Michael Uhrmann.jpg]] Skispringen ist eine olympische Wintersportart, bei der die Sportler auf Skiern eine Sprungschanze hinabfahren, an einer Rampe (Schanzentisch) abspringen und möglichst weit fliegen. Bewertet werden neben der Weite auch die Flughaltung und Landung.
Skispringen wird als Solosport ausgeführt, ist zusammen mit dem Skilanglauf gleichzeitig aber auch ein Teil der Nordischen Kombination. Ebenso werden Mannschaftsspringen abgehalten, in der für jedes Land üblicherweise vier Springer starten. Dabei entspricht das Ergebnis der Mannschaft der Summe der Punktzahlen der vier Einzelspringer.
Das Skispringen auf besonders großen Schanzen (ab einem Konstruktionspunkt von 145 Metern, sog. Flugschanzen) wird Skifliegen genannt.
Ski jumping 1905.jpg | Ski jumper 1936.jpg | Holmenkollen-Schanze.jpg]] Wie alle modernen nordischen Skisportarten entstand auch das Skispringen in Norwegen. Der erste größere jährlich ausgetragene Skisprungwettkampf fand ab 1879 auf dem Husebybakken in Oslo statt. 1892 zog der Wettbewerb auf den Holmenkollen um, der bis heute als Mekka des nordischen Wintersports gilt. Skispringen gehört seit den ersten Winterspielen 1924 zum olympischen Programm.
Die Sportler fahren beim Skispringen auf Skiern in einer vorbereiteten Schneespur (bzw. im Sommer Keramik- oder Metallspur) den Anlauf der Sprungschanze hinab. Am Schanzentisch, der Rampe am Ende der Sprungschanze, springen die Sportler ab und müssen einen möglichst weiten Sprung mit möglichst guter Körperhaltung und Landung zeigen (siehe auch Skisprung-Technik). Die theoretisch erreichbare Weite wird durch die Schanze selbst festgelegt. Als Erkennung eines "Schanzentyps" dient die Hillsize-Marke.
Die Platzierung wird errechnet aus der Weite des Sprunges und die von mehreren Punktrichtern benotete Flug-, Lande- und Ausfahrtechnik. Die Weite wird bei der Videoweitenmessung über Standbilder einer Videokamera gemessen. Dabei wird über das Standbild eine Weitenlinie auf dem exakten Landepunkt eingeblendet und so die Weite auf 0,5 m genau bestimmt. Bei Ausfall des Systems stehen Weitenrichter bereit. Die Weitennote errechnet sich aus dem K-Punkt der Schanze und der gemessenen Weite. Für einen Sprung genau auf den K-Punkt werden 60 Weitenpunkte (bei Flugschanzen 120) vergeben. Bei einer geringeren (bzw. größeren) Weite wird die Weitendifferenz (zum K-Punkt) mit dem Meterwert der Schanze multipliziert und von den 60 Punkten abgezogen (bzw. zu den 60 Punkten addiert). Die Punktrichter, normalerweise fünf (mindestens aber drei), vergeben Noten für die drei zu bewertenden Kategorien: Flug, Landung und Ausfahrt. Von der Idealnote 20 werden in jeder Fehlergruppe 0 bis 5 bzw. 7 (in der Gruppe Ausfahrt) Punkte in 0,5-er Schritten abgezogen. Von den fünf Punktwerten werden die Höchste und die Niedrigste gestrichen, so dass der Springer maximal 60 Punkte (Haltungsnote) erhalten kann. Die Summe aus Weitennote und Haltungsnote ergibt die Gesamtnote des Sprunges.
Beispiel zur Berechnung der Gesamtnote: (Schanze: K90, Meterwert: 2,0 Punkte/m)
| Weite | W-Note | A | B | C | D | E | H-Note | Gesamtnote |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 96,5 m | 73,0 Punkte | 0,5 | 0,5 | 0,5 | 0,0 | 0,5 | 56,0 Punkte | 129,0 Punkte |
| 1,5 | 1,0 | 0,5 | 1,5 | 0,5 | ||||
| 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | ||||
| | 18,5 | | 18,5 | 19,0 |
Die Technik des Skispringens hat sich im Laufe der Jahrzehnte deutlich gewandelt. In der Anfangszeit ruderten die Skispringer während des Sprungs bei paralleler Skihaltung mit den Armen. Später streckte man die Arme aus oder hielt sie eng am Körper. Die vorerst letzte technische Revolution gab es Anfang der 90er Jahre, als sich der Flugstil mit V-förmig gespreizten Skiern (V-Stil) gegenüber dem Parallelstil durchsetzte. Der neue Stil, erstmals von dem Schweden Jan Boklöv praktiziert, erlaubt aufgrund der verbesserten Aerodynamik deutlich weitere Sprünge. Ursprünglich musste Boklöv dafür hohe Punkteabzüge für die Flugtechnik in Kauf nehmen, die wesentlich höhere Weite erlaubte ihm aber trotzdem, Spitzenplatzierungen zu erreichen. Später übernahmen alle Springer diese Technik. Auch bei der Landung gilt es einen besonderen Stil anzuwenden, den sogenannten Telemark. Der Telemark, der nach der norwegischen Region Telemark benannt wurde, weil er dort das erste Mal gesprungen wurde, ist eine Art Ausfallschritt, bei dem das hintere Bein deutlich tiefer gebeugt wird, als das vordere Bein.
