article

Der Spartakusbund war eine linksrevolutionäre Vereinigung von oppositionellen SPD-, bzw. ab 1917 USPD-Mitgliedern im Deutschen Kaiserreich zum Ende des 1. Weltkriegs. Er ging während der Novemberrevolution am 11. November 1918 aus der Spartakusgruppe (auch Gruppe Internationale) hervor. Diese hatte den linken Flügel der USPD, die sich 1917 von der SPD abgespalten hatte, gebildet. Zusammen mit anderen kommunistischen Gruppierungen ging der Spartakusbund zum Jahreswechsel 1918/19 in der neu gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) auf.

Geschichte


Als Vorläuferorganisation des Spartakusbunds wurde die „Gruppe Internationale“ im März 1915 als reichsweite innerparteilich oppositionelle Gruppierung in der SPD durch Rosa Luxemburg gegründet. Grund hierfür war die nahezu einstimmige Befürwortung der Kriegskredite zur Finanzierung des 1. Weltkriegs durch die SPD in entsprechenden Abstimmungen des Reichstags (vgl. Burgfrieden). Nur Karl Liebknecht hatte bei der zweiten Abstimmung als einziger Abgeordneter gegen die Kriegskredite gestimmt, nachdem er der ersten zunächst noch aus Gründen der Parteiraison ferngeblieben war.

Mit der Zustimmung zur Kriegspolitik des Kaisers und seiner Regierung gab die SPD zwei wesentliche Prinzipien auf, die seit ihrer Gründung Grundhaltungen der Partei waren: den proletarischen Internationalismus und die Haltung gegen den Krieg zwischen den Staaten. Die Gruppe Internationale stand dagegen für die Aufrechterhaltung dieser Prinzipien.

Nur sieben Parteilinke gehörten mit der Gründerin anfangs zu dieser Oppositionsgruppe: Franz Mehring, Julian Balthasar Marchlewski, August Thalheimer, Hermann Duncker, Heinrich Brandler sowie der polnische Revolutionär Leo Jogiches. Clara Zetkin, Wilhelm Pieck, Karl Liebknecht, Bertha Thalheimer und weitere Kriegsgegner in der SPD schlossen sich ihr wenig später an. Sie versuchten, die SPD-Mehrheit zur Abkehr von ihrer Burgfriedenspolitik und Ablehnung weiterer Kriegskredite zu bewegen und die internationale Solidarität mit anderen europäischen Arbeiterparteien wiederherzustellen.

Dazu gab die Gruppe im März 1915 eine Zeitschrift unter dem Namen "Internationale" heraus, die nur einmal erschien und sofort von den Staatsbehörden konfisziert wurde. Im Jahr darauf, nachdem die Gruppe sich vergrößert und reichsweit organisiert hatte, gab sie unter Federführung von Rosa Luxemburg die illegalen "Spartakusbriefe" heraus. Deshalb gab der Volksmund der Gruppe den Namen "Spartakus", woraus wiederum der Name "Spartakusgruppe" abgeleitet wurde.

Am 1. Januar 1916 wurden die „Leitsätze über die Aufgaben der internationalen Sozialdemokratie“ angenommen, die von Rosa Luxemburg während der Haft verfasst wurden und dann zum Programm der Gruppe wurden.

In einer von der Spartakusgruppe illegal abgehaltenen Reichskonferenz am 7. Oktober 1918 in Berlin wurde das Programm der Volksrevolution beschlossen. Inhalte waren das sofortige Kriegsende, die Erkämpfung demokratischer Rechte und Freiheiten, der Sturz des imperialistischen und militaristischen Systems und die Proklamierung einer sozialistischen Republik.

Die Mitglieder der Gruppe Internationale waren nicht identisch mit den Kriegsgegnern innerhalb der SPD-Reichstagsfraktion, die sich anfangs der Fraktionsdisziplin beugten und den Kriegskrediten zustimmten. Karl Liebknecht war am 2. Dezember 1914 der Erste, der gegen weitere Kredite stimmte und damit sein Leben riskierte: Denn er wurde daraufhin trotz seiner politischen Immunität als einziger Reichtagsabgeordneter an die Front beordert. Seit Januar 1915 gab es aber mit Otto Rühle und weiteren auch ohne ihn in der SPD-Fraktion eine innerparteiliche Opposition, die allmählich auf 20, später bis zu 45 Abgeordnete heranwuchs und schließlich im März 1917 von der SPD-Mehrheit ausgeschlossen wurde. Daraufhin gründeten die Kriegsgegner in der SPD im April eine eigene Partei: die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD).

