Als Sintflut wird im 1. Buch Mose der Bibel eine große weltumspannende Flut bezeichnet, mit der Gott die Menschen für ihr sündiges Leben bestraft haben soll. Gemäß dem biblischen Bericht im Alten Testament soll die Sintflut 40 Tage und 40 Nächte gedauert und selbst den höchsten Berg der Welt mit Wasser bedeckt haben. Anschließend dauerte es noch mehrere Monate, bis das Wasser wieder abgelaufen war (1. Mo 6-8).
Nur Noach (Noah), der auf göttliche Anweisung hin eine Arche gebaut hatte, gelang es, mit seiner Familie und vielen Tieren (jeweils sieben Paare von den „reinen“ und ein Paar von den „unreinen“) zu überleben. Die Arche landete schließlich auf dem Gebirge Ararat; von dort verbreitete sich das Leben wieder über die Erde. Der biblische Bericht berichtet davon, dass Gott im Anschluss einen neuen Bund mit Noach und den Menschen schloss, in dem er gelobte, die Menschen nie wieder durch eine Flut zu bestrafen. Das Zeichen dieses Bundes war der Regenbogen.
Der irische Theologe James Ussher berechnete im 17. Jahrhundert in seinen Annales veteris testamenti, a prima mundi origine deducti (Annalen des Alten Testaments, hergeleitet von den frühesten Anfängen der Welt) anhand von Bibelstellen den Zeitpunkt, zu dem die Sintflut stattgefunden haben soll. Er kam auf das Jahr 2501 v. Chr.
Der mesopotamischen Gilgamesch-Epos, dessen Ursprung auf etwa 2600 v. Chr. datiert wird, enthält eine Erzählung über eine groß Flut, die weitgehend mit der Biblischen Erzählung übereinstimmt und als deren Quelle gilt. Auch der Deukalion-Mythos, der vermutlich um 1400 v. Chr. entstand, weißt Parallelen auf.
Die bisher älteste bekannte Form der Erzählung bildet die sumerische Atrahasis von ca. 2900 v. Chr. mit einer dort noch lokalen Überschwemmung, die den König von Shuruppak mit Namen Ziusudra (griechisch bei Berossus: Xisouthros) zum tagelangen Umherirren auf einem Boot zwang. Das geographische und zeitliche Ausmaß der Flut und der auf dem Boot mitgeführten Tiere war dort noch recht bescheiden. Im frühen Sumer am Unterlauf der Flüsse Euphrat und Tigris ist ein solches Ereignis auch nicht unwahrscheinlich. Bereits in dieser Urform des Mythos waren verschiedene Details wie die Vorwarnung an Ziusudra durch die Gottheit, die Freilassung von Vögeln zur Erkundung des Endes der Flut und das schließliche Dankopfer für die Errettung vorhanden. Ähnliche Ereignisse von alles zerstörenden Naturkatastrophen, oft auch in Form einer großen Flut, und von wenigen auserwählten Überlebenden, gibt es in vielen Religionen und Kulturen.
Im neuen Testament dient die Sintflut im Lukasevangelium (17, 27) und der entsprechenden Parallelstelle im Evangelium nach Matthäus (24, 38) als Gleichnis für das Kommen des Menschensohns, das als plötzlich und unerwartet prophezeit wird:
Gelegentlich ist in diversen Legenden z.B. altorientalischer Völker auch vom Sintbrand, Sintsturm und Sinthunger die Rede. Der Sintbrand soll der Sintflut ebenso vorangegangen sein wie die beiden anderen Katastrophen. Mit dem Sintbrand könnte die Erinnerung an einen Kometeneinschlag verbunden sein.
Bereits 1869 hat Lüken in großer Zahl außerbiblische Schilderungen von Völkern aus verschiedensten Regionen der Erde zusammengetragen, die auffällige Gemeinsamkeiten mit dem biblischen Sintflutbericht aufweisen. 1925 veröffentlichte Riem 268 Sintflutberichte und 21 Regenbogensagen aus aller Welt und wertete diese aus. Er kam dabei zum Ergebnis, dass einige der Überlieferungen so viele Parallelen zum biblischen Bericht aufweisen, dass ein unmittelbarer Zusammenhang bestehen muss. Seine vergleichenden Auswertungen ergaben z. B., dass die Sintflut 77 mal als Flut und 80 mal als Überschwemmung bezeichnet wird (in den anderen Fällen ist von verheerenden Bränden, Erdebeben u.a. die Rede). Immerhin 72 mal geschah die Rettung durch ein Fahrzeug; 53 mal wird als Ursache das Verschulden der Menschen genannt.
