Aya_sofya.jpg im heutigen Istanbul, Türkei, (Baubeginn 325, Neubau unter Justinian I.). Die Minarette wurden erst nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453 hinzugefügt]] Spätantike ist eine moderne Bezeichnung für die Epoche der Mittelmeerwelt im Übergang von der Antike zum Mittelalter; der Begriff selbst wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom österreichischen Kunsthistoriker Alois Riegl geschaffen. Auch wenn die genaue zeitliche Abgrenzung der Spätantike in der Forschung umstritten ist, gilt als Beginn dieser Übergangsepoche meist der Regierungsantritt des römischen Kaisers Diokletian 284 n. Chr. Das Ende ist Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion. Als grober Rahmen kann gelten: Im Westen des römischen Reiches dauert die Spätantike mindestens bis zur Ablösung des letzten Kaisers Romulus Augustulus im Jahre 476, eher aber bis zum Einfall der Langobarden in Italien (568). Im Osten reicht die Epoche entweder bis zum Tod des oströmischen Kaisers Justinian I. 565 n. Chr. bzw. bis zur arabischen Expansion (ab 632).
Die Spätantike bildet den letzten Abschnitt des Altertums, der zwar nicht mehr der "klassischen" Antike angehört, aber auch noch nicht dem Mittelalter zugerechnet werden kann. Sie ist durch ein Nebeneinander von antiken Traditionen und christlich-germanischer Überformung gekennzeichnet. Statt wie früher von einem Niedergang, spricht man dabei heute für die Jahre von ca. 300 bis 600 meist neutraler von einer Transformation des antiken Erbes. Ein herausragendes Ereignis dieser Epoche stellt der Siegeszug des Christentums und damit verbunden das langsame Verschwinden vorchristlicher Kulte und Traditionen dar. Auch in der Kunst und der Literatur entsteht durch die Ablösung bzw. Überformung "klassischer" griechisch-römischer durch christlich geprägte Formen und Themen ein eigener, charakteristischer Stil, der auch orientalische Einflüsse aufweist.
Die Spätantike steht außerdem unter den Zeichen der Reformierung von Heer und Verwaltung durch Diokletian und Konstantin dem Großen, der Zementierung der sakralen Stellung des Kaisers, der Völkerwanderung und in deren Folge schließlich der Transformation des westlichen Teils des römischen Reiches in jene germanisch-romanische Welt, die das westliche Mittelalter prägen sollte.
Justinian mosaik ravenna.jpg Sehr vereinzelt wird heute schon die Reichsteilung nach dem Tod des römischen Kaisers Theodosius I. im Jahre 395, meist aber erst das Ende der Regierung Justinians I. im Jahre 565 als entscheidende Zäsur gewählt. Justinian stand noch klar in der Tradition der antiken römischen Kaiser, was unter anderem in seiner universalen Herrschaftsauffassung deutlich wird; er betrieb zudem eine Politik, die wohl auf die Wiederherstellung des Reiches in seinen alten Grenzen abzielte (Restauratio imperii), was in Teilen sogar kurzfristig gelang. Der letzte große Zug der spätantiken Völkerwanderung, der Einfall der Langobarden in Italien, erfolgte 568, nur drei Jahre nach Justinians Tod, so dass die 560er Jahre für den ganzen Mittelmeerraum einen deutlichen Einschnitt markieren. Damit ergeben sich als die derzeit gängigste Begrenzung der Epoche also die Jahre 284 bis 565.
Nicht wenige Historiker setzen das Ende der Epoche aber deutlich später an, und zwar mit dem Einbruch der Araber in den Mittelmeerraum (siehe auch so genannte Pirenne-These). Dass die Kontakte zwischen Ostrom und dem Westen noch zu Beginn des siebenten Jahrhunderts recht eng waren, wird heute nicht mehr bestritten. Das letzte antike Monument auf dem Forum Romanum ist die Säule des oströmischen Kaisers Phokas (602–610). Unabhängig davon, dass Pirennes Annahme, erst islamische Seeräuber hätten die antike „Einheit der Mittelmeerwelt“ zerstört, heute als widerlegt gilt, stellt die arabische Expansion zumindest für das Oströmische Reich einen massiven Einschnitt dar, da das Imperium nun im Wesentlichen auf Kleinasien und den Balkan beschränkt war und sich unter dem äußeren Druck auch im Innern vieler antiker Traditionen entledigte. Erst unter Kaiser Herakleios (610–641) endete damit die spätrömische Phase des Oströmischen Reiches, dessen Reste sich dann in das mittelalterliche Byzanz verwandelten.
Insgesamt herrscht im anglo-amerikanischen Raum die Tendenz vor, das Ende der Antike frühestens mit dem Ende der Herrschaft Justinians anzusetzen, so etwa Averil Cameron und John B. Bury (etwas eigenwillig Arnold Hugh Martin Jones 602 mit dem Tod des Kaisers Maurikios). Der letzte Band der neuen Cambridge Ancient History behandelt die Jahre 425 bis 600. Und auch im deutschsprachigen Raum ist man allgemein davon abgerückt, weiter am künstlichen Epochenjahr 476 festzuhalten (siehe etwa Alexander Demandt, Heinz Bellen, Jochen Martin oder Hartwin Brandt), und bevorzugt nun zumeist 565.
Doch eine Ausweitung der Epoche bis 632 erscheint sinnvoll und setzt sich zunehmend durch, da zumindest für Ostrom erst der Einfall der Araber (siehe dazu Islamische Expansion) den entscheidenden Einschnitt markierte. Die arabischen Truppen eroberten dabei nicht nur den römischen Orient, sondern vernichteten auch das Neupersische Reich der Sassaniden, das die gesamte Spätantike hindurch als zweite Großmacht neben Rom ein bedeutender Machtfaktor gewesen war und von manchen Althistorikern (so etwa Josef Wiesehöfer, Erich Kettenhofen, Zeev Rubin oder Michael Whitby) in die Erforschung der Epoche miteinbezogen wird.
Auch im Westen muss man die Zeit Theoderichs des Großen wohl eher zur Antike als zum Mittelalter zählen, sodass es fast unmöglich ist, ein exaktes Datum festzulegen. Bis zum Langobardeneinfall lässt sich antike Kultur in Italien nachweisen; der weströmische Senat verschwindet erst gegen Ende des sechsten Jahrhunderts aus den Quellen. In ähnlicher Weise knüpften auch die frühen Merowinger an das antike Erbe an; bereits Chlodwig legte Wert auf römische Ehrentitel. Man muss so von einer Übergangsphase sprechen, die je nach Region unterschiedlich lange andauerte, wenn man auch leicht der Versuchung erliegen kann, das Mittelalter sehr spät anzusetzen – in Gallien waren der Übergang der Franken zum Christentum unter Chlodwig und seinen Nachfolgern, in Italien der Einfall der Langobarden insgesamt betrachtet die Anfänge des Mittelalters in diesen Regionen. Das Problem lässt sich auch umkehren: So greifen auch viele Mediävisten, die sich mit dem Frühmittelalter beschäftigen (etwa Friedrich Prinz, Hans-Werner Goetz, Patrick Geary, Herwig Wolfram und andere) rückwärts auf die Spätantike zurück, um die Veränderungen im frühen Mittelalter zu erklären.
Die Problematik liegt letztlich darin begründet, dass die Spätantike eine Epoche des Um- und Aufbruchs war, wobei einerseits noch eine Kontinuität zur Antike gegeben war, und andererseits sich bereits die Welt des Mittelalters abzeichnete, die mit der Spätantike vor allem eines verband: die Verklammerung der Gesellschaft durch die christliche Kirche. Kulturell kann als wichtiger Unterschied zur späteren Zeit der in der Spätantike noch vorhandene Zugriff auf die klassischen Traditionen gelten. Noch im sechsten Jahrhundert blühte die spätantike, an klassischen Vorbildern orientierte Literatur (Boëthius, Cassiodor, Corippus, Prokopios von Caesarea, Agathias). Die mittelalterliche Welt mit ihrer weitaus geringeren Arbeitsteilung verfügte dann nicht mehr über die Kapazität, die klassische Bildung völlig zu bewahren – der größte Teil der antiken Literatur ging im Westen nach etwa 600 verloren.
Allerdings sind auch in Ostrom die Unterschiede zwischen den Zuständen im vierten bis sechsten Jahrhundert und der folgenden mittel- und spätbyzantinischen Zeit erheblich. Im Ostreich ist dabei neben der arabischen Expansion auch die endgültige Verdrängung der lateinischen Amtssprache durch das Griechische unter Kaiser Herakleios als signifikanter Einschnitt zu betrachten.
Die Angriffe der Araber führten in Ostrom zudem zum Untergang der spätantiken senatorialen Aristokratie und zu einem erheblichen Rückgang an antiker Bildung; überdies brachte der weitgehende militärische und ökonomische Zusammenbruch des Reiches nach 636 auch das endgültige Ende der klassischen Städte (Poleis), die seit der Archaik den Mittelmeerraum geprägt hatten, mit sich. Die Entwicklung der byzantinischen Themenordnung schließlich bedeutete auch im administrativen Bereich einen deutlichen Bruch mit der spätantiken Tradition.
Die wichtigste lateinische erzählende Quelle ist Ammianus Marcellinus (4. Jahrhundert), ebenso stellen die in griechischer Sprache abgefassten Werke des Prokopios von Caesarea (6. Jahrhundert) eine hervorragende Quelle für die ausgehende Antike dar. Dem folgen mit weitem Abstand der sehr subjektiv berichtende Heide Zosimos. Hinzu kommen mehrere Kirchengeschichten, die von unterschiedlichem Wert sind (wie die des Eusebius von Caesarea, des Evagrius Scholasticus, des Theodoret, des Socrates Scholasticus, des Sozomenos und anderer) sowie die Werke des Ambrosius und des Augustinus. Hinzu kommen unter anderem Jordanes, Agathias, Menander Protektor, Theophylaktos Simokates, Gregor von Tours und die Werke und Fragmente anderer Historiker, unter denen Priscus der wichtigste ist; daneben sind auch die (wenigen) Fragmente aus den Werken des Eunapios von Sardes und des Olympiodoros von Theben zu beachten. Beliebt war in der Spätantike auch die so genannte Epitome, also die Kurzfassung eines Geschichtswerks (siehe etwa Aurelius Victor, Epitome de Caesaribus und Eutropius).
