Soulmusik oder einfach Soul bezeichnet eine Hauptströmung der afroamerikanischen Unterhaltungsmusik.
Die Musikrichtung entwickelte sich Ende der 50er Jahre aus Rhythm'n'Blues und Gospel. In den 60er Jahren war Soul fast das Synonym für schwarze Popmusik. Eng verknüpft ist die Geschichte dieser Stilrichtung mit dem Kampf der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gegen Rassentrennung und für Gleichberechtigung.
Soulmusik hat ein breites Spektrum an Ausprägungen. Es gibt beispielsweise langsame balladenartige Liebeslieder (beispielsweise "When A Man Loves A Woman" von Percy Sledge), anheizende schnelle Stücke wie "Respect" (ein Hit von Aretha Franklin) sowie weitere Richtungen. Allgemein wird Soulmusik nach den Anteilen ihrer Gospel-Klänge, der Hervorhebung der Sänger und der Verbindung ihrer religiösen und weltlichen Züge unterschieden. Gesang oder Instrumentalsoli werden in der Regel voluminös bis expressiv dargeboten. Im kommerziellen Neo Soul entsteht ein Spannungsfeld durch die Gegenpole von Spontanität, Freiheit und Kreativität des Jazz zum kommerziellem Anpassungsdruck und zur Trendhaftigkeit des Pop. Ebenso durch die Härte, Geradlinigkeit und Kompromisslosigkeit des Rock, die der Sentimentalität, Melodramatik und Zartheit des Chanson bzw. des Easy Listening gegenübersteht.
Die Soulwelle der 60er Jahre fasste bereits bestehende Tendenzen innerhalb der schwarzen Musik zu einem kraftvollen, großen Strom zusammen. Musikalisch griff sie die Impulse diverser Gospel-orientierter Gesangsgruppen auf. Die neu entstehende Soulmusik kombinierte typische Gospel-Elemente wie die Gefühlsintensität des Vortrags (das sogenannte Shouting), die auf dem Call and response-Prinzip basierende Songstruktur sowie das den Takt unterstreichende, rhythmische Händeklatschen mit der musikalischen Energie und der Bandstruktur des Rhythm'n'Blues. Stilistisch markierte der Soul einen deutlichen Bruch mit der schnellen und rhythmusbetonten, jedoch ohne Anspruch auf Tiefgang daherkommenden Rhythm'n'Blues-Unterhaltungsmusik, wie sie sich seit dem Zweiten Weltkrieg etabliert hatte. Die Wiederaneignung der aus dem Süden stammenden Gospel-Tradition ging jedoch einher mit weltlichen Texten. Anstatt der im Rhythm'n'Blues gängigen Grobschlächtigkeit propagierte Soul neue Werte wie Mode und Eleganz. Nicht zuletzt betonte er auch eine andere Sichtweise des Verhältnisses der Geschlechter: War im Rhythm'n'Blues das Verhältnis zwischen Frau und Mann oft auf das Sexuelle sowie den gegenseitigen Nutzwert reduziert, thematisierten eine Reihe von Soul-Texten auch spirituelle Aspekte wie Verantwortung und Zuneigung. Verglichen mit der Rock'n'Roll-Dekade der Fünfziger, präsentierte der Soul oft ein geradezu ein realistisches und erwachsenes Bild der Geschlechterverhältnisse. Obwohl sich die Sänger und Sängerinnen dabei teilweise bis in ihr Innerstes offenbarten, blieb der Vortrag trotz allen Temperaments stets kontrolliert und unterwarf sich der Dramaturgie des jeweiligen Stücks.
Eng verknüpft war der Erfolg der neuen Musikrichtung mit den Erfolgen und Rückschlägen der Bürgerrechtsbewegung. Manifest wurde deren Bedeutung durch den Marsch auf Washington am 28. August 1963, an dem rund 250.000 Menschen teilnahmen. Die von der Bürgerrechtsbewegung langfristig anvisierte Integration der Farbigen in die weiße Mehrheitsgesellschaft drückte sich in der neuen Musikrichtung sehr unmittelbar aus. Als Blütezeit des Souls gilt nicht umsonst die Ära der Freedom Rider, deren Zivilcourage die Abschaffung der Rassentrennungsgesetze nicht unmaßgeblich mitbewirkte. Soul brachte das erstarkende schwarze Selbstbewusstsein in Schlüssel-Songs zum Ausdruck wie "Say It Loud – I'm Black And I'm Proud" von James Brown (1968) und "Respect" von Aretha Franklin (1967). Von der Bedeutung der Musik für das neue Selbstverständnis kündeten schließlich auch neue Begriffe aus der Alltagssprache wie "Soulbrother" und "Soulsister".
