Soziale Ungleichheit bezeichnet die ungleiche Verteilung materieller und oft auch immaterieller Ressourcen innerhalb der Gesellschaft.
Einschlägig ist hier, dass Knappheit als zentrale Kategorie der Soziologie von Bálint Balla erarbeitet wurde. Alle Individuen und Gruppen einer Gesellschaft unterscheiden sich auf die eine oder andere Weise von einander. Diese Unterschiede nannte Rousseau die "natürlichen Unterschiede". Diese Unterschiede sind zu einem großen Teil ebenfalls gesellschaftlich bedingt, respektive vom entsprechenden Milieu beeinflusst. Und sie können zur Entstehung respektive Erhaltung von sozialen Ungleichheiten beitragen.
Soziale Unterschiede sind jedoch, für sich alleine gesehen, nichts Negatives. Problematisch werden sie erst dann, wenn eine (moralische, wirtschaftliche, etc.) Kategorisierung und Klassifizierung stattfindet, d.h. die Unterschiede auf einer bestimmten "Werteskala" angeordnet werden. Dieses distinkte Handeln der Abwertung aufgrund sozialer Unterschiede wird auch als Klassismus bezeichnet und verurteilt.
In den aktuellen politischen Diskussionen wird "in rechtfertigender Absicht (...) vermehrt die „positive Funktion” von Reichtum und sozialer Ungleichheit ins Feld geführt. Diese wird jedoch meist nur behauptet. Die Behauptungen stützen sich dabei auf die Aussage, dass völlige soziale Gleichstellung die Anreize zur persönlichen Leistungssteigerung neutralisieren. Extrempunkt der sozialen Gleichheit wäre der Kommunismus.
Die gesamtwirtschaftlichen Effekte ungleicher Verteilungen sind in den Wirtschaftswissenschaften umstritten. Aus neoliberaler Sicht folgen die anhaltende Massenarbeitslosigkeit und die Wachstumsschwäche aus einer zu geringen Einkommensdifferenzierung; Keynesianer identifizieren die zu geringe Binnennachfrage, die wiederum aus der zunehmenden einseitigen Einkommens- und Vermögenskonzentration auf die oberen Einkommensklassen resultiert, als Hauptgrund für die wirtschaftlichen Probleme. Die neoliberale Sicht fordert mit Blick auf die gesamtwirtschaftlichen Folgen allerdings eine Zunahme der (besonders Einkommens-)Ungleichheit ("Ungleichheit als Arbeitsanreiz"). (...)
Die beschäftigungspolitischen Effekte von sozialer Ungleichheit sind (...) umstritten. (...) Die Empirie weist recht eindeutig auf keinen positiven Effekt von mehr Ungleichheit auf die Beschäftigtenstruktur hin. Seit Anfang der 1980er Jahre hat eine Politik in Deutschland, die eine stärkere soziale Ungleichheit verfolgte und in dieser Hinsicht auch erfolgreich war, bekanntlich nicht zu einer Verbesserung der Situation auf dem Arbeitsmarkt geführt. Auch international herrscht in Ländern mit niedrigen Lohn-, Steuer- und Sozialniveaus, in denen die soziale Ungleichheit entsprechend groß ist, keineswegs Vollbeschäftigung. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) untersuchte für verschiedene Länder und den Zeitraum von 1990 bis 1994 Beschäftigungsentwicklung sowie Arbeitslosenquote auf der einen und die Entwicklung der Einkommensverteilung auf der anderen Seite. Zwischen diesen Größen ließ sich keine signifikante Beziehung feststellen. ..."
(dieser Absatz gekürzt aus: "Reichtum und Armut als Herausforderung für kirchliches Handeln", hrsg. von der Werkstatt Ökonomie im Auftrag von und in Kooperation mit verschiedenen evangelischen Kirchen und Einrichtungen, Oktober 2002, besonders Kapitel 5) "Öffentliche Armut, soziale Gerechtigkeit und Grenzen der Ungleichheit". PDF-Datei (166 KB)
Sozialethik | Politisches Schlagwort | Sozialstruktur
Economic inequality | Inégalités de revenu dans le monde | Socialinė nelygybė | 社会不平等
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