In der Spätantike entstanden auch mehrere Chroniken, die zum Teil wichtige Informationen liefern (beispielsweise Marcellinus Comes, Johannes Malalas; daneben freilich auch unter anderem syrische und armenische Werke); ebenso beinhalten etwa manche Gedichte, Epen etc. wertvolle Informationen (siehe etwa Corippus für die justinianische Zeit). Des Weiteren sind Reden wie die des Libanios, des Synesios von Kyrene, des Quintus Aurelius Symmachus, des Themistios und die Panegyrici Latini sowie eine Fülle von Urkunden (der beste Bestand aus der Antike) von Bedeutung. Für die ausgehende Spätantike in Gallien stellen die Briefe und Lobreden des Sidonius Apollinaris eine wichtige Quelle dar. Die Notitia dignitatum (eine Art Staatshandbuch) bietet zahlreiche Informationen über die spätantike (zivile wie militärische) Administration. Auch das Werk De Magistratibus des Johannes Lydos liefert wichtige Details zur spätrömischen Verwaltung. Dazu kommen das berühmte Corpus iuris civilis (der Name ist allerdings nicht zeitgenössisch) aus dem sechsten Jahrhundert, Inschriften (die allerdings längst nicht mehr so zahlreich sind wie in der hohen Kaiserzeit), Münzfunde und Papyri sowie nicht zuletzt die Befunde der Archäologie.
Diese negative Bewertung der Spätantike ist jedoch nach allgemeiner Ansicht inzwischen obsolet geworden und wird in neueren Darstellungen nicht mehr angeführt; sie ist in populären Darstellungen und im Film aber immer noch verbreitet. Die Studien von John B. Bury (siehe unter anderem sein Standardwerk History of the Later Roman Empire, 2 Bde., 1923) und anderen sorgten vielmehr für eine Neubewertung dieser Epoche, die nun nicht mehr als reine Verfallszeit begriffen wurde. Inwieweit der spätantike Staat ein „Zwangsstaat“ gewesen ist, bleibt zwar weiter umstritten, auch wenn die „harte“ Meinung der älteren Forschung so nicht mehr akzeptiert werden kann. Eine wichtige Vorarbeit stellt auch A.H.M. Jones’ Later Roman Empire dar, das bis heute ein wichtiger Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit der Epoche ist.
Seit den 1970er Jahren hat dann besonders Peter Brown in seinen Arbeiten auf die Metamorphose der antiken Welt in dieser Zeit aufmerksam gemacht, wobei er sich vor allem den kulturellen und religiösen Veränderungen widmete; bald folgten diesem Ansatz auch Averil Cameron und andere. Insgesamt hat das Interesse der althistorischen Forschung an der Spätantike in den letzten Jahren stark zugenommen; vor allem im angelsächsischen Raum sind dabei viele früher selbstverständliche Annahmen und Urteile in Frage gestellt worden: Das Bild der Epoche, das sich noch immer in den meisten Schulbüchern findet, hat nur noch wenig mit dem gemein, was derzeit an den Hochschulen vertreten wird. Allerdings darf über die berechtigte Betonung von Kontinuitäten nicht vergessen werden, dass die „Transformation“ der Völkerwanderungszeit in vielerlei Hinsicht eben auch mit Gewalt, Zerstörung und ökonomischem Niedergang verbunden war; dies betonten jüngst erst Bryan Ward-Perkins und Peter J. Heather in ihren neuesten Darstellungen, welche sich teils wie ein Gegenentwurf zu den Vertretern der Neuinterpretation um Peter Brown und Averil Cameron lesen. Beide – Ward-Perkins und Heather – räumen aber ein, dass die Antike im römischen Osten, der erst nach 600 einen ökonomischen Verfall erlebte, deutlich länger gedauert habe als im Westen, wo es im fünften Jahrhundert zu einem „Ende der Zivilisation“ (Ward-Perkins) gekommen sei.
Die Forschungsliteratur hat inzwischen einen kaum noch zu bewältigenden Umfang erreicht, aber in vielen Punkten konnte bislang dennoch keine Einigkeit erzielt werden. Zu den besonders heftig diskutierten Fragen zählt unter anderem die nach den Prozessen, die im Westen zum Erlöschen des Kaisertums führten; und auch die Pirenne-These findet inzwischen wieder Anhänger – allerdings mit neuen Argumenten. Viele der alten Erklärungen sind inzwischen unhaltbar geworden, doch ist es oft noch nicht gelungen, sie durch überzeugende Alternativen zu ersetzen: Je näher man sich mit der Spätantike befasst, desto offensichtlicher wird die Unmöglichkeit von einfachen Antworten und allgemeingültigen Aussagen.Einen knappen Forschungsüberblick bietet Martin, Spätantike und Völkerwanderung.
Mit dem Regierungsantritt des Kaisers Diokletian trat das Römische Reich in seine Spätphase ein. Die vorangegangene Krisenzeit der Soldatenkaiser (235–284/5; siehe auch Reichskrise des 3. Jahrhunderts) hatte das Reich destabilisiert. Von außen war das Imperium der ständigen Gefahr eines Mehrfrontenkrieges ausgesetzt. Gerade die fast gleichzeitig stattfindende Entstehung des Sassanidenreichs, des großen Gegners Roms im Osten, das stärker zentralisiert war als das Partherreich, welches es ablöste, und die Formierung tribaler germanischer Großverbände in der Rheinregion (gentes wie die Alamannen und Franken), deren Schlagkraft beträchtlich höher lag als die der kleineren Stammesgruppen, verkomplizierte die Lage dramatisch. Währenddessen bedrohten an der Donau unter anderem die Goten und Sarmaten den Balkanraum. Im Inneren war es teilweise zu einer Handlungsunfähigkeit der Verwaltung gekommen sowie zur zeitweiligen Loslösung von Teilgebieten des Imperiums (siehe Gallisches Sonderreich und Palmyra), allerdings war es den Kaisern seit Aurelian langsam gelungen, der Krise, die keineswegs alle Bereiche des Imperiums gleichermaßen betroffen hatte, Herr zu werden. Diokletian bemühte sich nun, den römischen Staat weiter zu stabilisieren und zu reformieren. Dabei griff er zahlreiche Ansätze auf, die bereits von seinen Vorgängern als Antwort auf die Krise entwickelt worden waren, und bemühte sich um eine Systematisierung. Mit seinen Reformen lässt die Forschung traditionell das Prinzipat enden.
So kam es zu einer grundlegenden Reform der Verwaltung, wie etwa zu einer stärkeren Zentralisierung und Bürokratisierung, was sich auch in einem restriktiveren Steuersystem bemerkbar machte. Der zivile Sektor wurde nun grundsätzlich vom militärischen getrennt; an diesem Prinzip wurde dann bis zum Ende der Epoche festgehalten. Auch wurde das Reich in Diözesen eingeteilt, um so eine bessere Verwaltung zu garantieren. Um dem Staat stetig fließende Steuereinnahmen zu sichern, wurde das Capitatio-Iugatio-System (im wesentlichen handelt es sich um eine Kombination von Kopf- und Grundsteuer, die regelmäßig geschätzt wurde) geschaffen, das die Berechnung der Abgaben erleichterte, und gleichzeitig eine Währungsreform in Angriff genommen, der jedoch wohl kein durchschlagender Erfolg beschieden war.
Zentrales Element der Heeresreform war die Aufteilung in ein Feldheer (Comitatenses) und ein Grenzheer (Limitanei), sodass Durchbrüche an der Grenze leichter mit dem Bewegungsheer abgefangen werden konnten. Diese Reformen sollten sich insgesamt bewähren und dem Chaos, das teils noch in der Zeit der Soldatenkaiser geherrscht hatte, ein Ende bereiten, sowie die Grenzverteidigung an Rhein und Donau stärken. Im Osten behauptete sich Rom nun auch gegen die Sassaniden, die 297/298 von Diokletians Caesar Galerius geschlagen wurden.
Weniger Erfolg hatte Diokletian allerdings mit dem von ihm erdachten Regierungssystem der Tetrarchie (Viererherrschaft), welches je zwei Seniorkaiser (Augusti) und zwei Juniorkaiser (Caesares) vorsah und zudem religiös durch die künstliche „Adoption“ der Götter zementiert wurde. So nahm etwa Diokletian, der auch in diesem System weiterhin die bestimmende Figur war, den Beinamen Iovius an (etwa = Schützling und Abkömmling des Gottes Jupiter).
Vermutlich war diese enge Bindung der Kaiser an die traditionellen Kulte ein Grund für die Durchführung der letzten großen Christenverfolgung, die in den letzten Regierungsjahren Diokletians begann. Allerdings erwies sich die kirchliche Struktur bereits als derart gefestigt, dass sie durch eine Verfolgung nicht mehr zu zerstören war. 311 beendete Galerius die Christenverfolgung und sanktionierte die Ausübung der christlichen Religion.
Das System der Tetrarchie konnte sich gegen die dynastische Idee letztlich nicht durchsetzen, wie es die Ereignisse in den Jahren nach Diokletians freiwilligen Rücktritt 305 zeigen sollten.