Stilistisch lassen sich im Sechzigerjahre-Soul zwei Hauptstränge ausmachen. Eine – der sogenannte Southern Soul – offerierte eine rauere, ungeschminktere Version und wird vor allem mit den Produktionen der beiden Labels Atlantic Records (New York) und Stax (Memphis) assoziiert. Die zweite Richtung, die sich vor allem um das Detroiter Label Motown gruppierte und gelegentlich auch als Northern Soul bezeichnet wird, favorisierte hingegen eine möglichst mainstreamtaugliche schwarze Unterhaltungsmusik und erzielte mit dieser zeitweilig immense Erfolge im weißen Massenmarkt. Eine zweite Soulwelle Anfang der Siebziger Jahre, ausgelöst durch die Produktionen des Labels Philadelphia International Records und bekannt geworden unter dem Etikett Philly Sound, baute ebenfalls auf dieses Grundkonzept.
Obwohl nachfolgende Stilrichtungen in den Siebzigern und Achtzigern den Soul in den Hintergrund drängten, gilt er bis heute als das große Bindeglied zwischen dem Rock'n'Roll, Blues und Rhythm'n'Blues der Fünfziger und dem Funk sowie der Disko-Musik der Siebziger. Auch die Hip-Hop-Welle konnte Soul relativ unbeschadet überstehen. Immer wieder recycelt und neu aufgelegt, gilt er bis heute als die beständige Pop-Hauptströmung der schwarzen Musik schlechthin.
Flankiert wurden die Veränderungen in der schwarzen Unterhaltungsmusik durch eine vom avantgardistischen Jazz her kommende Richtung. Diese beeinflusste den Hauptstrang der Unterhaltungsmusik zwar nur mittelbar, brachte allerdings gleichfalls ein Bedürfnis nach Veränderung zum Ausdruck. Ein markantes Signal war die Entwicklung hin zum Hard Bop: Eine Gruppe hochkarätiger Instrumentalisten (Cannonball Adderley, Horace Silver und Charles Mingus) entschloss sich, die von ihnen als artifiziell angesehene Weiterentwicklung des Bebop zum Cool Jazz nicht mitzuvollziehen und näherte sich stattdessen der aktuellen Rhythm'n'Blues-Musik an. Sie integrierte den Funk-Rhythmus sowie den akzentuierten, rhythmusbetonten Bläser-Stil der Unterhaltungsbands in ihre Musik und schuf so einen neuen, bald als Hard Bop bezeichneten Jazz-Stil.
Ausgelöst wurde der Soul so letztendlich von einer Reihe übergreifender stilistischer Gemeinsamkeiten. Gebündelt präsent waren diese bei einem Label, welches die Entwicklung der Rhythm'n'Blues-Szene bereits seit den späten Vierzigern begleitet hatte: Atlantic Records in New York.
Insbesondere Solomon Burke konnte die Lücke, die durch den Weggang von Ray Charles 1960 entstanden war, nachhaltig füllen. Burkes Hitserie begann 1961 mit "Just Out Of Reach". Mitte der Sechziger erlebte er den Höhepunkt seiner Popularität und schrieb mit dem Stück "Everybody Needs Somebody To Love" einen Klassiker des Sixties-Soul. Burke galt zeitweilig als der "King of Rock'n'Soul", wurde später allerdings von dem noch temperamentvoller auftretenden James Brown in den Hintergrund gestellt. Als weitere Kassenschlager erwiesen sich für Atlantic Records zwei weitere Neuzugänge: Der gebürtige Detroiter Wilson Pickett ("In The Midnight Hour", "Land Of The 1000 Dances") war Mitte der Sechziger ebenfalls einer der gefragtesten Soulsänger. Zum überragenden Star von Atlantic Records wurde allerdings Aretha Franklin, die erst recht spät, 1967, unter Vertrag genommen wurde. Karrieretechnisch hatte die Tochter eines Baptistenpredigers aus Tennessee bereits einen steinigen Weg hinter sich. Ihr ausdrucksstarker Gesang sowie ihre Inbrunst machten jedoch Titel wie "Respect" (1967) zu Hymnen des Soul – und ihre Sängerin zu einer Ikone der Bewegung.