Der USPD schloss sich nun auch der Spartakusbund an, obwohl er die Parteispaltung nicht gewollt hatte. Er behielt aber seinen Gruppenstatus als „geschlossene Propaganda-Vereinigung“, um die USPD zu beeinflussen. Denn auch dort waren die konsequenten Internationalisten eine Minderheit. Revisionisten wie Eduard Bernstein und Hugo Haase und "Zentristen" wie der frühere Programmautor der SPD, Karl Kautsky, waren mit den Spartakisten nur in der Ablehnung der Kriegsunterstützung einig.

Der Oktoberrevolution in Russland, bei der die Bolschewiki unter Lenin und Trotzki das Parlament auflösten und die Macht eroberten, standen die Mitglieder des Bundes positiv, zum Teil aber auch kritisch gegenüber. Vor allem Rosa Luxemburg sah die Gefahr einer bolschewistischen Diktatur, die die demokratische Mitwirkung der Arbeiter an der Revolution verhindern und ersticken könne. Sie schrieb dazu im Gefängnis einen Aufsatz, der erst nach ihrem Tod bekannt wurde.

Nachdem Karl Liebknecht, am 23. Oktober 1918 aus dem Gefängnis entlassen, am 8. November in Berlin eingetroffen war und die Leitung der Spartakusgruppe übernommen hatte, wurde sie am 11. November 1918 in "Spartakusbund" umbenannt. Dies sollte Ausdruck einer höheren Stufe der Organisation und sollte zugleich eine Abgrenzung von der "zentristischen" USPD sein.

Ziele in der Novemberrevolution


Am 7. Oktober 1918 gab die Spartakusgruppe ein reichsweites Flugblatt mit Forderungen für eine grundlegende Umgestaltung von Wirtschaft, Staat, Verfassung und Justizsystem heraus. Er reagierte damit auf die Regierungsbeteiligung der SPD vom 5. Oktober, die er als Betrug an den wahren Arbeiterinteressen ansah. Er forderte unter anderem die Sozialisierung der Produktionsmittel, vor allem der Rüstungsindustrie, die Demokratisierung des Militärs, die Abschaffung des Klassenwahlrechts und der Klassenjustiz. Viele dieser Forderungen wurden einen Monat später von den revolutionären Arbeiter- und Soldatenräten in ganz Deutschland aufgegriffen. Dies geschah spontan und ohne eine leitende Einwirkung des Spartakusbundes.

Der "Spartakusbund" erinnerte bewusst an Spartakus, den thrakischen Anführer des Sklavenaufstands von 73 bis 71 v. Chr. im antiken Römischen Reich. Die weltweite Befreiung von der Sklavenherrschaft des Kapitalismus war das erklärte Ziel der Spartakisten. Damit wollten sie das "Kommunistische Manifest" von Karl Marx realisieren. Der Bund verstand sich nicht als Kaderpartei nach Lenins Vorbild, auch nicht als isolierte Elite der Arbeiterbewegung, wohl aber als Antreiber und Hüter der sozialistischen Ideale der SPD, die diese am 4. August 1914 aus seiner Sicht verraten hatte.

Am 9. November 1918 rief Karl Liebknecht erst im Tiergarten, dann vom Berliner Stadtschloss aus die "freie sozialistische Republik" Deutschland aus. Kurz zuvor hatte der Mehrheitssozialdemokrat Philipp Scheidemann vom Balkon des Reichstags aus eine "deutsche demokratische Republik" ausgerufen. Diese setzte sich im Verlauf der Novemberrevolution durch: Die Weimarer Republik garantierte schließlich das Privateigentum an Produktionsmitteln und den Fortbestand des kaiserlichen Militärs, das zu entmachten die Sozialdemokratie einst angetreten war.