Nach 324 war Konstantin Alleinherrscher des Reiches, nachdem er auch seinen letzten Konkurrenten Licinius, mit dem er sich 313 noch verständigt hatte, im Osten ausgeschaltet hatte. Konstantin baute anschließend die Reformen des Diokletian weiter aus, so in der Verwaltung (Schaffung neuer Hofämter, Umwandlung des praefectus praetorio in den höchsten Zivilbeamten, Einführung zusätzlicher Steuern) und im Militär, wie die Schaffung des Amtes des magister militum (Heermeister) und die endgültige Teilung des Heeres in ein Bewegungs- und ein Grenzheer. Unter seiner Herrschaft erfolgte auch der weitestreichende Schritt eines römischen Kaisers seit der Begründung des Prinzipats durch Augustus: die Förderung des nur Jahre zuvor noch verfolgten Christentums als eine staatlich anerkannte und privilegierte Religion, auch wenn Konstantins eigenes Verhältnis zum Christentum, welches keineswegs zur Staatsreligion erhoben wurde, weiterhin in der Forschung umstritten ist. Am ehesten kann man ihn wohl als Anhänger des Christengottes bezeichnen, ohne dass dies etwas über seine Beziehung zu den anderen Kulten aussagen muss; zumal Heiden weiterhin ihre Kulte ausüben durften, und ebenso Zugang zu hohen Staatsämtern hatten, wobei die Christen jedoch ebenfalls favorisiert wurden. Konstantin ließ seine Söhne im christlichen Glauben erziehen, machte der Kirche reiche Geschenke und stärkte die Macht der Bischöfe. Konstantin sicherte des weiteren die Rhein- und Donaugrenze, wobei er vor allem die Goten in die Schranken weisen konnte und 332 einen Vertrag mit ihnen abschloss. Außenpolitisch stand das Reich denn auch so gut dar wie seit dem 2. Jahrhundert nicht mehr.
Ein weiteres wichtiges Ereignis in seiner Regierungszeit war die Errichtung einer neuen Hauptstadt: Konstantinopel, die „Stadt des Konstantin“, das Neue Rom. Damit verlagerte sich der Schwerpunkt des Reiches nach Osten, in die ökonomisch stärkere Hälfte des Imperiums. Kurz vor dem Beginn eines geplanten Feldzugs gegen das Sassanidenreich verstarb Konstantin in der Nähe von Nikomedia, nachdem er sich, wie zur damaligen Zeit keineswegs unüblich, erst kurz vor seinem Tod hatte taufen lassen.
Nach dem Tod Konstantins 337 entbrannte ein blutiger Machtkampf, der die konstantinische Dynastie dezimierte (Säuberung von 337). Konstantins Sohn Constantius II. setzte sich schließlich 351 als Alleinherrscher durch, nachdem er den Usurpator Magnentius geschlagen hatte. Magnentius hatte 350 den Bruder des Constantius, Constans, ermordet; der dritte überlebende Sohn Konstantins des Großen, Konstantin II., war bereits 340 im Kampf gegen Constans gefallen.
Constantius II. förderte den Arianismus und war bei der Stabilisierung der Grenzen recht erfolgreich, auch wenn die Kämpfe gegen die Perser unter Schapur II. wechselhaft verliefen. Für die Zeit ab 353 bis 378 steht uns das letzte große in Latein abgefasste Geschichtswerk der Antike zur Verfügung, die Kaisergeschichte des römischen Offiziers Ammianus Marcellinus, wenn sein Werk auch nicht völlig frei ist von Parteinahme, vor allem für den Vetter des Constantius, Julian. Dieser war auch bei dem von ihm geführten gallischen Heer sehr beliebt, sodass es bald zu Spannungen zwischen ihm und dem Kaiser kam. Julian, der die Rheingrenze wenigstens vorläufig wieder gesichert hatte, wurde 360 von den Truppen in Paris zum Kaiser ausgerufen, und nur der bald darauf folgende Tod des Constantius bewahrte das Reich vor einem neuen Bürgerkrieg.
Den neuen Kaiser, der hochgebildet und auch literarisch aktiv war, kennt die Nachwelt unter dem Namen Julian Apostata („Julian der Abtrünnige“), da er kurz nach seinem Regierungsantritt im Jahre 361 eine Renaissance des Heidentums einleitete. Diese hatte jedoch keinen nachhaltigen Erfolg, zumal Julians Versuch, aus den vielen Kulten eine vereinheitlichte heidnische Staatskirche zu schaffen, um so das Christentum zurückdrängen zu können, misslang. Nach dem Tod Kaiser Julians auf einem Feldzug gegen die Sassaniden im Jahr 363, welcher gleichzeitig eine der größten Militäroperationen der Spätantike darstellte, blieb das Christentum die beherrschende Religion.
Alle nachfolgenden Kaiser waren Christen, wie bereits der Julian nachfolgende und nur kurze Zeit regierende Jovian, der mit den Persern nach dem missglückten Feldzug Julians Frieden schließen musste, wobei die unter Galerius eroberten Gebiete um Nisibis wieder an die Sassaniden fielen. Der Osten wurde nun immer stärker christianisiert, aber auch der Westen, vor Konstantin weitgehend heidnisch, öffnete sich mehr und mehr dem Christentum, auch wenn es in der Folgezeit zu einer ganzen Reihe von schweren innerkirchlichen Krisen kam (bereits zur Zeit Konstantins kam es zum Streit bezüglich der Donatisten und der Arianer, später im Osten kam das Problem des Monophysiten hinzu). Allerdings hielt sich das Heidentum noch lange Zeit, vor allem im Westen, und zwar besonders bei der Landbevölkerung (daher die bereits in der Antike übliche falsche Herleitung des Ausdrucks paganus (Nichtchrist) von „Landbewohner“), sowie in Teilen der Senatsaristokratie und in verschiedenen philosophischen Kreisen.
Außenpolitisch kam das Reich nicht mehr zur Ruhe. Am Rhein und entlang der Donau wurde es von Germanen und später von den Hunnen bedrängt, während im Osten die Gefahr durch die Sassaniden weiter bestand.
Das Reich wurde seit Kaiser Valentinian I., der Jovian 364 nachfolgte, wieder von je zwei Kaisern regiert, da man sich ansonsten nicht in der Lage sah, der äußeren Bedrohung Herr werden zu können.
Valentinian setzte seinen Bruder Valens im Osten ein und widmete sich selbst intensiv der Grenzverteidigung. Es gelang ihm denn auch, die Rhein- und Donaugrenze nachhaltig zu stabilisieren und mehrere militärische Erfolge zu verbuchen. Währenddessen ereigneten sich im Osten umwälzende Veränderungen. In den 70er Jahren des 4. Jahrhunderts setzte die Völkerwanderung in Europa ein: Die Hunnen, ein Volk aus Zentralasien, überrannten zunächst das Reich der Alanen am Kaspischen Meer und vernichteten um 375 das Gotenreich (Greutungen) Ermanarichs in der heutigen Ukraine. Anschließend drängten sie andere Völkerschaften, darunter auch die Donaugoten (Terwingen), nach Westen ab. Die vor den Hunnen über die Donau geflüchteten Goten unter Fritigern, die zunächst vom Imperium aufgenommen wurden, dann aber aufgrund unzureichender Versorgung revoltierten, fügten dem Ostkaiser Valens am 9. August 378 in der Schlacht von Adrianopel eine vernichtende Niederlage zu, in der auch Valens fiel. Von manchen Zeitgenossen wurde diese Niederlage denn auch als Zeichen des Niedergangs Roms interpretiert.
Gratian, der älteste Sohn Valentinians I. und seit dessen Tod 375 Kaiser im Westen, setzte daher 379 den aus Hispanien stammenden Theodosius als Kaiser im Ostteil des Imperiums ein. Theodosius übernahm denn die schwierige Aufgabe, den Osten des Reiches wenigstens vorläufig wieder zu stabilisieren. 382 schloss er einen Vertrag mit den Goten, wonach sie im Reich bleiben konnten und als Soldaten (Foederati) dienen sollten, aber autonom blieben. Dieser Gotenvertrag ebnete den Weg für die Reichsbildungen der Germanen innerhalb des Imperiums, stabilisierte aber vorläufig die Lage, da Theodosius nun wieder über ausreichend Truppen verfügen konnte.
387 folgte ein Vertrag mit Persien in Bezug auf den alten Zankapfel Armenien, welches seit Jahrhunderten zwischen den beiden Großmächten umstritten war: Rom erhielt etwa ein Fünftel, Persien den Rest des Landes (das so genannte Persarmenien). Mit dieser Lösung waren beide Seiten offensichtlich zufrieden, denn abgesehen von zwei kurzen Konflikten herrschte bis 502 Frieden zwischen Römern und Sassaniden – die Ruhe an der Euphratfront sollte dann ein wesentlicher Grund dafür sein, dass die östliche Reichshälfte das fünfte Jahrhundert überstehen konnte. Darüber hinaus betrieb Theodosius eine antiheidnische Kirchenpolitik, für die ihm von den Christen später der Beiname der Große gegeben wurde.
Theodosius I. Roman Coin.jpg Im Westen hatten sich währenddessen die Ereignisse überschlagen: Gratian, der einige erfolgreiche Feldzüge (wie gegen die Alamannen) geführt hatte, wurde 383 infolge eines Soldatenaufstandes in Britannien, der sich rasch auf das Festland ausgebreitet hatten, in Lyon ermordet. Theodosius hatte sich mit dem Usurpator Magnus Maximus zunächst noch einigen können, ihn schließlich 388 aber besiegt und hingerichtet. Daraufhin übergab er dem 17-jährigen Valentinian II., dem jüngeren Bruder Gratians, die Herrschaft im Westen. Der faktischen Macht des Heermeisters des Westens, des Franken Arbogast, hatte der junge Kaiser aber nichts entgegenzusetzen. Er fand schon 392 ein gewaltsames Ende durch Mord oder Selbstmord. Anschließend ließ Arbogast den heidnisch gesinnten Rhetor Eugenius zum Kaiser erheben und betrieb mit ihm eine ausgeprägte Restauration der heidnischen Tradition. Diese Situation konnte Theodosius nicht akzeptieren, sodass er wieder nach Westen marschierte, wo er das Heer des Eugenius Anfang September 394 in der Schlacht am Frigidus vernichtend schlagen konnte. Eugenius wurde hingerichtet, woraufhin Arbogast sich das Leben nahm. Das Heidentum, welches Theodosius bereits 380/81 in mehreren Gesetzen empfindlich beeinträchtigt und durch weitergehende Gesetz in Jahren 391 und 392 verboten hatte, erhielt damit den endgültigen politischen Todesstoß – auch wenn es faktisch noch mindestens 200 Jahre lang eine beachtliche (allerdings abnehmende) Zahl von Heiden im Reich geben sollte.