Stilistisch war der Atlantic-Sound überdurchschnittlich stark "Gospel-lastig". Eine Reihe von Atlantic-Aufnahmen entstanden in Zusammenarbeit mit der firmeneigenen Studioband um den Saxophonisten King Curtis; gelegentlich wird der Atlantic-Sound darum auch als Uptown Soul bezeichnet. Da die New Yorker Firma jedoch eng mit den Studios und Labels aus dem Süden kooperierte, subsumieren Soul-Insider den Atlantic-Sound in der Regel unter den Memphis Soul bzw. den Southern Soul.
Stark dem Idealbild der Rassenintegration entsprach insbesondere das Stax-Label in Memphis. Gegründet hatte es 1958 der ehemalige Bankangestellte und Country-Amateurmusiker Jim Stewart. Den typischen Stax-Sound erzeugte die aus zwei Schwarzen und zwei Weißen bestehende Studioband Booker T. & the MG's. Kreative Mittelpunkte des Labels waren ab 1962 Songschreiber und Produzent Isaac Hayes sowie der Sänger Otis Redding, von dem auch die Originalversion des Aretha Franklin-Welterfolgs "Respect" stammte. Mit Hits wie "I've Been Loving You Too Young" (1965) und "Sittin' On The Dock Of The Bay" (1967) avancierte der 1967 tödlich verunglückte Sänger zum wichtigsten Star der Firma. Erfolgreiche Künstler des Labels waren neben Redding Joe Tex, Rufus Thomas und Carla Thomas, das Duo Sam & Dave, Eddie Floyd sowie die Staple Singers.
Stilistisch zeichneten sich die Stax-Produktionen durch einen recht einfach gehaltenen, ursprünglichen Sound aus. Typisch für den Stax-Sound war der orgelähnliche Einsatz der Bläser. Der Gesang hielt sich im Wesentlichen im Rahmen der Gospeltradition; auf nachträgliches Abmischen wurde meist ganz verzichtet. Zeitweilig profitieren konnte das Independent-Label von einem Vertriebsabkommen mit Atlantic Records. Inspirierend wirkte die entspannt-kreative Atmosphäre der Stax-Studios in den Sechzigern auch auf einige Interpreten des sogenannten Blue Eyed Soul: Die hier aufgenommenen Platten von Elvis Presley, Neil Diamond und Dusty Springfield werden von Musikkritikern immer wieder als herausragende Meilensteine der jeweiligen Künstler aufgeführt.
Zweite relevante Produktionsstätte des Southern Soul waren die Muscle Shoals-Studios von Rick Hall in Alabama. Neben Aufnahmen von Tommy Roe, Ray Stevens sowie dem Atlantic-Star Wilson Pickett entstand in den Muscle Shoals-Studios auch einer der Welthits der Soul Music: "When A Man Loves A Woman" von Percy Sledge. Als weiteres wichtiges Southern Soul-Label zu erwähnen ist schließlich noch die von Quinton Claunch gegründete Firma Goldwax. Bedeutendster Künstler von Goldwax war James Carr, dessen Stück "The Dark End Of The Street" von 1967 ebenfalls zu den Hitparadenerfolgen der Southern Soul-Richtung zählt.
Anders als die auf Feeling und Inspiration vertrauenden Kollegen in den Stax-Studios legte Motown Wert auf äußerste Perfektion sowie musikalischen Glattschliff. Typisch für Motown-Produktionen wurden Hits, die ins Ohr gingen und deren Schema im Wesentlichen aus einer möglichst intensiven Wiederholung von Schlüsselmelodie und Refrain bestand. Die Texte der Motown-Veröffentlichungen waren eher oberflächlich gehalten. Sie orientierten sich ebenfalls vorwiegend an den Bedürfnissen des weißen Popmarkts. Dort war das Detroiter Label zeitweilig immens erfolgreich: Im Jahr 1966 gelang 75 Prozent aller Motown-Singles der Durchbruch in die Top 100 der US-amerikanischen Charts. Aufgrund ihres Erfolgs bekam die Firma den Beinamen "Hitsville, USA". Für Anerkennung in der schwarzen Community sorgte schließlich die Tatsache, dass das Label das größte Medienunternehmen im Besitz von Schwarzen war.
