Das Sozialverhalten umfasst alle Verhaltensweisen von Menschen und Tieren, die auf Reaktionen und/oder Aktionen anderer Gruppenmitglieder zielen. Sozialverhalten umfasst somit Formen des einträchtigen Zusammenlebens genauso wie konflikthaftes Verhalten.
Denn in der Soziologie unterscheiden sich die Theorien danach, ob sie vom sozialen Verhalten oder ob sie vom sozialen Handeln ausgehen.
In der empirischen Forschung, zumal in der Auftragsforschung, die sich häufig auf Einzelprobleme und Ausschnitte bezieht, wird diese Unterscheidung oft ohne schädliche Folgen hintan gestellt, namentlich bei begrenzten Hypothesen und großer Methodenstrenge. Makrosoziologische Fragen werden, wenn man von einer Theorie des sozialen Verhaltens ausgeht, jedoch sehr anders beantwortet, als wenn man es nicht tut, z.B. beim Verstehen und Erklären von Revolutionen oder der Globalisierung.
Psychische Störungen können das Sozialverhalten verändern, zum Beispiel Autismus, Hospitalismus, Depressionen, Phobien oder auch eine Manie. Entstellende oder verunstaltende Krankheiten (wie zum Beispiel Hautausschlag) oder Fehlbildungen (wie beispielsweise eine Lippen-Spalte) führen häufig zu sozialem Rückzug, da die Betroffenen diskriminiert werden. Eine mildere Form abweichenden Sozialverhaltens stellt die sog. Exzentrik dar.
Manche Richtungen der Psychologie (vgl. dazu: Sigmund Freud) und Soziologie (vgl. dazu: Dieter Claessens) gehen davon aus, dass sich das Sozialverhalten zumeist erst in frühester Kindheit entwickelt. Die Erziehung, die Zuwendung und die Umgebung scheinen eine große Rolle dabei zu spielen.
Einige Forscher fassen den Begriff allerdings wesentlich enger und beschränken ihn auf das Verhalten von Tieren, die mit bestimmten Artgenossen in einer dauerhaften Bindung leben, sei es paarweise, in einem Rudel, in einer Herde oder in einem Schwarm.
Gelegentlich wird der Begriff Sozialverhalten auch auf die Verständigung von Tieren unterschiedlicher Arten angewandt, zum Beispiel bei Tieren, zwischen denen eine Symbiose besteht.
Für viele Verhaltensweisen und unterschiedlichste Tierarten konnte u.a. mit Hilfe von Kaspar-Hauser-Versuchen nachgewiesen werden, dass wesentliche Elemente des Sozialverhaltens angeboren (also in den Genen verankert) sind und vererbt werden. Hierzu gehört beispielsweise das angeborene Erkennen bestimmter Merkmale anderer Individuen ("Schlüsselreize").
Berühmt-berüchtigt wurden die Experimente von Harry Harlow mit jungen Rhesusaffen, die völlig isoliert aufgezogen wurden. Aus ihnen ging klar hervor, dass Primaten (und dies gilt auch für viele andere Wirbeltiere) soziale Interaktionen benötigen, um ein normales Sozialverhalten zu entwickeln.
Sozialpsychologie | Handlung und Verhalten | Verhaltensbiologie | Social behavior
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