Ein Sklave ist ein Mensch, der seiner persönlichen Freiheit beraubt ist, als Sache behandelt wird und als solche im Eigentum eines anderen steht. Wichtiges Merkmal ist das Festhalten der Person gegen ihren Willen, mittels (physischer oder institutioneller) Gewalt, zum Zweck der wirtschaftlichen Ausbeutung. Offiziell ist die Sklaverei heute in allen Staaten der Welt abgeschafft. Dennoch befinden sich immer noch viele Menschen in einer derartigen Abhängigkeit. Der Handel mit Sklaven wird Sklavenhandel genannt. In verschiedenen Kulturen hatten Sklaven einen je unterschiedlichen Status.
Auch heute noch, selbst in Demokratien mit sozialem Ausgleich, können Menschen in Situationen gelangen, die mit dem Zustand der Versklavung zu vergleichen sind. Ein derartiger Mangel an individueller Freiheit kann zum einen durch Überschuldung und ihre Folgen, zum anderen durch das Fehlen einer Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis entstehen. Nicht zu vernachlässigen ist auch der kriminelle Menschenhandel und das Festhalten von Frauen zur sexuellen Ausbeutung (dazu siehe auch den Artikel Zwangsprostitution).
Schon im frühen - mykenischen und homerischen - Mittelmeerraum war die Sklaverei verbreitet. In mykenischer Zeit finden wir Sklavinnen und Sklaven vor allem als Palastdienerinen und "Sklaven der Götter". Die Palastwirtschaft in Pylos verfügte über fast 2000 unfreie Bedienstete. Sie stammten meist aus Raubzügen oder waren Kinder von Sklavinnen und dienten als Haushaltssklavinnen und in der Textil- und Metallproduktion.
Nach den homerischen Epen (Ilias und Odyssee) wurden Sklaven und Sklavinnen auf Kriegszügen oder von Piraten erbeutet, ggf. weiter verkauft und vererbten diesen Status auf ihre Kinder ("patriarchalische Sklaverei". Sie begegnen zumeist in Haus- und Landarbeit (Ackerbau, Viehzucht), gelegentlich im Waffendienst eingesetzt -siehe auch Sklaverei bei Homer). Mit dem Aufkommen des Handels wurde vielenorts ein System der "Schuldsklaverei" rechtlich verankert - der Gläubiger konnte den Schuldner als Sklaven seine Schuld abarbeiten lassen. In Athen führten Revolten der einfachen Leute gegen diese Praktiken zu der Verfassung des Solon, der in seiner Verfassungsreform einen Schuldenerlass (Seisachteia, "Lastenabschüttelung") verfügte und diese Form der Schuldsklaverei verbot. Viele Sklaven gerieten durch Kriegsgefangenschaft in die Unfreiheit.
Aristoteles sah in seinen Schriften die Sklaverei als von Natur aus gerechtfertigt; Sklave sei, wer "mit den Kräften seines Leibes das so Vorgesehene auszuführen imstande" sei. Dies traf seiner Meinung nach aber nicht auf alle zu, die körperlich geeignet sind, sondern nur auf Nicht-Griechen, so genannte "Barbaren" (Menschen, die nicht Griechisch sprechen). Barbaren sind bei Aristoteles Sklaven von Natur aus. Sie haben nicht nur den Körper, der sie zur Verrichtung der Arbeit prädestiniere, sondern sind nach Aristoteles auch in ihren geistigen Fähigkeiten eingeschränkt, so dass sie von der Sklaverei profitieren, indem ihr Besitzer für sie denkt. Ohne diese aus heutiger Sicht menschenverachtende Denkweise wäre seine Theorie der Polis undenkbar, da sie auf der Muße der Herrschenden, sich mit "höheren" Dingen zu beschäftigen, aufbaut.
Dem widerspricht es nicht, dass auch im jüdischen Volk gewisse Rückfälle in noch inhumanere Verhaltensweisen vorgekommen sind. Auch Sklaverei aus Rache ist dem Judentum bekannt, als ersten Sklaven der Nach-Sintflutlichen Zeit erwähnt die Bibel Kanaan, einen Enkel Noachs: "(...) Verflucht sei Kanaan! Ein Knecht der Knechte sei er seinen Brüdern!" (1. Mose 9,25). Kanaan musste seinen Brüdern dienen, da sein Vater Ham die Blöße seines Vaters erblickte und ihn auf diese Weise entehrte.