Im Verlauf der Jahre kamen immer häufiger Streicher bei den Einspielungen zum Zuge. Gordy versuchte zudem, seine Künstler auch in den großen Club-Shows in Las Vegas und am Broadway unterzukriegen. Mitte der Sechziger Jahre zählte zu dem Detroiter Label die Crème der poptauglichen Soul-Künstler. Den Kontrapunkt zu dem romantischen Smokey Robinson setzten die eher temperamentvollen Temptations. Darüber hinaus standen bei Motown unterschiedliche Sangesgruppen und Einzelkünstler unter Vertrag: Martha Reeves mit ihrer Band Martha & the Vandellas, die Marvelettes, deren Stück "Please Mr. Postman" aus dem Jahr 1961 erfolgreich von den Beatles gecovert wurde, die gospelbeeinflussten Four Tops, Gladys Knight & the Pips, Marvin Gaye ("I Heard It Through The Grapevine"), die Jackson Five als rockige Soulvariante ab 1969, der später in Richtung Funk tendierende Edwin Starr, "Little" Stevie Wonder und last but not least die wohl erfolgreichste Truppe des Labels: die Supremes mit ihrer Leadsängerin Diana Ross.
Ein weiteres wichtiges Zentrum für die Soul-Musik war Chicago. Chicago galt als Hauptstadt des Blues und war bis in die Siebziger eines der bedeutendsten Zentren der schwarzen Musik. Anlaufstellen als Label bot hier die traditionsreiche Firma Chess sowie Okeh, ein Unterlabel des Medienmultis CBS. Mit der bedeutendste Soul-Musiker aus Chicago war Curtis Mayfield. Mit seiner Band Impressions hatte er 1961 einen Hit ("Gipsy Lady"). Im Verlauf seiner Karriere machte er außer als Sänger auch als Songschreiber von sich reden. Seine Stücke "Keep On Pushing" und "We're A Winner" wurden zu Hymnen der Bürgerrechtsbewegung. Anfang der Siebziger gelang dem sanften, religiös motivierten Künstler der Crossover in Richtung Funk mit den Blaxploitation-Soundtrack "Superfly". Weder den beiden Hauptlabels Stax und Motown noch den bisher aufgeführten Richtungen zuschlagen lassen sich einige weitere relevante Künstler. Dies gilt insbesondere für den im Bundesstaat Arkansas geborenen Al Green. Green begann seine Soul-Karriere zwar erst Ende der Sechziger, wurde im Folgejahrzehnt jedoch fast zu einer Gallionsfigur der Soul Music. Eine weitere Künstlerin ist die in Pennsylvania geborene Patti LaBelle, die mit "Lady Marmelade" einen frühen Hit der Disko-Ära kreierte. Als Label aufzuführen ist schließlich auch die renommierte Jazz-Firma Verve. Stilbildend aus wirkten sich dort vor allem die Aufnahmen von Howard Tate aus dem Jahr 1967.
Eine eigene Form des Soul entwickelte sich schließlich in New Orleans. Die Musik der multikulturellen Metropole nahe der Mississippi-Mündung war immer schon mehr funky, relaxter und ausgelassener gewesen als im Rest der Vereinigten Staaten. Als Rhythm'n'Blues-Künstler stilbildend wirkte hier vor allem Fats Domino. In den Sechzigern und Siebzigern produzierte die lokale Szenen-Größe Allen Toussaint einige Soul-Acts. Geprägt wurde der Soul "made in New Orleans" von Künstlern wie Irma Thomas, den Pointer Sisters, den Strokes, Lee Dorsey ("Working At The Coal Mine") sowie, ab den Siebzigern, auch den Neville Brothers.
