Die Sozialpartnerschaft bezeichnet den österreichischen Neo-Korporatismus (siehe auch: Korporatismus). Sie ist ein informelles Modell der politischen Entscheidungsfindung unter Einbeziehung gesellschaftlicher Interessensvertretungen (z.B. Industriellenvereinigungen oder auch Gewerkschaften). Sie dient der außerparlamentarischen Konsensbildung in Bezug auf Wirtschafts- und Sozialthemen. Die beteiligten Interessensvertretungen werden hierbei als Sozialpartner bezeichnet.
In Österreich wird die Sozialpartnerschaft gebildet aus:
Durch den vorparlamentarischen, nicht-öffentlichen Entscheidungsfindungscharakter der Sozialpartnerschaft und des ihr aufgrund der parteipolitischen Färbung der jeweiligen Interessensvertretungen innewohnenden Proporzprinzipes ("the winner does not take it all") wurde diese sowohl vom linken (Grüne, KPÖ - oder auch Schriftsteller wie Robert Menasse) als auch vom rechten politischen Lager (FPÖ - allen voran Jörg Haider) ab Mitte der 80er Jahre vermehrt als undemokratisch und untransparent kritisiert.
Die Kritiker sahen in der Sozialpartnerschft eine Art "Kuhhandel" mit teils undemokratisch gewählten Interessensgruppenvertretern, der den Prozess der politischen Konfrontation abtöte, keine Opposition zulasse und die Diskussion im österreichischen Parlament zu einem konfliktlosen Proformaakt verkommen lassen würde. Schließlich begründete sich die Kritik nicht zuletzt auf die Tatsache, dass das kommunistische, grüne und freiheitliche Lager vom Prozess der Sozialpartnerschaft weitestgehend ausgeschlossen waren und auch noch bis heute sind (die Interessensvertretungen werden von den großen Lagern der Mitte besetzt) - so kam es auch dazu, dass die Sozialpartnerschaft mit der Regierungsbeteiligung der FPÖ massiv an Bedeutung verlor. Es erachten heute immer noch viele Österreicher die Sozialpartnerschaft als positive Institution - trotz ihrer erheblichen Legitimations- und Transparenzdefizite.
Ebenso wird bis heute der Sozialpartnerschaft (vor allem von Seiten der Linken) vorgeworfen, dass sie das Aufkommen einer „Streikkultur“ bzw. eines Streikbewusstseins in Österreich verhindert habe. Der hohe Konsens zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretung und den beiden großen politischen Lagern (SPÖ/ÖVP) habe somit das Klassenkampfbewusstsein untergraben.
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