Als Spiegelreflexkamera (engl. SLR, Single Lens Reflex) bezeichnet man eine Bauart für einen Fotoapparat, bei der das Motiv zur Betrachtung vom Objektiv über einen Spiegel umgelenkt auf einer Mattscheibe abgebildet wird.
Exa-rheinmetall.jpg-Spiegelreflexkamera von 1953]]
Die erste Spiegelreflexkamera nach diesem Prinzip wurde 1861 von Thomas Sutton konstruiert. 1893 wurde ein Wechselmagazin für die Spiegelreflexkamera patentiert. Die erste in Deutschland hergestellte Spiegelreflexkamera war die Zeus-Spiegel-Kamera und stammte aus dem Werk von Richard Hüttig in Dresden.
Die erste in Großserie hergestellte SLR (Single Lens Reflex) war die EXA, gefertigt bei Ihagee in Dresden. Ebenfalls von dieser Firma stammte die erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera der Welt, die 'Kine-Exakta', vorgestellt auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1936. Ihr Konstrukteur war Karl Nüchterlein (1904 – 1944).
Bei einer Spiegelreflexkamera gelangt das Licht durch die Linse des Objektivs (1) und wird dann vom Schwingspiegel reflektiert (2) und auf die Einstellscheibe projiziert (5). Mit einer Sammellinse (6) und durch die Reflexion innerhalb des Pentaprismas (7) wird das Bild schließlich im Sucher (8) sichtbar. Es gibt auch Spiegelreflexkameras, die anstelle eines Prismensuchers mit Pentaprisma (7) einen Lichtschachtsucher oder einen Porro-Spiegelsucher verwenden.
Während einer Aufnahme klappt (bei der Einäugigen Spiegelreflexkamera) der Spiegel nach oben (im Bild durch einen Pfeil gekennzeichnet) und der Verschluss (3) öffnet sich; das Bild wird dann nicht mehr in das Pentaprisma umgelenkt, sondern gelangt auf die Filmebene (4) bzw. den Film.
Bei einigen Sonderkonstruktionen wird anstelle des Schwingspiegels ein fest montierter, teildurchlässiger Spiegel verwendet, der bei motorbetriebenen Kameras erheblich schnellere Aufnahmefolgen erlaubt, allerdings auch ein dunkleres Sucherbild liefert und natürlich weniger Licht zum Film durchläßt.
Grundsätzlich werden zwei Typen von Spiegelreflexkameras unterschieden: ein- und zweiäugige Spiegelreflexkameras.
Typische Vertreter sind Rolleiflex und Mamyia C, wobei nur noch die Rolleiflex hergestellt wird (in zwei Varianten für Mittelformat und einer für Minox-Kleinstbildformat).
Dieser Kameratyp hat eine Reihe von Vorteilen:
Dem stehen einige Nachteile gegenüber:
Heute spielen zweiäugige Kameras nur noch eine untergeordnete Rolle, in erster Linie für Nostalgiker und Sammler. In der praktischen Fotografie haben sich einäugige Spiegelreflexkameras durchgesetzt. Einige Modelle zweiäugiger Spiegelreflexkameras mit durchaus hochwertigen Objektiven sind jedoch auf dem Gebrauchtmarkt zu Preisen erhältlich, die einen günstigen Einstieg in die Mittelformatfotografie ermöglichen.
Nikon_f_black.jpg von 1969]] Die einäugige Spiegelreflexkamera (engl. Single lens reflex, SLR) besitzt einen klappbaren Spiegel (Rückschwingspiegel) und meist ein Pentaprisma, seltener einen Lichtschacht, über der Mattscheibe als Sucher. Vor und nach der Aufnahme wird das Bild über den Spiegel auf die Mattscheibe projiziert und kann über das Pentaprisma seitenrichtig und aufrecht betrachtet werden. Erst im Moment der Aufnahme wird der Spiegel hoch- oder zur Seite geklappt, so dass er sich nicht mehr im Weg zur Filmebene befindet und der Film belichtet werden kann, wenn der Verschluss ausgelöst wird. Yashica_TL-elektro-1.jpg TL-ELECTRO: Manuelle Spiegelreflexkamera von 1975]] Der Hauptvorteil der einäugigen Spiegelreflexkamera liegt in der Möglichkeit, Wechselobjektive (z. B. Weitwinkel- und Teleobjektive) verwenden zu können. Der Verschluss ist in den meisten Fällen ein Schlitzverschluss, der direkt vor der Filmebene liegt, damit die Austauschbarkeit der Objektive gewährleistet ist. Ausnahmen im Bereich der Mittelformatkameras (z. B. Hasselblad ) nutzen eine Kombination aus Schlitzverschluss und Zentralverschluss, der im Objektiv enthalten ist.
Bedingt durch den Schwingspiegel gibt es einen recht großen Mindestabstand zwischen der Filmebene und der hintersten Linse des Objektivs. Bei kurzen Brennweiten (bei Kleinbild unterhalb ca. 40 mm) wird daher die Retrofokus Bauweise eingesetzt, durch die die Objektive aufwändiger und teurer werden. Auch die Abbildungsqualität kann unter den zusätzlichen Linsenelementen leiden. Olympus_IS_1000_-2.jpg IS 1000 von 1992]]
Da bei abgedunkelter Blende eine Bildbeurteilung auf der Mattscheibe nur erschwert möglich ist, wurde die Offenblendenmessung entwickelt, mit der die am Objektiv vorgewählte Arbeitsblende erst kurz vor der Auslösung des Verschlusses automatisch eingestellt wird. Während der Lichtmessung wird die Korrektur der Blende über eine spezielle Elektronik auf den Belichtungsmesser im Gehäuse übertragen oder es erfolgt eine Messung mit Arbeitsblende. Zur Beurteilung der Schärfentiefe kann die Blende bei einigen Geräten manuell auf den Arbeitsblendenwert geschlossen werden. Zur Beurteilung der Entfernungseinstellung ist dagegen die Offenblende optimal, da bei ihr die Schärfentiefe minimal ist.
