Sozialstruktur ist ein Begriff aus der Soziologie und bezeichnet zumeist die Einteilungsmöglichkeiten von Gesellschaften nach - je nach Theorieansatz sehr unterschiedlichen - sozialen Merkmalen. Es existiert im Anschluss an einige Theoretiker wie beispielsweise Georg Simmel eine weitere Ausprägung und Entfaltung des Terminus „Struktur“ , auf die hinzuweisen ist.
Als wichtige und durch Ähnlichkeiten strukturgebende Gruppierungen werden je nach der zu Grunde liegenden Theorie folgende Begriffe und Konzepte gebraucht:
Untersuchungen über die Sozialstruktur interessieren sich zum einen für den sozialen Wandel, also für die Veränderung der Sozialstruktur einer Gesellschaft über die Zeit, zum anderen für den Vergleich der Sozialstrukturen mehrerer Gesellschaften und die damit verbundenen Einflussfaktoren. Als Mittel der Erforschung werden qualitative und quantiative Methoden der empirischen Sozialforschung verwandt. Hinzu kommen Theoriegefüge zur Charakterisierung der einzelnen Strukturelemente. Jeder Forscher setzt hierbei andere Prioritäten. Auch die Wissenschaftssprache ist nicht immer kompatibel.
Es geht aber immer um eine ganzheitlich nutzbare Übersicht der sozialen Strukturierung der Gesellschaften und um das Aufzeigen der Parallelen zwischen den sonst getrennt gehandhabten Begriffsinstrumenten. Daher finden sich hier auch die Stände des Mittelalters sowie die religiös orientierten Gesellschaftsordnungen der Kasten.
Georg Simmel dagegen hat in seinem Werk: Soziologie (1908) den Begriff mit anderer Bedeutung geprägt. Beispielsweise im Exkurs über den (zeitgenössischen) Adel und in Zeitschriftenartikeln zur Soziologie der Familie und zur Soziologie der Konkurrenz gebraucht er die Begriffe soziologische Struktur bzw. Struktur, um die inneren Strukturmerkmale des jeweiligen Phänomens zu charakterisieren.
In jüngerer Zeit hat sich Robert K. Merton mit der Social Theory and Social Structure beschäftigt. Einen kurzen Überblick über die analytische Auffassung sozialer Strukturen findet sich auch im englischen Wikipedia-Artikel.
Im Folgenden werden unterschiedliche vertikale Leitbegriffe der Strukturierung vorgestellt. siehe auch: Stratifikation (Soziologie) und Klasse (Soziologie)
Die mittelalterliche und frühneuzeitliche Gesellschaft Europas gliederten sich in mehrere Stände. Das Ständesystem war seinerzeit ein gesellschaftliches mindestens ebenso selbstverständliches Ordnungsmodell, wie es für spätere Zeiten die von Marx beschriebenen Klassen oder die von Helmut Schelsky, Karl Martin Bolte und anderen in die Gesellschaftslehre eingeführten sozialen Schichten wurden.
Verbreitet war die Drei-Stände-Ordnung, wie sie insbesondere für Frankreich charakteristisch war:
Denn unterhalb der Stände gab es sehr kopfreiche unterständische Gruppieren der halb- und unfreien Bauern, des Haus-, Hof-, Klostergesindes, die unehrlichen Berufe (z. B. die Müller), das Fahrende Volk, Verarmte, Entlaufene, abgedankte Söldner und Räuber; auch Minderheitenangehörige (Juden, Roma und Sinti) usf.
Gelegentlich waren auch die Bauern standfähig (Schweden, Tirol), in den Großbauernrepubliken Ostfriesland und Dithmarschen sogar herrschender Stand, doch war in Mitteleuropa nach dem Bauernkrieg von 1525 ihre Entrechtung nicht mehr aufzuhalten.
Das ständische System galt den Menschen des Mittelalters und der frühen Neuzeit als feste gottgegebene Ordnung, in der jeder seinen unveränderlichen Platz habe. In seinen Stand wurde man hinein geboren. Ein Aufstieg war in der Regel nicht möglich (siehe jedoch Hypergamie). Verdienst oder Reichtum hatten nur wenig Einfluss darauf, welchem Stand man angehörte. So konnte etwa ein Bürger, der als Kaufmann zu großem Vermögen gekommen war, wesentlich reicher sein als ein armer Adliger. Das ständische System ist ein statisches Gesellschaftsmodell. Nicht von ungefähr haben statisch und status, das lateinische Wort für Stand, dieselbe etymologische Herkunft.