Für die biblische Rechtfertigung der Sintflut als einzigartiges Gericht Gottes über die von ihm selber geschaffene und im Schöpfungsbericht der Bibel von ihm selbst als sehr gut angesehene Schöpfung ist die unmittelbar chronologisch vor der Noah-Geschichte stehende Erzählung der Gottessöhne in Genesis Kapitel 5 aufschlussreich:
Im ersten Buch Henoch, auf das im Judasbrief des Neuen Testamentes Bezug genommen wird, das auch in den Rollen von Qumran gefunden wurde und das heute noch zum kanonischen Schrifttum der (christlichen) äthiopischen Kirche gehört, wird diese Geschichte näher erläutert. Die Sintflut wird als göttliche Reaktion auf die unentschuldbare Rebellion der sogenannten Wächterengel unter Führung von Azazel verstanden. Diese gaben sich mit ihrer Nähe zu Gott nicht zufrieden, sondern lehrten die Menschen verschiedene Künste (vgl. Prometheus im griechischen Mythos) und vermischten sich schließlich mit diesen sogar sexuell. Während Azazel mit seinen Mitverschwörern zur Strafe für seinen Hochmut auf die Erde geworfen und gebunden wird bis zum endgültigen Gericht, muss der durch den Samen der abgefallenen Gottessöhne unrettbar verdorbene Teil der Menschheit flächendeckend ausgetilgt werden. Wasser ist dabei ein probates Mittel gegen den sonst in der Wüste in der Trockenheit gedachten Wüstendämon Azazel, der alljährlich den jüdischen Sündenbock anstatt von Menschenfleisch zugeschickt bekam.
Dokumentarisch ist vor allem die Sumerische Königsliste in Zusammenhang mit einer großen Überschwemmung bzw. Sintflut in Sumer bedeutsam. Diese heute in 5 Dokumenten erhaltene Liste weist neben den Königen nach der großen Flut auch 8 bis 10 Herrscher bis zur großen Flut auf (ebenfalls 10 Generationen von Adam bis Noah in der Bibel), die unmenschlich lange Zeit regiert haben sollen. Von diesen kulturbringenden Königen vor der großen Flut wird auch in den überlieferten Fragmenten der Babylonischen Geschichte des Berossos berichtet.
Für die Sintflut gibt es zahlreiche Erklärungsversuche. Die in der Wissenschaft heute bevorzugte Theorie besagt, dass alle mesopotamischen Flutmythen und damit letztlich auch die biblische Sintflutgeschichte auf die traumatische Erfahrung der unvorhersagbaren und gelegentlich lokal katastrophalen Schwemmfluten von Euphrat und Tigris im Zweistromland zurückgehen. Ein Zusammenhang mit den textlich oft grundverschiedenen Mythen anderer Weltregionen wird meist nicht gesehen.
Andere vermuten, dass steigende Meeresspiegel zum Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren zum Beispiel im Gebiet des Roten oder des Schwarzen Meeres für entsprechende Sagen verantwortlich sind. So gibt es sichere Hinweise auf Ansiedlungen und fruchtbare Gebiete, die heute einige Meter unter dem Meeresspiegel liegen. Kritiker wenden allerdings ein, dass der Anstieg - obwohl im geologischen Zeitrahmen als schnell zu bezeichnen - gemäß menschlichen Maßstäben kaum als Flut zu bezeichnen gewesen wäre. Auch die Kontinuität der Überlieferung über viele Jahrtausende hinweg wird als äußerst zweifelhaft angesehen. Selbst wenn sich flutartige Überschwemmungen am Ende der letzten Eiszeit nachweisen ließen, wäre äußerst unsicher, ob es sich dabei tatsächlich um die Hintergründe der Sintflutlegende handelt - wichtige Details der biblischen Geschichte wie die wochenlangen Regenfälle lassen sich jedenfalls nicht mit einem reinen Anstieg des Meeresspiegels in Einklang bringen.
Ähnliches gilt auch für die These der US-amerikanischen Marinegeologen Walter Pitman und William Ryan, die 1997 die Theorie vertraten, die Sintflut gehe auf einen Wassereinbruch in das Schwarze Meer zurück, der stattgefunden haben soll, als sich etwa im 6. Jahrtausend v. Chr. der Meeresspiegel des Mittelmeers hob und das Niveau des Bosporus erreichte. Innerhalb kurzer Zeit soll sich so der Wasserspiegel in der Senke um mehr als 200 Meter erhöht haben. Als Belege galten Funde von Süßwassermuscheln in Tiefen von bis zu 120 Metern, die mit der Radiokarbonmethode datiert wurden; auch Siedlungsfunde im Küstenbereich des Schwarzen Meeres wurden angeführt, um diese Fluthypothese zu stärken. Pitmans und Ryans Ansicht wird jedoch von wissenschaftlicher Seite heute mehrheitlich abgelehnt und kaum noch vertreten, da mittlerweile zahlreiche Hinweise darauf vorliegen, dass der Wasserfluss seit dem Ende der letzten Eiszeit aus dem Schwarzmeerbecken heraus gerichtet war und damit der sintflutartige Einbruch aus dem Mittelmeer wohl niemals stattgefunden hat. Andere hingegen vertreten die These vom „Wassersturz am Bosporus“ weiterhin vehement (s. die Weblinks).
