Slobodan Milošević * (kyrillisch: Слободан Милошевић, ; * 20. August 1941 in Požarevac, Serbien; † 11. März 2006 in Den Haag-Scheveningen, Niederlande) war ein jugoslawisch-serbischer Politiker. Er war von 1989 bis 1997 Vorsitzender der Kommunistischen Partei Serbiens und Präsident Serbiens, von 1997 bis 5. Oktober 2000 Präsident der Bundesrepublik Jugoslawien. Milošević war der erste Präsident eines Staates, der noch während seiner Amtsausübung von einem Kriegsverbrechertribunal wegen Völkermordes angeklagt wurde. Er verstarb während des Prozesses.
In seinem Bemühen, in seiner Karriere weiter voran zu kommen, mischte er seine bis dahin kommunistische Rhetorik zunehmend mit nationalistischen Thesen. Dies geschah vor dem Hintergrund einer schweren Wirtschaftkrise, in der sich Jugoslawien in den 1980er Jahren auf Grund einer katastrophalen Auslandsverschuldung befand. Dabei hatte das Sanu-Memorandum aus dem Jahr 1986 bedeutenden Einfluss auf die weitere politisch-ideologische Entwicklung Miloševićs.
1989 übernahm er das Präsidentenamt und wurde 1990 bei den ersten freien Wahlen seit dem Zweiten Weltkrieg mit 65 Prozent der Wählerstimmen im Amt bestätigt.
Sein politisches Ziel war nach Meinung seiner Gegner, die Dominanz der Serben in Jugoslawien auszubauen oder sogar ein Großserbien mit ihm als Präsidenten zu schaffen. Eine der ersten Amtshandlungen war das Aufheben der Autonomie für die autonomen Gebiete Kosovo und Vojvodina im Rahmen der „antibürokratischen Revolution“.
Im Jahr 1990 führten die zunehmenden Unabhängigkeitsbestrebungen Kroatiens und Sloweniens zur faktischen Auflösung des BDKJ. Im Juli 1990 fusionierte der Bund der Kommunisten Serbiens, der serbischen Republiksorganisation des BDKJ, mit der Massenorganisation Serbische Allianz zur Sozialistischen Partei Serbiens (SPS), zu deren ersten Vorsitzenden Milošević gewählt wird.
Es gibt Spekulationen darüber, dass die serbische Regierung unter Milošević die militärische Auseinandersetzung 1990, möglicherweise auch schon davor, geplant hat, um einen gemeinsamen großserbischen Staat zu schaffen, wobei es in erster Linie darum ging, Gebiete an Serbien anzugliedern. Allerdings ist diese Ansicht nicht beweisbar, da von den Politikern der Republik Serbische Krajina der gemeinsame Staat mehrfach gefordert, aber von Milošević öffentlich immer wieder abgewiesen wurde.
Am 21. November 1995 unterzeichneten Milošević, der bosnische Präsident Alija Izetbegović und der kroatische Präsident Franjo Tuđman das so genannte Dayton-Abkommen, das den Krieg in der ehemaligen Teilrepublik Bosnien und Herzegowina beendete und das politische System im nunmehr unabhängigen Bosnien und Herzegowina festlegte. Der größte Erfolg der Politik Miloševićs war die Schaffung der Republika Srpska als eigenständige Entität innerhalb dieser Republik.
Im Mai 1998 veranlasste er den Sturz des jugoslawischen Ministerpräsidenten Radoje Kontić aus Montenegro, wodurch sich die Spannungen zwischen der von Milošević beherrschten Bundesregierung und Montenegro erheblich verschärften.
Vom 24. März 1999 bis zum 8. Juni 1999 flogen daraufhin Kampfflugzeuge der NATO insgesamt 31.800 Luftangriffe auf militärische, infrastruktuelle und sogenannte strategische Ziele. Bei diesen Angriffen wurden auch Zivilisten getötet und verwundet, ca. 5.000 Menschen kamen insgesamt ums Leben. Am 10. Juni 1999 zogen sich schließlich auf Anordnung Miloševićs die serbischen Truppen aus dem Kosovo zurück. Die NATO beendete daraufhin das Bombardement.
Milošević wurde nach langanhaltenden Protesten und Massendemonstrationen schließlich am 5. Oktober 2000 durch einen Volksaufstand gestürzt, nachdem er sich nach den Präsidentschaftswahlen vom 24. September 2000 zunächst als Wahlsieger erklärt hatte. Neuer Präsident wurde daraufhin Vojislav Koštunica.
Da eine Milliarden-Aufbauhilfe für Serbien-Montenegro durch eine internationale Geberkonferenz von der Auslieferung des ehemaligen Machthabers abhing, wurde er am 1. April 2001 verhaftet und am 28. Juni nach Den Haag an den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien ausgeliefert.