Der Sklave (homo servus) hatte nach römischem Recht keine Persönlichkeit und somit auch keine Rechtsfähigkeit. Er war als bloße Sache Gegenstand des Handels, Sklavenkinder waren von Geburt an Sklaven, dem Herrn stand das Recht über Leben und Tod des Sklaven zu. Was der Sklave verdiente, gehörte dem Herrn. Zu den berühmtesten Schriften, welche Sklaverei zum Thema haben, gehören zweifellos Senecas Sklavenbriefe. In diesen spricht er von Menschen (homines), wohingegen Cato maior noch von Dingen (res) sprach. Erst nach und nach entwickelte sich das Pekulienwesen, welches dem Sklaven aus seinem Nebenverdienst den Erwerb eigenen Vermögens (peculium) in beschränkter Weise gestattete und ihm dadurch die Möglichkeit eröffnete, sich loszukaufen. Es gab verschiedene Arten der Freilassung (manumissio) von Sklaven. Möglich waren unter anderem:
In Rom hatten freigelassene Sklaven (libertini) zwar die Bürgerrechte - im Gegensatz zu vielen griechischen Staaten - waren als Klienten aber immer noch von dem Patron, der sie freigelassen hatte, abhängig und beschützt.
In der frühen Kaiserzeit nahm die Zahl der Freilassungen so stark zu, dass Kaiser Augustus Gesetze erließ, die die Freilassung einschränkten (der Sklave musste zum Beispiel mindestens 30 Jahre alt sein, um freigelassen zu werden). Trotzdem stieg die Zahl der Freigelassenen weiter an.
Die Behandlung der Sklaven gab durch Willkür und Grausamkeit wiederholt Anlass zu blutigen Sklavenaufständen und drei Sklavenkriegen. Insbesondere war es der Spartacus-Aufstand (73 bis 71. v. Chr.), der für Rom gefährliche Ausmaße annahm.
Andererseits gab es in der Römischen Rechtsprechung den Begriff des Scheinsklaven (bona fide serviens), eines Freien, der sich als Sklaven ausgibt, um schlechten Lebensumständen oder Militärdienst zu entgehen.
Mit der Erhebung des Christentums zur römischen Staatsreligion traten gewisse Milderungen der Sklaverei ein. Da es Christen nicht erlaubt war, andere Christen zu versklaven, ging die Sklaverei in Mitteleuropa immer mehr zurück. Dafür entwickelte sich ein System der Leibeigenschaft. Leibeigenen Bauern, die von einem Adligen abhingen, war es verboten, ihr Land zu verlassen. Sie waren zu zahlreichen Arbeitsleistungen und hohen Abgaben gegenüber ihrem Herrn verpflichtet.
Auch im angelsächsischen und dem normannischen England des 11. Jahrhunderts gab es neben unfreien Bauern (villani) auch Sklaven (servi, ancillae; thraells im Danelaw). 1086 gab es nach dem (Domesday Book) 28.200 Sklaven. Es scheinen aber nicht alle Sklaven berücksichtigt worden zu sein, die Zahl war vermutlich wesentlich höher. In manchen Grafschaften bildeten die servi bis zu 25% der Bevölkerung. Auch Klöster (etwa Ely Abbey) setzten Sklaven in der Landwirtschaft ein, auf den Gütern der Abtei lebten nach dem Doomesday book 112 unfreie Bauern, 27 Kleinbauern (bordarii) 1 Priester und 16 Sklaven.
Im Spätmittelalter schließlich ging der baltische Sklavenhandel wieder zurück. Die meisten europäischen Völker waren mittlerweile allesamt christlich missioniert und seit der Zeit von Karl dem Großen war es Christen ausdrücklich verboten, andere Christen als Sklaven zu verkaufen oder zu erwerben, eine Regelung, die jedoch oft missachtet wurde. Im Mittelmeerraum, wohin weiter schwarzafrikanische Sklaven verschleppt wurden, herrschte weiterhin reger Menschenhandel, an dem sich auch die christlichen Stadtstaaten Italiens beteiligten. Weiterhin wurden muslimische Kriegsgefangene versklavt und zum Beispiel auf Zypern auf den Zuckerrohrplantagen eingesetzt. Einen erneuten Aufschwung nahm die Sklaverei mit der Besiedlung der Neuen Welt.
