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Die Sowjetische Marine (auf Russisch: Военно Морскоий Флот СССР; Wojenno morskoij flot SSSR, wörtlich: "Kriegsmarineflotte der UdSSR") war der marine Arm der sowjetischen Streitkräfte. Die oft als Rote Flotte oder Seekriegsflotte (SKF) bezeichnete sowjetische Marine hätte in einem Krieg des Warschauer Vertrages gegen die NATO die Aufgabe gehabt, amerikanische Truppentransporte über den Atlantik als Verstärkung des westeuropäischen Kriegsschauplatzes aufzuhalten. Solch ein Konflikt entstand nie, aber die sowjetische Marine operierte während des Kalten Krieges trotzdem weltweit. Die sowjetische Marine war unterteilt in mehrere Hauptflotten: die Nordflotte, die Pazifische Flotte, die Schwarzmeerflotte und die Baltische Flotte. Die Kaspische Flottille war eine halbunabhängige Formation, die administrativ unter dem Kommando der Schwarzmeerflotte stand, während das Indische Geschwader unter dem der Pazifischen Flotte stand und von dort auch seine Einheiten bezog. Andere Teile schlossen die Marinefliegertruppe, Marineinfanterie und die Küstenartillerie ein. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde die sowjetische Marine als russische Marine reformiert.
Die Russen hatten keine starke maritime Tradition, zumindest nicht im selben Sinne wie andere europäische Mächte wie die Briten oder die Franzosen. Besonders aufgrund ihrer geographischen Lage hatte Russland nicht denselben Zugang zur Hochsee, der zudem noch oft saisonbedingt von Eis blockiert wurde. Dazu kam, dass Russlands Größe und zentrale Lage in Eurasien Überlandhandel erlaubte, der somit die Notwendigkeit einer Marine zum Schutz des Überseehandels negierte.
Die Sowjetische Marine, wenn als " Rote Arbeiter-und-Bauern-Flotte" (russisch: "Рабоче-Крестьянский Красний Флот" (РККФ) oder Rabotschje-Krest'janskij Krasnij Flot, RKKF) bezeichnet, existierte in der Zwischenkriegszeit in einem Status des Verfalls. Sie besaß ein paar veraltete Schlachtschiffe, aber keine Flugzeugträger. Da die Aufmerksamkeit des Staates größtenteils nach innen gerichtet war, sah die Marine keinen Sinn in Wartung oder Ausbildung. Ein sprechendes Zeichen für das wahrgenommene mangelhafte Drohpotential der Marine war, dass die Sowjetunion nicht eingeladen wurden, am Washingtoner Marineabkommen teilzunehmen, das Größe und Kapazitäten der mächtigsten Seestreitkräfte beschränken sollte.
Als Adolf Hitler das Unternehmen Barbarossa 1941 startete, begannen die Armeeführung der Sowjetunion zu erkennen, dass eine Marine doch wichtiger war. Große Teile der sowjetischen Marine im II. Weltkrieg bestanden aus Ex-US-Navy-Leih-und-Pacht-Zerstörern. Sie waren in der Verteidigung von Konvois gegen U-Boote der Kriegsmarine ein gefährlicher Gegner. Unglücklicherweise für die Rote Armee war ein Großteil ihrer Flotte in der Ostsee durch finnische und deutsche Minenfelder in Leningrad und Kronstadt 1941-1944 eingeschlossen und wurde von Minen und durch Luftangriffe stark verstümmelt. Einige Einheiten überlebten im Schwarzen Meer, wo sie an der Verteidigung Sewastopols während der Belagerung teilnahmen.
Die Sowjetische Marine beeilte sich, ihre Überwasserflotte mit Raketen verschiedener Arten auszustatten. Tatsächlich wurde es ein Markenzeichen sowjetischen Designs, auf relativ kleinen Schiffen - und schnellen Raketenbooten - gigantische Raketen zu stationieren, während im Westen ein solcher Zug taktisch nicht für durchführbar gehalten wurde. Trotzdem besaß die Sowjetische Marine auch einige sehr große Lenkwaffenkreuzer mit gewaltiger Feuerkraft, wie die Atomkreuzer der Kirow-Klasse und die konventionell getriebenen Kreuzer der Slava-Klasse, die aus der Kirow-Klasse abgeleitet sind.