Die Anklageschrift vom 31. Mai 2002 spricht von einer „kriminellen Vereinigung“ und klagt Milošević an, an der Planung, Anordnung, Durchführung und Unterstützung von Verbrechen an nationalen, religiösen oder ethnischen Gruppen beteiligt gewesen zu sein.
Insgesamt 66 Klagepunkte wurden Milosevic in drei Anklageschriften für die folgenden Handlungen vorgeworfen:
Anklagepunkte Kroatien-Krieg:
Anklagepunkte Bosnien-Krieg: zusätzlich die folgenden Verbrechen:
Anklagepunkte Kosovo-Krieg:
zum Kosovo-Krieg wurden Milošević darüberhinaus die folgenden Verbrechen vorgeworfen
Allen drei Anklageschriften zufolge sei Milošević verantwortlich für:
Die Verhandlung vor dem Tribunal begann im Jahr 2002. Milošević wurde erlaubt, sich selbst zu verteidigen, da er das Gericht nicht als legitim anerkannte. Die Gerichtsverhandlung wurde häufig unterbrochen, weil er das Gericht zeitweilig als geeigneten Ort für politische Reden betrachtete. In diesem aufwendigen Gerichtsverfahren wurden über 400 Zeugen vernommen, 200 Videos und eine enorme Menge an Akten und Dokumenten gesichtet. In Serbien wie auch in den übrigen Republiken des früheren Jugoslawiens wurde die Verhandlung zunächst mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Dabei gab es innerhalb der serbischen Bevölkerung zwischen den Befürwortern und Gegnern seiner Politik deutlich divergierende Bewertungen. Auf Grund der sich über Jahre hinziehenden und sich in juristischen Details verlierenden Verhandlung erlahmte das Interesse aber zusehends. Die Beweisaufnahme war zum Zeitpunkt seines Todes weitgehend abgeschlossen, ein Urteil sollte im Laufe des Jahres 2006 (voraussichtlich im Mai) gefällt werden.
Nach der Beweisaufnahme erschien ein Freispruch Miloševićs als sehr wahrscheinlich, da die angeführten Anklagepunkte nur schwach bis gar nicht bewiesen werden konnten. konkret 4/2005, Artikel: "Klasse Justiz - Die Richter des Haager Jugoslawientribunals mögen nicht mehr hören, was Milosevic zu sagen hat", S. 36fkonkret 8/2005, Artikel: "Schuß aus der Hüfte - Was bleibt von den 'Beweisen', denen zufolge der ehemalige jugoslawische Präsident Milosevic für das Massaker von Srebrenica verantwortlich sein soll?", S. 38fkonkret 4/2006, Artikel: "So ein Schuft! - Slobodan Milosevics Tod kommt vor allem dem Den Haager Tribunal entgegen", S. 35konkret 5/2006, Artikel: "Joint Criminal Enterprise - Wie Milosevic gestorben wurde", S. 28f
Darüberhinaus haben auch die Journalisten Oliver Tolmein, Hermann L. Gremliza, Christian Y. Schmidt, Georg Fülberth, Germinal Civikow und Stefan Frank sowie auch Jürgen Elsässer in der Zeitschrift konkret ab 2000 fortgesetzt über den Kosovokrieg und den Prozess gegen Milošević berichtet, wobei diese der Ansicht waren, dass oft veröffentlichte angebliche Beweise für eine Schuld Miloševićs an vermeintlichen Kriegsverbrechen durch westliche Medien gefälscht worden seienkonkret 5/2005, Artikel: "Film ab! - Die im März 1999 angeblich von Serben vertriebenen Kosovo-Albaner wurden in den Flüchtlingslagern Mazedoniens von westlichen Kamerateams so in Szene gesetzt, wie es die Fernsehanstalten und die kriegführenden Mächte wünschten. Der Prozess gegen Slobodan Milosevic bringt es an den Tag", wozu sowohl auf dahingehende medienrechtliche Gerichtsverfahren in Großbritannienkonkret 5/2000: "Ehre, Euer Ehren - Die Grenzen der Kritik an Kriegsherren und Kriegspropaganda sind eng, wie Gerichtsentscheidungen in Berlin und London zeigen", wie auf fortgesetzte Misserfolge der Anklage im Prozess gegen Milošević hingewiesen wurde (u. a. konkret 4/2005, Artikel: "Klasse Justiz - Die Richter des Haager Jugoslawientribunals mögen nicht mehr hören, was Milosevic zu sagen hat", S. 36fkonkret 8/2005, Artikel: "Schuß aus der Hüfte - Was bleibt von den 'Beweisen', denen zufolge der ehemalige jugoslawische Präsident Milosevic für das Massaker von Srebrenica verantwortlich sein soll?", S. 38fkonkret 4/2006, Artikel: "So ein Schuft! - Slobodan Milosevics Tod kommt vor allem dem Den Haager Tribunal entgegen", S. 35konkret 5/2006, Artikel: "Joint Criminal Enterprise - Wie Milosevic gestorben wurde", S. 28f). Weiterhin sei laut dieser Quellen im Den Haager Verfahren gegen fundamentale Rechtsgrundsätze verstoßen worden. So sei u. a. die Anklage an sich wie auch die zu einzelnen Gesichtspunkten erfolgten Argumentationen der Ankläger zu großen Teilen auf nachgewiesenen Meineiden durch Zeugen der Anklage aufgebaut gewesen, diese Meineide allerdings nicht verfolgt worden, auch seien etwa Tausend von UN-Diplomaten zur Verfügung gestellte, Milošević entlastende bzw. seine Schuld widerlegende Beweismittel vom Gericht mit Verweis auf die Diplomatentätigkeit dieser Zeugen nicht in das Verfahren aufgenommen worden. Bereits im September 2002 sei laut konkret'' die Beweisaufnahme der Anklage gegen Milošević erfolglos beendet worden.
