article

Als Heimkehrer im Sinne diese Artikels werden im Volksmund Kriegsgefangene des Zweiten Weltkrieges bezeichnet, die nach Deutschland zurückkehren konnten.

Die westlichen Alliierten hatten ihre deutschen Kriegsgefangenen im Wesentlichen bis Ende 1946 in ihre Heimat entlassen. Schätzungsweise drei Millionen deutsche Soldaten waren von 1941 bis 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft geraten und wurdedn teilweise erst sehr viel später entlassen. Rund ein Drittel von ihnen starb in den Gefangenenlagern.

Als Spätheimkehrer werden vom Gesetzgeber alle ehemaligen Kriegsgefangenen bezeichnet, die nach dem 31.12.1946 entlassen wurden. Für diesen Personenkreis gab es gemäß Kriegsgefangenenentschädigungsgesetz eine Entschädigung von 30 DM je Gefangenschaftsmonat ab 1.1.1947; der Entschädigungsbetrag stieg für spätere Jahre nach 1949 immer weiter an.

Die "Heimkehr der Zehntausend"


Die Frage nach dem Schicksal der Gefangenen gehörte zu den drängendsten Problemen der deutschen Öffentlichkeit der Nachkriegsjahre. Mit zahlreichen Denkmälern und Demonstrationen wurde immer wieder auf dieses Schicksal hingewiesen. Ein besonders emotionales Thema war damals die Heimkehr der Zehntausend (ab 7. Oktober 1955) aus sowjetischer Gefangenschaft nach Friedland und Herleshausen mit folgender politischen Vorgeschichte:

Im Juni 1955 hatte die sowjetische Botschaft in Paris mit der dortigen deutschen Botschaft Kontakt aufgenommen und eine Einladung an Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Moskau übergeben. Angesichts Adenauers konsequenter, auch militärischer Westbindung war diese Einladung eine Sensation. Am 8. September 1955 flog Adenauer mit seiner Delegation zu einem Staatsbesuch in die Sowjetunion. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch knapp 10.000 deutsche Wehrmachts- und SS-Soldaten sowie rund 20.000 politisch inhaftierte Zivilisten in sowjetischer Gefangenschaft. Bereits vor seiner Abreise kündigte Adenauer an, die Heimkehr der Gefangenen werde das wichtigste Thema in Moskau sein. Allerdings hatte die sowjetische Führung dieses Problem in der Vorbereitung des Staatsbesuchs nicht offiziell erwähnt, sondern vor allem auf eine mögliche Aufnahme diplomatischer Beziehungen hingewiesen (siehe Alleinvertretungsanspruch). Vermutlich war auf sowjetischer Seite intern die Freilassung der Gefangenen bereits als Gegenleistung diskutiert worden. In der sowjetischen Bevölkerung war eine Freilassung der deutschen Kriegsgefangenen äußerst unpopulär.

Die Verhandlungen zwischen der Adenauer-Delegation und der sowjetischen Seite war zunächst vor allem von der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg belastet. Dennoch kam es relativ schnell (am 12. September) zur Einigung über die 10.000 Kriegsgefangenen und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Die Freilassung der Zivilinternierten wurde kurz vor dem Ende der Gespräche persönlich zwischen Adenauer und Nikolai Bulganin vereinbart. In der Führung der DDR wurde die Einigung zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion kritisiert, da sie nicht mit der gewünschten Anerkennung des Landes durch die Bundesrepublik verbunden war.

Am 7. Oktober 1955 kamen die ersten 600 Heimkehrer der "Zehntausend" in Friedland an.

Werke zum Thema


Siehe auch: Vertriebene, Heimkehrerstiftung, Lastenausgleichsgesetz | Zweiter Weltkrieg

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Heimkehrer".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld