schlüssel zum Verständnis der Handlung. Ihr „Lied des Todes“ zählt zu den bekanntesten Filmkompositionen überhaupt.
  • Die Außenaufnahmen des Films entstanden überwiegend in Spanien, die Innenaufnahmen in den römischen Cinecitta-Studios. Gedreht wurde auch im Monument Valley in Arizona, wo Regisseur John Ford einst viele bedeutende US-Western inszeniert hatte. Dies ist auch eine Hommage von Sergio Leone an seinen legendären Kollegen.
  • Leone plante, die drei Killer in der Anfangssequenz von den Hauptdarstellern des Vorgängerfilms Zwei glorreiche Halunken darstellen zu lassen. Lee van Cleef und Eli Wallach waren einverstanden, doch Clint Eastwood stand nicht zur Verfügung.
  • Der Schauspieler Al Mullock, der zu Beginn des Films als fingerknackender Killer zu sehen ist, starb während der Dreharbeiten durch Suizid, indem er in seinem Kostüm aus dem Hotelfenster sprang. Leone war darüber verärgert, weil der Darsteller noch nicht alle seine Szenen abgedreht hatte.
  • Die Vorspannsequenz von Spiel mir das Lied vom Tod ist etwa 7 Minuten lang, und damit die längste in der gesamten Kinogeschichte.
  • Der Satz „Spiel mir das Lied vom Tod“ taucht in der englischen Originalfassung des Films nicht auf. Zynisch kommentiert dort Frank die Lynch-Szene, in der Mundharmonikas Bruder zu Tode kommt, mit den Worten: „Keep your loving brother happy.“ (etwa: „Halte deinen lieben Bruder bei Laune.“) Infolge dieser Änderung wird im deutschen Sprachraum oft angenommen, bei dem Ermordeten handele es sich um Mundharmonikas Vater.
  • Das Budget von Spiel mir das Lied vom Tod betrug 3 Millionen Dollar und war damit mehr als doppelt so hoch wie das des Vorgängerfilms Zwei glorreiche Halunken (1,3 Millionen Dollar).

Erfolg und filmgeschichtliche Bedeutung


Spiel mir das Lied vom Tod bezeichnet man als ersten Teil einer Reihe, die noch aus den Filmen Todesmelodie (1971) und Es war einmal in Amerika (1984) besteht. Die Werke werden oft die Es war einmal- oder Amerika-Trilogie genannt, denn der Originaltitel des ersten Teils lautet C’era una volta il West (Es war einmal der Westen), und für Todesmelodie hatte Leone ursprünglich den Titel C’era una volta… la rivoluzione! (Es war einmal… die Revolution!) geplant, außerdem behandeln die Filme Abschnitte der amerikanischen Geschichte, deshalb auch der Titel Amerika-Trilogie.

Als Spiel mir das Lied vom Tod in den USA gestartet wurde, fand er dort kein Publikum. Die Zuschauer, die von der harten und zynischen Dollar-Trilogie begeistert waren, konnten sich mit dem eher opernhaften Film nicht anfreunden. Spiel mir das Lied vom Tod war für den US-Start außerdem erheblich gekürzt worden, so dass sich den Zuschauern viele inhaltliche Zusammenhänge nicht erschließen konnten.

In Europa (wo der Film in verschieden langen Fassungen gezeigt wurde) entwickelte sich Spiel mir das Lied vom Tod nach einem eher schwachen Kinostart zu einem Kultfilm und großen Erfolg. Besonders in Frankreich und Deutschland wurde Leones epischer Western zu einem der populärsten und bekanntesten Kinofilme und jahrzehntelang regelmäßig aufgeführt. Charles Bronson gelang mit dem Film der Durchbruch zum Superstar – er variierte jahrelang mit großem Erfolg die Rolle des schweigsamen Rächers und Revolvermannes.

Spiel mir das Lied vom Tod wird von einigen Zuschauern als langatmig empfunden, ist aber weithin als Meisterwerk anerkannt und Bestandteil der Popkultur geworden. Einige seiner Dialoge („Irgendeiner wartet immer“) besitzen längst Kultstatus, und viele Szenen (Anfangssequenz, Lynch-Szene) haben sich in das kollektive Gedächtnis der Kinogänger eingebrannt.

Filmkritik


Once Upon a Time in the West ist ein Bericht von einer Reise in ein fernes Land, das Amerika heißt und Atlantis bedeutet. Paradise Lost. Von seiner Reise hat Leone Bilder des Promised Land zurückgebracht, Bilder einer Sehnsucht und eines Traumes. Er hat diese Bilder mit den Mitteln einer populären mediterranen Kunstform, der Oper, verknüpft. (...) Und indem Leone amerikanische Bilder einer europäischen Struktur verpflichtet, macht er ihre Schönheit erfahrbar als die eines Traumes. Paradise Regained: Das in jeder Einstellung schmerzlich präsente Bewusstsein von der Vergeblichkeit, den Traum ungebrochen zu reproduzieren, sichert dem Film die Authentizität des Unwirklichen. (Zitat aus: Joe Hembus, Das Westernlexikon, 3. Auflage 1976, S. 610)

Auszeichnungen


Weblinks


Filmtitel | Western | Italienischer Film | US-amerikanischer Film | Filmtitel 1968

Once Upon a Time in the West | Il était une fois dans l'Ouest | C'era una volta il West | Once upon a Time in the West | Pewnego razu na Dzikim Zachodzie | Однажды на Диком Западе (фильм) | Vtedy na Západe | Harmonica - en hämnare

 

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