Die politisch berechtigten Stände (oder Landstände) waren eng mit den gesellschaftlichen Ständen verknüpft, ja letztere waren die Voraussetzung für deren Existenz. Die politische und militärische Macht konzentrierte sich im Mittelalter keineswegs in der Hand des Landesherren bzw. Königs. Vielmehr war dieser bei seiner Herrschaft auf die Mitwirkung der gesellschaftlichen Eliten (Vasallen) angewiesen. Zunächst brauchte er die militärische Leistung seiner adeligen Vasallen, dann finanzielle Abgaben, die er aber nur mit Zustimmung der Grundherren - also den Adligen oder den Klöstern und Stiftern - erheben lassen konnte. Der Höhepunkt ständischer Macht lag in den meisten europäischen Ländern in der Zeit vom 15. bis zum 17. Jahrhundert. In manchen evangelisch gewordenen Territorien verschwanden die Klöster und Stifte im Laufe des 16. Jahrhunderts aus dem ständischen System, in anderen (z. B. Württemberg) nahmen evangelische Prälaten die Rechte ihrer katholischen Vorgänger wahr.
Der Begriff „Kaste“ wird in erster Linie mit einem aus Indien bekannten sozialen Phänomen assoziiert. Der soziologische Bezug wird durch die lebenspraktischen Auswirkungen auf formelle Umgangsrestriktionen deutlich. Der Begriff wird aber auch umgangssprachlich oder soziologisch allgemein benutzt und auf einzelne Gruppierungen anderer und sogar moderner Gesellschaften angewandt. Eine bedeutende Rolle beim „Kasten“-Begriff spielt hier seine hohe, da auch religiös verfestigte Starrheit (vgl. Soziale Mobilität“), die noch diejenige der Ständeordnung übertrifft. Doch ist auch hier sozialer Aufstieg möglich (z. B. oft durch Aufspaltung einer Kaste), was in der indischen Soziologie als sanscritization bezeichnet wird.
Auch die Kastenzugehörigkeit des Individuums wird, ähnlich der Ständeordnung durch die Geburt bestimmt, wobei Ein- oder Austritt theoretisch ebenfalls nicht möglich sind (es sei denn, man verließe die hinduistische Religion und werde z. B. Buddhist oder Christ). Die soziale Mobilität innerhalb der Kasten ist tatsächlich jedoch existent. So kann in der Praxis ein Mitglied aus seiner Kaste ausgeschlossen werden, was in etwa der mittelalterlichen Exkommunikation im christlichen Abendland entspricht. Ebenso sinkt ein Mitglied in die Kaste eines niedrigeren Ehepartners ab, und zwar unabhängig davon, ob es sich um den Mann oder die Frau handelt.
Das Kastenwesen ist insbesondere in Indien, auf Ceylon, in Nepal und auf Bali, aber auch bei den kurdischen Jesiden verbreitet. Vorwiegend durch Kasten geprägte Gesellschaften sind zudem bei einigen Stämmen im übertragenen Sinne anzunehmen, in der Neuzeit sonst nicht mehr vorhanden. Doch können auch in nach sozialen Schichten und Funktionen reich untergliederten und sehr durchlässigen (mobilen) Gesellschaften einzelne Gruppierungen dennoch ausgeprägte „Kasten“-Züge aufweisen (z. B. im Klerus, im Offiziersstand, als Kader einer kommunistischen Diktatur). Sie werden dann meistens als andere soziale Muster ausgedeutet.
Aus der Analyse der ökonomischen Verhältnisse wird deutlich, so Marx, dass die Mitglieder der kapitalistischen Gesellschaft, die rechtlich frei sind, jedoch einzig ihre Arbeitskraft zu verkaufen haben, kontradiktorisch andere Interessen haben müssen als diejenigen, die über Produktionsmittel verfügen und Arbeitskräfte einstellen. Die Einen wollen beispielsweise ihre Arbeitskraft möglichst teuer verkaufen und möglichst wenig dafür tun, die anderen die Arbeitskraft billigst einkaufen und möglichst lange und intensiv schaffen lassen. In der Volkswirtschaftslehre ist dies als das sog. „MiniMax-Prinzip“ bekannt, wonach beide Seiten einander ebenfalls kontradiktorisch gegenüber stehen. Dieser grundsätzliche Antagonismus bestehe unabhängig von den Vorstellungen der Menschen über ihre eigene Lage (siehe auch: Warenfetischismus).
