Als Spiegellinsenobjektiv oder katadioptrisches System bezeichnet man ein Spezialobjektiv das als optische Elemente sowohl Spiegel als auch Linsen verwendet. Es wird unter anderem in der Fotografie als Teleobjektiv mit fester Brennweite eingesetzt.
RF Rokkor 250mm.jpg: Spiegellinsenobjektiv 5,6/250mm]]
Konstruktion
Spiegellinsenobjektive, auch Katadiopter genannt, sind von
astronomischen Teleskopen abgeleitet; aufgrund eines durch sphärische Linsen zweifach geknickten Strahlenganges liegt ihre Baulänge typischerweise bei nur etwa einem Fünftel der effektiven Brennweite. Der geknickte Strahlengang hat überdies zur Folge, dass der vordere Teil beim Fokussieren nur wenig bewegt werden muss und sich Baulänge und Schwerpunkt daher nur geringfügig verändern, da sich die Längenänderung an drei Stellen auf den Strahlengang auswirkt.
Ein weiteres konstruktives Merkmal von Spiegellinsenobjektiven ist die feste Blende, die meist bei 1:5,6 oder 1:8,0 liegt; dies liegt daran, dass sich bei dieser Bauart keine Irisblende integrieren lässt, da deren Mechanik in den Strahlengang hineinragen würde. Infolgedessen ist kein Abblenden möglich, so dass bei großer Helligkeit niedrigempfindliche Filme oder neutrale Graufilter (Neutralgraufilter) verwendet werden müssen. Letztere sind in der Regel in die Konstruktion des Objektivs eingerechnet und werden bei Nichtgebrauch durch eine klare Filterscheibe ersetzt. Bei den Blendenangaben ist zu beachten, dass sie sich wie bei allen Objektiven nur auf das Öffnungsverhältnis beziehen, also die Verluste durch die Linsen und Spiegel nicht berücksichtigt sind, wobei die beiden Spiegel der Spiegellinsenobjektive mindestens ½ Blende Verlust verursachen.
Abbildungseigenschaften
Eine Besonderheit der optischen Abbildung von Spiegellinsenobjektiven sind die so genannten Unschärferinge. Dabei handelt es sich nicht um einen
Konstruktionsfehler, sondern um eine unvermeidliche Eigenschaft von Objektiven dieser Bauart: Während bei reinen
Linsenobjektiven unscharf abgebildete Lichtreflexe als
Zerstreuungskreise wiedergegeben werden, zeigen sich diese bei Spiegellinsenobjektiven in den typischen Zerstreuungsringen. Vorteil der Spiegellinsenobjektive ist die nicht oder nur sehr gering auftretende
Chromatische Aberration.
Verbreitung
Fotografie
Spiegellinsenobjektive für Kleinbildkameras waren speziell in den
1980er Jahren populär, häufig als f/8 mit 500 mm Brennweite, sie kosteten etwa 500 bis 800 DM. Amateure erhielten damit ein gut transportables Objektiv mit allerdings eingeschränkten Anwendungsmöglichkeiten. Aufgrund dieser Einschränkungen lehnen professionelle Fotografen diese Bauform zumeist grundsätzlich ab: Zum einen lässt sich der Schärfentiefebereich mangels Abblendmöglichkeit nicht vergrößern, was bei näher gelegenen Objekten schnell problematisch wird. Zum anderen werden die Unschärferinge als unschön empfunden. Sie treten aufgrund der geringen
Schärfentiefe eines Teleobjektivs bei Objekten, die von der Unendlichstellung nicht erfasst werden, in der Praxis so gut wie immer auf. Aus diesen Gründen sind die Spiegelobjektive schnell wieder weitgehend in Vergessenheit geraten, insbesondere sind so gut wie keine Autofokus-Versionen erschienen. Dennoch handelt es sich um einen guten Kompromiss zwischen Baugröße und Anwendungsmöglichkeiten, zumal die Nachteile bei weit entfernten Objekten, dem Haupteinsatzgebiet von starken Teleobjektiven, nicht zum Tragen kommen.
Halbleitertechnologie
In der
Halbleitertechnologie werden seit
2005 katadioptrische Systeme eingesetzt um mittels
Fotolithografie Strukturen auf dem
Wafer zu erzeugen, die wesentlich kleiner sind als die verwendete
Lichtwellenlänge.
Produkte
Ein optisch und mechanisch hochwertiges Spiegellinsenobjektiv bietet beispielsweise
Konica Minolta (vor
2003: Minolta) mit dem 1:8,0/500 mm an, das seit Anfang der
90er Jahre sogar als
AF-Modell für die Kleinbild-Spiegelreflexkameras der Minolta
Dynax-Modellreihe erhältlich ist; es handelte sich dabei um das erste Spiegellinsenobjektiv für eine Autofokus-Kamera überhaupt. Auch
Jenoptik fertigt ein Spiegellinsenobjektiv 1:4,0/500 mm für Kleinbild-
Spiegelreflexkameras.
Eine noch längere Brennweite weist das Sigma 1:8,0/600 mm auf; mit einer Länge von rund 12 cm liegt die Baulänge bei nur knapp einem Fünftel der effektiven Brennweite. Die längsten Brennweiten von Spiegellinsenobjektiven fertigten die Firmen Pentax (1:13,5/2000 mm), Nikon (1:11/2000 mm) sowie Minolta (1:11/1600 mm).
Diese Objektive wurden nur auf Bestellung gefertigt.
Literatur
Weblinks
- http://www.matuschek.net/photo/reviews/mirror-500.de.html - Erfahrungsbericht zu einem preiswerten Spiegellinsenobjektiv 500/8 von Daniel Matuschek
Fotografie
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