Doch zuvor versuchte der Spartakusbund durch die tägliche Herausgabe der Zeitung "Rote Fahne" auf die politische Entwicklung Einfluss zu nehmen. Seit Anfang Dezember trat Rosa Luxemburg offen für die Errichtung einer Räterepublik ein, um so die Unterordnung des Militärs unter die Politik zu erreichen. Als sich zeigte, dass der Übergangsregent Friedrich Ebert diese Ziele aktiv hintertrieb, beschloss der Spartakusbund die Einberufung eines Reichskongresses, der vom 29. bis 31. Dezember 1918 in Berlin stattfand.

Dort gründeten die Mitglieder am 1. Januar 1919 die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD). Diese vertrat einen konsequenten Sozialismus und forderte die Fortsetzung der begonnenen Revolution durch die Machtergreifung der Arbeiterräte in den Betrieben. Das Verhältnis zum Parlamentarismus war dabei umstritten. Die führenden Mitglieder des Spartakusbundes befürworteten allesamt eine Teilnahme der KPD an den kommenden Wahlen zur Nationalversammlung, wurden aber von einer Parteimehrheit deutlich überstimmt. So isolierte sich die neue Partei ausgerechnet in ihrer Gründungsphase und schloss sich von politischen Einflussmöglichkeiten aus.

Schon wenige Tage später wurde die KPD vor eine große Belastungsprobe gestellt: Seit dem 6. Januar 1919 propagierten unabhängige Arbeiterräte den bewaffneten Aufstand. Dem schloss die KPD sich an und versuchte, die Soldatenräte der Berliner Regimenter zur Beteiligung am Sturz der Regierung Friedrich Eberts zu gewinnen. Dies misslang, so dass der Aufstandversuch am brutalen Waffeneinsatz des kaiserlichen Militärs und der republikfeindlichen Freikorps scheiterte. Am 15. Januar wurden außerdem die beiden wichtigsten KPD-Führer, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, von Angehörigen der Garde-Kavallerie-Schützen-Division gefangen, schwer misshandelt und ermordet.

Damit war die Geschichte des Spartakusbundes zu Ende, und die eigene Geschichte der KPD in der Weimarer Republik begann.

Nachwirkungen in Deutschland seit 1945


Die Entwicklung vom genuinen Marxismus zu einem angepassten Reformismus in der Sozialdemokratie und einem staatsbürokratischen Stalinismus, sowie die entsprechende Spaltung der Arbeiterbewegung in total verfeindete Lager begünstigte den Aufstieg des Faschismus. Neben Hitler, dessen Ziel die Zerschlagung der Arbeiterbewegung war, wurde auch Stalin, dessen Politik nach Meinung vieler die ursprünglichen Ziele der europäischen Sozialisten und Kommunisten pervertierte, eine Mitschuld an der nachhaltigen Schwächung der internationalen Arbeiterbewegung gegeben. Diese Entwicklung war das exakte Gegenteil dessen, was der Spartakusbund gewollt und angestrebt hatte.

Im Kalten Krieg wurden militaristische, kapitalistische oder staatsbürokratische und autoritäre Strukturen in beiden Teilen Deutschlands wieder belebt. Die abgebrochene Entnazifizierung und begonnene Remilitarisierung im Westen und die verordnete Zwangsvereinigung von SPD-Ost und KPD im Osten verfestigten die deutsche Spaltung. Darum kann bei keiner der kommunistischen Nachkriegsorganisationen ohne weiteres eine Kontinuität zu den Zielen des Spartakusbundes angenommen werden. Im Zuge der aufkommenden Studentenbewegung erinnerten sich Historiker - etwa Peter Brückner - und kritische Studenten, neben neuen Gedanken, auch an verschüttete Traditionen der Linken, die die Perspektive einer gesamteuropäischen sozialistischen Basisdemokratie verfolgt hatten.