In Frage gestellt wurde der vorherrschende Einfluss des Soul nicht nur durch das sich abzeichnende Scheitern der Integrationsbemühungen. Neue Strömungen in der Rockmusik wie z. B. Psychedelic wirkten sich ebenfalls verändernd auf die Popmusik der Schwarzen aus. Der durch die Bürgerrechts-, Hippie- und 68er-Bewegung nicht unwesentlich mit angestoßene neue Stellenwert der künstlerischen Freiheit veränderte das Selbstverständnis zahlreicher Soul-Musiker und -Sänger. Die Soul-Musik brachte zwar auch in den Siebzigern sowie den folgenden Dekaden immer wieder bemerkenswerte Künstler, Sub-Stile und Einzel-Einspielungen hervor. Die klassische Phase dieser Musikrichtung war allerdings mit dem Ende der Sechziger unwiderruflich vorbei.
Ausgelöst durch die Entwicklungen der Sechziger, wurde auch die Soulmusik in den Siebzigern immer sozialkritischer. Edwin Starr gelang mit dem Antikriegslied "War" (1970) der Einzug in die Hitparaden. Anders als noch im Jahrzehnt zuvor beeinträchtigten politische Aussagen in den Siebzigern nicht unbedingt die Karriere. Als anspruchsvolle Solokünstler profilieren konnten sich Anfang der Siebziger insbesondere Marvin Gaye und Stevie Wonder. Gaye gelang 1971 mit "What's Going On" ein eindrucksvoller Hit mit schwerem, funkbetontem Balladensound. Einen nachhaltigen Crossover in den weißen Popmarkt schaffte Stevie Wonder. Spätestens seit der Veröffentlichung von "Superstition" im Jahr 1972 galt Wonder als Künstler, der den Spagat zwischen Rock, Soul, Pop und Diskomusik mühelos bewältigte.
Der Haupttrend innerhalb der schwarzen Musik der Siebziger war Funk. Anders als die auf Gospel-Refrains und Popsong-Formate fixierte Soulmusik der Sechziger zelebrierte Funk den reinen Rhythmus. Kennzeichnend für den neuen Sound waren ein treibender Bass, abgehackte Gitarren-Riffs sowie akzentuiert eingesetzte Bläsersätze. Der Gesang erfüllte im Grunde lediglich die Rolle, die Darbietung der Stücke zu moderieren und ihre Wirkung emotional zu steigern. Ausgelöst wurde der Funk-Boom im Wesentlichen von Musikern und Instrumentalisten bereits bestehender Gruppierungen und Studiobands. Die ersten Versuche hin in diese Richtung vollzogen schwarze Formationen im Windschatten von Psychedelic und progressiver Rockmusik. Sly & the Family Stone waren durch das legendäre Woodstock-Festival 1969 bekannt geworden. Eine weitere Band in dieser Richtung waren die kalifornischen War, die sich zeitweilig mit dem britischen Rock-Urgestein Eric Burdon liierten. Stilprägend für den Funk war allerdings der Live-Sound von James Brown, dessen Stück "Sex Machine" aus dem Jahr 1970 die Gattung entscheidend mit begründete. Wichtige Bands des Funk wurden George Clinton mit seinen Bands Parliament und Funkadelic, die aus Chicago stammenden Earth, Wind & Fire, die Ohio Players sowie Kool & the Gang. Eine spezielle Unterrichtung des Funk war schließlich der Funk Jazz, der vor allem im Umfeld einiger Miles Davis-Musiker wie zum Beispiel Herbie Hancock entwickelt wurde. Stilprägend wirkte sich der Funk schließlich auch auf die Ende der Siebziger neu entstehende Rap- und Hip-Hop-Musik aus.
Die Künstler des Labels belegten in der ersten Hälfte der Siebziger zahlreiche Top-Plätze in den Hitparaden. Unter Vertrag standen bei Gamble und Huff die Three Degrees, Harold Melvin & The Blue Notes sowie ihr Leadsänger Teddy Pendergrass und die bereits seit Ende der Fünfziger existierenden O' Jays. Bekannte Hits des Labels wurden "Me And Mrs. Jones" von Billy Paul (1972), "Love Train" von den O'Jays (1971) und "The Love I Lost" von Harold Melvin & the Blue Notes (1974). Gloria Gaynor, bekannt geworden durch ihren Hit "Never Can Say Goodbye" aus dem Jahr 1974, gelang fünf Jahre später der erfolgreiche Brückenschlag zur Disko-Welle mit der inoffiziellen Homosexuellen-Hymne "I Will Survive".