Theodosius einte das Reich noch einmal für eine kurze Zeit, bevor es nach seinem Tod unter seinen Söhnen Honorius (im Westen) und Arcadius (im Osten) 395 zur endgültigen Reichsteilung kam. Die Zeitgenossen nahmen diese Teilung, die nur zufällig die letzte in einer ganzen Reihe war, allerdings nicht als besondere Zäsur wahr. Und tatsächlich wurde die prinzipielle Reichseinheit auch weiterhin betont – so galten die Gesetze der Kaiser jeweils im ganzen Reich, und der Westkonsul wurde ebenso in Ostrom anerkannt wie umgekehrt der östliche im Westreich (dies sollte sich übrigens bis zum Erlöschen des Konsulats unter Justinian nicht ändern). Dennoch kam es seit 395 faktisch zu einer immer rascheren Auseinanderentwicklung der beiden Hälften, wobei der Westen offenbar bereits um 400 ökonomisch schlechter dastand als der Osten.
Im Osten begann eine Periode relativen Friedens, der nur von gelegentlichen Kämpfen an der Donaufront (Hunnen und Germanen) sowie 420–422 und 441 durch zwei kurze Kriege gegen die Sassaniden gestört wurde. Erst in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts musste sich auch das Ostreich wieder verstärkt der Verteidigung seiner Grenzen zuwenden. Der Osten war wirtschaftlich weiterhin der stärkere Reichsteil und konnte noch immer große Summen Geldes mobilisieren; zudem gelang es der oströmischen Diplomatie offenbar, mehrere Angriffswellen nach Westen „umzuleiten“. Vor allem konnte der Einfluss der Heermeister, die oft barbarischer Abstammung waren, teils eingedämmt und schließlich zurückgedrängt werden. Arcadius und sein Sohn Theodosius II. waren zwar keine fähigen Herrscher, doch funktionierte die Verwaltung des Reiches weiterhin relativ reibungslos, auch wenn es zu Beginn der Regierungszeit des Arcadius zu einem Konflikt mit dem Westreich um den Besitz des Illyricum gekommen war.
Der erste Kaiser im Westen, Honorius, hatte eine Zeit lang, vom mächtigen Heermeister Stilicho gedrängt, sogar erwogen, gegen das Ostreich militärisch vorzugehen, was aber unterblieben war, zumal die Reichsgrenze am Rhein zum Jahreswechsel 406/407 endgültig kollabierte und sich eine wahre Flut von Germanen (so etwa Vandalen und Sueben, später auch Burgunden) und Alanen über das Westreich ergoss. 408 wurde auch Stilicho mit dem Wissen seines Schwiegersohnes Honorius umgebracht. Es zeigte sich wieder einmal, dass die Kaiser allzu mächtigen Militärs misstrauten – und dies nicht immer zu Unrecht.
Der Westen kam nicht mehr zur Ruhe. Von Germanen und Hunnen bedroht, zudem immer der Gefahr eines Putsches durch einen Heermeister ausgesetzt und teils von unfähigen Kaisern regiert, verlor das Weströmische Reich nach und nach seine wichtigsten Provinzen an die Germanen. Britannien ging zu Beginn des 5. Jahrhunderts verloren, während sich die weströmische Armee, die immer mehr durch die Aufnahme von Germanen barbarisiert worden war, nach dem Tod des Aetius um die Mitte des 5. Jahrhunderts de facto selbst auflöste. Im Westen formierten sich ab der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts auf dem Boden des Imperium Romanum germanische Reiche (Vandalen, Westgoten, Franken, Angelsachsen, Ostgoten u.a.), und 410 wurde gar Rom, zwar längst nicht mehr Hauptstadt des Westreiches, aber immer noch ein Prestigeobjekt, von den Westgoten unter Alarich geplündert. Dieser war schon zuvor im Ostreich aktiv gewesen, teils als Verbündeter des Stilicho und Westroms, teils auf eigene Faust, und wollte nun im Westreich für sein Volk neues Siedlungsland erkämpfen. Der Fall Roms war ein Fanal – für die Heiden war dies ein untrügliches Zeichen der Götter, die das Reich für die Abkehr vom alten Glauben bestrafen wollten. Augustinus von Hippo schrieb daraufhin sein großes Werk De Civitate Dei (Über den Gottesstaat), als direkte Antwort auf diese Unterstellung.
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Die Vandalen setzten 429 von Spanien nach Africa über, eroberten 439 Karthago und entrissen so die reichste Provinz des Westreiches dem Zugriff des weströmischen Kaisers, der danach effektiv nur noch über Italien sowie Teile Galliens und Hispaniens herrschte. Die Gefahr der Hunnen unter Attila konnte jedoch durch den römischen Heermeister Aëtius, der seit den 30er Jahren der mächtigste Mann des Westreiches war, 451 abgewendet werden. Aëtius hatte dabei aber bezeichnenderweise auch auf germanische Foederati zurückgreifen müssen – die weströmische Armee war bereits im Verschwinden begriffen und löste sich nach seinem Tod faktisch auf: 454 ließ Kaiser Valentinian III., der letzte Kaiser des Westens aus der theodosianischen Dynastie, den General aus Furcht vor dessen Einfluss umbringen – was der Kaiser bald darauf mit seinem Leben bezahlen musste: Er wurde 455 von früheren Gefolgsleuten des Heermeisters ermordet.
Die nachfolgenden Kaiser im Westen waren zumeist unfähig (wenngleich Majorian oder Anthemius aber durchaus bemüht waren, wieder die Initiative im Kampf mit den Barbaren zu gewinnen), zumal nach dem Ende des Aetius bis 472 der Magister militum Ricimer de facto alleine die Reichsgeschäfte im Westen führt; er war auch für den Tod mehrerer Kaiser verantwortlich. Ricimer konnte durchaus einige kleinere Erfolge im Abwehrkampf Westroms verbuchen, dennoch wurde Rom 455 von den Vandalen geplündert. Eine gemeinsame Operation des West- und des Ostreiches gegen die Vandalen scheiterte dann 468, was zur Anerkennung des Vandalenreiches durch Ostrom führte.
Mit der Absetzung von Romulus Augustulus 476 durch Odoaker erlosch das weströmische Kaisertum (letzter legitimer Kaiser war allerdings Julius Nepos, der 480 in Dalmatien verstarb), welches jedoch bereits seit der Reichsteilung, spätestens aber nach dem Zusammenbruch der Rheingrenze, wohl kaum noch lebensfähig gewesen ist. In Nordgallien hielt sich aber noch bis 486 ein gallo-römisches Restreich (siehe dazu Aegidius und Syagrius). Die Könige der germanischen Foederatenreiche sahen nun den Oströmischen Kaiser als ihren nominellen Oberherren an.
Denn der Osten des Imperiums erwehrte sich weitaus erfolgreicher der äußeren Bedrohung. Kaiser Markian, der 450 die Nachfolge von Theodosius II. angetreten hatte, verweigerte gar den Hunnen den Tribut und schaffte es, dass sie ihre Angriffe gegen das Westreich richteten – nicht zuletzt wohl deshalb, weil Attila wusste, dass die oströmischen Balkanprovinzen bereits verwüstet und ausgeblutet waren. Die übrigen Provinzen des Ostens befanden sich aber nicht in Reichweite von Hunnen oder Germanen, da die starke Festung Konstantinopel den Hellespont kontrollierte, und ein Übersetzen von Europa nach Asien verhinderte. An der römischen Ostgrenze konnte mit den Sassaniden, die selbst von hunnischen Völkern bedroht wurden, bis 502 Frieden gehalten werden, was eine große Entlastung darstellte, da die Regierung in Konstantinopel daher ungestört auf die Einkünfte der reichen Orientprovinzen zurückgreifen konnte.
Das daher ökonomisch leistungsfähigere und dichter bevölkerte Oströmische Reich konnte sich im Gegensatz zum weströmischen Reich behaupten; offenbar gelang es dem Staat hier bereits früh, weitaus besser auf seine Ressourcen zurückzugreifen: Im fünften Jahrhundert betrugen die östlichen Staatseinnahmen ein Vielfaches der westlichen. Kaiser Leo I. schaltete zudem mit Hilfe des späteren Kaisers Zenon den gotischen Heermeister Aspar aus; viele germanische Soldaten in römischen Diensten wurden in der Folge erschlagen, und die Kaiser griffen bei der Rekrutierung fortan wieder weitaus stärker auf Reichsangehörige zurück – auch wenn diese meist aus jenen Gebieten stammten, die am wenigsten romanisiert waren. Zenon konnte dann nicht zuletzt mit Hilfe eines dieser halbbarbarischen Völker, der Isaurier, zu denen er selbst gehörte, die militärische Lage des Oströmischen Reiches weiter verbessern, und damit den Grundstein für die Vormachtstellung legen, die die Kaiser des folgenden Jahrhunderts im Mittelmeerraum einnehmen sollten.