Während seiner ganzen Vorgeschichte und bis heute kennen die Gebiete vorislamischer Kultur den Sklavenhandel und die Sklaverei, sowohl mit schwarzafrikanischen als auch mit europäischen Sklaven. Der Charakter der Sklaverei war aber ein anderer als etwa in der Antike oder in der neuen Welt, abgesehen von den Zandsch genannten schwarzen Sklaven im Südirak. Häufig wurden Sklaven im Bereich der Unterhaltung (meist weibliche Sklaven, die mit den Frauen im Harem lebten) oder als persönliche Bedienstete der Herrscher oder im Harem (meist Eunuchen) eingesetzt. Einer bestimmten Gruppe männlicher Sklaven wurde die Fortpflanzung durch Kastration verwehrt. Die Kastration sollte vor allem die Abmilderung des Sexualtriebes bezwecken, damit die männlichen Sklaven, welche im Harem beschäftigt waren und somit mit Frauen im Alltag verkehrten, nicht in die Versuchung eines unerlaubten Geschlechtsaktes kamen. Sklavinnen hingegen wurden unter anderem zu sexuellen Diensten herangezogen und konnten somit auch Kinder von ihren Herren bekommen (siehe hierzu auch Konkubinat vor dem Islam). Da in der vorislamischen Kultur die Abstammung über die männliche Linie Priorität hat, konnten die Kinder von Sklavinnen je nach Stellung des Kindsvaters höchste Positionen erlangen. So waren fast alle späteren Kalifen Söhne von Sklavinnen. Selbst der Gründer der Dynastie der Saudis, Abd al-Aziz ibn Saud, der Vater des heutigen saudischen Königs, wusste deshalb nicht, wer die Mutter seiner Mutter war (nämlich eine unbekannte Sklavin). Reiche einflussreiche Menschen dieser vorislamischen Zeit hatten oft fünfzig Söhne von vielen Frauen verschiedenster Herkunft. Der so genannte "Lawrence von Arabien" berichtet von einem Bad in einem Oasenteich nach einem langen Wüstenritt, wo junge eng verwandte Männer aller erdenklichen Hautschattierungen nackt und munter und gleichberechtigt im Wasser planschten. Auch konnten Sklaven vor dem Islam hohe politische und militärische Ämter erlangen, blieben aber persönliches Eigentum ihrer Besitzer. Der Militärsklave (Mamluke) wurden bald zu einer typischen Form der Sklaverei. Manchmal gelang es diesen Sklavenkriegern aber, die Macht zu erobern, wie den so genannten "Mamluken" von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis 1517 in Ägypten. Araber und Türken raubten aber auch jahrhundertelang christliche und jüdische Sklaven von Griechenland über Italien bis Spanien, die auf den Sklavenmärkten verkauft oder gegen Lösegelder zurückgegeben wurden. Europäische Sklaven wurden aber nicht nur geraubt, sondern auch über mehrere Jahrhunderte hin von den italienischen Seestädten, insbesondere Genua und Venedig, nach Ägypten verkauft, so dass wiederholt Päpste den Handel mit christlichen Sklaven zu verbieten versuchten, so Klemens V. und Martin V. (vgl. Davidson, S.34).
Mit der Kolonisierung Amerikas bestand ein erneuter Bedarf an billigen Arbeitskräften. Die einheimische Bevölkerung erwies sich als dazu nicht geeignet, da sie zu anfällig gegen eingeschleppte europäische Krankheiten wie Masern oder Pocken war. Andererseits eigneten sie sich aufgrund ihrer bisherigen Lebensweise auch nicht für einen effizienten Einsatz in einem feudalen Produktionssystem. Auf Kuba wurde die einheimische Bevölkerung regelrecht ausgerottet (siehe auch: Bartolomé de las Casas). 1512 wurde die Indianersklaverei durch den spanischen König Ferdinand V. verboten. 1526 erreichten die ersten Sklavenlieferungen aus Afrika die Insel Kuba. Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts gelangten mehr als 600.000 afrikanische Sklaven lebend in die spanischen Kolonien Amerikas. Die Anzahl der gefangenen und auf dem Transport verstorbenen Sklaven war dagegen wesentlich höher als 600.000, da die Sklavenjäger die erbeuteten Menschen "selektierten" und viele auf dem strapaziösen Weg an die Küste und beim Transport auf den Sklavenschiffen verstarben.