Der zeitweilige Erfolg des Philly Sounds trug zwar nicht unmaßgeblich bei zur Etablierung der Disko-Welle. Selbst profitieren konnte das Label davon jedoch nur wenig. Das angeschlossene Soundstudio Sigma Sound wurde zwar von unterschiedlichen Musikgrößen wie zum Beispiel Barbra Streisand und Lou Rawls genutzt. Bis Anfang der Achtziger sanken jedoch die Marktanteile von Philadelphia International Records rapide. Das auf die Dauer stereotyp klingende Konzept der Firma war ausgereizt; die Zentren des Soul verlagerten und dezentralisierten sich endgültig. Die nachfolgenden Stilrichtungen Funk, Disko, House und Hip-Hop bewirkten auf lange Sicht schließlich auch eine Generationsablösung innerhalb der schwarzen Musik.
Die klassische Soulmusik steckte Anfang der Achtziger in einer schweren Krise. Eine Folge des Hip-Hop war die Spaltung des schwarzen Amerika in zwei unterschiedliche Welten und Wertsysteme. Auch die kommerziellen Zentren der Soul-Musik verlagerten sich. Während Chicago, Memphis und Detroit für Soul-Produktionen nahezu bedeutungslos wurden, sorgten neue Studios und Labels in New York, Philadelphia und Los Angeles für Nachschub auf dem Soul-Markt. Haupttrend war auch hier der Crossover in Richtung Pop. Kurzfristig lebte auch die alte Stilbezeichnung Rhythm'n'Blues neu auf – diesmal als Stilbezeichnung für neuere, tanzbare Soul-Varianten. Als längerlebig erwiesen sich allerdings allgemeinere Begriffe wie Neo Soul oder Urban Soul. Bedeutende Soul-Künstler des neuen, urban ausgerichteten Stils waren Luther Vandross, Freddie Jackson, Shirley Jones, Teena Marie und Anita Baker. Doch auch älteren Soul-Acts wie Gladys Knight & the Pips, Marvin Gaye und Bobby Womack gelang es in dieser Umbruchphase, sich mit neuen Produktionen und Stücken in Erinnerung zu bringen.
Im neuen Jahrtausend hat sich die Soul Music dezentralisiert und internationalisiert. Der Begriff "Soul" kennzeichnet heute nur noch im engeren Sinn die klassische Phase dieser Musikrichtung in den Sechzigern. In der aktuellen Umgangssprache steht er vielmehr übergreifend für eine schwarze Popmusik, die irgendwie "soulfull", also gefühlsbetont daherkommt. Auch die Rassengrenzen sind heute weniger bedeutend als früher. Obwohl Soul nach wie vor als "schwarze" Musikrichtung gilt, wird sie schon seit langem auch von nichtschwarzen Künstlern und Nachwuchs-Interpreten adaptiert.
In den Siebzigern gründeten sich auf der Insel zahlreiche Soul- und Funkgruppen. Obwohl sie teilweise oder gar gänzlich aus weißen Bandmitgliedern bestanden, gelang es ihnen, musikalisch auch über die Landesgrenzen hinaus Furore zu machen. Beispiele für britische Soul Acts in den Siebzigern sind die 1972 in Schottland gegründete, aus Weißen bestehende Average White Band, die gemischtrassige Formation Hot Chocolate, die im Zuge der Disko-Welle größeren Erfolg hatte sowie die Funk-Gruppe Heatwave. Unter den Sängern ist vor allem Billy Ocean hervorzuheben. Er stammte aus Trinidad; seine Single "Love Really Hurts Without You" erreichte 1976 Platz 2 der britischen Charts. Eddy Grant hatte bereits in den Sechzigern als Mitbegründer der Bubblegum-Gruppe Equals von sich reden gemacht. In den Siebzigern startete er eine Karriere als Solosänger und erzielte 1979 einen Hit mit dem Song "Living On The Frontline". Furore machte der Soul-Ableger auf den britischen Inseln schließlich auch im Kino. Das typische Milieu einer irischen Soul-Nachwuchsformation schildert der Film "The Commitments" aus dem Jahr 1992.