Der SDS stand zunächst im Bann der marxistisch-leninistischen Geschichtssicht, wonach die Ziele der Spartakisten von der KPD nahtlos fortgesetzt und in der Sowjetunion gut "aufgehoben" worden seien. Doch allmählich setzte sich dort nicht zuletzt durch das Engagement von Rudi Dutschke eine differenziertere Sicht durch: Man erkannte nun stärker die Problematik der "repressiven Toleranz" (Herbert Marcuse), des "autoritären Charakters" (Erich Fromm) und entsprechend rigider Gesellschafts- und Parteistrukturen, so dass nun der Neomarxismus der Frankfurter Schule an Einfluss gewann. Aber auch verschiedene andere (auch anti-marxistische) Ideen und Gruppen entstanden und wurden stärker. Anstehende Bildungs- und Gesellschaftsreformen und die Opposition gegen den Vietnamkrieg wurden als Lernfeld für den Aufbau einer neuen radikaldemokratischen Internationale gesehen und genutzt.

Dabei wurde auch das auf die Spontaneität und Selbstorganisation der Arbeiterklasse bauende Parteikonzept von Rosa Luxemburg wiederentdeckt und als ein Impuls für neue politische Ansätze, einer permanenten Kulturrevolution zur Überwindung der allgemeinen Repression im verbürgerlichten Spätkapitalismus aufgefasst (Hans-Jürgen Krahl). Eine wirksame Interessen- und Aktionsgemeinschaft von Arbeitern und Studenten zeigte sich jedoch nur in vorübergehenden Ansätzen (Prager Frühling, Pariser Mai 1968).

In der gewandelten politischen Stimmungslage, zu der auch die mittlerweile zerfallende Studentenbewegung beigetragen hatte, entstanden Anfang der 1970er Jahre eine Reihe von sogenannten K-Gruppen. Von diesen K-Gruppen reihten einige die Spartakisten in ihre marxistische Ahnengalerie ein, während andere sie ausdrücklich im Namen führten: so der "Marxistische Studentenbund (MSB) Spartakus", der der DKP nahestand. Diese war 1968 als Nachfolgepartei der 1956 in der Bundesrepublik Deutschland verbotenen Rest-KPD neu gegründet worden. Der MSB Spartakus spielte in den 1970ern und 1980ern zeitweise in einigen Allgemeinen Studentenausschüssen verschiedener Universitäten eine Rolle, löste sich aber nach der deutschen Wiedervereinigung auf.

In deren Vorfeld wirkte die Tradition der Spartakisten ebenfalls latent weiter insofern, als sich sowohl systemkritische Bürgerrechtsgruppen als auch SED-Abweichler in der DDR oft und gern auf Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht beriefen. Der demokratische Kommunist Robert Havemann war einer davon.

Unabhängig davon ist fraglich, wo die Tradition des alten Spartakusbundes tatsächlich fortlebt: Denn dieser verstand sich bis zur Gründung der KPD immer als Teil der klassenbewussten internationalen Sozialdemokratie, die von den Arbeitermassen der Völker wirklich getragen wird, so dass deren Organisationen ihren Willen ausdrücken und durchsetzen müssen. Die Neubildung einer ähnlich entschlossenen "Speerspitze" der internationalen, revolutionären Arbeiterbewegung ist also nur als Ergebnis einer breiten, gesamteuropäischen proletarischen Massenbewegung mit sozialistischen Zielen denkbar.

Wichtige Mitglieder (Nachnamen in alphabetischer Reihenfolge)


Literatur


  • Wolfgang Abendroth: "Geschichte der Arbeiterbewegung", Band 1, Distel-Verlag, Heilbronn 1985, ISBN 3923208197
  • ML-Institut der SED: "Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung" Band 3, Dietz Verlag, Berlin (Ost) 1966 (sammelt trotz ideologischer Sicht originale Quellen-Dokumente)

Deutsches Reich | Zeitgeschichte | Sozialismus | 1910er

Lliga espartaquista | Spartacist League | Liga Espartaquista | Spartakistiliiga | Lega Spartachista | スパルタクス団 | 스파르타쿠스단 | Spartacusbond | Spartakusforbundet | Spartakusforbundet | Związek Spartakusa | Спартакистичка лига | Spartacusförbundet | 斯巴達克同盟

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Spartakusbund".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld