Der Begriff soziale Gruppe bezeichnet eine Sammlung von mindestens drei Personen (umstritten, auch "zwei" wird genannt), die in einer unmittelbaren Beziehung zueinander stehen. Der Begriff "soziale Gruppe" grenzt sich (was die Dreizahl der Mitglieder angeht) von der Zweierbeziehung (Dyade) ab, die noch einmal gesondert betrachtet werden kann, sowie von einer Organisation, einer Sozialform, die eine sehr große Ausdehnung in Bezug auf Mitgliederzahl, sowie in Hinsicht auf eine komplexe Sozialstruktur haben kann (gelegentlich als formelle Gruppe bezeichnet). Die unten genannten Merkmale der Gruppe gelten hier nicht, da es oft eine anonyme Struktur gibt, formalisierte, anonyme Begegnungen u.a.
Damit die erste Bedingung erfüllt sein kann, muss diese Gruppe zumindest in der Vorstellung eines Akteurs existieren. Sie wirkt dann als seine "Bezugsgruppe", obwohl sie z.B. nicht nur aus lebenden Akteuren bestehen muss (z.B. "meine Sippe") oder nichts davon weiß, dass sie als Bezugsgruppe wirkt (z.B. "alle Menschen mit Selbstachtung").
Um die Gruppenzugehörigkeit überhaupt dementieren zu können, muss darüber hinaus eine "Gruppe" so etwas wie eine Gruppenidentität (Wir-Gefühl) entwickelt haben. (Vgl. auch: Eigengruppe.)
Das Wir-Gefühl ist ein wesentlicher, konstituierender Ausgangsfaktor für den Erhalt und Bestand von Gruppen, denn dieses "Gruppengefühl" gründet in den Gefühlen von Zugehörigkeit und Zusammengehörigkeit. Unmittelbare Interaktion eines Mitgliedes mit jedem anderen, Vertrautheit und Intimität, gehören ebenso zu den Qualitäten der Gruppe.
Eine gängige sozialpsychologische Definition ist die von Tajfel und Turner (1986, The social identity theory of intergroup behavior): Sie definieren eine (soziale) Gruppe als eine Ansammlung von Individuen, die sich selber als Mitglieder derselben sozialen Kategorie wahrnehmen, die ein gewisses Maß an emotionaler Bindung an diese Kategorie aufweisen und die einen gewissen sozialen Konsens über die Beurteilung und ihre Mitgliedschaft in dieser Gruppe aufweisen.
Aufschlussreich sind bei der Untersuchung der Struktur zunächst die verschiedenen sozialen Rollen und Positionen (Status) in Hinblick auf die Verteilung von Macht, Kompetenz, Einfluss, Autorität oder anderer signifikanter Sozialressourcen. Wie auch der Blick auf Unterwerfung oder Anpassung als spezifische Verhaltensweisen, aus denen sich möglicherweise eine Hierarchie oder eine andere spezifische Struktur ergibt.
Ein weiterer wesentlicher Faktor ist das Innen-Außen-Verhältnis der Gruppe. Wie definiert sie sich nach innen als Gemeinschaft, z.B. über Inhalte, Gefühle, Rituale, Werte. Daraus folgt die Frage, wie sich die Gruppe überhaupt vom Umfeld, von anderen Gruppen (vgl. Fremdgruppe) oder der Gesellschaft, abgrenzt. Die mehr oder weniger klar definierte Art und Weise dieser Grenze stellt einen determinierenden Analysefaktor dar.
Empirische Beispiele:
Gruppen, Verhaltensweisen zwischen Gruppen (Intergruppenverhalten) und Verhaltensweisen von Individuen innerhalb von Gruppen (Intragruppenverhalten) sind der primäre Forschungsgegenstand der Sozialpsychologie und spielen auch in der Soziologie eine Rolle, sowie, bezogen auf Gruppen in Organisationen, in der Organisationspsychologie.
SADER, Manfred (1996): Die Psychologie der Gruppe. Juventa Verlag
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