Zenon schloss 488 einen Vertrag mit dem Ostgotenkönig Theoderich und schickte ihn im Jahre 489 nach Italien, wobei die Hintergründe umstritten sind. Der Kaiser profitierte jedenfalls insofern, als er eine potentielle Gefahr umleitete, während sich für Theoderich die Möglichkeit auf neues und reiches Siedlungsland anbot. Theoderich, den man später aufgrund seiner Leistungen „den Großen“ nannte, gelang es bald, das gesamte Land unter seine Kontrolle zu bringen. 493 ermordete er Odoaker und regierte formal als Statthalter des Kaisers in Italien, wobei er jedoch eine sehr eigenständige Politik betrieb. Im Ostgotenkönigreich hielt man an der römischer Verwaltungspraxis fest, während das Land kulturell eine späte Blütezeit erlebte (siehe auch Boëthius).
Kaiser Justinian I., eine der großen Herrschergestalten der Spätantike, konnte dann seit 534 eine offenbar großangelegte Restaurationspolitik betreiben, wobei diesem Versuch der Wiederherstellung des Imperiums ein zwar nur beschränkter, aber dennoch zunächst erstaunlicher Erfolg beschieden war: Mit Nordafrika, Italien und Südspanien wurden die Kerngebiete des Reiches wieder der römischen Herrschaft unterworfen, allerdings gingen wichtige Teile Italiens, welches erst nach harten Kämpfen erobert worden war, bald nach Justinians Tod wieder an die Langobarden verloren. Zudem wurde das Reich seit 541 von einer verheerenden Pest heimgesucht, was offenbar zu einer demografischen und – daraus folgend – ökonomischen wie militärischen Krise führte; im Osten musste sich Justinian zudem gegen die Perser zur Wehr setzen, deren König Chosrau I. sich zum großen Gegenspieler Justinians entwickelte. Dennoch erlebte die spätantike Kultur unter Justinian einen letzten Höhepunkt; die auf seinen Befehl hin vorgenommene Kodifikation des römischen Rechts erwies sich als dauerhafte Errungenschaft, und der kaiserliche Machtanspruch wurde auch von den meisten verbliebenen Germanenreichen (mit der Ausnahme des Frankenkönigs Theudebert I.) akzeptiert. Als Justinian 565 nach 38-jähriger Herrschaft starb, war Ostrom ungeachtet aller Krisensymptome die Vormacht der Mittelmeerwelt.
Im Oströmischen Reich bestand das Imperium Romanum staatsrechtlich fort – ebenso lebte dort die Zivilisation der Antike weiter, wobei das kulturelle Leben im Osten in den nachfolgenden Jahrhunderten einen Wandel erfuhr, und das Reich schon recht bald nach Justinian, der als letzter Kaiser Latein zur Muttersprache hatte, eigene Wege ging. Eine Reihe innerer Reformen ließen das Reich langsam seinen spätrömischen Charakter verlieren; hinzu kam der stetig zunehmende äußere Druck. Zwischen 540 und 630 befand sich Ostrom die meiste Zeit in einem immer verbissener geführten Krieg mit den Sassaniden, der nur von zwei kurzen Friedensperioden (562 bis 572 und 591 bis 602) unterbrochen wurde; und unter Kaiser Maurikios gingen die Balkanprovinzen trotz energischer Gegenwehr weitgehend an die Slawen verloren. Der letzte Kaiser, der noch aktiv und wirksam in die Geschicke des Westens eingreifen konnte, war der (vielleicht zu Unrecht) übel beleumundete Phokas.
In den ersten Jahren des 7. Jahrhunderts eroberten die Sassaniden dann bis zum Jahr 619 zeitweilig Ägypten, Syrien und Kleinasien, und nur unter größten Anstrengungen gelang schließlich unter Herakleios eine erfolgreiche Gegenwehr: Herakleios trat 622 zur Gegenoffensive an und konnte die Perser, die noch 626 vergeblich Konstantinopel belagert hatten, Ende 627 entscheidend schlagen, woraufhin Großkönig Chosrau II. entthront und ermordet wurde. Die Sassaniden traten die eroberten Gebiete wieder an Ostrom ab, während Persien im Chaos versank.
Das militärisch und ökonomisch entkräftete Oströmische Reich konnte den Arabern dann wenig entgegensetzen; die Oströmer unterlagen 636 in der Schlacht am Jarmuk und verloren in den folgenden Jahren wiederum ihre Ost- und Südprovinzen – diesmal aber endgültig. Zuletzt fiel im Jahr 698 auch das oströmische Karthago. Die Reste des jetzt gänzlich gräzisierten Reiches befanden sich in den folgenden Jahrzehnten in einem verzweifelten Abwehrkampf, so dass die Kaiser den Westen weitgehend sich selbst überlassen mussten. Die kurzzeitige Verlegung der kaiserlichen Residenz nach Italien unter Konstans II. blieb Episode. Als sich die Lage im späten achten Jahrhundert wieder stabilisiert hatte, war aus dem spätantiken Ostrom endgültig das mittelalterliche, griechische Byzanz geworden, welches sich noch Jahrhunderte behaupten sollte. Die Perser hingegen wurden 636 und 642 von den Arabern vernichtend geschlagen; der letzte Großkönig Yazdegerd III. wurde 651 ermordet, womit das Sassanidenreich aufhörte zu bestehen.
In Italien hatte der Ostgote Theoderich der Große sein Reich weiterhin nach römischen Muster führen lassen, doch verschwand das Ostgotenreich um die Mitte des 6. Jahrhunderts durch die von Justinian I. eingeleitete Restauratio imperii. Als die Langobarden dann 568 große Teile Italiens eroberten, war dies die letzte germanische Reichsgründung auf weströmischem Boden und damit zugleich das Ende der großen Völkerwanderung. Der weströmische Senat verschwand am Ende des Jahrhunderts aus den Quellen.
Nur eine einzige der germanischen Reichsgründungen „der ersten Stunde“ hatte letztendlich dauerhaften Bestand: das Frankenreich der Merowinger. Wohl im Jahre 498 hatte sich der Frankenkönig Chlodwig I. taufen lassen und damit das römische Erbe in Gallien angetreten. Die Geschichte des Frankenreiches geht bereits fließend ins Mittelalter über, sodass es schwer fällt, hier klare Schnitte zu setzen (siehe auch Gallo-römische Kultur).
Denar_koenig_chlotar_i.png mit dem Abbild des Merowingers Chlothar I., der oft als der letzte spätantike Frankenkönig gilt]]
Noch lange akzeptierten die Germanenreiche in der Regel die oströmische Oberhoheit; ihre Herrscher bemühten sich um kaiserliche Anerkennung und die Verleihung römischer Titel. Ein Symbol dafür, dass nur der Kaiser und der sassanidische Großkönig wahrhaft souveräne Monarchen waren, war unter anderem das Privileg, das Herrscherbild auf Goldmünzen zu prägen: Im sechsten Jahrhundert wurde dies auch noch von den meisten Germanenkönigen akzeptiert – sie setzten ihr eigenes Porträt nur auf die Silbermünzen (eine Ausnahme bildet der Merowingerkönig Theudebert I., der Goldmünzen mit seinem Bildnis prägen ließ). All dies änderte sich erst grundlegend, als die Kaiser seit etwa 600 durch die Angriffe der Perser und Araber zu sehr geschwächt waren, um weiter im Westen aktiv zu werden. Die arabische Invasion zerstörte zudem endgültig die (freilich nur noch bedingt gegebene) Einheit der Mittelmeerwelt (siehe auch Islamische Expansion und vgl. Pirenne-These), und auch die Kontakte zwischen Konstantinopel und dem Westen lockerten sich nun zusehends.
Das Frühmittelalter nahm in den folgenden Jahrzehnten langsam Gestalt an, wobei es jedoch im Westen parallel zu einem schleichenden kulturellen Niedergang kam (wie unter anderem am Rückgang der Schriftlichkeit oder dem Verfall der Städte ersichtlich, wobei oft Schriftgut nur in Klöstern gerettet wurde, wie beispielsweise Cassiodors Vivarium). Viele Regionen des ehemaligen Reichs fielen in völlige Überlieferungslosigkeit zurück, sodass die Rede von den dunklen Jahrhunderten nicht unberechtigt ist – wenn es freilich auch regionale Unterschiede gab. In der neueren Forschung wird außerdem betont, dass teils auch durchaus eine gewisse Kontinuität gegeben war.Vgl. dazu F. Staab, Kontinuitätsproblem, -theorie (Antike/MA), in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 5, Sp. 1418–1420. Völlig entschwunden war die Antike dem Mittelalter nicht, wenn es auch unbestreitbar zu einem dramatischen Verlust an Kulturgütern kam, der jedoch regional unterschiedlich ausgeprägt war. Dennoch fungierte gerade die Kirche als Übermittler des (freilich nun christlich tradierten) antiken Bildungsguts (vgl. unter anderem bereits Augustinus, Boethius, Cassiodor), wobei man sich vor allem auf Isidor und Martianus Capella stützte. Es kam zwar zu einer deutlichen Umorientierung der Bildung, doch bewirkte dies auch gleichzeitig eine relative kulturelle Einheitlichkeit der frühmittelalterlichen Welt.
Andererseits ist für die nachfolgende Zeit oft nicht einmal das Fortbestehen der wichtigen Bistümer gesichert; Köln weist etwa eine Lücke in seiner Bischofsliste zwischen etwa 400 bis in die Mitte des 6. Jahrhunderts auf. Dennoch scheint die materielle und wirtschaftliche antike Kultur manchenorts auch im Norden (z.B. Trier) länger weitergelebt zu haben, als dieses Dunkel der Geschichte erwarten lässt. Das Mittelalter „erhebt“ sich aus diesem Dunkel nicht überall zur gleichen Zeit; so setzt das fränkische Mittelalter mit der merowingischen Reichsgründung und dynastischen Konsolidierung auf den Fundamenten der römischen Verwaltungsstrukturen bereits sehr früh ein. Römische Städte weiter im Norden und Nordosten haben ein anderes Schicksal; so wird Wien (spätantik Vindomina oder Vindomana) zuletzt bei Jordanes in seiner Gotengeschichte genannt, und erst 881 ist von der Stadt (nun Wenia) wieder die Rede.
