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Spiegelneurone (auch: Spiegelneuronen) sind Nervenzellen, die im Gehirn während der Betrachtung eines Vorgangs die gleichen Potenziale auslösen, wie sie entstünden, wenn dieser Vorgang nicht bloß (passiv) betrachtet sondern (aktiv) gestaltet würde.

Sie wurden 1992 zum ersten Mal von Di Pellegrino an der Universität Parma in Tierversuchen entdeckt. In diesen Untersuchungen fiel auf, dass Neurone im Feld F5c des Großhirns dann reagierten, wenn zielmotorische Hand-Objekt-Interaktionen durchgeführt oder bei anderen zumindest anatomisch ähnlichen lebenden Individuen beobachtet wurden.

Ihren Platz haben diese Zellen unter anderem im prämotorischen Cortex von Makaken. Auch bei Menschen konnten diese Neuronen unter anderem im Broca-Zentrum nachgewiesen werden, das dem genannten Areal homolog und für die Sprachverarbeitung bedeutsam ist. Es wird derzeit ein ganzes System von Spiegelneuronen angenommen. Aktuell wird diese Tatsache in der medizinischen Forschung dazu genutzt, Menschen mit Hirnschäden wie z.B. bei Schlaganfällen zu helfen. Eine daraus entstandene Rehabilitationsmaßnahme ist die Videotherapie.

Eine weitere praktische Anwendung finden diese Erkenntnisse mitunter in den nicht kanonischen psychotherapeutischen Verfahren der Konzentrativen Bewegungstherapie (KBT). Aber auch die Ergebnisse von anderen Methoden der Körperarbeit, z. B. Feldenkrais, Trager und Eutonie wird versucht durch die Spiegelneurone zu erklären, allerdings liegen bislang noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu vor.

Ergebnisse einer kommerziellen Untersuchungsgruppe von Advanced Telecommunications Research in Kyoto zeigen, dass die Spiegelneuronen sprachlich-akustische Funktionen übernehmen können. In dem Versuch bekamen Probanden ein Video vorgespielt, in denen die vorgelesenen Texte von Sprecherinnen und Sprecher verzerrt oder gestört wurden. In dieser Situation wurden die Spiegelzellen besonders aktiv. Es wird vermutet, dass sie die fehlenden Informationen durch ein Nachvollziehen der Gesichtsbewegungen ergänzen.

In den letzten Jahren hat diese Entdeckung viel Aufsehen erregt, weil diskutiert wird, ob mit den Spiegelzellen der Schlüssel für das Verständnis von Empathie, Sprache und darüber hinaus für die Kultur gefunden worden sei. Auch Autismus-Symptome werden von einigen Forschern mit einem unzureichenden Funktionieren der Spiegelneuronen in Verbindung gebracht. Diese Auffassungen werden besonders von dem US-amerikanischen Neurologen Vilayanur Ramachandran vertreten. Auf EEGs konnte er bestimmte Wellenfrequenzen finden, die bei gesunden Probanden unterdrückt werden, wenn sie andere Menschen beobachten, bei Autisten jedoch nicht. Er wertete dies als Folge der Aktivität von Spiegelneuronen. Allerdings muss betont werden, dass bislang wissenschaftliche Belege für eine Beteiligung der Spiegelneurone an Prozessen wie Empathiebildung fehlen und für sprachliche Funktionsleistungen bislang noch keine ausreichenden Belege vorliegen.

Betrachtet werden muss auch der Umstand, dass das Vorhandensein eines neuronalen Korrelats nicht mit einer Erklärung für psychische Gegebenheiten übereinstimmt.

Literatur


  • Giacomo Rizzolatti et al. (1996): Premotor cortex and the recognition of motor actions. Cognitive Brain Research 3 131-141
  • Vittorio Gallese et al. (1996): Action recognition in the premotor cortex. Brain, Vol. 119, No. 2, 593-609
  • V. S. Ramachandran: Phantoms in the Brain: Human Nature and the Architecture of the Mind Fourth Estate 1999, ISBN: 1857028953
  • Joachim Bauer: Warum ich fühle, was du fühlst : intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2005. ISBN 3-455-09511-9

Weblinks


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