Sobald Mitglieder einer Klasse die Gemeinsamkeit ihrer Interessen erkennen und danach zu handeln beginnen, spricht Marx von einem Übergang von der „Klasse an sich“ (d. h. einer Klasse, die nur begrifflich durch die Stellung im Produktionsprozess gekennzeichnet ist) zur „Klasse für sich“, also zu einer Klasse, die sich ihrer selbst bewusst und willens wird, für ihre Interessen gemeinsam zu kämpfen. Bewusst oder unbewusst befänden sich demnach die beiden analytisch bestimmbaren Klassen „Lohnarbeit“ und „Kapital“ in einem permanenten Streit, dem sog. Klassenkampf.
Beachtliche Ansätze, mit Hilfe einer marxistischen „Klassen“-Analyse auch den 'Realsozialismus' des vormaligen Ostblocks zu kritisieren, waren nicht selten (vgl. Milovan Djilas, Rudi Dutschke u. a. m.).
Weber unterscheidet im folgenden drei Formen von Klassen:
Obwohl Macht überall wirkt, führen bei Dahrendorf ihre Antagonismen doch nicht zu einem universalen Bürgerkrieg, da alle sozialen Akteure unterschiedliche soziale Rollen inne haben (vgl. dazu: „homo sociologicus“) und in jeder Rolle in einem anderen Klassen-Antagonismus stehen können. Dies erklärt, warum sie sich ggf. nirgends 100prozentig engagieren, und warum auch ihre Klassengegner innerhalb eines Machtverhältnisses (z. B. im Betrieb) Antagonisten, innerhalb eines anderen (z. B. in der Kirchengemeinde oder Partei) dagegen ihre Machtverbündeten sind, was die Gewaltsamkeit und Intensität sozialer Konflikte mildert.
Innerhalb der einzelnen Klassen unterscheidet Bourdieu - auf einer „horizontalen“ Achse - Klassenfraktionen mit einer je spezifischen Position und symbolischen Auseinandersetzungen im Raum der Lebensstile, etwa das Besitzbürgertum (Unternehmer; an Tradition und Luxus orientiert), die neue Bourgeoisie (leitende Angestellte; an Fortschritt orientiert) und das Bildungsbürgertum (Intellektuelle, Lehrkräfte an Universitäten; an Bohème oder (erzwungener) Askese orientiert). Die einzelnen Klassenfraktionen grenzt Bourdieu an Hand der Struktur ihres gesamten Kapitals gegeneinander ab. Dabei unterscheidet Bourdieu ökonomisches Kapital von kulturellem Kapital, sozialem Kapital und symbolischem Kapital. So ist etwa beim Bildungsbürgertum ein hohes „kulturelles Kapital“, aber nur ein relativ gering ausgeprägtes "ökonomisches Kapital“ vorzufinden. Die verschiedenen Klassenfraktionen werden zum Teil auch als Milieus bezeichnet.
Die Bedingungen der sozialen Lage, also der Verortung im sozialen Raum, determinieren einen jeweils unterschiedlichen „Habitus“, während die Handlungsstrategien einen gewissen individuellen Freiheitsspielraum bieten. Der Habitus prägt den spezifischen Geschmack, aber auch die Praxisformen, also die jeweils ausgeübten und präferierten sozialen Praktiken (d. h.: den Lebensstil). Zugleich ermöglicht der Habitus eine Unterscheidung zwischen der Eigengruppe und Fremdgruppen. Der je nach Klasse und Klassenfraktion unterschiedliche Lebensstil wurde von Bourdieu in einer umfangreichen Untersuchung vor allem der Konsumverhältnisse im Frankreich der 1960er und 1970er Jahre empirisch bestätigt Die feinen Unterschiede.
Eine Weiterentwicklung des bourdieuschen Modells der sozialen Gliederung der Gesellschaft findet sich in der Milieutheorie, wie sie von Michael Vester und anderen verwendet wird.