Vergilius_romanus_234v.jpg in einem Codex des 5. Jhs.]] Die spätantike Literatur zeigte lange Zeit kaum Anzeichen des Niedergangs; anders als im Mittelalter konnte man noch im 6. Jahrhundert auf die gesamte literarische Produktion der Antike zurückgreifen, die erst danach zum größten Teil verloren ging. Gerade die syrische Literatur brachte nun einige bedeutende Werke hervor. In der lateinischen Literatur ragen das letzte große in Latein verfasste Geschichtswerk der Antike, die Res gestae des Ammianus Marcellinus und die Dichtungen Claudians, des letzten bedeutenden Dichters des heidnischen Rom († nach 404), heraus. Der letzte lateinische Epiker von Rang war dann Corippus, der im 6. Jahrhundert das stilistisch an Vergil orientierte Werk Johannis verfasste.
Auch in Gallien und Spanien blühte noch lange eine stark rhetorisch geprägte Dichtkunst, etwa die des Ausonius; es sei auch auf den Gallo-Römer Sidonius Apollinaris hingewiesen, dessen Lobreden und Briefe einen detaillierten Einblick in die letzten Tage der gallo-römischen Kultur ermöglichen. Um 600 sammelte Isidor von Sevilla, der letzte große lateinische Gelehrte der Spätantike, das ihm noch erreichbare Wissen des Altertums und vermittelte es damit in Grundzügen der mittelalterlichen Welt.
Boethius.jpeg Die christliche Philosophie brachte mit dem Trost der Philosophie des Boëthius und den Schriften des Kirchenvaters Augustinus Werke von weltliterarischem Rang hervor. Die Literatur setzte sich vielfach zum Ziel, die klassischen römischen Texte durch gleichwertige christliche Gegenentwürfe zu ersetzen (Prudentius), schuf aber auch neue Formen (etwa Hymnen des Ambrosius und die Werke des Arator). Im Gegenzug versuchten Vertreter der „alten“ Bildung, diese in philologischer Arbeit zu bewahren (Quintus Aurelius Symmachus und der Symmachuskreis, zu dem unter anderem Virius Nicomachus Flavianus und Vettius Agorius Praetextatus gehörten, Donat, Servius, Macrobius) und zu sammeln. Der Nordafrikaner Martianus Capella unternahm nach 470 einen letzten Versuch, das pagan-römische Wissen in einer großen Götterallegorie zusammenzufassen. Insgesamt kann das langsame Erlöschen der antiken Philosophie unter anderem gewiss auch durch den absoluten Wahrheitsanspruch des Christentums erklärt werden, der schließlich keinen Raum mehr für Gedankenspiele und alternative Konzepte ließ.
Der bedeutendste griechische Historiker der Spätantike war fraglos Prokopios von Caesarea. In Ostrom blühte die antike Geschichtsschreibung noch bis ins frühe 7. Jh. (Theophylaktos Simokates), bevor sie schließlich, im Zuge des Niedergangs der antiken Kultur infolge der Abwehrkämpfe Ostroms gegen die Araber, erloschen ist. Im Osten des Reiches sind daneben besonders die Redner Libanios und Themistios hervorzuheben, während hier im Bereich des Neuplatonismus bis ins sechste Jahrhundert hinein eine Fülle von philosophischen Werken entstanden: Neben Plotin (der zeitlich gesehen strenggenommen nicht zur Spätantike zählt) sei nur an Porphyrios, Proklos, Iamblichos von Chalkis, Isidoros und Damaskios gedacht. Der große Aristoteleskommentar des Simplikios (um 550) gilt als die letzte bedeutende Leistung der antiken Philosophie. Nach der Schließung der platonischen Akademie durch Justinian I. im Jahre 529 ging auch die heidnische Philosophie langsam ihrem Ende entgegen; in Harran hielt sich jedoch noch über längere Zeit eine heidnisch-philosophische Schule. Unter Justinian war es auch noch in kleineren Städten möglich, eine fundierte rhetorische und literarische Ausbildung zu genießen – das spätantike Bildungsideal war dabei stark konservativ geprägt.
Gleichzeitig setzte sich das Buch (Codex) langsam gegenüber der Schreibrolle durch, und es entstanden neue Bautypen (Basilika). Während die Zahl der öffentlichen Neubauten insgesamt langsam zurückging (auch aufgrund des Verschwindens der lokalen Eliten, die sich früher durch Stiftungen verewigt hatten), stieg die Zahl der Kirchenbauten seit der Christianisierung des Reiches naturgemäß an. Höhepunkt war dabei die Hagia Sophia, deren von Justinian I. veranlasster Neubau die letzte große Leistung der antiken Architektur war. Von Bedeutung war auch in der Spätantike die Mosaikkunst, auch wenn in der Kunst insgesamt (im Vergleich zur „klassischen Antike“) einfachere Formen dominierten; der in der bildenden Kunst seit etwa 300 dominierende entindividualisierte, frontale Darstellungsstil (man vergleiche etwa die Kaiserporträts eines Caracalla mit denen von Konstantin oder Valentinian II.) wird dabei oft mit orientalischem Einfluss erklärt.
Im Westen setzte bereits im 5. Jahrhundert ein Transformationsprozess ein, der langsam, eben bedingt durch die Entstehung germanischer Reiche auf dem Boden des Imperiums, zum Übergang ins Frühmittelalter führte, wobei die Germanen keineswegs versuchten, die römische Kultur zu beseitigen, wie die römische Verwaltungspraxis von Theoderich dem Großen oder die Rechtspraxis der Westgoten zeigt.
Dennoch waren die Grenzen fließend: Im Osten blieben mehr Elemente der antiken Kultur bewahrt als im Westen. Für Italien etwa waren der zweite Gotenkrieg (seit 541) und der Einfall der Langobarden von Bedeutung. Spätestens der Einbruch der Araber zu Beginn des 7. Jahrhunderts zerstörte dann die kulturelle Einheit der Mittelmeerwelt (siehe Islamische Expansion), die das Altertum mindestens 500 Jahre lang – seit der Errichtung des römischen Weltreiches – geprägt hatte, und die Antike wurde endgültig vom Mittelalter abgelöst.
Die lateinische Sprache des Westens begann sich während der Spätantike zu verändern; während in der Literatur noch im sechsten Jahrhundert hochsprachliche Werke in klassischem Latein entstanden, entwickelte das einfache Volk Dialekte, die zur Grundlage der späteren romanischen Sprachen werden sollten.
Im Osten (wo daneben in weiten Gebieten Syrisch gesprochen wurde) war Griechisch seit langem die vorherrschende lingua franca; aber im Heer, am Hof, in der Verwaltung sowie in Teilen Thrakiens und Illyriens sprach man auch hier noch lange Latein. Durch die Eroberungen Justinians wurden mit Italien, Nordafrika und Südspanien weitere lateinischsprachige Gebiete ins Imperium integriert. Allgemein ging allerdings die Verbreitung der zweiten Bildungssprache in den Oberschichten (im Westen Griechisch, im Osten Latein) zurück, wenngleich man im Osten nachweislich noch unter Justinian eine fundierte Ausbildung in lateinischer Literatur und Sprache erfahren konnte. Damals entstanden in Ostrom auch noch wichtige lateinische Werke (Corippus, Jordanes).
Erst unter Herakleios wurde Griechisch hier zur alleinigen Amtssprache erhoben; seit dieser Zeit vertiefte sich aufgrund der Sprachbarriere auch die Kluft zwischen Byzanz und dem lateinischen Westen. Dabei unterschied sich das Griechisch der mittelbyzantinischen Zeit bereits in vielem (Aussprache wie Grammatik) stark vom Altgriechischen.
Im frühen 4. Jahrhundert verschwand die Bezeichnung „Ritterstand“ und wurde durch neue soziale Kategorien wie perfectissimi etc. ersetzt. Die lokale Aristokratie, die curiales, erlebte seit dem 3. Jahrhundert, aufgrund steigender fiskalischer Belastungen, einen langsamen Niedergang. Man versuchte daher, sich seinen Verpflichtungen dadurch zu entziehen, dass man Kleriker wurde, in kaiserliche Dienste trat oder sich auf Landgüter zurückzog und sich auf diese Weise der kollektiven Haftung für das städtische Steueraufkommen entzog. Dies gelang aber nur einer Minderheit, so dass die Unterschiede innerhalb der Reichsaristokratie stark zunahmen. Der kleine Kreis der wirklich Mächtigen und Reichen dominierte nun auch die Politik der jeweiligen Heimatstädte, während die curiales immer mehr an Bedeutung verloren. Jüngst wird in der Forschung übrigens auch eine andere Erklärung für die sog. Curialenflucht erwogen: Es sei gerade der Aufstieg der wohlhabendsten curiales in die Reichsaristokratie gewesen, der andere, ärmere Grundbesitzer an ihre Stelle treten ließ und dadurch aufgrund der kollektiven Haftung den Steuerdruck verstärkte – die zunehmende Schwäche der lokalen Curien wäre dann ein Nebeneffekt des sozialen Aufstiegs ihrer reichsten Mitglieder gewesen.
Das Ausmaß des in der Hand weniger Aristokraten vereinigten Privatvermögens scheint im Westen sehr viel größer gewesen zu sein als im Osten, was ein Grund für die höheren Steuereinnahmen im Ostreich gewesen sein mag: Die Mächtigen konnten sich ihren finanziellen Verpflichtungen recht leicht entziehen; während das westliche Kaisertum nicht zuletzt aus Geldmangel unterging, arrangierte sich der reiche italische Senatsadel auch mit den Goten und verlor erst um die Mitte des sechsten Jahrhunderts seine ökonomische Grundlage. Die Oberschicht war stolz auf ihren Status und ihre klassische Bildung (paideia), die weiterhin als Zeichen der Standeszugehörigkeit galt, und zuletzt zusammen mit ihr verschwand (im Westen im sechsten, im Osten erst im siebten Jahrhundert).