Die Verbesserungen in Technik, Material und Trainingskonzeption haben - wie im Sport typisch - zu einer rasanten Rekordentwicklung geführt. Der erste statistisch festgehaltene Weitenrekord von 1879 lag bei 23 m. Bis 1927 haben nur Norweger den Weitenrekord gebrochen, dann brach der Schweizer Bruno Trojani mit 72 m den Weltrekord. 1936 gab es den ersten Sprung über 100 m durch den Österreicher Sepp Bradl (101 m) und 1967 wurden 150 m vom Norweger Lars Grini erreicht. Der erste gestandene 200-m-Flug gelang Toni Nieminen 1994, Andreas Goldberger erreichte diese Weite schon früher, der Sprung wurde allerdings offiziell nicht gewertet. Der derzeitige Weltrekord liegt schließlich bei 239 m, aufgestellt von Bjørn Einar Romøren am 20. März 2005 auf der heute weltweit größten Skiflug-Schanze im slowenischen Planica. Der inoffizielle Weltrekord wird von Janne Ahonen mit 240 m gehalten, allerdings stürzte dieser dabei und daher zählt dieser nicht offiziell.
Den Damenweltrekord stellte mit 200 m die Österreicherin Daniela Iraschko am 29. Januar 2003 am Kulm auf.
Skispringen war lange eine recht gefährliche und ist noch heute eine technisch sehr anspruchsvolle Sportart. Da zudem der Unterhalt der Schanzen und der Materialaufwand für den Skispringer recht teuer ist, ist Skispringen keine Breitensportart. Weltweit gibt es nur wenige tausend aktive Skispringer.
Die klassischen Skisprungnationen sind neben Norwegen vor allem Finnland, Deutschland, Österreich, Tschechien und Slowenien. In Deutschland sind die Zentren des Skisprungsports die bayerischen Alpen, der Südschwarzwald, das Erzgebirge und Thüringen; hinzu kommt das nordhessische Willingen, wo sich eine der größten Sprungschanzen Deutschlands befindet. Zu den „kleineren“ Skisprungnationen Europas zählen die Schweiz, Frankreich, Italien, Polen und die Slowakei. Auch in Schweden führt das Skispringen erstaunlicherweise ein Nischendasein, und Estland ist eher eine erfolgreiche Nation in der Nordischen Kombination.
Die Sowjetunion stellte von den 50er Jahren bis in die 70er einige sehr erfolgreiche Skispringer, doch spätestens seit der Auflösung der UdSSR sind die Schanzen in ihren Nachfolgestaaten schlecht gewartet und kaum bespringbar, so dass sich die Bedingungen für Springer in Russland, Weißrussland, der Ukraine, Kasachstan und Georgien als sehr schwierig darstellen.
Seit dem Dreifachsieg auf der Normalschanze bei den Olympischen Winterspielen 1972 zählt auch Japan zu den großen Skisprungnationen. In den vergangenen Jahren haben zudem einige Skispringer aus Südkorea Anschluss an die erweiterte Weltspitze gefunden. In jüngster Zeit bemüht sich auch China um den Aufbau einer Mannschaft.
In den USA und Kanada gibt es zwar einige Sprungschanzen, doch haben sich amerikanische Springer selten in internationalen Wettbewerben behaupten können. Eine Ausnahme stellen die beiden Kanadier Horst Bulau und Steve Collins dar, die zu Beginn der 80er Jahre überaus erfolgreich waren.
Die wohl einzige Skisprungschanze der südlichen Hemisphäre befindet sich im argentinischen San Carlos de Bariloche.
Herren
Die besten Skispringer nehmen am Skisprung-Weltcup teil, einer von der FIS während des gesamten Winters ausgetragenen Reihe von rund 30 Veranstaltungen in neun Ländern vor allem Nord- und Mitteleuropas, aber auch in Japan und den USA. Einige der Weltcup-Wettbewerbe finden auf größeren Skiflug-Schanzen statt. Neben den Einzelwettbewerben finden auch nach Nationen ausgetragene Teamkonkurrenzen statt. Die Rangierung der Skispringer im Weltcup wird durch das FIS-Punktesystem bestimmt.