Die Klassen 1-3 (bourgeoisie, small employers, petty bourgeoisie) dienen dazu, die Unternehmer (Besitzer von Produktionsmitteln) einzuteilen, hierbei gilt:
Arbeitnehmer (Nicht-Besitzer von Produktionsmitteln), werden bei Wright anhand von zwei Merkmalen unterteilt, nach ihren Qualifikationsressourcen (Bildungsabschlüssen) und nach ihren organisatorische Ressourcen (Verfügungsgewalt über Material und Untergebene).
Die einzelnen Schichtungsmerkmale bilden oft konträre (gegensätzliche, aber gestufte) soziale Gegensätze ab (z. B. Einkommen, Bildungsstufen, soziales Ansehen und Lebensstandard, -risiken, -chancen, Zufriedenheit etc.) - man hat mehr oder weniger davon. Teils aber auch werden sie kontradiktorisch aufgefasst (gegensätzliche und dichotomische: Eigentum, Herrschaft) - man hat sie entweder oder hat sie nicht. Moderne Modelle berücksichtigen stärker die gesellschaftliche Mobilität und die sozialen Unterschiede innerhalb gesellschaftlicher Milieus. Die jeweilige Gewichtung dieser einzelnen Merkmale wirft schwierige methodische Fragen auf, wenn man mit einem Modell weniger Schichten auskommen will. Einen Ausweg bilden hier Milieustudien. Ur- und frühgeschichtliche Schichtungsmerkmale (Schönheit, Fertilität, Kraft, Ausdauer, Mut) werden zur Bestimmung der Sozialstruktur gewöhnlich nicht erhoben, erscheinen zur Zeit jedoch insbesondere im westlichen Kulturkreis als zunehmend wichtige und einflussreiche Bestimmungsmerkmale von Prominenz, beispielsweise im show business oder im Sport. Dieser Teil der hegemonialen Schicht bzw. Klasse mit hohem Einkommen, wird mehr und mehr zum Vorbild eines Teils der von Prekarisierung bedrohten Jugend.
In der Soziologie dient das Konzept der „Schicht“ somit der vertikalen Untergliederung der Gesellschaft. Sowohl soziale Tätigkeitsveränderungen innerhalb einer Gruppe als auch Rangunterschiede bzw. Auf- bzw. Abstieg in andere Gruppen können so modelliert werden. Der relativ starre marxistische Klassenbegriff, der sich ausschließlich auf die Stellung im Produktionsprozess bezieht, wurde im 20. Jahrhundert von verschiedenen Soziologen erweitert. Der „Schicht“-Begriff war von vornherein weiter gefasst. Das Schichtmodell geht über die einfache zweipolige Anschauung von ‚oben‘ stehenden „Anführern“, den so genannten Eliten, und der ‚unten‘ positionierten „Masse“, den „Dominierten“ hinaus, denn zwischen diesen beiden Extremen existieren intermediäre Schichten.
Gerade auf diesen Mittelschichten ruht die Stabilität der politischen Ordnung nach Aristoteles. Sie stelle den Großteil der Bevölkerung. Helmut Schelsky hat hier die (umstrittene) Hypothese formuliert, dass moderne Gesellschaften zur „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“ tendieren.
Methodisch hat jede Schichtenanalyse mit dem Problem der „Statusinkonsistenz“ zu kämpfen. Denn nach einem Merkmal kann eine untersuchte Person einer oberen, aber nach einem anderen einer unteren Schicht zugehörig sein. Krasse Beispiele dafür sind im Märchen der Schweinehirt, der die Prinzessin heiratet (Hypogamie) und in der Wirklichkeit der Langzeitarbeitslose als Lottomillionär.
Bei dieser Konzeption wird die Gesellschaft in eine unbestimmte Zahl von sozialen Schichten oder Gruppen eingeteilt, die nach Merkmalen wie Beruf, Bildung, Erziehung, Lebensstandard, Macht, Art der Kleidung, Religion, Rasse, politische Meinung und Organisation definiert werden. Der Begriff ist eng mit den Auffassungen über die soziale Mobilität und die Kriterien der Industriegesellschaft verknüpft.