In den Achtzigern wurde der britische Soul exklusiver und edler. Für den zeitweiligen Hippness-Faktor sorgten Kreuzungen mit anderen Musikstilen, insbesondere Anleihen bei Disco, House, Jazz, Funk, Reggae, Dub und Hip-Hop. Eine spezielle Abart dieser Richtung firmierte zeitweilig unter der Bezeichnung Acid Jazz. Der Crossover zwischen Pop, Jazz und Soul brachte eine angejazzt-aufgeraute Club-Version des Blue Eyed Soul hervor; die bekanntesten Vertreterinnen dieser Richtung waren Carmel, Sarah Jane Morris sowie die gebürtige Nigerianerin Sade. Funk- bzw. Reggae-orientierte Musik spielten darüber hinaus die beiden Formationen Jamiroquai und Level 42. Auf dem Festland von sich reden machte während der Neunziger schließlich die belgische Band Vaya Con Dios, welche die Traditionslinien Soul, Funk, Rhythm'n'Blues, Sinti-Jazz, Musette und Chanson zu einer ganz eigenen Mischung verarbeitete.
Ein eigenes Phänomen innerhalb der Soul-Musik ist der sogenannte Northern Soul. Obwohl der Begriff gelegentlich auch zur Kennzeichnung der Musik nördlicher US-Labels wie etwa Motown verwandt wird, wurde Northern Soul in Europa vor allem durch die Soul-Begeisterung junger britischer Mods in den Sechziger Jahren bekannt. Kennzeichnend für die kleine, bis heute jedoch in vielen europäischen Ländern aktive Northern Soul-Szene ist das Sammeln und Importieren gut tanzbarer und seltener Soul-Musik. Die auch in Deutschland vertretene Szene trifft sich vor allem bei speziellen Tanzveranstaltungen, die als Allnighter bezeichnetet werden. Ihren Höhepunkt hatte diese Subkultur zwar in den Sechzigern. In den Achziger Jahren wurde sie allerdings reaktiviert und hat bis heute einen überschaubaren, jedoch beständigen Anhängerkreis.
Seit Beginn des neuen Jahrtausends kann man auch in Deutschland von einer eigenständigen Soul-Szene sprechen. Oft sind die Acts aus der seit Anfang der Neunziger recht regen Hip-Hop-Szene hervorgegangen. Ein schwarzer oder zumindest migrantischer Hintergrund sorgt bei vielen Künstlern des deutschen Soul für zusätzliche Authenzität. Als Produzent und Musiker im Mittelpunkt der Szene steht der Frankfurter Moses Pelham, ehemals Mitglied der Hip-Hop-Formation Rödelheim Hartreim Projekt. Als Soul-Künstler aufzuführen sind die aus dem Pelham-Umfeld stammende Sabrina Setlur, der Ex-Security-Mann Aymann, die Sängerin Cassandra Steen, die Formation Glashaus sowie der aus Stuttgart stammende Joy Denalane. Einen nachhaltigen Erfolg auch im Pop-Markt gelang insbesondere dem gebürtigen Mannheimer Xavier Naidoo. Die neben Xavier Naido mit Sicherheit bekannteste Soul-Erscheinung in Deutschland ist Max Mutzke.
Aufzuführen ist schließlich noch eine dritte, von einigen Jazz-Autoren ins Spiel gebrachte Darstellungsweise. Sie beschränkt sich bei der Darstellung des Soul meist auf jene Entwicklungsstränge, die unmittelbar mit der Jazz-Musik in Zusammenhang stehen. Die Tatsache, dass einige Jazz-Autoren den Begriff Soul stark oder sogar ausschließlich für den Jazz vereinnahmten, hat einerseits zu einer gewissen Irritierung bei der Einordnung dieser Stilrichtung geführt. Da diese exklusive Sichtweise in der Pop-Historie jedoch nie Fuß fassen konnte, bildet sie ein eher randständiges Phänomen und spielt bei der historischen Einordnung der Soulmusik der Sechziger und Siebziger kaum noch eine Rolle.
Soul | Soul | Soul music | Soulo | Soul | Soul (musiikki) | Soul music | Soul | Soul | ソウルミュージック | სოული | Soul | Soul | Soul | Soul