Seit 1997 werden die vier letzten Einzelkonkurrenzen im Rahmen des so genannten Nordic Tournament ausgetragen, einer skandianavischen Entsprechung der Vierschanzentournee. Diese Wettkampfserie umfasst die Springen in Lahti, Kuopio und Lillehammer sowie den zweifelsohne prestigeträchtigsten Wettkampf des Skisprungsports, das Springen auf dem Osloer Holmenkollen. Den Abschluss der Weltcupsasison bildet im März das Skifliegen auf der weltweit größten Schanze im slowenischen Planica.
Seit 1994 gibt es auch eine kürzere Wettkampfserie im Sommer, den auf Mattenschanzen ausgetragenen Sommer-Grand Prix. Neben dem Weltcup bietet die FIS für Nachwuchsspringer noch 2 weitere Wettkampfserien an: den Continental Cup, früher Interkontinentalcup, und den FIS-Cup.
Damen
1998 wurde im Rahmen der Junioren-WM der erste eigene Damen-Wettbewerb ausgetragen. Später entwickelte sich aus den ersten Wettbewerben nach der WM der seit 1999 ausgetragene FIS Ladies Grand Prix, der in seiner 8. Auflage 2006 insgesamt 4 Einzel-Wettbewerbe in Baiersbronn, Schönwald im Schwarzwald, Saalfelden und Breitenberg und ein Teamspringen umfasst. Dieser ist seit 2005 in den FIS Continental Cup (Ladies) eingebunden, welcher insgesamt 12 Wettbewerbe im Winter und 4 Wettbewerbe im Sommer umfasst.
Seit 1952 findet jährlich über den Jahreswechsel auf vier Sprungschanzen in Deutschland und Österreich die Vierschanzentournee statt. Ihr Gewinn gilt als mindestens so prestigeträchtig wie ein Weltmeistertitel, da die Springer sich in vergleichsweise kurzer Zeit auf vier unterschiedliche Schanzenprofile einstellen müssen. Sven Hannawald ist der einzige Springer, der alle vier Wettbewerbe einer Tournee gewinnen konnte. Bisher konnten nur Jens Weißflog und Janne Ahonen vier Mal den Gesamtsieg erringen. Bei der Vierschanzentournee 2005/2006 konnten Janne Ahonen und Jakub Janda erstmals die Vierschanzentournee punktegleich gewinnen.
Zu einer Übersicht der Gesamtsieger siehe die Liste der Gesamtsieger der Vierschanzentournee.
Die nordischen Skiweltmeisterschaften wurden erstmals im Rahmen der Olympischen Winterspiele von 1924 ausgetragen und finden heute alle zwei Jahre jeweils in den Monaten Januar bis März statt. Skispringen war von Beginn an eine der Wettbewerbsdisziplinen. Seit 1962 gibt es neben dem Springen von der Normalschanze auch einen Einzelwettbewerb auf der Großschanze.
1978 in Lahti wurde erstmals ein noch inoffizieller Mannschaftwettbewerb ausgetragen, 1982 in Oslo wurden dann erstmals auch Medaillen im Mannschaftswettbewerb ausgetragen. 1984 wurde zudem in Engelberg eine separate Mannschaftsweltmeisterschaft ausgetragen. Bei den Weltmeisterschaften 2001 und 2005 gab es neben dem üblichen Teambewerb von der Großschanze auch einen von der Normalschanze, den beide Male Österreich gewann. Der Mannschaftsbewerb von der Normalschanze ist allerdings kein fixer Bestandteil des Programms für Nordische Weltmeisterschaften, er muss vom Veranstalter bei der FIS beantragt werden. So werden bei den nächsten beiden Weltmeisterschaften in Sapporo 2007 und Liberec 2009 voraussichtlich wieder nur Mannschaftsmedaillen auf der Großschanze vergeben.
„Die Finnen und die Deutschen haben, nachdem sie die WM zugesprochen erhalten hatten, beim Sprungkomitee der FIS angesucht, ob sie zwei Teambewerbe austragen können. Aber es ist nicht die Regel“, bestätigte FIS-Renndirektor Walter Hofer.
Neben den nordischen Skiweltmeisterschaften gibt es seit 1972 eine Skiflug-Weltmeisterschaft, die seitdem in jedem geraden Jahr durchgeführt wird.
Seit den ersten Olympischen Winterspielen 1924 ist Skispringen in den Wettbewerbsdisziplinen vertreten. Seit 1964 werden zwei Einzelwettbewerbe ausgetragen, einer auf der Kleinschanze und einer auf der Großschanze. Bis 1988 war der Konstruktionspunkt der Normalschanze auf 70 Meter festgelegt, der der Großschanze auf 90 Meter. Seit 1992 ist die 90-Meter-Schanze die Normalschanze, die Großschanze hat einen Konstruktionspunkt von 120 Metern. Seit 1988 wird zudem ein Mannschaftspringen veranstaltet.
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