Die bekanntesten Schichtmodelle für Deutschland sind von Ralf Dahrendorf (1965), Karl Martin Bolte (1967) die „Bolte-Zwiebel“ und Rainer Geißler (1967). Das Modell Geißlers ähnelt dem von Dahrendorf (zu ihm s. u.), wird jedoch dadurch ergänzt, dass es zu dem Dahrendorfschen „Haus“ einen Anbau gibt, in dem spezielle Schichten für Ausländer definiert werden, also horizontal einteilende Schichtungsmerkmale hinzu treten.
Die einfache Dreiteilung in Ober-, Mittel- und Unterschicht wird innerhalb der Soziologie analytisch nur noch selten verwandt.
Dieses Messkriterium hat den Vorteil, dass es für empirische Marktforschung einfach zu operationalisieren ist. Da bei ihm auch die oberste Klasse als „Dienstklasse“ bezeichnet wird, fehlt ihm die, für Massenmärkte unbedeutende Spitzenklasse, die empirisch auch in der Soziologie sehr schwer zu erforschen ist, jedoch in einer umfassenden Sozialstrukturanalyse nie fehlen darf, sehr reiche Selbstständige, Spitzenpolitiker, Kirchenoberhäupter, einige Vertreter der Kultur u. ä., die so genannte Elite. Soziologisch ist das Goldthorpsche Schema daher unvollständig, kann aber je nach Fragestellung ergänzt werden.
Hier sei darüber hinaus auf das ähnlich nach Konsumentengruppierungen operierende Klassenmodell nach Engel, Blackwell und Kollat verwiesen, das auch die Oberschichten berücksichtigt.
Die Verwendung eines modifizierten Goldthorpe-Schemas spielte eine Rolle bei Untersuchungen zum Individualisierungstheorem, denenzufolge der prägende Einfluß der Sozialstruktur auf Problemlagen, Interessen und Verhaltenstendenzen schwindet. Der Soziologe Walter Müller hat dagegen am Beispiel des Wahlverhaltens gezeigt, daß eine Aufspaltung der Dienstklasse in administrative Dienstklasse, soziale Dienste und Experten zu Ergebnissen führt, die diesen Aspekt des Individualisierungstheorems in Zweifel ziehen lassen.
Als Soziales Milieu wird nach Émile Durkheim die soziale Umgebung beschrieben, in der ein Individuum aufwächst und lebt. Durkheim unterscheidet zwischen innerem und äußerem sozialen Milieu. Rainer Lepsius hat den Begriff später aufgegriffen um Wahlverhalten zu erklären, er unterscheidet innerhalb der Weimarer Republik drei große sozial-moralische-Milieus, in welchen die Personen „von der Wiege bis zur Bahre“ umgeben waren, nämlich
In der Lebensstil- und Ungleichheitsforschung wurde in den 1980er Jahren der „Milieu“-Begriff ausdifferenziert und eine Unterscheidung zwischen sozialer Lage, Lebenszielen und Lebensstilen getroffen, die Handlungsmuster zur Erreichung von Lebenszielen beschreiben. Der „Milieu“-Begriff geht davon aus, dass der Lebensstil von Menschen nicht nur auf Grund äußerer Umstände sondern auch von inneren Werthaltungen geprägt wird. Der Begriff soziales Milieu bezieht sich damit auf Gruppen von Individuen mit ähnlichen Lebenszielen und Lebensstilen und umfasst Mentalität und Gesinnung der Personen. Durch die zunehmende Pluralisierung der Gesellschaften und die Individualisierung der Lebensstile wird die vormals enge Verknüpfung zwischen sozialer Lage und Milieus entkoppelt, auch wenn soziale Milieus weiterhin nach Status und Einkommen hierarchisch eingeordnet werden können.
Arbeitsmigranten bringen zuweilen solche Vorstellungen auch in Industriebetriebe ein und übertragen dortige Organisationsstrukturen in die ihrer Kultur spezifischen Strukturen und interpretieren sie auf dieser Grundlage. Dabei beobachten und urteilen sie sehr differenziert, weil dafür ihre mitgebrachten Kategorien durchaus komplex genug erscheinen, wie es beispielsweise Bruce Kapferer bei den Bergarbeitern in Kabwe (Sambia) erforscht hat.
Doch werden dort andere Daten nach anderen Merkmalen, unter anderen rechtlichen Voraussetzungen und für andere Zwecke als die der soziologische Analyse erhoben und präsentiert. Im Übrigen siehe dort.
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