Die Erste Industrielle Revolution führte zu einer völlig neuen Form der Sklaverei. Während bis dahin die Sklaven weitgehend (d.h. mit einigen Ausnahmen z.B. in den Erzminen des griechischen und römischen Altertums) im Rhythmus der ländlichen Produktionsweise arbeiteten und nicht massenhaft eingesetzt wurden, meist sogar zum Haushalt von Bauern gehörten, wurde mit dem Einsatz der Dampfmaschinen die Sklavenarbeit an den Rhythmus der Maschinen angepasst. Dampfbetriebene Zuckermühlen auf Kuba, Baumwolle verarbeitende Maschinen bei den Abnehmern der Baumwolle aus den Südstaaten der USA änderten vollständig den Charakter der Sklavenarbeit. Je mehr die Maschinen im Zuge des technischen Fortschritts verarbeiten konnten, desto härter und massenhafter wurde auch der Sklaveneinsatz. Die Arbeit der Sklaven etwa auf Kuba musste sich der ungeheuren Verarbeitungskapazität der dampfgetriebenen Zuckermühlen des 19. Jahrhunderts anpassen. Die Sklaven wurden zu Hunderten in Baracken in großen Lagern untergebracht, ihre Arbeitskraft bis zur Erschöpfungsgrenze ausgenutzt. Die Peitsche wurde zum gängigen Antriebsmittel bei der Arbeit. Sklavenaufstände wie auf Haiti und Kuba Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren Folge der unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Trotz fürchterlicher Strafen flüchteten Sklaven als Cimarrónes auch immer wieder in die unwegsamen Wälder. Besondere Trupps von Sklavenjägern mit speziell auf Sklaven dressierten Hunden sollten sie dort aufspüren. Wurden die entlaufenen Sklaven gefunden, drohte ihnen zur Abschreckung der anderen die öffentliche Hinrichtung, meist auf abscheuliche Weise. Besonders nach dem Einfuhrverbot für Sklaven auf Kuba gab es "Aufzuchtprogramme", in denen Sklavenkinder der Ersatz für den fehlenden Nachschub aus Afrika wurden. Sklavinnen entwickelten Methoden der Abtreibung (z.B. Einsatz von Kernen der Papaya), mit denen sie verhindern wollten, dass sie Kinder zur Welt brachten, deren Schicksal die Sklaverei war. Häufig kam es auch zum Selbstmord von Sklaven. Massenhaft schlossen sich Sklaven auf Kuba der Unabhängigkeitsbewegung an, die erst recht spät die Sklavenbefreiung in ihr Programm aufnahm. Als die Spanier 1898 nach dem verlorenen Spanisch-Amerikanischen Krieg aus Kuba abzogen, wurden die ehemaligen Sklaven zu Lohnarbeitern, ohne dass sich dadurch ihre soziale Lage entscheidend besserte. Während sie bis dahin als "Arbeitstiere" auch in den Ruhezeiten der Zuckerproduktion am Leben gehalten wurden, führte Arbeitsmangel nun zu Entlassung und Hunger.
Erst am 13. Februar 1880 schaffte Spanien die Sklaverei auf Kuba per Gesetz ab.
Das heutige Bild der Sklaverei ist weitgehend von der Form der Sklavenausbeutung aus der Anfangszeit des Kapitalismus geprägt, zumal diese auch besser dokumentiert ist als die Jahrtausende alte Form der antiken Sklaverei.
Am 18. Dezember 1865 wurde mit der Ratifizierung des 13. Zusatzes ("amendment") zur US-amerikanischen Verfassung durch die Bundesstaaten die Sklaverei in den USA verboten. Trotzdem waren die ehemaligen Sklaven in vielen Bereichen der USA nicht vollkommen gleichberechtigt. Der meist friedliche Kampf für Gleichberechtigung und gegen Rassentrennung setzte sich bis in die späten Sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts fort. Die Amerikaner afrikanischer Abstammung werden heutzutage als Afroamerikaner bezeichnet.
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