Er wurde am Morgen des 11. März 2006 tot in seiner Zelle im Gefängnis des UN-Kriegsverbrechertribunals im Haager Stadtteil Scheveningen aufgefunden. Eine erste Obduktion der Leiche durch vom Gericht bestellte Gutachter ergab, dass er an einem Herzinfakt verstarb.
Die Untersuchung einer vor seinem Tod vorgenommenen Blutprobe ergab am 12. Januar 2006 Anhaltspunkte für die Einnahme des Antibiotikums Rifampicin (ein Medikament das typischerweise zusammen mit mehreren anderen Medikamenten gegen Lepra und Tuberkulose eingesetzt wird) in seinem Blut. Dieses kann die Wirkung von Medikamenten (darunter auch herzwirksame Mittel) durch Enzyminduktion aufheben oder abschwächen.
Es ist unklar, ob er selbst dieses Mittel nahm, um eine Behandlung in Moskau zu erzwingen oder ob Fremdeinwirkung vorliegt. Eine Laboruntersuchung niederländischer Gerichtsmediziner nach der Obduktion der Leiche ergab keine Anzeichen für eine Vergiftung. Es wurden Spuren der von seinen behandelnden Ärzten verschriebenen Medikamente festgestellt, jedoch nicht in giftiger Konzentration. Rifampicinspuren konnte nicht ermittelt werden. Das Antibiotikum war bei einer früheren Untersuchung im Blut von Milošević entdeckt worden, dieses wird jedoch schnell im Körper abgebaut. Somit können weiterhin weder natürlicher Tod noch Suizid oder Fremdtötung, die ohne Vergiftung jedoch unwahrscheinlicher ist, ausgeschlossen werden.
Jedoch könne nach einer Erklärung des Groninger Toxikologen Donald Uges, der die frühere Blutprobe untersuchte, ein Absetzen von Rifampicin bei gleichzeitiger Gabe blutdrucksenkender Medikamente einen tödlichen Herzinfarkt auslösen. Uges hatte in diesem Zusammenhang den Verdacht geäußert, dass Milošević Medikamente zur Behandlung von Tuberkulose und Lepra in der Absicht eingenommen haben könnte, um die Wirkung der ihm zur Behandlung seines Bluthochdrucks und seiner Herzschwäche gegebenen Mittel herabzusetzen.
Dabei stellt sich aber die Frage, wie er in einem Hochsicherheitsgefängnis an dieses Medikament gekommen sein soll und wie er es unbemerkt einnehmen konnte, obwohl seine Zelle rund um die Uhr videoüberwacht wurde.
Seit seinem Tode sind Verschwörungstheorien entstanden, die sich auf die nachgewiesenen Spuren von Rifampicin in der Vergangenheit stützen und auf Briefe, in denen Milosevic erklärte, man wolle ihn vergiften.
Er hinterlässt seine Ehefrau Mirjana Marković und zwei Kinder (Marko und Marija). Milošević wurde eine Woche nach seinem Tod in seinem Heimatort Požarevac auf dem Anwesen seiner Familie beigesetzt. Das Begräbnis wurde vor 20.000 Trauergästen ohne Beisein seiner Witwe und seines Sohnes vollzogen, da diese aus Angst vor Verhaftung ihr Moskauer Exil nicht verlassen wollten. Stattdessen wurden Abschiedsbriefe seiner Familie verlesen.
Mann | Serbe | Politiker (Serbien) | Geboren 1941 | Gestorben 2006
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