Der Speyerbach ist ein linker Nebenfluss des Rheins in der Pfalz (Bundesland Rheinland-Pfalz).
Bedeutung
Als Gewässer II.
Ordnung stellt der Speyerbach das größte Oberflächengewässer der
Vorderpfalz dar. Von der
Quelle bis zur
Mündung ist er 60 km lang, sein
Einzugsgebiet ist 311
km² groß. Die Wasserführung - gemessen am
Pegel in
Neustadt an der Weinstraße - schwankt gewöhnlich zwischen 1 und 5
m³/
sec.. Bei extremen
Wetterlagen mit starken
Niederschlägen innerhalb kurzer Zeit kann die Wasserführung jedoch auch sehr viel höhere Werte erreichen. Der bisher gemessene Spitzenwert lag bei 19,5 m³/sec. am
25. Mai 1978.
Verlauf und Zuflüsse
Der Speyerbach entspringt nominell in 296 m über
NN inmitten des
Pfälzer Waldes östlich der pfälzischen
Hauptwasserscheide beim
Elmsteiner Ortsteil
Speyerbrunn. Die umliegenden
Berge sind bis 609 m hoch (
Eschkopf). Gleich bei seinem angeblichen Quellteich nimmt der Speyerbach den wesentlich stärkeren
Erlenbach auf, der 5 km weiter südlich am Eschkopf-Massiv im 460 m hoch gelegenen
Husarenbrunnen zu Tage tritt und
hydrologisch als die eigentliche Speyerbach-Quelle gilt.
Anfangs vorwiegend in östlicher, später nordöstlicher Richtung windet sich der Speyerbach zunächst durch das relativ enge Elmsteiner Tal, wobei er auch den Hauptort der Gemeinde, Elmstein, passiert. Über dem malerischen Tal reihen sich die Ruinen von vier Burgen hintereinander. Am bekanntesten sind die über die Sage von der Ledernen Brücke verbundenen Burgen Erfenstein und Spangenberg. 5 km von Elmstein bachabwärts mündet von rechts her als starker Zufluss der Helmbach beim gleichnamigen Weiler.
Unterhalb von Frankeneck, wo das breitere Lambrechter Tal beginnt, nimmt der Speyerbach von links her seinen bedeutendsten Wasserlieferanten, den gut 20 km langen Hochspeyerbach, auf und ändert seine Fließrichtung nach Südost. Zu beiden Seiten des Baches breitet sich nun die Kleinstadt Lambrecht aus.
Kurz vor Neustadt an der Weinstraße verlässt der Speyerbach den Pfälzer Wald, indem er dessen Ostrand, das Haardtgebirge, durchbricht, welches das Tal um etwa 300 m überragt. Links oberhalb des Durchbruchs liegen die Ruinen der Wolfsburg sowie der Burg Winzingen, auf deren Areal später das Haardter Schloss entstand. Nur 3 km sind es von der Talöffnung nach rechts zum Hambacher Schloss, dem Symbol der deutschen Demokratiebewegung, die dort mit dem Hambacher Fest von 1832 einen frühen Höhepunkt hatte.
In Neustadt, wo sich am Winzinger Wassergescheid nach links der Rehbach mit 1/3 der Wassermenge von ihm abtrennt, durchquert der Speyerbach die schmale Rebenlandschaft der Haardt. Anschließend durchfließt er die Oberrheinische Tiefebene in südöstlicher Richtung, wobei er v. a. Speyerdorf, Hanhofen und Dudenhofen berührt. Am Hanhofer Wassergescheid trennt sich ebenfalls nach links der Woogbach (Wassermenge 1:1) ab. Dieser vereinigt sich im Stadtgebiet von Speyer wieder mit dem Speyerbach, der dann bei Flusskilometer 400,3 am Speyerer Hafen in den Rhein mündet.
Geschichte
Der heutige Speyerbach ist weitgehend Menschenwerk, sowohl hinsichtlich seines Verlaufes als auch bezüglich Begradigungen und
Kanalisierungen.
Die Risiken, die im freien Gelände durch den Wegfall der früheren Mäander geschaffen wurden, manifestieren sich immer wieder durch Überschwemmungen, weil entsprechende Ausgleichsflächen fehlen. In den bebauten Gebieten wurde durch Verrohrung hauptsächlich die Ästhetik beeinträchtigt; so sind vor allem in Neustadt Speyerbach und Rehbach fast gänzlich aus dem Stadtbild verschwunden.
Der östlich Neustadts nach Südosten auf Speyer zuführende Unterlauf des Speyerbachs wurde vermutlich schon in römischer Zeit angelegt, um Noviomagus Nemetum, den germanischen Siedlungsvorläufer Speyers, mit Brennholz aus dem Pfälzer Wald zu versorgen. Der Unterlauf wird in Dammlage bis zu 3 m über dem umgebenden Gelände geführt. Vorher war er ab etwa südlich der heutigen Gemeinde Haßloch der geologischen Abflusslinie des jetzigen Ranschgrabens gefolgt, der zwischen Altrip und Ludwigshafen in den Rhein mündet, nachdem er sich zuvor bei Limburgerhof-Rehhütte mit dem Rehbach vereinigt hat.