1968 und 1969 erschienen die sowjetischen Hubschrauberträger Moskwa und Leningrad, gefolgt von dem ersten von vier Flugzeugträgern der Kiew-Klasse 1973. Die sowjetische Armeeführung versuchte mit den großen amerikanischen Superflugzeugträgern mitzuhalten, indem sie das Projekt OREL erstellten, aber dies wurde aufgrund veränderter Prioritäten noch am Zeichenbrett gestrichen. In den Achtzigerjahren erwarb die Sowjetische Marine ihren ersten echten Flugzeugträger, die Tbilisi, (später in Admiral Kusnezow umbenannt). Als weiteres Anzeichen des Wunsches der sowjetischen Marine nach Einzigartigkeit, besaßen die Kiew-Klasse und die Admiral Kusnezow zusätzlich ihre eigenen Offensivraketen. In der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre versuchte die Sowjetunion wieder, einen Superflugzeugträger zu bauen, die Uljanowsk. Das Schiff war fast fertig als das Ende des Kalten Krieges kam und wurde daraufhin verschrottet.
Trotz dieser Erfolge besaß die sowjetische Marine nie wie die US-Navy eine große Flugzeugträgerflotte, wohingegen sie als einzige eine große Anzahl strategischer Bomber der Aviatsija Vojenno-Morskogo Flota (AV-MF) in einer maritimen Rolle einsetzte. Die Tupolev-Bomber wie die Tu-16 'Dachs' und die Tu-22M waren mit Hochgeschwindigkeits-Antischiffsraketen ausgerüstet. Die Hauptrolle dieser Flugzeuge war es, die NATO-Versorgungskonvois, die im Rahmen der Operation REFORGER von Nordamerika nach Europa fuhren, abzufangen.
Die große sowjetische Flotte an Angriffs-U-Booten hatte dieselbe Funktion, aber zielte auch gegen die amerikanischen Flugzeugträgerschlachtgruppen. Zusätzlich besaß die Sowjetische Marine auch zahlreiche Lenkwaffen-U-Boote wie die Oscar-Klasse und eine Vielzahl von U-Booten mit ballistischen Raketen, darunter die größten U-Boote der Welt, die Typhoon-Klasse.
Die Sowjetische Marine stieß beim Betrieb auf Sicherheitsprobleme, besonders bei nuklear betriebenen Schiffen, die mit dem ersten Atom-U-Boot, der K-3 und der durch dieses Boot begründeten November-Klasse ihren Ausgang nahmen. Sie hatte während des Kalten Krieges mehrere Zwischenfälle bei ihren Atom-U-Booten. Darunter waren bekannte wie der der K-219 und der der Komsomolez, die durch Feuer verlorengingen, aber auch unheilvollere wie der der K-19, bei dem ein nukleares Leck auftrat, woran mehrere Crew-Mitglieder starben (siehe auch: K-19_%E2%80%93_Showdown_in_der_Tiefe). Unzulängliche sowjetische Atom-Sicherheit und Schadenskontrolltechniken waren normalerweise daran schuld. Die sowjetische Seite gab dagegen häufig Kollisionen mit US-Unterseebooten die Schuld; Behauptungen, die möglicherweise einen wahren Kern enthalten. Dies wird wohl unklar bleiben, da die US-Navy über Unfälle nicht spricht, solange sie nicht in Todesfällen oder nuklearen Zwischenfällen resultieren. Trotzdem waren beim Ende des Kalten Krieges 1991 noch immer viele U-Boote der ersten Generation im Dienst der sowjetischen Marine. Ursache dafür war, dass die sowjetischen U-Boote eine geringere Zielpräzision ihrer Raketen hatten und zudem bemerkt worden war, dass viele von ihnen von leiseren westlichen Angriffs-U-Booten beschattet wurden, die sie zu einem frühen Zeitpunkt eines möglichen Konflikts ausgeschaltet hätten. Dies zwang die sowjetische Armeeführung an der Philosophie einer "Sicherheit durch Anzahl" festzuhalten.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion verschwand die sowjetische Marine wieder in der Bedeutungslosigkeit und wurde zwischen mehreren Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetrepubliken verteilt. Vor allem die Schwarzmeerflotte verbrachte mehrere Jahre in einem unklaren Zustand, bevor zwischen Russland und der Ukraine ein Abkommen getroffen werden konnte.
Für mehr Information zur Geschichte nach 1991 siehe Russische Marine.
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