In einem weiteren Erklärungsversuch werden die Geschehnisse der Sintflut auf die Explosion des Santorin und den nachfolgenden Tsunami in der Zeit der Minoer zurückgeführt. Dabei wird zusätzlich darauf hingewiesen, dass die Sintflutgeschichte den entsprechenden Sagen der Griechen und Kreter stark ähnelt und vermittelt durch die küstenbewohnenden Philister von den Hebräern übernommen worden sein könnte. Die meisten Judaisten schließen dies wegen der intensiven Feindschaft zwischen Hebräern und Philistern aus.
Die umstrittenste Theorie besagt, dass ein oder mehrere Meteoriten oder Asteroiden durch einen Einschlag im Meer genug Wasser aufwirbelten, um große Gebiete tage- oder wochenlang mit Regen zu übergießen. So soll es unter anderem einen großen Einschlag vor ungefähr 7600 Jahren und einen kleineren vor etwa 3150 Jahren gegeben haben, jedes Mal mit katastrophalen Folgen für die Menschheit; auch diese These hat sich bisher jedoch in der Wissenschaft nicht durchsetzen können. Es ist allerdings äußerst wahrscheinlich, dass in den letzten 10.000 Jahren zahlreiche Meteoriten in den Ozean eingeschlagen sind - unklar ist hingegen, welche Folgen diese Einschläge hatten. Am unumstrittensten ist noch, dass jeder Impakt eine vom Einschlagsort ausgehende Flutwelle, einen sogenannten Tsunami ausgelöst hätte, der auch in entfernt liegenden Küstenregionen noch starke Verwüstungen hätte anrichten können; weitergehende Angaben gelten dagegen weithin als Spekulation, so dass eine Anerkennung der These in größeren Teilen der Wissenschaft bisher auf sich warten lässt.
Die historisch-kritische Analyse sieht im vorliegenden biblischen Text mindestens zwei Quellen mit zum Teil unterschiedlichen Angaben unverbunden ineinandergefügt.
Viele heutige Exegeten bestehen nicht auf einer Historizität der Genesistexte, sondern weisen ihnen den Charakter eines Mythos zu, in dem sich Glaubenserfahrung ausdrückt. Von römisch-katholischer oder protestantisch-landeskirchlicher Seite wird eine Geschichtlichkeit der Sintflut nicht als notwendiger Bestandteil christlichen Glaubens angesehen. In Kreisen evangelikaler Christen gilt die Sintflut dagegen bis heute als historisches Ereignis.
Die Sintflut wirft in theologischer Hinsicht die Frage auf, warum ein allwissender und gütiger Gott es überhaupt zur Sintflut kommen lassen konnte. Nicht nur Atheisten stellen die Frage, warum Gott dem biblischen Bericht gemäß in der Sintflut seine eigene Schöpfung nahezu vollständig verwarf.
Das Judentum hat darauf unter anderem im Raschi-Kommentar die Antwort gegeben, dass die harte Strafe Gottes wegen des Umfangs der menschlichen Verbrechen und der Bosheit der vorsintflutlichen Geschlechter notwendig wurde. Es kam demnach zum Brudermord sowie zu massiver Gewalt zwischen den Menschen, insbesondere gegenüber Frauen, so dass das Recht des Stärkeren herrschte. Zum Beleg dient unter anderem eine Textstelle aus dem 1. Buch Mose 6:2, in der es heißt: „Sie nahmen sich zu Weibern, welche sie nur wollten“.
Das Urteil Gottes lautete daher: „Alles Trachten ihres Herzens war die ganze Zeit nur böse“ (6:5) und „Die Erde war voller Gewalttat“ (6:11), womit im konkreten Fall besonders schändliche Gewalt wie etwa Raub bezeichnet wurde. Die Reaktion Gottes versteht das Judentum daher als Antwort auf die so bezeichneten Greuel: „Das Ende allen Fleisches ist bei mir beschlossen.“ (6:13). Gewalttätiges Verbrechertum, Raub und Vergewaltigungen, sind, folgt man der Sintflutgeschichte, in theologischer Hinsicht die größte Sünde.
In den Worten des Rabbi Jochanan findet diese Ansicht in den Worten
Die Tatsache, dass der Gerechte seine Rettung, die Arche, selber bauen und danach durch schwieriges Wasser führen musste, ist ein theologisches Bild. Es wird manchmal von modernen Theologen aufgegriffen, wenn ein aufgeklärter Humanismus als heutige Entsprechung eines solchen Archebaus dargestellt wird.
An der Verpflichtung dem Mitmenschen gegenüber treffen sich jüdische, christliche und muslimische Exegeten bei der Interpretation der Sintflutgeschichte.
Das Wort „Sintflut“ ging aus dem mittelhochdeutschem Wort „Sin(t)vluot“ hervor, das so viel wie „große, allgemeine Überschwemmung“ bedeutet, ist also nicht von dem Wort „Sünde“ abzuleiten. Die Vorsilbe „sin“ heißt stattdessen „immerwährend, durchaus, gewaltig“.
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