Gegenüber den Juden kam es infolge des Aufstiegs des Christentums zur Staatsreligion zu vereinzelten Übergriffen eifernder Mönche. Zudem erließen Kaiser wie Theodosius II. und Justinian I. (in dessen Regierungszeit es sogar zu vereinzelten Kämpfen mit jüdischen Gruppen kam) Gesetze, welche die Juden empfindlich einschränkten. Bereits 429 wurde die Institution des „Patriarchen der Juden“ aufgehoben, und Palästina wurde in vier Provinzen unterteilt. Die Kirche lehnte jedoch die Aufnahme von zwangsbekehrten Juden strikt ab.
Mosaik.jpg Wie die Rolle der Sklaven einzustufen ist, bleibt in der Forschung umstritten, allerdings ist davon auszugehen, dass es keinen wirklichen Bruch gegenüber der vorherigen Praxis gegeben hat, und die Sklaverei auch weiterhin wenigstens eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat.
Dem Osten erging es lange Zeit wesentlich besser als dem Westen, auch aufgrund der Tatsache, dass die wichtigen Industrien und Handelszentren im Osten lagen, wo auch die Seidenstraße endete und es einen regen Handelsaustausch mit Persien gab. Noch für die Zeit Justinians geht die Forschung von etwa 900 größeren und kleineren poleis im Gebiet des Oströmischen Reiches aus (darunter war Konstantinopel mit gut 500.000 Einwohnern die bedeutendste), wobei man bedenken sollte, dass die griechisch-römische Ökumene „zivilisiertes“ Leben mehr oder weniger mit dem Leben in der Stadt gleichsetzte. Einige Gebiete des Reiches – etwa Ägypten oder Palästina – erlebten noch im 6. Jahrhundert eine ökonomische Blüte. Der offensichtliche Niedergang der curiales (s.o.) darf daher nicht einfach mit einer allgemeinen Krise der Städte gleichgesetzt werden; in vielen Städten des Ostens lassen sich noch unter Justinian I. private Stifter großer Gebäude nachweisen.
Die in der älteren Forschung (A.H.M. Jones) teils vertretende Ansicht, die spätantike Wirtschaft habe zu wenig Produzenten und zu viele Konsumenten gehabt, ist inzwischen in Frage gestellt worden. Auch die Annahme, dass die Menschen unter einer stetig zunehmenden fiskalischen Belastung gelitten hätten (wie vor allem die Klagen in den Quellen nahelegen), scheint durch Papyrusfunde und archäologische Grabungen widerlegt zu werden. Von einer allgemeinen Wirtschaftskrise während der gesamten Spätantike kann jedenfalls nicht ausgegangen werden, die Verhältnisse waren je nach Zeit und Ort zum Teil grundverschieden und besonders im Osten noch lange viel günstiger als im Westen.
Das private Vermögen verteilte sich auf eine relativ kleine und wohlhabende Oberschicht (s.o.), die sich zwar gerne auf prächtige Landgüter zurückzog (was früher teils als ein Indiz für eine beginnende Feudalisierung gedeutet wurde), zugleich aber auch in den Städten präsent blieb. Dem gegenüber galt der Großteil der Bevölkerung als arm, was aber nur bedeutete, dass man nicht von seinen Pfründen oder seinem Grundbesitz leben konnte, sondern für seinen Broterwerb selbst arbeiten musste. Daher wird diese Vorstellung von einer simplen Unterteilung in „Arm“ und „Reich“ der komplexen Realität kaum gerecht.
Zahlreiche kaiserliche Gesetze bestimmten, dass die Söhne an den Beruf des Vaters gebunden sein sollten; doch scheinen diese Maßnahmen, die offenbar das Rad der Zeit zurück drehen sollten (denn im Prinzipat war es noch fast selbstverständlich gewesen, den Beruf der Vorfahren zu erben), die in Wahrheit gesteigerte soziale Mobilität nicht wesentlich verringert zu haben: Kaiser Justin I. war ein einfacher Bauernsohn, der es bis an die Spitze des Staates schaffte.
Auf dem Land galt für die Pächter der Großgrundbesitzer in der Regel die Bindung an das zu bearbeitende Stück Land (Schollenbindung, siehe Colonen). Diese Maßnahme sollte die Bearbeitung des Bodens sichern, und damit dem Staat stabile Einnahmen garantieren. Eine generelle, reichsweite Verarmung der Kleinbauern und ihre grundsätzliche Verdrängung durch die Colonen lässt sich dabei nicht konstatieren. Auf dem Land (vor allem in Gallien) kam es jedoch vereinzelt zu Aufständen der so genannten Bagauden, deren Ursachen allerdings umstritten sind – vielleicht handelte es sich dabei um Reaktionen auf germanische Plünderungszüge. Insgesamt kennen wir für die Spätantike (auch unter Einrechnung von städtischen Revolten) weniger Fälle von sozialen Unruhen als für die früheren Phasen der römischen Geschichte.
Zudem war die Gesetzesherrschaft keineswegs suspendiert (wie oft mit dem Begriff des Dominats in der älteren Forschung suggeriert wurde); vielmehr zeigen zahlreiche Erlasse in den Codizes, dass die Kaiser sich weiterhin an das Recht als solches gebunden fühlten (siehe beispielsweise die Äußerung im Codex Justinianus, 1,14,4).
Eine übliche Praxis in der Spätantike war die Ernennung eines Mitkaisers (Caesar) neben dem Hauptkaiser (Augustus), oder die Trennung des Herrschaftsbereiches zwischen zwei Augusti, wie etwa zwischen Valentinian I. und Valens. Die Einheit des Reiches blieb davon jedoch unberührt, da die Gesetze eines Kaisers auch für die andere Reichshälfte Gültigkeit besaßen. Erst nach dem Tode Theodosius I. wurde aus der verwaltungstechnischen Teilung auch eine faktische – allerdings blieb die Vorstellung von einer Reichseinheit bis weit über das Ende des westlichen Kaisertums hinaus lebendig und wirksam.
Im Inneren zeichnete sich ein Trend zur stärkeren Zentralisierung der Verwaltung ab, wobei vor allem Konstantin zahlreiche neue Hofämter schuf. Das altehrwürdige Konsulat, das schon seit Augustus kaum noch wirkliche Macht beinhaltet hatte, blieb dabei zwar bis 542 erhalten, hatte aber keinerlei politischen Einfluss mehr.
Die Teilung von ziviler und militärischer Gewalt, die in Rom zuvor unbekannt gewesen war, ist ein typisches Phänomen der Spätantike. Dabei war die zivile Hierarchie seit Diokletian und Konstantin im wesentlichen die folgende: Direkt dem Kaiser unterstellt waren die Prätorianerpräfekten (Singular: Praefectus praetorio); die von diesen verwalteten Präfekturen zerfielen in Diözesen, denen Vikare vorstanden und die ihrerseits aus Provinzen bestanden. Die Basiseinheit blieb bis ins sechste Jahrhundert die Stadt (polis bzw. civitas), wobei die traditionellen urbanen Ämter seit dem 4. Jahrhundert an Bedeutung verloren. Dennoch blieb die städtische Selbstverwaltung weitgehend erhalten.
Der spätrömische Hof (comitatus) umfasste eine Vielzahl von Beamten, von denen die wichtigsten zum Hofrat (consistorium) gehörten. Zu den wichtigsten Hofbeamten zählten neben dem magister officiorum, dem Leiter der Verwaltung, der comes sacrarum largitionum, der für die Reichsfinanzen zuständig war, und der praepositus sacri cubiculi, der meist ein Eunuch war, und den kaiserlichen Haushalt leitete, womit er oftmals den Zugang zum Kaiser kontrollieren konnte. Der quaestor sacri palatii war der Leiter der kaiserlichen Kanzlei. Er war in der Regel ein Jurist, da er auch mit der Abfassung kaiserlicher Gesetze beauftragt war; außerdem publizierte er kaiserliche Edikte und bewahrte die Kopien auf.
Die Bürokratie gewann in der Spätantike insgesamt an Umfang, ebenso der Steuerdruck – auch wenn dieser Faktor von der älteren Forschung vielleicht überschätzt worden ist, denn verglichen mit modernen Vorstellungen kann auch der spätrömische Staat als eindeutig unteradministriert gelten, die Probleme entstanden öfter aus einem Zuwenig als aus einem Zuviel an Verwaltung. Zwar umfasste die Reichsadministration um 400 etwa drei- bis viermal so viele Mitarbeiter wie während des Prinzipats, doch kamen auf diese gut 30.000 „Beamten“ über 60 Millionen Einwohner: Jedes Mitglied der Verwaltung war im Schnitt für 2000 Menschen zuständig.
Im Westen verlor Rom bald nach 300 endgültig seine zentrale Stellung als Kaiserresidenz, nicht jedoch die Stellung als symbolische Hauptstadt des Imperiums. Schon längst residierten die Kaiser näher an den gefährdeten Grenzen (Trier, Sirmium). Im Westen wurde zunächst Mailand, schließlich das aufgrund seiner geografischen Lage lange als uneinnehmbar geltende Ravenna Hauptstadt des Westreiches. Im Ostreich hingegen residierten die Kaiser seit Theodosius I. nunmehr dauerhaft in Konstantinopel.
