Das Special Operations Executive (SOE; deutsch etwa: Direktion für Spezielle Operationen), häufig als "die Irregulären von der Baker Street" in Anspielung auf die erfundene Gruppe von Spionen von Sherlock Holmes war eine von Winston Churchill und Hugh Dalton im Juli 1940 gegründete, im Zweiten Weltkrieg aktive nachrichtendienstliche Organisation, um kriegerische Aktionen ohne direktes militärisches Engagement ausführen zu können. Ursprünglich als "Sektion D" des MI6 bezeichnet, bestand die Aufgabe des SOE in der Unterstützung und Versorgung von Spionage und Sabotage hinter den feindlichen Linien sowie als Keimzelle für die Formierung einer Widerstandsbewegung in Großbritannien selbst im Falle einer befürchteten deutschen Invasion. Bekannt als Churchills Geheimarmee und beauftragt, Europa in Flammen zu setzen (eine Mission, die auch Churchills andere Spezialeinheit, die Britischen Kommandogruppen erhielt), blieb die Existenz des SOE auch viele Jahre nach der Einstellung der Einrichtung der Öffentlichkeit verborgen.
Das Hauptquartier von SOE befand sich in der Baker Street 64 in London. Eine weitere wichtige Adresse in London befand sich in Aston House, wo Waffen- und taktische Forschung ausgeführt wurden.
Unter dem Decknamen ISRB (Inter Services Research Bureau) errichtete SOE eine Einrichtung, in der Ausrüstung für den geheimen Krieg entwickelt werden konnte. Unter der Tarnbezeichnung Station IX lag ca. 30 Meilen nördlich von London ein ehemaliges Hotel mit dem Namen "The Frythe" außerhalb der Ortschaft Welwyn (Hertfordshire), wo das ISRB Radios, Waffen, Explosivgeschosse und getarnte Fallen für Agenten und geheime Aufstandsgruppen erprobte. Unter den in Station IX produzierten Produkten fand sich das für Fallschirmjäger nutzbare, faltbare Miniaturmotorrad (das Welbike), eine leise Pistole (das Welrod) und mehrere zusammensetzbare Miniaturwerkzeuge (der Welman und Sleeping Beauty). Eine amphibische Versuchseinheit wurde in West-Wales bei Goodwick in der Nähe von Fishguard als Station IXa aufgestellt, um diese Hilfsmittel zu erproben. Ende 1944 wurden die Hilfsmittel nach Australien an das Allied Intelligence Bureau (SRD; deutsch: Alliiertes Geheimdienstbüro) zur tropischen Erprobung geliefert.
SOE Operationen in Frankreich wurden von zwei Londoner Sektionen befehligt. Die "F"-Sektion stand unter britischem Kommando und wurde nicht politisch geleitet, während die "RF"-Sektion dem Kommando von General de Gaulles France libre-Kräften unterstand. Darüber hinaus gab es zwei kleinere Sektionen: Die "EU/P"-Sektion, in der die polnische Gemeinde Frankreichs zusammengefasst war und die "DF"-Sektion, die für die Fluchtrouten und die Koordinierung zuständig war. Ende 1942 wurde eine weitere Sektion unter der Bezeichnung "AMF" in Algier gegründet.
Das Haupttrainingszentrum des SOE befand sich in Wanborough Manor, Guildford. Dem SOE gehörten eine Reihe von Frauen an, allein die F-Sektion (Frankreich) schickte 39 weibliche Agenten ins Feld, von denen 13 nicht zurückkehrten. In Valençay im Département Indre in Frankreich ehrt seit dem 6. Mai 1991 das Valençay SOE Mahnmal unverschleiert den 50. Jahrestag der Entsendung der ersten Agenten der F-Sektion nach Frankreich. Die "Ehrenrolle" des Mahnmals listet die Namen von 91 Männern und 13 Frauen auf, die als Mitglieder des SOE ihr Leben für Frankreichs und Europas Freiheit gaben.
Das SOE war in hohem Maße abhängig von der Sicherheit chiffrierter Funksendungen. Leo Marks, der SOE Kryptograph, war für die Entwicklung von besseren Chiffrierverfahren als den unsicheren Gedicht-Kodes zuständig, die später ersetzt wurden.
Unter dem Kommando von Kapitän Martin Linge wurde im März 1941 eine Gruppe organisiert, die in Norwegen als erste unabhängige norwegische Kompagnie 1 Überfallaktionen ausführen sollte. Ihr erstes Stoßtruppunternehmen war die Operation Archery 1941, ihre bekanntesten waren wahrscheinlich Sabotage-Aktionen auf die norwegische Schwerwasserfabrik Rjukan 1943. Die Kommunikationslinien nach London wurden graduell verbessert, so daß 1945 insgesamt 64 Funker verteilt über Norwegen zur Verfügung standen. Eine Seeverbindung nach Norwegen bestand zwischen den Shetlands und der norwegischen Küste. Dort fuhren die Männer erst mit Fischerbooten, später mit US-amerikanischen U-Boot-Jägern mit Hilfe des Shetland Bus nach Norwegen, brachten Widerstandskämpfer und Material nach Norwegen und verhalfen Norwegern zur Flucht.
Am 5. Mai 1941 sprang mit Georges Bégué (* 1911;† 1993) der erste SOE-Agent in Frankreich ab, der dann die Funkverbindung aufnahm und den Absprung der nächsten Agenten begleitete. Zwischen Bégués erstem Absprung und August 1944, der Befreiung von Paris, wurden mehr als 400 Agenten der F-Sektion in das von Nazi-Deutschland besetzte Frankreich entsandt, die in verschiedenen Funktionen, z.B. als Instruktoren für Waffen und Sabotage, Kurriere, Organisatoren, Verbindungsoffiziere und Funker entsandt wurden.
Das SOE wurde offiziell 1946 aufgelöst und viel seiner Einflußsphäre ging auf den Secret Intelligence Service, SIS, besser als MI6 bekannt, über. Das SOE wurde in der Öffentlichkeit unter seinem Decknamen, Inter-Services Research Bureau (ISRB) bekannt.
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