Die abzweigenden Rehbach (Neustadt) und Woogbach (Hanhofen) gab es ursprünglich gar nicht, sie stellen Installationen aus dem Spätmittelalter dar.
Verkehr und Wirtschaft
Straße und Bahn
Durch das Lambrechter Tal verlaufen parallel zum Speyerbach die
Bundesstraße 39 (
Kaiserslautern -)
Frankenstein - Neustadt - Speyer sowie die
Bahnlinie der
Ludwigsbahn zwischen
Saarbrücken und
Mannheim. Die ehemals stillgelegte Bahnlinie Lambrecht - Elmstein ist seit
1984 reaktiviert, vgl. u.
Sehenswürdigkeiten.
Trift
In der Vergangenheit war der Speyerbach insbesondere als
Holztransportweg wichtig. Der Transport geschah über die
Trift von Scheitholz oder von Hölzern bis etwa 1,40 m Länge, für
Flöße aus Baumstämmen war die Wasserführung zu gering. Vor der Trift wurde das Holz in künstlich angelegten Stauteichen, den
Woogen oder
Klausen, gesammelt, um mit Beginn der Schneeschmelze zeitgleich getriftet zu werden. Die zeitliche Abstimmung war essentiell, denn während der Trift konnte das Wasser nicht zum Betrieb der am Bach gelegenen
Mühlen,
Säge- und
Hammerwerke genutzt werden, so dass Ausfallgebühren gezahlt werden mussten.
1832 gab es nach einem zeitgenössischen Bericht des Hauptlehrers
W. Häge allein im Elmsteiner Tal drei Getreidemühlen, fünf Sägemühlen, eine Hammerschmiede und eine
Papierfabrik, auf welche die Trift Rücksicht zu nehmen hatte. Zwecks Regulierung des Betriebs bestand bereits
1320 eine
Floßordnung auf dem Speyerbach. Hiernach musste die Trift am
23. April, dem "Jörgetag" (
Georgstag), beendet sein.
Wie auch bei den übrigen pfälzischen Gewässern erfolgte der triftgerechte Ausbau des Speyerbachs, nachdem die Pfalz 1816 unter bayerische Herrschaft gekommen war. Seit 1822 gab es in Neustadt ein Triftamt, und als 1852 in Elmstein eine Triftmeisterei eingerichtet wurde, verfügte die Region Neustadt über gut 140 km Triftgewässer. Doch von 1882 an wurde die Trift teilweise aufgegeben. Auf dem Speyerbach hielt sie sich bis 1902, allerdings nur noch oberhalb von Frankeneck. Die letzte Trift erbrachte 6.193 Ster Holz.
Papierindustrie
Die zahlreichen Papierfabriken entlang des Speyerbachs, die auf die gleichzeitige Verfügbarkeit von Holz und Wasser zurückgingen und bis in die zweite Hälfte des
20. Jahrhunderts die
Wirtschaft des Lambrechter Tales mitprägten, sind mittlerweile ohne Bedeutung.
Sehenswürdigkeiten
Burg Elmstein
Die
Ruine der
Burg Elmstein, oberhalb des gleichnamigen Ortes am 458 m hohen
Schlossberg gelegen, befindet sich in Privateigentum und kann nur von außen besichtigt werden.
Waldarbeitsmuseum Elmstein
Das
Waldarbeitsmuseum Elmstein, eingerichtet im Haus des letzten
Wappenschmieds Heinrich Haag, informiert seit
1990 umfassend über die Arbeit im Wald, so auch über die Trift auf dem Speyerbach.
Triftwanderweg Elmstein
Der ehemalige Förster
Otto Feyock aus dem Elmsteiner Ortsteil
Appenthal hat den
Triftwanderweg Elmstein samt seinen großen Infotafeln ins Leben gerufen.
Burgen Breitenstein, Erfenstein und Spangenberg
Beim Weiler
Breitenstein liegt die Ruine von
Burg Breitenstein, gut einen Kilometer am Speyerbach abwärts beim Weiler
Erfenstein links die Ruine von
Burg Erfenstein, rechts die von
Burg Spangenberg.
Museumsbahn Kuckucksbähnel
Die
Museumsbahn Kuckucksbähnel verkehrt mit historischen
Dampflokomotiven und Waggons zwischen Neustadt und Elmstein. Der reaktivierte Streckenteil von Lambrecht nach Elmstein führt am Speyerbach entlang und misst knapp 13 km.
Frohnmühle
Die
Frohnmühle am Speyerbach zwischen Haßloch und dem Neustadter Ortsteil
Geinsheim bietet neben ihrer Waldgaststätte eine noch in Betrieb befindliche Mühle sowie eine riesige
Trauerweide als
Naturdenkmal.
Aumühle
Die
Aumühle am Speyerbach zwischen Haßloch und Hanhofen wartet mit Gastronomie und einem funktionierenden
Mühlrad auf. Benachbart liegen der
Freizeitpark "
Holiday Park Haßloch" und eine
Ponyfarm mit
Gestüt.
Weblinks
Fluss in Rheinland-Pfalz | Nebenfluss des Rheins | Elmstein