Ein größeres Problem stellten die unter eigenen Anführern kämpfenden Foederati dar, die vor allem im Westen immer mehr an Bedeutung gewannen, und vom Kaiser immer schlechter kontrolliert werden konnten. Vermutlich wurde schon den Westgoten bei ihrer Ansiedlung in Aquitanien zugestanden, „ihren“ Anteil am Steueraufkommen selbst einzutreiben. In Westrom mündete dieser Prozess schließlich im 5. Jahrhundert in die faktischen Selbstauflösung des regulären Heeres, da im Westen bald die finanziellen Mittel zum Unterhalt fehlten: Die germanischen Truppen traten nun an die Stelle des weströmischen Heeres, und ihre Anführer übernahmen schließlich die Rolle des Staates, der aus ihrer Sicht überflüssig geworden war. Einige Forscher vermuten, dass in diesem Zusammenhang die blutige Schlacht am Frigidus (394), in der Theodosius I. den Usurpator Eugenius besiegte, einen Wendepunkt markiert habe: Damals starben nicht nur zahllose germanische Hilfstruppen beider Seiten, sondern es fanden auch die besten Einheiten des regulären weströmischen Heeres den Tod. Diese konnten offenbar nicht mehr ersetzt werden, wenngleich die Heeresstärke zum Zeitpunkt des Todes Theodosius’ I. noch relativ hoch lag; allerdings mussten in der darauffolgenden Zeit mehrere Einheiten im Westen neu aufgestellt werden, was wohl zu Lasten der Qualität dieser neuen Einheiten ging. Danach waren die Kaiser in Westrom viel stärker auf den Einsatz barbarischer Foederati angewiesen als ihre Kollegen im Osten.
Während die Besoldung der Truppen den zivilen Beamten oblag, sah die militärische Hierarchie des spätantiken Reiches (grob) aus wie folgt: Nur dem Kaiser (bzw. den Kaisern) unterstellt war der Magister militum (bzw. die magistri militum, denn es gab zumindest in Ostrom meist mehrere). Dann folgten die comites (Einzahl: comes) und die lokalen Kommandeure in den Provinzen, die duces (Einzahl: dux).
Die strikte Trennung des militärischen vom zivilen Bereich wurde erst um 600 wieder aufgegeben: In den Exarchaten, die die oströmischen Kaiser im späten sechsten Jahrhundert in Karthago und Italien einrichteten, waren beide Bereiche wieder vereint.
Die Truppenstärke der spätrömischen Armee ist in der Forschung umstritten, da die Quellen auch nicht eindeutig sind . Insgesamt wurde jedoch die Anzahl der Legionen unter Diokletian erhöht (auf etwa 60), wobei jedoch gleichzeitig ihre Truppenstärke abnahm. Statt der alten Sollstärke von 6.000 Mann dienten nun nur noch 1.000 in einer Legion, und auch diese Zahl wurde faktisch selten erreicht. In der Folge verlor die Legion immer weiter an Größe und verschwand zuletzt wohl ganz (trotz vereinzelter Erwähnungen von derart bezeichneten Einheiten noch unter Kaiser Maurikios).
Lactantius schreibt, Diokletian habe die Stärke der Armee vervierfacht (De mortibus persecutorum, 7,2), wobei diese Darstellung jedoch nicht sehr glaubhaft ist, da Lactantius wohl einfach das Schema der Tetrarchie auf die Armee überträgt. Im 4. Jahrhundert dürfte die Heeresstärke jedenfalls in etwa bei 400.000 Mann gelegen haben, womit sie etwas höher lag als in der frühen und hohen Kaiserzeit. Nach den Angaben der Notitia dignitatum lag die Sollstärke um 400 bei etwa 600.000 Mann. Agathias errechnete dann um 570 eine Sollstärke von 645.000 (5,13,7). Wie er zu dieser Schätzung kam, ist unklar, doch dürfte er das nicht mehr existierende Westheer miteingerechnet haben. Zur Zeit Justinians dienten seinen Angaben nach jedenfalls nur noch 150.000 Mann (5,15) in der oströmischen Armee, wobei diese Zahl jedoch vermutlich deutlich zu niedrig angesetzt ist. In der Forschung wird eher von der doppelten Stärke ausgegangen: Damit wäre Justinians Armee in etwa ebenso groß gewesen wie die des Augustus.
Insgesamt wurde die Heeresstärke der spätrömischen Armee zwar erhöht, sie war jedoch angesichts der vielfältigen Aufgaben kaum ausreichend, zumal sie oft an den Grenzen gebunden war. Daher mutet es auch wenig verwunderlich an, wenn die meisten spätantiken Militäroperationen mit vergleichsweise wenig Männern durchgeführt wurden: Kaiser Julian Apostatas Feldzug gegen die Sassaniden war mit ca. 65.000 Mann (die teils deutlich höheren Zahlenangaben in den Quellen sind weniger wahrscheinlich) eine der größten Militäroperationen der Spätantike. Insgesamt wurden die größten römischen Armeen meist an der Ostgrenze eingesetzt. Stilicho hingegen operierte 40 Jahre nach Julian im Westen mit nur etwa 20.000 Mann, während Belisar 533 mit wohl etwas mehr als 15.000 Elitesoldaten gegen die Vandalen zog, nachdem er drei Jahre zuvor noch deutlich über 30.000 Kämpfer gegen die Sassaniden ins Feld geführt hatte. Kaiser Anastasios I. mobilisierte noch 503 über 50.000 Mann zur Abwehr eines persischen Angriffs, und in den 550er Jahren operierten sowohl in Italien wie im Kaukasus römische Armeen mit jeweils gut 30.000 Soldaten. Mitunter konnten im Orient noch weitaus größere Verbände aufgestellt werden, deren Schlagkraft dann allerdings meist begrenzt war – so dürfte das kaiserliche Heer, das sich 636 den Arabern stellte und vernichtet wurde, mehrere zehntausend Mann umfasst haben.
Die über effiziente Verwaltungsstrukturen verfügende Kirche (siehe auch: Alte Kirche) festigte in der Spätantike ihre Stellung, wobei bereits Konstantin der Große die Kirche gefördert hatte, sodass diese nun auch über wirtschaftliche Macht verfügte (welche sie unter anderem auch für die Armenversorgung nutzte) und durch die staatlichen Privilegien auch für die Oberschicht des Reiches interessant wurde. Es kam jedoch zu mehreren Kontroversen: sowohl das Heidentum (welches noch im 5. und 6. Jahrhundert durchaus aktiv war, siehe auch Römische Religion) als auch theologischen Differenzen (besonders bzgl. der Natur Christi) innerhalb der Kirche erschwerten die innere Festigung (siehe Erstes Konzil von Nicäa; Arianismus; Nestorianismus; Monophysitismus). Auch die fünf ökumenischen Konzile der Spätantike konnten hier keine Einigung erreichen.
AugustineLateran.jpg Dabei muss beachtet werden, dass in jener Zeit Religionsfragen nicht nur von einem kleinen Zirkel von Theologen besprochen wurden, sondern dass diese Diskussion mit Leidenschaft auch in den unteren Bevölkerungsschichten debattiert wurde. Schließlich ging es um das persönliche Heil des Einzelnen: Wer einer falschen Lehre anhing, dessen Seele war verloren; die Feststellung des „orthodoxen“ Standpunktes war also von entscheidender Bedeutung für die Gläubigen. Hinzu kamen verunsichernde Ereignisse wie die kurzfristige heidnische Renaissance unter Kaiser Julian oder der Schock von 410 (Plünderung Roms), auf den Augustinus von Hippo, Orosius und andere literarisch reagierten. Bis zum Ende der Epoche (und vor allem im Osten darüber hinaus) bestimmten theologische Auseinandersetzungen, die meist untrennbar mit Machtfragen verknüpft waren, die Geschichte in entscheidendem Maße mit.
Daneben ist es falsch zu glauben, dass das Heidentum mit der konstantinischen Wende verschwand. Es hielt sich, trotz der antiheidnischen Gesetzgebung der Kaiser Gratian und Theodosius I., noch lange Zeit auf dem flachen Land, vor allem im Westen, und erfreute sich auch bei Teilen der gebildeten Aristokratie noch großer Beliebtheit. Um 400 dürften es noch ungefähr genau so viele Christen wie Heiden gegeben haben, wobei die Christianisierung regional unterschiedlich verlief: Die Städte waren stärker christianisiert, während auf dem offenen Land (vor allem im Westen) die Entwicklung langsamer voran schritt. Noch im frühen 6. Jahrhundert konnte der Heide Zosimos ein Geschichtswerk schreiben, in dem den Christen die Schuld am Niedergang Roms gegeben wurde. Auf oströmischen Territorium trafen noch die arabischen Eroberer im 7. Jahrhundert auf einige Regionen und Städte, die noch immer vom alten Polytheismus geprägt waren. Dennoch stellten die Heiden spätestens seit etwa 400 eine immer bedeutungsloser werdende Minderheit dar. In der Spätantike entwickelte sich auch das Amt des Bischofs von Rom hin zum Papsttum. Den entscheidenden Schritt in diese Richtung tat Gregor der Große, der zugleich als der letzte spätantike Kirchenlehrer und der erste mittelalterliche Papst gelten kann.
Im Osten, genauer gesagt in Ägypten, nahm mit Antonius dem Großen gegen Ende des 3. Jahrhunderts das Mönchtum seinen Anfang, welches sich gegen Ende des 4. Jahrhunderts langsam im Reich ausbreitete. Die erstarkte Stellung der Kirche kam auch dadurch zum Ausdruck, dass sich verstärkt befähigte Personen gegen den Staatsdienst und für den Dienst in der Kirche entschieden, wie beispielsweise der ehrgeizige und energische Ambrosius, dem es gelang, auf die Kaiser Gratian und Theodosius I. Einfluss zu nehmen.
Dem Mittelalter rettete die Kirche (die sich im 4. Jahrhundert zur Reichskirche entwickelte) wenigstens Teile des antiken Wissens. Als die römische Armee und das römische Beamtenwesen im Westen nach und nach verschwanden, blieb die Kirche bestehen und trat zunehmend an die Stelle des dort nicht mehr funktionsfähigen Staates (im 5./6. Jahrhundert).