Pentacon_six.jpg Im Kleinbildformat 24 × 36 mm sind nur einäugige Spiegelreflexkameras gebräuchlich, im Mittelformat ab 45x60 mm haben sie die zweiäugigen weitgehend trotz ihrer deutlich höheren Preise verdrängt, weil sie hier vorwiegend im Profibereich eingesetzt werden und sowohl die fehlende Parallaxe als auch die freiere Objektiv- und Zubehörauswahl entscheidend ist.
Beispiele für einäugige Spiegelreflexkameras:
Digitale Spiegelreflexkameras decken das obere Preissegment der Digitalkameras ab und wurden anfänglich meist von Berufsfotografen verwendet. Sie werden auch als DSLR (Digitale SLR) bezeichnet. Canon stellte im September 2003 eine digitale Spiegelreflexkamera (EOS 300D) mit Wechselobjektiv für circa 1100 Euro vor, Nikon folgte im März 2004 mit der D70, die etwas über dem Preisniveau der 300D lag und dafür mehr Funktionsumfang bot. Noch etwas höher im Preisniveau lag die ebenfalls im September 2003 von Olympus vorgestellte, besonders robuste E-1. Pentax baut ebenfalls ab September 2003 die handliche *istD für ca. 1500 Euro, auf deren Größe Anfang 2005 Canon mit der 350D ansetzt. Etwas später folgten aus dem Hause Pentax noch weitere zwei Modelle, die sich in der Ausstattung nur gering von der *istD unterscheiden, jedoch preislich erheblich günstiger sind.
DSLRs sind ihren analogen Pendants vom Aufbau her sehr ähnlich, doch statt eines Films beherbergen sie einen Bildsensor (CCD oder CMOS-Element), auf den das Licht fällt, nachdem der Spiegel hochklappt. Durch das eingebaute Display ist ein sofortiges Betrachten der Fotos möglich, wodurch eine missratene oder fehlbelichtete Aufnahme – im Rahmen der Möglichkeiten, die die Qualität des Displays zulässt – sofort erkannt werden kann.
Der Markt der DSLRs hat im Gegensatz zu dem für herkömmliche (kompakte) Digitalkameras auch 2005 noch sehr große Wachstumsaussichten, und so bietet inzwischen fast jeder große Kamerahersteller seine eigenen Modelle an. Wie bei den analogen Spiegelreflexkameras verwenden die Hersteller auch hier ihre eigenen Objektivsysteme, weshalb sich DSLR-Benutzer auf eine Marke und damit auf ein System festlegen müssen. Meistens können jedoch bereits vorhandene Objektive eines Herstellers auch an dessen DSLR verwendet werden, was den Umstieg für Besitzer analoger SLRs besonders interessant macht.
Hauptvorteil der DSLR im Vergleich zu ihren analogen Pendants ist die direkte Verfügbarkeit der Bilddaten, weshalb z. B. im Pressebereich auf die aufwändige und kostspielige Entwicklung von Filmmaterial verzichtet werden kann.
Gegenüber den weit verbreiteten kompakten Digitalkameras haben DSLRs drei wichtige Vorteile:
Dennoch sehen manche Fotografen DSLRs nur als eine Kompromisslösung an, etwa weil bei den meisten Modellen konstruktionsbedingt keine Live-Vorschau des Bildes auf dem Display möglich ist (im März 2006 brachte Olympus die erste DSLR mit Live View (E-330) auf den Markt). Andererseits entspricht das parallaxenfreie Sucherbild ohnehin der späteren Aufnahme. Insbesondere die Schärfe und die Schärfentiefe lassen sich im Sucher viel besser als am meist niedrig auflösenden Vorschau-Display beurteilen.
Die Produktvielfalt auf dem heiß umkämpften Markt macht die Entscheidung für Neueinsteiger oder Umsteiger nicht gerade leicht. Während Pentax mit *istD, *istDs, *istDl, K100D und K110D sehr kompakte DSLR-Kameras herstellt, bieten die Dynax 7D und die Dynax 5D von Konica Minolta eine Bildstabilisierungs-Technik namens Anti-Shake an. Andere DSLRs warten mit professionellen, spritzwasserdichten Gehäusen (z. B. Olympus E-1) oder besonders hoher Bildfrequenz für den Presseeinsatz (Canon 1D/1D Mark II, Nikon D2H/D2X) auf. Dagegen versucht Fujifilms S3Pro, mögliche Käufer mit einem erhöhten Kontrastumfang zu überzeugen. Während die meisten DSLR über einen Sensor verfügen, welcher kleiner als das verbreite Kleinbildformat (24 mm × 36 mm) sind, bieten Canon (5D/1Ds/1Ds Mark II) und Kodak (DCS SLR, Produktion mittlerweile eingestellt) auch DSLRs mit Sensoren in diesem größeren Format an, welche als "Vollformat" bezeichnet werden. Der Markt ist lebhaft, es erscheinen jedes Jahr neue Modelle.
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